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Microctenopoma nanum - pflegeleichte Labyrinther aus Afrika

 

©  Dr. Jörg Vierke

 

Labyrinthfische gehören in meinen Augen nicht nur zu den schönsten, sondern wegen ihrer sehr differenzierten Verhaltensweisen auch zu den interessantesten Aquarienfischen. Während man viele der asiatischen Arten sehr leicht erhält, bereitet es unverhältnismäßig große Schwierigkeiten, afrikanische Labyrinthfische zu bekommen. Sie tauchen im Handel nur sporadisch auf. Das liegt einerseits sicher an den unterschiedlichen Handelsverbindungen, andererseits hängt das auch damit zusammen, dass die afrikanischen Labyrinther oft nicht die Farbenpracht der Asiaten erreichen. Auch sind sie nicht immer so ideale Fische für das Gesellschaftsaquarium wie viele ihrer asiatischen Vettern. Zwergbuschfische machen hier aber sicher eine Ausnahme!


Anmerkungen zu Namen, Herkunft und Habitus

Lange Zeit wurde die Zwergbuschfische unter dem Gattungsnamen Ctenopoma zusammen mit den anderen Buschfischen geführt, davor sogar als Anabas. Seit der Abtrennung der zumeist kleiner bleibenden Schaumnestbauer als „Microctenopoma“ von den übrigen Buschfischen heißt es umlernen. Es gibt eine ganze Anzahl von ungültigen Zweitbenennungen wie Ctenopoma bruneum, die hier aber nicht alle aufgezählt werden sollen.

Das Verbreitungsgebiet der Zwergbuschfische ist weit größer, als es allgemein angenommen wird. Es reicht nördlich von Südkamerun über Gabun bis hin nach Kongo Brazzaville. Die Art lebt aber auch weit im Süden in Angola und geht im Kongogebiet über Kisangi hinaus. Das ist eine Nord-Süd-Erstreckung von 2000 km und eine West-Ost-Erstreckung, die noch darüber hinausgeht. Damit man sich diese Entfernung gut vorstellen kann, will ich das mit europäischen Verhältnissen vergleichen: 2000 km Entfernung entspricht einer Strecke von Hamburg nach Südspanien oder von Hamburg nach Moskau!

Nur wenige andere Buschfische haben derart große Vorkommensgebiete wie Microctenopoma nanum. Vorzugsweise trifft man die Fische in kleinsten, beschatteten Fließgewässern im Bereich des Regenwaldes an. Gelegentlich lebt der Nanum zusammen mit dem Gestreiften Buschfisch (Microctenopoma fasciolatum). Es erstaunt nicht, dass eine Art mit so einem großen Verbreitungsgebiet in mehrere Unterarten aufgespalten ist. Sowohl aus Angola (Poll, 1967) als auch aus Gabun (Gartner, 1983) werden Varianten aufgezählt. Gartner unterscheidet eine blaue und eine braune Variante.

Microctenopoma_9.jpg

Zwergbuschfische erreichen eine Größe von maximal 8 cm. Die Weibchen bleiben gut einen Zentimeter kleiner. Bei halbwüchsigen Tieren sind die Geschlechter nur sehr schwer zu unterscheiden. Ausgewachsene Männchen zeichnen sich aber deutlich durch ihre längeren Bauchflossen aus sowie die nach hinten zipfelartig ausgezogenen Rücken- und Afterflossen. Im Prachtkleid sind die Männchen nicht zu verkennen.


Abb. links: Microctenopoma fasciolatum, ein Männchen


Die Normalfärbung der Zwergbuschfische ist recht schlicht. Im Gegensatz zum Gestreiften sowie zum Kongo-Buschfisch (Microctenopoma fasciolatum und M. congicum) sind ihre senkrechten Flossen immer ungefleckt. Am Körper sind fast regelmäßig 6-8 senkrechte, dunkelbraune Querstreifen ausgeprägt. Dabei bleibt oft eine mittlere Körperzone auffallend ausgespart, so dass es den Anschein hat, als hätte das Tier ein helles Längsband. Diese Zeichnung trägt das Weibchen auch bei der Paarung, einige der hier gezeigten Fotos zeigen das deutlich. Auffallend ist auch ein fast immer gut ausgeprägter Fleck in dem Schwanzflossenursprung.


Haltung und Zucht

Beim Nachlesen in der Literatur fand ich Berichte, in denen die Zwergbuschfische als recht ruppige Gesellen vorgestellt wurden, denen man mindestens ein 100-Liter-Aquarium zur Verfügung stellen müsste, um sie angemessen halten zu können. Ich habe die Zwergbuschfische sowohl im Gesellschafts- als auch im Artaquarium gehalten und dabei durchaus andere Erfahrungen gemacht. Bei mir haben sich die Tiere sich in jedem Fall als recht friedliche Labyrinthfische erwiesen. Das schließt natürlich nicht aus, dass sie sich immer wieder in kleinere Streitereien mit Artgenossen einlassen. Jemand, der mit Labyrinthfischen noch nicht vertraut ist, würde sie möglicherweise doch als ewige Streitbolde ansehen! Und wenn in einem kleinen Zuchtbecken das Weibchen sich kaum noch aus dem Versteck hervorwagen kann, ohne Bisse zu ernten, wird so mancher Aquarianer sicher nicht verstehen, dass ich von friedfertigen Fischen schreibe. Aber es ist eben alles relativ!


Abb. rechts: Microctenopoma (Ctenopoma) nanum, ein Zwergbuschfisch-Männchen


Wer Zwergbuschfische zum Ablaichen bringen will, sollte ihnen nicht nur ein ruhig stehendes und ausreichend mit Pflanzen ausgestattetes Becken anbieten. Wichtig ist, dass es einigermaßen dunkel steht. Ich hatte die Beleuchtung für einige Tage ausgeschaltet, so dass das Becken nur von einem daneben stehenden Aquarium diffuses Seitenlicht bekam. Auch andere Autoren halten es für wichtig, für möglichst gedämpften Lichteinfall zu sorgen. Die Ansprüche an die Wasserwerte sind erstaunlicherweise niedrig. Auch bei Werten um 14 °dGH und einem pH-Wert von 7,2 laichen bei mir die Fische. Besser ist es aber natürlich, weiches und leicht saures Wasser zur Zucht zu benutzen, so wie es den natürlichen Lebensräumen der Art entspricht. Im Futter sind die Zwergbuschfische nicht wählerisch. Auch wenn sie an Trockenfutter zu gewöhnen sind, wird man als engagierter Labyrinthfischfreund sicher ganz vorzugsweise Lebendfutter verfüttern, speziell, wenn man züchten will. Lebendfutter wird in jeder Form angenommen. Besonders die Weibchen können sich in ganz kurzer Zeit kugelrunde Bäuche anfressen. Man muss aber wirklich aufpassen, einer meiner Zwergbuschfische (übrigens ein Männchen) hat sich wahrhaftig zu Tode gefressen!


Das Laichverhalten

Die hier gezeigten Zwergbuschfische laichten in einem Kleinaquarium mit nur 20 I Fassungsvermögen. Beigegeben waren lediglich ein Stein, ein Javafarn und ein paar Büschelchen Javamoos. Es gibt nur wenige Labyrinthfische, die zur Zucht mit so geringen Raumansprüchen zufrieden sind.

Die Männchen bauen direkt am Wasserspiegel ein lockeres Schaumnest, gern zwischen Schwimmpflanzen versteckt. Währenddessen hält sich das Weibchen im kleinen Zuchtbecken bevorzugt gut gedeckt unter Pflanzen direkt in Bodennähe auf.

Es ist erstaunlich, wie schnell die Männchen ihre Farben verändern können. Eben sind sie noch hell, nur in den senkrechten Flossen sieht man die Reste des Streifenmusters, und Sekunden später schon ist der Fisch fast schwarz. Dann jagt er das Weibchen aus dem Versteck heraus und scheucht es durch das ganze Becken.

Doch solche Aggressionsausbrüche dauern meist nur Sekunden. Wenn das Weibchen, offenbar schon etwas paarungsmotiviert, halb seinen Pflanzenunterstand verlassen hatte, konnte das Männchen auch ganz anders reagieren. Es schwamm langsam auf die Partnerin zu und bremste wenige Zentimeter vor ihr ab. Nun stellte das Buschfischmännchen sich quer, breitete seine Flossen voll aus und zeigte der Umworbenen seine ganze Pracht. Langsam schwamm er dann wieder zum Nest zurück, so als wollte er seinem Weibchen den Weg zeigen. Dieses Führungsschwimmen beobachtet man auch bei vielen anderen Labyrinthfischen, aber noch nie habe ich dabei gesehen, dass sich das Weibchen auch tatsächlich so prompt beeindrucken ließ wie hier. Sehr oft folgte das Weibchen dem Männchen nun umgehend unter das Nest.

In anderen Fällen schlich es sich regelrecht von unten unter das Schaumnest, um sich dann, zunächst noch im Schutz des hier liegenden Java-Mooses, weiter an das Männchen heranzupirschen. Schnell schwamm es nun auf das Männchen zu. Was nun kam, verlief sehr schnell. Bei anderen Labyrinthfisch-Arten habe ich ein derart hektisches gleichzeitig aber auch ausdauerndes Umkreisen nicht gesehen. Dann kam es zur Umschlingung direkt unter dem Schaumnest und zum Ablaichen direkt unter dem Nest.


Winzige Laichkörner

Die Eier sind glasartig durchsichtig und schweben nach dem Ausstoß nach oben unter das Nest. Das Männchen hat also keine Probleme mit dem Einsammeln des Laichs. Dafür beginnt es nach der Paarung besonders eifrig, wieder neue Schaumblasen für die zukünftige Jungenwiege zu erzeugen. In der Zwischenzeit hat sein Weibchen sich schon längst wieder in sein Versteck zurückgezogen. Oft dauert es 15, ja 30 Minuten, bis es zu einer weiteren Paarung bereit ist.

Die Eier sind so winzig, dass man zweimal hinschauen muss, wenn man sie sehen will. Ich habe mir einige Eier herausgeschöpft und gründlich unter dem Mikroskop vermessen. Sie hatten mit Eimembran einen Durchmesser von 0,6 mm, in seltenen Fällen bis zu 0,7 mm. Damit sind sie deutlich kleiner als die kleinsten Labyrinthfischeier, die aus Asien bekannt sind. Die Trichogaster-Arten und der Knurrende Zwerggurami führen dort die Liste der kleinsten Eier an. Ihre Eidurchmesser liegen bei 0,8-0,9 mm; eine Größenordnung, die auch für den Perlbuschfisch Microctenopoma damasi zutrifft.


Die Aufzucht der Brut

Wenn die Jungen nach etwa einem Tag schlüpfen, sollte der Vater entfernt werden. Dasselbe hat mit der Mutter zu geschehen, wenn wir das früher nicht schon gemacht haben. In der Regel sucht man diese Störung allerdings zu vermeiden. Nach etwa 3 Tagen schwimmt die Brut frei. Gartner empfiehlt, erst jetzt den Vater zu entfernen. Nun brauchen die Winzlinge natürlich zunächst Infusorien. Die in alt eingerichteten Aquarien immer zahlreichen Einzeller reichen allerdings nur für einen Bruchteil des großen Nachwuchses aus. Gartner hatte gute Erfolge mit seinen selbst gezüchteten Pantoffeltierchen als Erstfutter. Die kleinen Buschfische sind bei guter Fütterung sehr schnellwüchsig und können trotz der geringen Größe schon nach wenigen Tagen mit Artemia-Nauplien gefüttert werden. Dann sind sie über dem Berg, die weitere Aufzucht mit kleingehacktem Tubifex und anderem Lebendfutter bei häufigem Wasserwechsel ist reine Routinesache.


Zwergbuschfisch Microctenopoma nanum, Paarung

Literaturhinweise:

Ahl, E.: Neue afrikanische Fische der Familien Anabantidae und Cyprinodontidae. Sitzungsber. Ges. Naturf. Freunde, 1927.

Arnold, J. P. und Ahl, E.: Fremdländische Süßwasserfische. Wenzel & Sohn, Braunschweig 1936.

Boulenger, G. A.: Catalogue of the Fresh-Water Fishes of Afrika, London 1916.

Gartner, 0.: Der "Harte'; und der "Schöne". Ctenopoma nanum und Ctenopoma ansorgii. DATZ, 9 ff., 1983.

Poll, M.: Contribution a la faune ichthyologique de l'Angola. Publ. Mus. Dundo, Lisboa 1967.

Vierke, J.: Labyrinthfische. Arten - Haltung - Zucht. Kosmos, Stuttgart 1986.

Vierke, J.: Zwergbuschfische - pflegeleichte Labyrinther aus Afrika. Aquarien-Magazin 21, 382 - 386

 

©  Dr. Jörg Vierke


 

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