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Seemandelbaumblätter selbst sammeln!

© Dr. Jörg Vierke

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Seemandelbaum oder Katappenbaum (Terminalia catappa)
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Seemandelbaum Terminalia catappa - Blütenstand

 

Den trockenen Blättern des Katappenbaums (Terminalia catappa), der auch als Seemandelbaum, Indische Mandel oder Badam bezeichnet wird, werden unter Aquarienfreunden geradezu Wunderkräfte zugesprochen. Ich zitiere hier Wikipedia (21. 8. 2012):

"Die Inhaltsstoffe der Blätter (Flavonoide/Gerbstoffe, Tannine, Saponine/Triterpinoide) haben eine antibiotische, antimykotische, antioxidative, adstringierende und entzündungshemmende Wirkung. Sie werden eingesetzt zur Behandlung und Vorbeugung von:

  • Verpilzungen
  • bakteriellen Erkrankungen wie z. B. Flossenfäule
  • Laichverpilzung
  • Ektoparasiten
  • Schleimhautschäden
  • Bisswunden und Verletzungen"

Aus meiner Sicht dürften alle diese Aussagen korrekt sein. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, dass ich bei sehr wertvollen Fischen mich lediglich auf Seemandelbaumblätter verlassen würde, wenn konkret ein Problem anfällt (Beispiel Laichverpilzung).

Ich hörte zum erstenmal von diesen Blättern, als ich 1978 meinen chinesischen Freund Choo auf seiner Zierfisch-Farm in Singapur besuchte*. Die Empfindlichen unter seinen Fischen hatten alle die entsprechenden Blätter in ihren Becken und selbst in jedem Kampffisch-Glas war ein Blatt. Choo erzählte mir, dass er die Blätter regelmäßig seinen Fisch-Exporten beilege. Die Bäume wuchsen direkt auf dem Gelände seiner Zierfischfarm. Er hatte jedoch Zweifel, ob die Empfänger überhaupt wüßten, was denn da Segensreiches als Zugabe in den Styroporkartons lag.

Heutzutage kann man diese Blätter in jedem Zoogeschäft bekommen, zumeist für relativ viel Geld. Wenn ich in die Tropen reise, bringe ich mir daher regelmäßig Seemandelbaumblätter mit. Es sollten die trockenen, vom Baum gerade abgefallenen Blätter sein, die die Bäume zum Leidwesen der Gärtner oder der Straßenreiniger das ganze Jahr über abwerfen. Natürlich sollte man die Blätter nicht gerade an einer Hauptverkehrsstraße sammeln, besser an einem einsamen Strand!

Die Strandmandelbäume wachsen - wie ihr Name schon andeutet - ganz bevorzugt in Strandnähe, denn sie können die salzhaltige Luft besser als die meisten anderen Pflanzen ertragen. Daher gehören sie zu den häufigsten Pflanzen an tropischen Stränden, zumindest im Umfeld des Indischen und des Pazifischen Ozeans, ihrer ursprünglichen Heimat. Aber auch im Umfeld anderer tropischer Touristenstrände werden sie wegen ihrer Robustheit zunehmend angepflanzt. Auch auf den Kanarischen Inseln kann man sie überall antreffen! - Ich habe mir meine letzten Blätter von den Malediven mitgebracht.

Halbwüchsige Bäume sind auffallend etagenförmig aufgebaut. Ihre bis zu 30 cm langen Blätter verfärben sich vor dem Blattfall orange bis rötlich. Das ist sehr auffallend, denn einige Blätter eines Baumes sind regelmäßig so weit.

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Trockene Blätter des Seemandelbaums, gebrauchsfertig für aquaristische Zwecke

Wer die trockenen, fast pappeartig steifen Blätter einmal gesehen hat, wird sie sofort wiedererkennen. Typisch ist neben ihrer auffallenden Größe und ihrer Struktur vor allem die nach außen [gemeint ist die vom Blattstiel abgewandte Seite, bot.: Verkehrt eiförmig] zunehmende Breite der Blätter, eine bei Blättern eher seltene Erscheinung. Man sollte nur trockenes, frisch gefallenes Laub sammeln, nicht etwa die grünen oder rötlich verfärbten Blätter direkt vom Baum! Schnell hat man eine Tüte mit diesen großen, leichten Blättern gefüllt!

Man legt Seemandelbaum-Blätter trocken in das Aquarium. Die zunächst an der Wasseroberfläche schwimmenden Blätter sinken nach wenigen Tagen nach unten und geben ihre Substanzen ab. Nach zwei Wochen kann man das Blatt entnehmen und durch ein anderes ersetzen. Meine 80-Liter Aquarien bekommen jeweils ein Blatt, aber eine Überdosierung ist nicht zu befürchten. Die Blätter können auch problemlos im Aquarium verbleiben, wo sie sich dann langsam zersetzen.

Die großen Blätter geben dem Aquarium einen Hauch natürlichen Aussehens, denn in Urwaldbächen sieht es vielerorts nicht anders aus. Die Bewohner verstecken sich gelegentlich gern unter den Blättern und einige (Garnelen!) verzehren sie sogar im Laufe der Zeit. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Das Wasser wird durch die Blätter geringfügig angesäuert.

Zweifellos haben die Seemandelbaumblätter einen guten Einfluß auf das Aquarienwasser und auf die Fische. Ob die Wirkung der Blätter allerdings tatsächlich die von trockenem Eichenlaub übertrifft, erscheint mir noch nicht sicher. Das sollte allerdings durch Versuche unschwer herauszufinden sein! Oder hat da schon mal jemand gezielte Vergleichs-Untersuchungen angestellt?

© Dr. Jörg Vierke

letzte Bearbeitung: 27. 8. 2013

 

* Genauer nachzulesen in Vierke, J. (1979): Zu Besuch auf einer Zierfischfarm in Singapur, S. 56 - 60. Aquarien-Magazin, Kosmos, Stuttgart