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© Dr. Jörg Vierke

Schwerelos im Raum zu schweben, kein Laut, der einen erreicht - si­cher muss das ein ganz besonderes Gefühl sein. Nicht nur Astronauten, auch Taucher kennen und genießen das Gefühl, sich frei in allen drei Di­mensionen bewegen zu können; lautlos ist es unter Wasser aller­dings nicht. Verglichen mit der Ru­he, die man als Freitaucher im Was­ser erleben kann, machen die aus­geatmeten Luftblasen einen gewalti­gen Lärm.

Mir geht es wie vielen anderen Tauchern auch: mein erster Übungs­tauchgang mit Lungenautomaten und Presslufttauchgerät ist mir unvergesslich geblieben. Zu sehen gab es nichts, abenteuerlich war es eigent­lich auch nicht, denn das Ganze fand bei einem Tauchclub an einem regnerischen Sonntagmorgen in ei­nem öffentlichen Freibad in Nordfriesland statt. Aber was ist das für ein großartiges Ge­fühl der Unabhängigkeit, wenn man als Schwimmer unbeschwert von Atemproblemen alle Dimensionen des Raumes auskosten kann. Ich glaube, ich habe mich damals fast eine Stunde unter Wasser aufgehal­ten.

Wer tauchen lernen will, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Er kann sich zuhause einem Tauch­verein anschließen. Hier wird er in Theorie und Praxis gründlich ausge­bildet und hat die Gelegenheit, Er­fahrungen mit den Vereinsfreunden auszutauschen. Aber auch derjeni­ge, der kein Vereinsmensch ist, braucht auf die Ausübung dieses Sportes nicht zu verzichten. In sehr vielen Urlaubsorten am Mittelmeer gibt es Tauchschulen. Hier kann man in Intensivkursen nach weni­gen Tagen so weit gebracht werden, dass man bald unvergessliche Tauch­gänge im Mittelmeer zusammen mit seinem Tauchlehrer unternehmen kann.

Ein Sport für Einzelgänger ist das Tauchen grundsätzlich nicht, man kann es durch Selbststudium sicher nicht lernen. Erst wenn man nach­drücklich auf alle möglichen Gefah­ren hingewiesen wurde, kann man sich seinen Geräten anvertrauen. Und da niemand hundertprozentig fehlerfrei sein kann - weder der Taucher noch seine Geräte - gibt es unter Tauchern ein wichtiges Ge­bot: Tauche niemals allein! Die ge­genseitige Hilfeleistung bei eventu­ellen Notsituationen wird unter Tau­chern immer wieder geübt.

Gelegentlich besuchen Schwärme der blaugolden Längsgestreiften Goldstriemen (Boops salpa) die mit Grünalgen bewachsenen Küstengebiete. Es gibt nur wenige Fische, die wie diese Brasse die Seegrasblätter von Posidonia fressen.

Die Tauchausrüstung eines Gerä­tetauchers ist recht umfangreich und daher nicht ganz billig. Für den Anfang ist man gut beraten, sich al­les bei seinem Verein oder in der Tauchschule auszuleihen. Nach und nach wird man dann bald merken, welche Anschaffungen sinnvoll sind und welche nicht. Zu den sinnvollen Anschaffungen gleich am Anfang gehört ganz sicher die ABC-Ausrü­stung (Maske, Schnorchel und Flos­sen).

Die erste Bekanntschaft mit dem Mittelmeer wird man beim Tauchen zumeist. von Land aus machen wol­len. Es ist günstig, wenn die Tauch­schule gleich am Strand ein "Haus­riff" hat. Hier kann man unmerklich in die Unterwasserwelt eingeführt werden. Am Anfang begegnet man noch all den Tieren und Pflanzen, die man auch vom Schnorcheln her kannte: Seegurken und Meerjunker, vielleicht Seegraswiesen und Kra­ken. Schon in wenigen Metern Tiefe lohnt es sich, die lichtabgewandten Stellen der Felsen anzuleuchten, al­so unter Überhänge und in Höhlen zu schauen. Vermutlich hat der Tauchlehrer eine Unterwasserleuch­te mitgebracht.

Die Farbigkeit der abgeschatteten Felsenpartien überrascht, wenn man sie mit einer Lampe anleuchtet. Hier findet man krustenartigen Be­wuchs von orangefarbenen, violet­ten und hellblauen Schwämmen, Kolonien von Moostierchen und von Seescheiden. Wo die Wasserströ­mung unter Höhlen-Überhängen et­was ruhiger wird, findet man auch zartere Geschöpfe, Schwämme, die mit ihren unregelmäßig geformten Körpern weiter in das Wasser hin­ausreichen wie die schwefelgelben Axinella-Schwämme oder die oft so­gar auf diesen Schwämmen sie­delnden Gelben Krustenanemonen, Parazoanthus axinellae.

 

Unter Höhlendächern findet man manchmal Schwämme der Gattung Axinella. Oft siedelt sich auf ihnen und in ihrer Nähe Gelbe Krustenanemonen Parazoanthus axinellae an (Aufnahme im Aquarium Helmut Steiner).

Je weiter man nach unten taucht, desto mehr Licht wird von den darüberliegenden Wasserschichten ab­gefiltert. Es wird dunkler und vor al­lem blauer. Das liegt daran, dass be­sonders die gelben und roten Licht­anteile abgefiltert werden, während das kurzweiligere Blaulicht noch am ehesten die Wasserschichten durch­dringen kann. Die Augen gewöhnen sich fast übergangslos an das Däm­merlicht und auch an die Farbverfäl­schung. Wenn man dann allerdings mit einer Lampe verschiedene Ob­jekte anstrahlt, ist man oftmals überrascht von ihrer ungeahnten Farbig­keit.

Zwischen 10 und 15 m Wassertie­fe ist der Übergang vom oberen zum unteren Sublitoral. Auch hier begeg­nen wir noch krustenartigen Be­wüchsen auf den Felsen. Jetzt aber beginnt die Zone mit weit in das Wasser hineinragenden Lebewe­sen. Sie könnten in der von der Dü­nung hin und herbewegten obersten Wasserschicht nicht existieren, dort wären sie nach kurzer Zeit abgerissen. Unten jedoch, wo in Tiefenbe­reichen von zehn bis 30 Metern vor­wiegend einseitig gerichtete Was­serbewegungen auftreten, können auch aufrecht in die Strömung hin­einragende Hartbodenbewohner le­ben. Mit Tentakeln versuchen sie, in der Strömung treibendes Plankton zu angeln.

Wo in etwa 15 m Tiefe das untere Sublitoral beginnt, wachsen noch verschiedene Grünalgen wie die Meerkette (Halimeda tuna) und andere. Hier begegnet man auf Felsgrund auch oft den weißlichen, bäumchenartig verzweigten Hornkorallen Eunicella singularis. Rote Gebilde, wie der hier gezeigte Purpurstern, erscheinen in dieser Tiefe gelblich.

Im Tiefenbereich zwischen 10 und 15 m sieht man auf Hartböden oft die weißlichen, bäumchenartig ver­zweigten Hornkorallen Eunicella singularis. Sie siedeln bevorzugt auf waagerechten Flächen, da sie so das Lichtangebot für die symbion­tisch in ihrem Innern lebenden Al­gen besser nutzen können.

Octopus_vulgaris
Der Fotoblitz bringt die wahren Farben zum Vorschein: der Purpurstern (Echinaster sepositus) ist orangerot. Die violettroten Krusten sind von Kalkrotalgen gebildet. Daneben die flaschenartig geformten violettroten Seescheiden. Ein Tintenfisch Octopus vulgaris / Costa Brava

In Tiefen ab 20 m, meist jedoch wesentlich tiefer, findet man die Vio­lette Hornkoralle, Paramuricea cla­vata, sicherlich eine der eindrucks­vollsten Korallen im Mittelmeer. Ihre astartigen Verzweigungen liegen nahezu in einer Ebene. Sie steht im­mer quer zur Hauptströmungsrichtung, in der Regel an senkrechten Felswänden oder anderen strö­mungsexponierten Stellen. Pracht­exemplare (besser ausgedrückt: Prachtkolonien) erreichen Längen von über einem Meter und treten in aller Regel in größeren Gruppen auf. Sie sind karminrot bis kräftig violett. Oft sind einige Äste, nament­lich deren Enden, leuchtend gelb. Es dauert etwa zehn bis 15 Jahre, bis eine Kolonie ihre Maximalgröße erreicht hat.

In Zonen mit dichten Hornkoral­lenbeständen kann man gelegent­lich die hornigen Eikapseln der Kat­zenhaie finden. Sie sind mit langen Fäden befestigt, die von den Ecken der ravioliartig geformten Eikapseln ausgehen. Die Entwicklung der Em­bryonen dauert etwa acht bis neun Monate.

Eikapsel eines Katzenhais (Scyliorhinus spec.) in den Ästen einer Gorgonie (Violette Hornkoralle Paramuricea clavata).

Hier hängt die Eikapsel eines Katzenhais (Scyliorhinus spec.) in den Ästen einer schönen Gorgonie (Violette Hornkoralle Paramuricea clavata). Die Aufnahme entstand an der Costa Brava in etwa 30 m Tiefe.

Haie wird man im Mittelmeer als Taucher sicher nur ganz ausnahms­weise mal sehen. Dagegen bemerkt man hin und wieder schon mal Barrakudas, wenn man von unten in Richtung zur Wasseroberfläche schaut. Manchmal sieht man einzel­ne, häufiger auch ganze Trupps die­ser schlanken und pfeilschnellen Raubfische. In Grotten und zwi­schen Felsen wird man gelegentlich Muränen sehen können, mit Glück sogar die bis zu 2 m lang werdenden Meeraale, Conger conger.

Recht häufig werden dem Tau­cher im Mittelmeer Drachenköpfe begegnen. Allerdings übersieht man sie in den allermeisten Fällen. Phan­tastisch durch ihre gestaltauflösen­de Form und ihr unregelmäßig ge­flecktes Muster getarnt liegen sie ru­hig auf den Felsen. Im Mittelmeer le­ben mehrere Arten, die alle Giftstacheln besitzen. Ihr Stich soll sehr schmerzhaft sein. Bei Einzelhaltung erweisen sich Drachenköpfe als sehr attraktive und ausdauernde Pfleglinge.

Auch Taucher haben ihre bevor­zugten Lieblinge unter den Fischen. Für viele sind das die mächtigen Zackenbarsche. Unter den "Zackis" gibt es Arten, die bis zu 1,4 m groß werden (Serranus gigas). Die eben­falls im Mittelmeer vorkommende Art Polyprion americanum soll sogar 2 m Länge erreichen können und selbst noch in 1000 m Tiefe vorkommen. Zackenbarsche können in Schutzge­bieten sehr zutraulich werden und las­sen sich von Tauchern füttern. Leider haben diese imponierenden Groß­fische ein ausgesprochen schmack­haftes Fleisch. Sie werden daher in vielen Teilen des Mittelmeergebietes immer noch mit Harpunen ge­jagt. Aus diesem Grunde sind viele Küstenstriche des Mittelmeeres schon regelrecht leergefischt.

Ein Meerpfau (Thalassoma pavo), Aquarienaufnahme.

So kann es passieren, dass man an bestimmten Stellen schon froh sein muss, wenn man einigen Meer­junkern und einem Schwarm Meer­brassen begegnet. Dennoch - kein Tauchgang im Mittelmeer ist lang­weilig. Immer wird man durch inter­essante Begegnungen entschädigt. Mal sind es Meerbarben, denen man beim Wühlen im sandigen Bo­dengrund zuschauen kann, mal fin­det man ein Seepferdchen in den Seegraswiesen, ein andermal be­gegnet man einer der plakatfarbe­nen Nacktschnecken oder stöbert in einer Höhle eine Languste auf.

Apropos Höhlen: kleinere Grotten wird man in den Küstengebieten des Mittelmeeres sicher auf sehr vielen Tauchgängen entdecken können. Wer einmal richtige Unterwasser-­Höhlensysteme erkunden will, sollte nach Estartit an die spanische Co­sta Brava fahren. Die Estartit vorge­lagerten "Islas Medas" sind durchlö­chert wie ein Emmentaler. Es ist un­glaublich abenteuerlich durch die teilweise engen Höhlen und Kamine tief in das Innere und unter die Insel zu tauchen. Neben einer guten Aus­bildung und einem guten Nerven­kostüm sollte zum Aufsuchen der Höhlen aber unbedingt die Beglei­tung eines ortskundigen Tauchleh­rers gehören.

Wer beim Tauchen erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, wird davon nicht mehr lassen wol­len. Der wird auch erleben wollen, wie es ist, in einem tropischen Koral­lenrneer zu tauchen. Davon auf den Folgeseiten!

© Dr. Jörg Vierke

 


 

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