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© Dr. Jörg Vierke Wissenswertes aus der Welt der Fische
Vielleicht wissen Sie einiges schon – aber ich wette: Jeder wird noch was Neues finden! Die Koralleninseln ertrinken nicht!
"Panikmacher sagen uns, die ... Korallenstaaten würden ertrinken und verschwinden, wenn der Meeresspiegel im Zusammenhang mit der weltweiten Klimaerwärmung weiterhin ansteigt. Das ist erfreulicherweise aber nicht so. Mit dem Steigen des mittleren Meeresspiegels wachsen auch die Korallen mit nach oben. Sie können ohnehin nur in den gut durchleuchteten höheren Zonen des Meeres existieren. Und mit den Korallen wird weiterhin Korallensand produziert, durch Wind und Wellen, ganz wesentlich auch unter Mithilfe der Korallen fressenden Papageienfische. Die Malediven und andere Koralleninseln werden uns also erhalten bleiben! Koralleninseln sind erfreulicherweise selbststabilisierend und selbsterhaltend!" Ich schrieb den oben wiedergegebenen Text vor 4 Jahren, mit Erscheinen von "Fischreisen.de". Nachzulesen im Originalzusammenhang >>>. Jetzt lese ich in "Bild der Wissenschaft" 1/2011, S. 106 über eine wissenschaftliche Auswertung von historischen und aktuellen Satellitenfotos (Webb & Kench in "Global and Planetary Change"): "Der Meeresspiegel im Zentralpazifik steigt derzeit im Schnitt um etwa 20 mm pro Jahrzehnt - aber der Vergleich der Bilder beweist: Die Mehrzahl der Inseln schrumpft nicht, sondern wächst." Begründung wie oben von mir gegeben. Kein weiterer Kommentar!
Mimikry* bei Hechtcichliden Manchmal muss man zweimal hinschauen, um Außergewöhnliches zu erkennen. In den Stromschnellen des Crique Armontabo (Französisch Guayana, Südamerika) trifft man oft auf Trupps der agilen Guayana-Algensalmler. Die harmlosen Tiere weiden den Aufwuchs auf den von der Strömung glatt geschliffenen Felsen ab. Tatsächlich mischen sich gelegentlich richtige Räuber unter die harmlosen Algensalmler: die nur hier vorkommenden Oyapock-Hechtcichliden Crenicichla ternetzi. Sie haben wie ihre Vorbilder eine schlanke Gestalt und eine auffallend ähnliche Zeichnung! Sie fressen nicht etwa ihre nachgeahmten Vorbilder. Die wären einfach viel zu groß. Aber die Nachahmung ist sicher von Wert! Ich vermute, dass es den Hecht-Buntbarschen im Gefolge der Algensalmler gelingt, leichter unbemerkt an ihre Beute heran zu kommen! Der Film befindet sich auf meiner Zweit-Seite Fischverhalten (unten rechts): >>> * Mimikry - eine täuschende Signalnachahmung, die sich auf das Aussehen und oft teilweise auch auf das Verhalten bezieht.
Geht es unseren Fischen manchmal zu gut? Wir versorgen unsere Fische mit wertvollen Futtermitteln vom Händler: Flockenfutter, Futtertabletten, Frostfutter. Gelegentlich besorgen einige auch Futter aus dem Gartenteich, der Regentonne oder dem Tümpel. Tatsächlich entsprechen wir aber damit nicht immer dem natürlichen Verhalten der Fische. In der Natur sind viele Arten fast ununterbrochen mit der Futtersuche beschäftigt. Das können wir als Aquarianer wohl mit keinem Trick nachmachen. Aber dieses Wissen kann uns zum Nachdenken anregen. Ist es vielleicht so, dass einige unerwünschte Verhaltensweisen unserer Fische (z. B. "rüpelhaftes Benehmen") auch dadurch zu erklären sind, dass sie nichts Besseres zu tun haben? Videotipp von meiner Schwesterseite "Fischverhalten.de": Zum Fress-Verhalten von Apistogramma gossei / spec. Amapá >>> (ganz unten rechts!) Fische - Wachstum ohne Grenzen
Abb. links: Schlangenkopffisch (Channa bleheri) mit einem seiner Jungen Wie bekannt, spielen beim Wachstum Temperatur und Ernährung eine wichtige Rolle. In erster Linie ist die Schnelligkeit des Wachstums wie auch die Lebensdauer jedoch genetisch bedingt. Daher müssen sehr große Fische auch langlebig sein! Und die sehr kurzlebigen Fische sind in aller Regel auffallend klein. Wer also Größenangaben zu Fischen sieht (z. B. hier in der Rubrik "Fisch des Monats"), sollte wissen: Es handelt sich immer um Näherungswerte. In vielen Fällen sterben die Fische (aus welchen Gründen auch immer), bevor sie die angegebene Größe erreicht haben, in sehr seltenen Fällen können sie aber auch noch größer werden! Chaos bei der Benennung der Fadenfische
In den Publikationen der letzten Jahre ist im Hinblick auf die wissenschaftlichen Namen der Fadenfische blankes Chaos ausgebrochen. Die seit den dreißiger Jahren fest in Wissenschaft und Aquaristik etablierten Gattungs-Namen Colisa sollen durch Trichogaster und Trichogaster soll durch Trichopodus ersetzt werden. So kommt es, dass der Gestreifte Fadenfisch Colisa fasciata heutzutage ernsthaft als Trichogaster fasciatus oder gar als Polyacanthus fasciatus bezeichnet wird. Begründung: Nach dem Prioritätsgesetz habe der ältere Name Vorrang vor unbeabsichtigten Zweitbeschreibungen. Im Prinzip eine praktikable und richtige Sache! Das Problem: Immer wieder werden verstaubte, längst vergessene Namen ausgegraben, die seit vielen Jahrzehnten bekannte Namen ablösen sollen. Warum ich mich dagegen so entschieden wehre? Es geht hier nicht nur ums Umlernen - das könnte man ja! Schwerwiegender ist es aber, dass seit fast einem Jahrhundert alle Arbeiten in der wissenschaftlichen Literatur, aber auch in der Liebhaber-Literatur unter Namen erschienen sind, die plötzlich ungültig werden sollen. Das zukünftige Arbeiten mit diesen Tieren wird unnötig erschwert. Erfreulicherweise wurde das Prioritätsgesetz der Internationalen Nomenklatur in seiner strikten Form bereits 1973 geändert. Die Abschnitte a und b des 23. Artikels wurden gestrichen und durch folgenden Text ersetzt (Zitat): "Das Prioritätsgesetz ist anzuwenden, um die Stabilität zu fördern; es ist nicht dazu bestimmt, angewandt zu werden, um einen seit längerer Zeit gebräuchlichen Namen, der dessen älteres Synonym ist, umzustoßen." Bleiben wir im Geiste der Nomenklaturregeln beim gewohnten und seit sehr vielen Jahren benutzten Gattungsnamen "Colisa"! Es ist absolut unsinnig, einen seit fast 90 Jahren vergessenen Namen (Trichopodus) zu reaktivieren. Wer aus falsch verstandenem Ehrgeiz oder aus vorauseilendem Gehorsam die ungültigen Namen verwendet, schadet der Wissenschaft und der Aquaristik! Ich denke, die Nomenklatur-Kommission wird das entsprechend sehen. Vielleicht habe ich etwas Wichtiges übersehen, vielleicht hat jemand eine andere Meinung. In meinem Gästebuch ist ausreichend Platz auch für das Diskutieren dieser Angelegenheit. Also bitte ... Heiko Bleher, verantwortlich für aqua - International Journal of Ichthyologie, hatte mir auch zu diesem Thema einen Kommentar ins Gästebuch geschrieben! Er unterstützt nachdrücklich die Auffassung, bei den gebräuchlichen Namen zu bleiben. Ich konnte seinen diesbetreffenden Brief jedoch nicht im Gästebuch belassen, denn einige seiner Äußerungen waren doch schon recht persönlich! Sorry. Auch Horst Linke, Labyrinthfischexperte und Präsident des EAC/AKL, wendet sich entschieden gegen die drohende Umbenennung der Fadenfischarten (VDA-aktuell 4/2010, S. 29: Nomenklatur: Colisa und Trichogaster weiterhin zwei "gute Namen")?
Der Bitterling Es gibt nur wenige bessere Beispiele für die wechselseitigen Abhängigkeiten von Tieren wie die Symbiose von Bitterling und Muschel. Der mitteleuropäische Bitterling ist ein kleiner Karpfenfisch, dessen Fortpflanzungsverhalten hochgeradig spezialisiert ist. Zur Fortpflanzungszeit (April bis Juni) wächst dem Weibchen eine bis zu 5 cm lange, pinkfarbene Legeröhre. Hiermit legt es einzeln Eier über die Einströmöffnung einer Teich- oder Flussmuschel in deren Kiemenkammer ab. Im Kiemenraum der Muschel wächst die Brut jetzt geschützt vor Fressfeinden heran. Nach 2 - 4 Wochen verlassen die Jungbitterlinge ihre Amme. Umgekehrt profitiert aber auch die Muschel von den Bitterlingen. Ihre ins Freiwasser ausgestoßenen Larven heften sich an Bitterlinge, aber auch an andere Fische, und leben 2 bis 10 Wochen in einer Hautkapsel von den Körpersäften der Fische. Dann fallen sie von dem Fisch ab, sinken zu Boden und beginnen ihr selbstständiges Dasein als typische Muschel. Ohne das Wissen von der Gegenleistung der Muscheln müßte man ihr Verhalten als Parasitismus verbuchen. So aber ist das eins der besten Beispiele von Symbiose: Zwei Arten profitieren wechselseitig voneinander!
Faustregel: Fisch-Zentimeter pro Liter! Die verschiedentlich kritisierte Empfehlung ist durchaus sinnvoll: Ein gut eingerichtetes Wohnzimmeraquarium sollten nur so viele Fische bewohnen, dass die Summe ihrer Körpergrößen in Zentimeter nicht das Fassungsvermögen des Aquariums (in Liter) übertrifft. Als Beispiel: Ein 20 Liter-Aquarium reicht demnach für 5 Fische mit einer Körperlänge von 4 cm oder für 10 Fische mit einer Körperlänge von 2 cm. Das ist eine Faustregel, die wie alle Faustregeln mit Vernunft angewandt werden muss! Sie wurde für Anfänger entwickelt, die ein typisches Gesellschaftsaquarium mit einer größeren Anzahl von Kleinfischen pflegen. Dass die Fische in jeder anderen Hinsicht zueinander passen müssen (Temperatur- und Wasseransprüche und vieles mehr!), sollte klar sein, ebenso, dass man in ein 20 Liter Aquarium nicht einen einzelnen 20 cm langen Fisch einsetzen kann! Die richtig verstandene und entsprechend angewandte Regel verhindert, dass Anfänger in der Aquaristik ihr Aquarium sinnlos mit Fischen vollstopfen! Routinierte Aquarianer brauchen diese Faustregel nicht. Sie wissen: Ein Aquarium kann selten zu groß sein! Ehrenrettung für die Spitzschlammschnecke
Unsere einheimische Spitzschlammschnecke (Lymaea stagnalis) hat in Aquarianer-Kreisen keinen guten Ruf. Man schleppt sie leicht mal beim Tümpeln ein. Ihr wird unterstellt, sie sei ein arger Wasserpflanzenvertilger. Das kann ich jedoch nicht bestätigen. Dagegen hat sie eine Eigenschaft, die sie als ausgesprochenen "Nützling" ausweist: Tümpelfutter ist für mich unentbehrlich, speziell wenn es darum geht, die Laichbereitschaft einiger Fische zu stimulieren. Bei der Gelegenheit schleppt man sich hin und wieder auch Hydren (Süßwasserpolypen) ein. Diese haarartig kleinen Hohltiere haben Nesselkapseln, mit denen sie sich kleine Flohkrebse und andere Kleinsttiere angeln, im Tümpel aber auch im Aquarium. Fischbabys kommen dann nicht mehr hoch! Ein probates Mittel gegen diese Plagegeister ist metallisches Kupfer. Die Fische tolerieren es einigermaßen, die Hydren auf Dauer nicht. Man kann es aber auch mit der biologischen Schädlingsbekämpfung versuchen: Makropoden sollen Süßwasserpolypen fressen - ich war mit ihren Leistungen allerdings nicht richtig zufrieden. Weit besser sind Spitzschlammschnecken! Einige dieser Weichtiere ins Aquarium und nach wenigen Tagen ist das Becken hydrenfrei! Es kann allerdings passieren, dass sie nicht die allerletzte Hydra finden. Dann tauchen die Plagegeister bald wieder nach der Entfernung der Schnecken auf. Dann hilft alles nichts - man muss die Prozedur wiederholen! Anmerkung: Im Forum der "Zierfischfreunde" wird als Medikament gegen Hydra "Flubenol" empfohlen. Das soll auch gegen Schnecken wirken, jedoch fischverträglich sein. Hier zum Bericht >>>
Luxurierende Bastarde Artfremde Fische sollten sich nicht verpaaren. Das ist kein moralischer Grundsatz, sondern eine naturgegebene Vorgabe. Die Art-Mischlinge (Biologen dürfen auch ohne zu diskriminieren von Art-Bastarden sprechen!) sind in aller Regel unfruchtbar und das wäre im biologischen Sinne eine Sackgasse! Daher sorgen vor allem bestimmte Balzrituale dafür, dass keine artfremden Partner zur Fortpflanzung kommen. Was aber, wenn doch? Speziell unter Aquarienverhältnissen kann man das erreichen. Die Bastarde sind in den meisten Fällen steril. Oft kann man bei ihnen Heterosis-Effekte bemerken. Hierbei sind bestimmte Merkmale beider Eltern jeweils verstärkt. Sie werden oft größer als jede ihrer Herkunftsarten oder sie zeigen gesteigerte Leistungen. Ein Beispiel für das sogenannte „Luxurieren der Bastarde“ zeigen Colisa lalia x labiosa Mischlinge. Wenn sie nach Beute spucken, erreichen sie größere Spuckhöhen und schnellere Frequenzen als die jeweiligen Eltern-Arten. – Nur als Anmerkung: In der professionellen Tierzucht (Haushühner!) macht man sich das routinemäßig zunutze.
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