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"Der Spritzefisch ist ein gar listiger Geselle, gib acht und hüte dich fein, leichtsinnige Libelle!" Wilhelm Busch, der Schöpfer dieses Verses, hielt noch, wie seine Zeitgenossen, den Pinzettfalterfisch (Chelmon rostratus) für den in Europa schon seit 1764 bekannten "Spritzefisch". Erst Anfang des 20. Jahrhunderts konnte dieser Irrtum korrigiert werden. Seitdem gilt der Schützenfisch (Toxotes jaculatrix) als einer der absonderlichsten und bemerkenswertesten Fische.

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Mangrovenwald, Lebensraum von Toxotes (Sarawak, Westborneo)

Weniger bekannt ist dagegen, dass auch der ebenfalls häufig in Zoohandlungen angebotene Gefleckte Schützenfisch Toxotes chatareus ein nicht minder guter Schütze ist, und erst 1969 wurde bekannt, dass auch viele Fadenfische sich zielsicher mit Wassertropfen Beute herbei schießen können. Wer sich speziell für das Wasserspucken der Colisa-Arten interessiert, sei auf meinen Aufsatz bei "Fischverhalten" hingewiesen. Hier der Link: >>>

Schützenfische

© Dr. Jörg Vierke

Schützenfische können bekanntlich vom Wasserspiegel aus mit einem gut gezielten Wasserstrahl nach Insekten schießen. Die durchnässten Beutetiere fallen ins Wasser und werden sofort gefressen. Das interessante Verhalten und ansprechende Äußere machen die Schützenfische zu beliebten Pfleglingen. Ihr Verbreitungsgebiet ist groß. Es reicht vom Golf von Aden über die Küstengebiete Indiens und Südostasiens bis nach Nordaustralien. Auch an einigen Stellen an der Südküste Australiens sollen sie vorkommen. Schützenfische trifft man sowohl im Süß- als auch im Salzwasser an. Ihr bevorzugter Lebensraum ist aber offenbar das Brackwasser der Flussmündungen und Lagunen.

 

Es gibt sieben Toxotes-Arten

Wenn man vom Schützenfisch redet, ist im Allgemeinen der schwarz-weiß gebänderte Toxotes jaculatrix (PALLAS, 1766) gemeint, fälschlich auch als „Toxotes jaculator“ bezeichnet. Während er in seiner Heimat bis zu 24 cm groß wird, findet man in Aquarien nur selten Exemplare von mehr als 12 cm Gesamtlänge. Die weiteren Arten sind ebenfalls schwarz-weiß gefärbt, Toxotes chatareus (HAMILTON, 1822), T. microlepis (GÜNTHER, 1860) und T. oligolepis (BLEEKER, 1876). Erst 2004 beschrieb ALLEN den Kimberley-Schützenfisch Toxotes kimberleyensis aus Süßwassergebieten Nord-Australiens. Aus Myanmar stammt Toxotes blythii BOULENGER, 1892, der mit seiner schwarz-weiß Zeichnung völlig aus dem Rahmen fällt: er hat wellige Längsstreifen! Als letzte Art gehört zu den Toxotidae noch der grün-braune, nur schwach gebänderte T. lorentzi (WEBER, 1910) aus Neu-Guinea und Australien, offenbar eine reine Süßwasser-Art.

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Auf dem Fischmarkt in Kuching / Borneo. Neben Argus und Welsen Toxotes microlepis

Am häufigsten sind T. jaculatrix, T. chatareus und T. microlepis zu erhalten, normalerweise nur unter dem Gattungsnamen "Schützenfisch". Die Arten kommen in Südostasien vergesellschaftet vor. Sie leben dort in kleinen, gemischten Trupps, werden gemeinsam gefangen und bei uns auch zusammen angeboten. Nur wenige Zoohändler und Aquarianer sind in der Lage, die Schützenfische voneinander zu unterscheiden. Auch in Büchern und in Internetportalen werden die Tiere oft verwechselt. Die systematischen Untersuchungen innerhalb der Familie der Toxotidae beziehen sich im Wesentlichen auf die Zahl der Flossenstrahlen, auf das Schuppenkleid und auf die Form der Seitenlinie. Wenn diese Merkmale auch für den Durchschnittsaquarianer uninteressant sind, sollen sie hier kurz für die drei Arten angegeben werden. T. jaculatrix hat 4 Hartstrahlen in der Rückenflosse, T. chatareus und T. microlepis haben dagegen beide 5. In der Seitenlinie hat jaculatrix 28 bis 30 Schuppen, chatareus 33 bis 35 und microlepis 40 bis 42. Zwischen der Dorsalflosse und der Seitenlinie besitzt jaculatrix 4 Schuppen, chatareus 5 und microlepis 6.

Wer nicht Flossenstrahlen und Schuppen zählen will, kann zumindest jaculatrix problemlos erkennen. Diese Art hat niemals Flecken zwischen den großen schwarzen Querstreifen auf dem oberen Teil seines Körpers. Die anderen zwei hier angesprochenen Arten haben zumindest vor dem Streifen, der zum Rückenflossen-Ansatz zielt einen kleinen, punktartigen Fleck, der deutlich zu erkennen ist. Man kann die Zwischenflecken eigentlich nicht übersehen, denn sie sind immer dann deutlich zu erkennen, wenn auch die Streifen ausgefärbt sind. Das ist beim Schützenfisch der Regelfall. Nur wenn die Tiere krank sind oder sich nicht wohl fühlen, weil Artgenossen sie ständig jagen, kann die Bestimmung erschwert werden. Dann färben sich die Fische ganz schwarz, was zugleich ihre Nachtfärbung ist. Manche Tiere, besonders ältere chatareus, reagieren auch entgegengesetzt, sie verblassen. Dann sind die Streifen aber bei genauem Hinsehen noch zu erkennen.

Ein weiterer Unterschied: Der Querstreifen, der zur Mitte der Rückenflosse zielt, ist bei jaculatrix mit dem schwarzen Rückenflossenfleck übergangslos verbunden. Bei den anderen Arten sind die Flecken in der Rückenflosse von den Querstreifen deutlich getrennt. Schwieriger ist es, am Muster die Arten chatareus und microlepis zu unterscheiden. Microlepis ist im Vergleich zu chatareus aber kleinköpfiger und der Körper tiefer, d. h. die Bauchlinie ist weiter ausgezogen. Zur endgültigen Diagnose hilft letztlich aber nur der Blick auf die Schuppen, notfalls muss man zählen!

Wenn ich im Folgenden von Schützenfischen spreche, meine ich immer die Arten jaculatrix und chatareus, da ich mit anderen Schützenfisch-Arten keine Erfahrungen habe. Nach meinen bisherigen Beobachtungen unterscheiden sich die beiden Arten in ihren Ansprüchen und ihrem Verhalten nicht wesentlich.

Gesellig und trotzdem unverträglich

Schützenfische sind recht leicht zu halten. Wenn man sie in den Zoohandlungen bekommt, sind sie meist schon an das Süßwasser gewöhnt. Trotzdem sollte man beim Einsetzen ins Aquarium vorsichtig sein und später auch beim Wasserwechsel. Die meisten Verluste sind auf unvorsichtiges Umsetzen zurückzuführen. Hat sich der Schützenfisch erst einmal eingelebt, ist er sehr ausdauernd. Im Freiwasser leben die Schützenfische bevorzugt in lockeren Verbänden. In kleinen Trupps suchen sie direkt unter der Wasseroberfläche nach Anflugnahrung. Leider ist es nur in sehr großen Aquarien möglich, mehrere erwachsene Schützenfische zusammen zu halten, da sie untereinander recht unverträglich sind. Neben dem Fehlen äußerlich erkennbarer Geschlechtsmerkmale, ist das der Grund dafür, dass die Tiere bisher noch nicht in der Gefangenschaft gezüchtet werden konnten. Vermutlich ist dafür auch ein Wechsel zwischen See- und Süßwasser nötig – zumindest bei den beiden hier näher betrachteten Arten. T. microlepis wird nachgesagt, dass er wie auch lorentzi und kimberleyensis ein reiner Süßwasserfisch sei. Trotz der Unverträglichkeit untereinander sind die Tiere anderen Arten gegen über friedfertig, mit einer Einschränkung: Wenn die anderen Fische wesentlich kleiner sind, werden sie als Beute betrachtet und gefressen!

Immer mit gutem Appetit!

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Gefleckter Schützenfisch Toxotes chatareus

Schützenfische sind gefräßig, sie nehmen alles was sie bewältigen können. Untersuchungen des Darminhaltes bei frei lebenden Schützenfischen zeigten, dass sie eine erstaunlich große Nahrungsbreite besitzen. Man fand zahlreiche Insekten und deren Larven (Fliegen, Mücken, Ameisen u. a.), Krabben, Fische, aber auch Algen, Weizenkörner und halbgetrocknetes Thunfischfleisch.

Die beiden letzten Angaben zeigen, dass diese Untersuchungen in der Nähe von menschlichen Ansiedlungen vorgenommen wurden. Hier kommen sie gemeinsam mit dem Argusfisch vor. Wie Scatophagus argus haben viele Schützenfische in Südostasien die Rolle eines Abfallverwerters übernommen. Sie bekommen ihre Beute also nicht nur über das Beuteschießen, sondern in erster Linie auf herkömmliche Art, wie andere Fische auch. Dabei wird allerdings Futter bevorzugt, das sich an der Wasseroberfläche oder in den oberen Wasserschichten befindet. In selteneren Fällen wird auch Futter vom Boden aufgenommen (Krabben!).

Solange sich die Fische im Aquarium noch fremd fühlen, sind sie oft etwas wählerisch. Mit Insekten und deren Larven (z. B. rote Mückenlarven) bekommt man sie aber immer ans Futter. Ich reiche meinen Schützenfischen unter anderem Insekten (Fliegen, Brummer, Stabheuschrecken), Insektenlarven (Mücken-, Eintagsfliegenlarven), Kleinkrebse, kleine Fische und Tubifex. Auch aufgetautes Frostfutter, gekochter Fisch und Fleischstückchen werden gern genommen. Bei abwechslungsreicher und reichlicher Ernährung wachsen Schützenfische schnell heran. Man kann die Tiere aber auch monatelang nur mit grobem Trockenfutter ernähren, das gern genommen wird.

Gut geeignet für das Gesellschaftsaquarium

Schützenfische können ohne weiteres im GeseIlschaftsaquarium gepflegt werden, wenn die Mitbewohner nicht zu klein sind. Der Körperbau zeichnet sie als typische Oberflächenfische aus. Wir sollten dem Rechnung tragen und für freien Schwimmraum an der Wasseroberfläche sorgen. Andererseits liebt der Fisch aber auch Schwimmpflanzen, unter denen sich besonders die größeren Exemplare gern aufhalten.

Bei mir bewährte sich eine gemeinsame Pflege mit mittelamerikanischen Cichliden wie Amatitlania und Thorichthys. Hier zeigte sich wieder mal, dass gemeinsame Herkunft für eine erfolgreiche Vergesellschaftung unwichtig ist. In diesem Fall war von wesentlich größerer Wichtigkeit, dass die bodenorientierten Cichliden den Oberflächenfisch nicht als Konkurrent angesehen haben und umgekehrt.

Der Schütze mit der Wasserpistole

Wer das außergewöhnliche Spuckverhalten beim Schützenfisch beobachten will, muss Geduld haben - mal etwas mehr, mal weniger. Zunächst sollte der Wasserspiegel im Aquarium um etwa 15 Zentimeter gesenkt werden. Mit dem Versuch, das Spuckverhalten auszulösen, müssen wir warten, bis das Tier sich einigermaßen eingewöhnt hat. Dann füttern wir es mit Leckerbissen, zum Beispiel mit Roten Mückenlarven. Aber nicht zuviel! Nun kleben wir ein paar Mückenlarven an die Frontscheibe etwa in zwei bis fünf Zentimeter Höhe über dem Wasserspiegel und direkt über der alten Futterstelle. Durch ihre Farbe und ihre Bewegung wird der Schützenfisch auf seine Beute aufmerksam werden. Notfalls werfen wir nochmals ein oder zwei Mückenlarven an die alte Futterstelle ins Wasser. Wenn wir großes Glück haben, spuckt unser Schützenfisch sofort nach seiner Beute. Meist wird er aber versuchen, die Mückenlarven im Sprung zu erlangen. Dann werden wir die nächste Portion Mückenlarven ein paar Zentimeter höher an die Scheibe kleben.

Wenn unser Toxotes erst einmal gespuckt hat, werden wir sein Spuckverhalten in der Folgezeit ohne große Schwierigkeiten auslösen können. Man kann feststellen, dass der Schützenfisch seine Beute nur selten verfehlt. Ausgewachsene Toxotes können noch in 100 Zentimeter Entfernung ihre Beute treffen. Ihre Kraft reicht aus, um eineinhalb Meter weit zu schießen. Das Wasser trifft also mit so starker Kraft auf die Insekten, dass sie von ihrer Unterlage losgerissen und ins Wasser geschleudert werden.

Ein trickreicher Scharfschütze

Toxotes_spritzend_cr.jpgWie aber kommt es, dass der Schützenfisch sein Ziel so sicher trifft? Das erscheint vor allem deshalb so schwierig, weil die Lichtstrahlen an der Wasser-Luft-Grenze bei Schrägeinfall gebrochen werden, und dass dann das Ziel dem Fisch höher erscheint, als es in Wirklichkeit ist. Man kann immer wieder lesen, dass der Fisch ein wahres Rechengenie sein muss, wenn er seine Beute unter diesen Umständen sicher treffen kann. Das ist natürlich Unsinn!

Das Zielprinzip ist geradezu simpel. Die Wirkung der Lichtbrechung wird dadurch klein gehalten, dass der Fisch sich möglichst steil unter sein Beuteobjekt stellt. Die Differenz zwischen tatsächlicher Stellung der Beute und scheinbarer (bedingt durch die Wirkung der Lichtbrechung) beträgt bei der normalerweise eingenommenen Steilstellung des Fisches beim Spucken nicht mehr als einen Zentimeter. Das ist zu errechnen. Diese Differenz könnte unter Umständen aber schon zu groß sein. Der Schützenfisch überspielt diese Unsicherheit jedoch mit einem Trick: Er spuckt ja nicht einfach einen Wassertropfen nach seiner Beute. Er spritzt vielmehr einen geschlossenen Wasserstrahl, den er in der Längsrichtung verreißt, indem er während des Wasserspritzens seine Körperachse verstellt. Wer genau beobachtet wird erkennen, dass der Schützenfisch sich im Moment des Wasserausstoßes steiler stellt! Mit anderen Worten: Der Fisch streut nach dem Muster eines Maschinengewehrschützen und spuckt "sicherheitshalber" zunächst etwas zu tief und geht dann höher.

Noch einfacher erklärt es sich, warum der Fisch sein Ziel nicht rechts oder links verfehlt. Er spuckt erst, wenn er seine Beute mit seinen beiden großen, seitlich stehenden Augen zur gleichen Zeit gleich gut sehen kann. Dann steht er mit seiner Körperachse direkt auf die Beute hin ausgerichtet. Da die Körperachse mit der anatomisch festgelegten Spuckrichtung übereinstimmt, ist dann ein Danebenschießen kaum noch möglich. Das erklärt, warum auf einem Auge sehbehinderte oder erblindete Schützenfische nicht mehr treffen können. Der Fisch muss seine Beute also durch entsprechendes Einstellen seiner Körperachse anzielen. Dieser Vorgang braucht natürlich seine Zeit, und das erklärt, weshalb der Schützenfisch fast immer nur auf nicht fliegende Insekten zielt.

Es war lange Zeit heftig umstritten, ob der Schützenfisch jeweils mit einem Wasserstrahl nach seiner Beute schießt, oder ob es sich dabei um schnell aufeinander folgende einzelne Tropfen handelt. Schon vor vielen Jahren konnte ich dieses Rätsel mit Hilfe von Hochfrequenz-Filmaufnahmen lösen. Der Schützenfisch presst nur einen zusammenhängenden Wasserstrahl aus dem Maul heraus, der aber in einer Entfernung von einigen Zentimetern in eine Folge einzelner Wassertropfen zerfällt. Dass es sich hierbei um eine rein physikalische Erscheinung handelt (Kohäsion), erkennt man schon daran, dass ein Spritzer aus einer Wasserpistole keine anderen Bilder ergibt.

Toxotes_jaculatrix4.jpgDie Mechanik des Schießvorgangs

Wie wird der Wasserstrahl nun aus dem Maul des Schützen hinausgedrückt? Man wusste wohl, dass sich im oberen Gaumen, im Palatinum, eine Rinne befindet. Jeder, dessen Schützenfisch das Zeitliche gesegnet hat, kann sich davon leicht überzeugen. Durch Anlegen der fleischigen Zunge kann diese Rinne zu einer Spritzröhre geschlossen werden, deren Durchmesser bei einem 20 Zentimeter langen Tier etwa eineinhalb Millimeter beträgt. Die Frage ist, wie das Wasser im Mund- und Schlundraum aus dieser Röhre hinaus gepresst wird. Es ist nicht - wie fälschlich oft angegeben - der Druck der Kiemendeckel, der das bewirkt. Die Kiemendeckel müssen nur deshalb geschlossen werden, damit das Wasser aus dem Maul und nicht aus den Kiemen hinausgedrückt wird. Ich habe Filmaufnahmen gemacht, die zeigen, dass die Kiemendeckel vor dem Spucken so früh geschlossen werden, dass das Wasserspritzen nicht die direkte Folge davon sein kann. Offenbar wird das Wassers durch plötzliches Zusammenziehen spezieller Schlundmuskeln hinaus gedrückt - eine Vermutung, die übrigens schon der alte Brehm geäußert hat.

Foto rechts: Toxotes jaculatrix

Literaturhinweise:

Allen, G. A. (1978): A Review of the Archerfishes (Family Toxotidae). Rec. West. Aust. Mus. 6, S. 355 - 378

Lüling, K. H. (1955): Über Artunterschiede bei juvenilen und halberwachsenen südmalayischen Schützenfischen. Bonn. zool. Beitr. 6, 111 - 117

Vierke, Jörg (1971): Zwillings-Schützenfische Toxotes jaculatrix und Toxotes chatareus. Das Aquarium 5, 651 - 653

Vierke, Jörg (1973): Schützenfische. Aquarien-Magazin, 323 - 327

© Dr. Jörg Vierke

 


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