Fischreisen - Dr. Fisch
 
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Über der Landebahn von Hulule, dahinter Male, die Hauptstadt des Inselstaates
Ein Blick aus dem Düsen-Jet: Oben die Hauptstadt Male, darunter die Landebahn auf der Nachbarinsel.

Taucherparadies Malediven

© Dr. Jörg Vierke

Mein erster Tauchgang in einem tro­pischen Korallenmeer ist mittlerweile Jahrzehnte her, und inzwi­schen habe ich mehrere hundert Tauchgänge in wirklich allen Tropen-Meeren unter­nommen, aber ich bin sicher - die­se ersten Eindrücke werde ich nie vergessen. Aus heutiger Sicht hat es sich damals vor der Maledivenin­sel Eriyadu ganz bestimmt um nichts Besonderes gehandelt. Ein Blick in mein Taucher-Logbuch sagt mir folgendes: Eriyadu/Hausriff, 30 m maximale Tauchtiefe, 30 Minuten Tauchzeit, Checktauchgang, viele Schiffshalter.

Malediven_-_Dau.jpg
Die Dau beweist, dass dieser Bericht schon älteren Datums ist! Auf meiner letzten Reise zu den Malediven 2012 habe ich keinen einzigen der traditionellen Segler gesehen! Sie wurden durch Motorboote und Wasserflugzeuge ersetzt!

Malediven unter Wasser - das ist klares blaues Wasser mit großen Sichtweiten, warmes Wasser, das es gestattet, mit einem leichten Sur­fanzug zu tauchen oder sogar nur mit Jeans und T-Shirt und das ist vor allem die atemberaubend farbige Welt der Korallen und der Korallen­fische. Ich gestehe gern, dass ich bei diesem Tauchgang fast erstickt wäre - erstickt an all den Worten, die ich unter Wasser nicht artikulieren konn­te. So konnte ich erst nach dem Auf­tauchen meiner Begeisterung freien Lauf lassen: Die vielen großen Schiffshalter, die uns offensichtlich in Ermangelung von Schiffen oder Haifischen unbedingt adoptieren wollten und sich durch Anhängen an die Pressluftflaschen gelegentlich schon fast als lästig erwiesen.

Vor allem aber die gewaltigen Fisch­schwärme! Besonders ein sicher aus mehreren tausend Einzeltieren bestehender Schwarm der farben­prächtigen Caesio cuning beein­druckte mich. Diese knapp 35 cm langen Fischchen sind leuchtend blau und haben dazu kontrastreich gelbe Schwanzflossen. Besonders am Außenriff und in Riffka­nälen findet man oft gewaltige Cae­sio-Schwärme, die dort entlangzie­hen. Wenn man in einen solchen Fü­silier-Schwarm hineintaucht, öffnet sich vor dem Taucher eine kleine Gasse, die sich sofort wieder hinter ihm schließt. In allen Richtungen des Raumes ist man von dahin­schießenden, blaugelb funkelnden Fischen umgeben, rechts und links, oben und unten, vor einem und nach hinten hin. Für einen begeister­ten Aquarianer sind das Erlebnisse, die man weder vor dem Aquarium haben kann (und sei es auch ein rie­siges Schauaquarium), noch im Ki­no (und sei es auch der beste Film über das Korallenmeer). Hier habe ich erlebt, dass Tauchen geradezu süchtig machen kann. Ich glaube, dass gerade Aquarianer besonders dafür anfällig sind. Ich warne also, Zeit und Geld für das Tauchen ge­hen möglicherweise auf Kosten der Aquaristik! Vielleicht bekommen Sie eine kleine Vorstellung davon, wenn Sie mich hier auf zwei oder drei Tauchgängen begleiten. Doch zuvor ein paar allgemeinere Informatio­nen zu den Malediven.

Strandfischen, Malediven
Malediven, Einheimische beim Fischen in der Lagune
Auf einer "Einheimischen-Insel"

Die Malediven liegen direkt am Äquator etwa 600 km von der Süd­spitze Indiens in südwestlicher Rich­tung entfernt. Mit 298 Quadratkilo­meter Landfläche gehören die Male­diven eigentlich zu den Zwergstaa­ten. Da sich der Staat aber aus weit über tausend kleinen und kleinsten Inseln zusammensetzt, hat er eine Nord-Südausdehnung von 764 km und eine Ost-Westerstreckung von 130 km.

Nach offiziellen Angaben der ma­ledivischen Regierung gibt es ge­nau 1196 Malediven-Inseln. Kaum eins der lnselchen ist so groß, dass es bei extremen Sturmfluten nicht überschwemmt werden könnte. Kei­ne Insel ist größer als 13 Quadratki­lometer, und keine ragt höher als 2 m über den Meeresspiegel hinaus.

Panikmacher sagen uns, die Malediven und andere Korallenstaaten würden ertrinken und verschwinden, wenn der Meeresspiegel im Zusammenhang mit der weltweiten Klimaerwärmung weiterhin ansteigt. Das ist erfreulicherweise aber nicht so. Mit dem Steigen des mittleren Meeresspiegels wachsen auch die Korallen mit nach oben. Sie können ohnehin nur in den gut durchleuchteten höheren Zonen des Meeres existieren. Und mit den Korallen wird weiterhin Korallensand produziert, durch Wind und Wellen, ganz wesentlich auch unter Mithilfe der Korallen fressenden Papageienfische. Die Malediven und andere Koralleninseln werden uns also erhalten bleiben! Koralleninseln sind erfreulicherweise selbststabilisierend und selbsterhaltend!  *

Nur 203 dieser Eilande werden von Malediviern bewohnt. Hinzu kommen 56 Inseln, die jeweils mit einer Hotelanlage mit Tauchschule (meist unter deutschsprachiger Lei­tung) versehen sind. Wenn auch der Tourismus lebenswichtig für diese kleine Inselrepublik geworden ist, von einem "Ausverkauf der Natur" kann man hier sicher nicht reden. Tatsächlich wird hier streng auf die Einhaltung bestimmter Schutzgesetze geachtet, und auch die Zahl der Touristeninseln wird bewusst klein gehalten.

Als Tourist erreicht man in etwa zehn Flugstunden die Insel Hulule. Die ganze Insel ist in ein Rollfeld, To­wer und Abfertigungshallen verwan­delt. Mit Schnellbooten geht es dann von hier aus in wenigen Minuten zur Hauptstadt Male. Das eigentliche Ziel des Urlaubsreisenden wird je­doch eine der Touristeninseln sein, die mit mehr oder weniger schnellen Booten in wenigen Minuten oder auch erst in mehreren Stunden er­reicht werden können.

Ich möchte hier von der Insel Eriyadu berichten. Ich habe auch andere Malediveninseln kennenge­lernt, aber sie unterscheiden sich nicht wesentlich voneinander. Der Komfort auf der einen Insel und die Bettenzahl, die Qualität der Küchen und der Tauchbasen sind natürlich unterschiedlich, aber es ist seltsam - meistens kommen Besucher die ein zweites und ein drittes Mal die Malediven besuchen, wieder zu ge­nau "ihrer" Insel zurück.

Eriyadu liegt im nordwestlichen Teil des Nord-Male-Atolls etwa 45 km vom Flughafen entfernt. Die In­sel ist etwa 280 x 90 m groß und so­mit in einer Viertelstunde bequem zu umrunden. Überall grenzt sie mit weichem Sandstrand an das klare, blaugrüne Meer. Die Urlauber woh­nen in kleinen Einzel- oder Doppel­bungalows. Im Gegensatz zu den meisten Inseln ist Eriyadu nicht mit den eigentlich für die Malediven-In­seln typischen hohen Kokosnusspalmen bestanden. Die auch hier ange­pflanzten Palmen müssen noch et­was wachsen. Stattdessen ist die In­sel vorwiegend mit mannshohen Scaevola-Büschen bewachsen. Da­neben wachsen hier stelzwurzelige Schraubenpalmen und viele Lilien, deren weiße Blüten an Crinum aus unseren Aquarien erinnern. Es han­delt sich hier in der Tat um Crinum asiaticum. - Inzwischen dürften die Palmen allerdings um einiges gewachsen sein. Mein Besuch, von dem ich hier schreibe, war 1987! **

Verschiedene interessante Tiere bevölkern die kleine Insel. Abgese­hen von den zahlreichen Geckos, die im Licht der abends leuchtenden Bungalow-Laternen auf Insekten­fang gehen, fallen tagsüber vor allem die munteren Schönechsen (Calotes) auf. Sie sind meist recht zutraulich, aber wenn sie sich ver­folgt fühlen, dann können sie im Ge­äst fast wie Eichhörnchen springen.

Gegen Abend beginnen viele der überall auf der Insel herumliegen­den Schneckenhäuser sich zu be­wegen. Sie sind von Landeinsiedler­krebsen, Coenobita clypeata, be­wohnt. Diese Krebse verstehen es, tagsüber die Gehäuseöffnung ihres Schneckenhauses mit einer Schere und einem Schreitbein fugenlos zu verschließen. Die genaue Einpas­sung an das jeweilige Schnecken­haus geschieht direkt nach der Häu­tung, wenn der Krebs noch weich ist. Wenn das Schneckenhaus zu klein geworden ist, müssen die Einsiedler sich nach einem größeren umsehen, das sie dann beziehen. Hierzu müssen sie ihren empfindli­chen Hinterleib - gewissermaßen die verletzliche Achillesferse im Überlebenskampf - sekundenlang freilegen. Auch zur Paarung verlas­sen die Landeinsiedler offenbar ihr Gehäuse. Die Larven entwickeln sich jedoch im Wasser.

Am Riffabfall, Malediven

Eine abwechslungsreiche Korallenlandschaft vor Eriyadu

Am Strand findet man oft mehrere Zentimeter hohe, spitze Sandbur­gen. Hier haben nicht etwa Kinder gespielt. Wenn man abends am Strand sitzt, um zuzusehen, wie die Sonne ins Meer "zischt", dann erscheinen die Erbauer schließlich in der Dämmerung. Sie sehen aus, wie Invasoren aus einer anderen Welt, wenn sie sich truppweise mit schnellen Laufbewegungen nähern: Reiterkrabben. Mit hastigen Greif­bewegungen ihrer Scheren suchen sie nach dem, was tagsüber an den Strand gespült wurde. Immer wieder unterbrechen sie diese Tätigkeit, weil sie von einem Artgenossen ge­jagt werden oder weil sie glauben, einen Artgenossen verfolgen zu müssen. Die Männchen errichten die Sandhaufen als Reviermarken oder auch als Imponierbauten bei der Balz.

Bei Gefahr verschwinden die Rei­terkrabben sofort in einem ihrer selbstgegrabenen Sandlöcher. Sie können ziemlich lange außerhalb des Wassers existieren. Sie tragen in den fast völlig vom Panzer um­schlossenen Kiemenhöhlen einen kleinen Wasservorrat mit sich. Der Sauerstoffvorrat des Wassers wird ständig über ein kleines, von Haa­ren versperrtes Loch zwischen dem 3. und 4. Beinpaar wieder erneuert. Natürlich kann verbrauchtes Was­ser auch durch kurzes Eintauchen in eine Pfütze wieder durch frisches Wasser ergänzt oder erneuert wer­den.

Die eigentliche Vielfalt des Lebens liegt hier aber natürlich unter Wasser. Auch wer "nur" zum Schnorcheln auf die Malediven ge­kommen ist, wird sich selbst nach ei­nem dreiwöchigen Aufenthalt nicht langweilen. Immer wieder gibt es Neues zu sehen. Beginnen wir un­sere erste Begegnung mit dem Ko­rallenriff schnorchelnd! Man braucht nur seine ABC-Ausrüstung (Maske, Schnorchel und Flossen) und ein T-­Shirt, das man sich gegen den Son­nenbrand überzieht - schon kann das Abenteuer beginnen.

Direkt in Strandnähe können Ko­rallen nicht gedeihen. Hier ist eine sandige Lagune - die Badenden wissen das zu schätzen. Aber jetzt schon schauen und den Kopf ins Wasser stecken! Dort hinten sind geweihartige weiße Stangen. Es sind die abgestorbenen Stämme der Geweihkorallen (Acropora), die man auch schon am Strand ange­spült finden konnte. Da kommen uns schwarz-weiß gestreifte Preu­ßenfische aufgeregt entgegenge­schwommen. Wenn wir auf sie zu­schwimmen, verschwinden sie rasch zwischen den schützenden Koral­lenästen, kommen aber schnell zu­rück, um uns anzudrohen. Hier ist ihr Revier, was hat der Eindringling hier zu suchen?! Am Fuß eines Acro­pora-Haufens, direkt auf dem Sand­boden, liegt ein phantastisch gefärb­ter, geradezu unverschämt bunt gefärbter Fisch. Er hat eine hohe, fah­nenartig ausgezogene erste Rüc­kenflosse. Auch die anderen Flos­sen sind großflächig, besonders die Brustflossen. Zweifellos ein Leier­fisch, aber welche Art?

Gefleckte Stachelmakrele,Trachinotus bailloni, Malediven

Dreifleck-Gabelmakrele Trachinotus bailloni
Chaetodon trifascialis, Malediven
Sparrenfalterfisch Chaetodon trifascialis

Noch schwimmen wir über dem Sandboden, noch könnten wir mü­helos stehen, da jagt ein aus etwa 15 Fischen bestehender Trupp grö­ßerer Fische heran: silbergrau, ho­he Rückenflosse, die Afterflossen­spitze ist noch länger, ein schmaler, zweizipfliger Schwanz. Nein, keine Haie, auch wenn in diesem Bereich gelegentlich die harmlosen Weiß­spitzenhaie beobachtet werden. Es sind fast 60 cm große makrelenarti­ge Fische, die zu der mit den Thunfi­schen verwandten Art Trachinotus bailloni gehören. Der englische Name "Black-spotted Swallowtail" ist für sie sehr treffend, ebenso aber auch ihre deutsche Bezeichnung: Dreifleck-Gabelmakrele.

In etwa 50 m Entfernung vom Strand beginnt die Region der Koral­len. Sie ragen hier bei Niedrigwas­ser fast bis zur Wasseroberfläche. In der Regel lassen sie es aber zu, dass man sich schnorchelnd über ihnen entlangbewegen kann. Welche Viel­zahl von Farben und Formen kann man hier beobachten! Zwischen den Korallen dann die Fische, zu­meist Arten, die man aus Vorträgen im Aquarienverein, den Aquarien­zeitschriften und den großen Schauaquarien her kennen sollte. Aber die Vielfalt der Formen und Far­ben ist zunächst dennoch verwir­rend. 

Als erstes fallen dem Taucher si­cherlich die Falterfische (Chaeto­don-Arten) auf. Einige Arten kom­men vorzugsweise im Schwarm vor, andere trifft man zumeist paarweise an. Dort stehen Einpunkt-Schmet­terlingsfische, Chaetodon unimacu­latus, hier sucht ein Paar der typisch gezeichneten Rippelfalterfische Ch. trifasciatus zwi­schen den Korallen nach Nahrung. Sie suchen nicht etwa nach Schnecken oder Würmern an den Korallen; sie fressen direkt die Korallenpolypen! Alles andere wird verschmäht. Kein Wunder, dass diese Fische in Aquarien nicht lange überleben können. Die großflächigen Tiere haben nicht nur eine kontrastreich schwarz­weiß-gelb gefärbte Kopf- und Rückenpartie. Ihr großflächiger Körper ist gelblichgrau gefärbt und mit zahl­reichen Längsstreifen versehen, von denen sich einer in der hinteren Rückenregion zu einem dunklen Fleck verdichtet.- Den nicht weniger schönen Sparren-Falterfischen Chaetodon trifascialis (Abb. links) begegnet man weit seltener.

Noch auffallender als die Falterfi­sche sind die teilweise recht groß werdenden Papageifische. Sie sind ständig dabei, Korallenäste abzu­knabbern. Die mit ihrem großen, pa­pageischnabelartigen Maul abge­brochenen und dann zerkauten Kalkstückchen werden wenig später als feiner Sand wieder ausgeschieden. Ein guter Teil des Sandstran­des, ja der ganzen Insel, ist der Tä­tigkeit dieser Fische zu verdanken. Papageienfische tragen oft kontrastreiche, grün­rote Muster. Die einzelnen Arten sind aber nicht immer leicht zu unterscheiden, denn Jungtiere und Halbwüchsige ein und derselben Art unterscheiden sich oft gewaltig, ebenso die Geschlechter.

Scarus_ghobban.jpg
Der Gebänderte Papageienfisch Scarus ghobban

Zwischen den Korallen sieht man vereinzelt auch die bizarren Schna­bellippfische, Gomphosus varius. An ihrem schnabelartig vorgezoge­nen Maul sind sie leicht zu erken­nen. Während die Jungen und die Weibchen mehr oder weniger bräun­lich aussehen und als einzigen Schmuck gelegentlich an der Schnauze rote Farben aufweisen, haben die Männchen ein durchge­hend dunkelblaues oder dunkelgrü­nes Farbkleid. Ebenfalls durch ein schnabelartiges Maul ausgezeich­net, aber wesentlich farbiger ist der Feilenfisch, Oxymonacanthus lon­girostris. Er ist hellblau und mit vie­len großen, leuchtend orangefarbe­nen Flecken übersät. Direkt über ih­ren Augen steht ein gewaltiger, auf­fallend rotorange gefärbter Stachel. Die eigentliche Rückenflosse be­ginnt erst weit später.

Weißkehlseebader Acanthurus leucosternon
Ein Fressschwarm von Weißkehldoktorfischen Acanthurus leucosternon

Doktorfische sind im Riff allgegenwärtig. Es sind harmlose Algen- oder auch Planktonfresser. Ihren Namen haben sie nach einem Mediziner-Werkzeug, dem Skalpell. Ein ganz entsprechendes, messerscharfes Gebilde tragen Doktorfische zu beiden Seiten ihres Schwanzstiels. Allerdings wird diese Waffe nur zur Verteidigung der ansonsten völlig harmlosen Fische benutzt!. - Die häufigste Art bei den Malediven sind die Weiß­kehl-Doktorfische, Acanthurus leu­costernon. Zumeist sieht man die blau-weiß-gelben Fische nur ein­zeln oder in kleinen Trupps. Bei ei­ner Gelegenheit sah ich sie jedoch beim Schnorcheln in einem dichten Schwarm. Etwa 200 Tiere suchten im Flachwasser des Saumriffs nach Nahrung - ein unvergesslicher An­blick. 

Es ist unmöglich, auch nur die schönsten Begegnungen aufzuzäh­len, die man beim Schnorcheln rund um so eine Koralleninsel machen kann. Stichwortartig nur noch das, was man am Rande des Riffs beob­achten kann, dort, wo die See plötz­lich auf 30 m Tiefe abfällt. Hier fällt die große Mördermuschel, Tridacna maxima auf, die meist ganz in Koral­len eingewachsen ist. Ihr Mantel ist oft sehr farbenprächtig leuchtend­blau gefärbt. Hier leben symbionti­sche Algen, die im Gegensatz zu den Korallen, von speziellen Freß­zellen der Muschel aufgenommen werden, wenn sie sich zu sehr ver­mehrt haben. Daneben lebt die Rie­senmuschel aber auch nach typi­scher Muschelart durch Ausfiltrieren von Plankton. Unfälle mit diesen Muscheln sind außerordentlich sel­ten, da sie ihre Schalen bei Berüh­rung nicht blitzschnell, sondern nur in einer Folge von kurzen Rückbe­wegungen zuklappen.

Chromis-Schwarm - Malediven
Schwalbenschwänzchen Chromis ternatensis

Hier, wo die tieferen Meereszo­nen beginnen, patrouillieren am Riff­hang die großen dunklen Nashornfi­sche mit ihren bizarren Stirnaus­wüchsen. Gelegentlich kann man hier beim Schnorcheln auch mal ei­nen der harmlosen Weißspitzenhaie sehen. In drei Meter am Riffhang be­obachtet man häufig Seeanemonen mit ihren Anemonenfischen, Amphi­prion nigripes, sowie Putzerfische mit ihren Kunden. Mehr aber beein­druckte mich die Begegnung mit dem größten Kugelfisch, den ich bis dahin gesehen hatte. Er hielt sich in einer Höhle an der Riffkante in etwa zwei Meter Tiefe versteckt. Da die Höhlendecke nach oben hin aber mehr als löche­rig war, konnte man den Fisch auch von oben ausgezeichnet beobach­ten. Der Kugelfisch hatte eine Län­ge von etwa einem Meter. Seine sprichwörtliche Gestalt tat ein übri­ges, um das Tier groß erscheinen zu lassen. Dieser Arothron stellatus war grün und hatte eine Vielzahl klei­ner schwarzer Flecken. Ohne Mühe konnte man auf wenige Zentimeter an diesen Fisch herankommen. Ver­mutlich fühlte er sich in seiner Grotte sicherer als im freien Wasser. Viel­leicht wusste er auch, dass er zu den ausgesprochen giftigen Meerestie­ren gehört.

Zanclus_cornutus.jpg

Ein Halfterfisch Zanclus cornutus

Viele der hier schon genannten Fi­sche findet man auch in tieferen Re­gionen beim Tauchen wieder. Im tieferen Wasser begegnet man aber auch Fischen, die man im Flachwas­ser selten oder nie sieht: die segel­flosserähnlichen Gattungen, wie Zanclus und Heniochus, oder gar ei­nem großen Schwarm Fledermausfische. Zwischen einer Schwarzen Koralle finden wir in 20 m Tiefe ei­nen kleinen schwarz-weißen "Fetzenfisch", der mit flatterigen Bewe­gungen zu entkommen sucht. Wir finden in Höhlen und Nischen große Langusten und die verschiedensten Muränen, Drückerfische, Koffer­fische und manches mehr.

Doch verlassen wir mal das Haus­riff und machen noch kurz einen Ab­stecher zum Außenriff. Nach kurzer Fahrt mit dem Motorschiff sind wir am Ziel. Ich sehe weit und breit nur Wasser. Der Tauchlehrer gibt ein Zei­chen, wir springen ins Wasser. Luft aus der Schwimmweste heraus, tief ausatmen - und wir schweben langsam in die Tiefe. Das Blau des Wassers wird dunkler, in etwa 15 Meter Tiefe erreichen wir ein Riff. Der Tauchlehrer zeigt nach unten. Dort liegen etwa 10 Meter tiefer, wie Flugzeuge auf einem Flughafen ab­gestellt, acht Weißspitzen-Riffhaie auf dem Sandboden. Wir schwim­men in ihre Richtung und lassen uns jetzt ohne weiteren Flossenschlag sinken. Langsam gleiten wir auf die­sen Haiflugplatz zu, so als wollten wir neben ihnen landen. Der erste Hai startet mit kräftigen seitlichen Schwanzschlägen und verschwin­det im Dunkelblau, jetzt startet der zweite, der dritte und schon sind sie alle verschwunden.

Einige Minuten gleiten wir nun über dem Sandboden dahin. Keine Korallen mehr, alles Sandwüste. Was sind das in der Ferne für spa­zierstockartig gebogene Gebilde im Sand? So wie man sich ihnen auf einige Meter nähert, verschwinden die Spazierstöcke im Boden. Es handelt sich um Röhrenaale. Sie verlassen als erwachsene Fische niemals mehr ihre Wohnhöhle; sie und ihre nahen Verwandten sind die einzigen sessilen Wirbeltiere, die bisher bekannt geworden sind.

Chelonia_mydas.jpg

Green turtle, Chelonia mydas

Zurück zum Unterwasser-Koral­lenberg, leider zeigen unsere Fini­meter an, dass der Tauchgang sich dem Ende zuneigt. Auf dem Heim­weg sehen wir eine große Wasser­schildkröte eilends von uns wegpad­deln. Wir haben keine Zeit mehr, ihr zu folgen.

Jetzt haben wir den Koral­lenstock erreicht, das Auftauchen kann beginnen. Plötzlich zeigt unser Tauchlehrer aufgeregt nach oben. Wir folgen seinem Finger und sehen im Blau über uns majestätisch mit ih­ren "Flügeln" schlagend Großfi­sche, die ihrem Namen alle Ehre machen: Adlerrochen gleiten fast di­rekt über uns hinweg. Ihre flügelarti­gen Flossen erreichen eine Spann­weite von zwei Metern. Siebzehn Adlerrochen zählen wir - einer nach dem anderen verschwindet langsam in der blauen Ferne.

Röhrenaale

Röhrenaale

 

* Jetzt (2. 1. 2011) lese ich in "Bild der Wissenschaft" 1/2011, S. 106 über eine wissenschaftliche Auswertung von historischen und aktuellen Satellitenfotos (Webb & Kench in "Global and Planetary Change"): "Der Meeresspiegel im Zentralpazifik steigt derzeit im Schnitt um etwa 20 mm pro Jahrzehnt - aber der Vergleich der Bilder beweist: Die Mehrzahl der Inseln schrumpft nicht, sondern wächst." Aussage mit Begründung wie oben von mir vor bereits 4 Jahren gegeben. Kein weiterer Kommentar!

** Zwischenzeitlich hat sich auch im Tropenparadies manches geändert. Die Verbindung von Male zu den Touristeninseln erfolgt meist mit dem Wassertaxi, einem propellergetriebenen Wasserflugzeug. Wenn man Pech hat (ich hatte es!) muss man allerdings in Male 5 Stunden oder auch länger auf sein Flugzeug warten - dann geht s auch nicht schneller als mit einem Schnellboot!

Hier noch ein Hinweis: Auf meiner Seite "Malediven-Fische" gibt es eine ganze Reihe von Informationen und zahlreiche Filme zu den Fischen aus dieser Region!  >>>

© Dr. Jörg Vierke

letzte Bearbeitung: 17. 9. 2012

Languste im Inneren einer Höhle, Malediven

 

 


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