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Methoden des Schaumnestbaues bei Labyrinthfischen
© Dr. Jörg Vierke
Mit Unmut lese ich gelegentlich so oberflächliche Äußerungen wie: "Die Fortpflanzung erfolgt auf labyrinthfisch-typische Weise" oder - nur unwesentlich genauer - "... erfolgt nach Art der schaumnestbauenden Labyrinthfische". Man sollte doch genauer hinschauen! Bei fast jeder Labyrinthfischart gibt es arttypische Unterschiede. Schauen wir uns hier nur mal die Methoden der Schaumerzeugung bei einigen Labyrinthfischen an!
Zuvor noch eine Anmerkung in eigener Sache: Nur die hier vorgestellten gif-Animationen ermöglichen es, diesen Artikel zu schreiben. Man stelle sich dieses Thema als Zeitschriftenaufsatz vor - unmöglich! Selbst die allerbesten Fotos können die Besonderheiten des jeweiligen Nestbaues nicht verdeutlichen. Und als reiner Text wäre das bestenfalls als akademische Abhandlung sinnvoll. Hier jedoch kann die Domäne Internet voll ausgespielt werden! Auch das Medium Film wäre geeignet - demnächst werde ich das sicher auch verwirklichen. Unabhängig davon, ob die Fische ihre Nester an der Wasseroberfläche oder mehr in Bodennähe unter Blättern oder in Höhlen anlegen, unabhängig auch davon, ob sie Pflanzenteile in ihrem Nest verbauen oder nicht, für alle Schaumnestbauer gilt, dass sie die Luftblasen im Maulinneren mit einem von Becherzellen abgesonderten Speichelsekret umhüllen und auf diese Weise haltbar machen. Zur Schaumproduktion dient eine der folgenden Methoden:
a) Das Blasenschnappen. Die Fische nehmen mit einer einzigen Schnapp- oder Saugbewegung Luft mit dem Maul auf und tragen diese Blase umgehend ins Nest (Beispiele: Betta, Macropodus, Trichopsis).Die Animationen zeigen das vom Kampffisch Betta splendens und vom Paradiesfisch Macropodus opercularis. Dieser Methode bedienen sich auch die Arten, die ihre Nester in der Regel nicht direkt am Wasserspiegel bauen, die Spitzschwanzmakropoden (Pseudosphromenus) und die Prachtguramis (Parosphromenus).
b) Das Schaumschöpfen ist eine Art der Schaumerzeugung, die die Fadenfische bevorzugen. Hierbei stehen die Tiere mit dem Maul an der Wasser-Luft-Grenzfläche und saugen durch fortwährende Kiemendeckelbewegungen sowohl Wasser als auch Luft ein und erzeugen im Maul viele kleine Schaumblasen (Beispiele: Colisa, Trichogaster). Innerhalb der Gattung Colisa ist schön zu sehen, wie unterschiedlich die Schaumerzeugung auch durch Schaumschöpfen erfolgen kann und wie mit zunehmendem Differenzierungsgrad immer kompaktere und vollkommenere Schaumnester angelegt werden können. Auf der in dieser Beziehung niedrigsten Stufe steht Colisa chuna. Während des oft minutenlang andauernden Schaumschöpfens entläßt das Männchen ständig nach jeder Pumpbewegung einige kleine Blasen aus dem Maul, die sich dann in der Nähe des Fischmaules ansammeln. Die Blasen werden nicht wieder aufgenommen, sie bleiben an Ort und Stelle. Das Schaumnest wird dadurch lückenhaft, recht groß und besteht nur aus ein, höchstens aus zwei Blasenlagen. Ganz entsprechendes sehen wir auch bei dem Colisa fasciata Männchen, das hier rechts in Aktion ist. Wir sehen, wie es Schaumblasen an einer Stelle des Nestes produziert und sie gewissermaßen vor Ort entläßt. Dann schwimmt er zu einem anderen Platz in seinem lockeren Schaumnest und macht hier mit seiner Tätigkeit weiter. Die Colisa fasciata-Männchen erzeugen ihren Schaum also auf ganz ähnliche Weise wie C. chuna. Sie nehmen jedoch gelegentlich einen Teil des Schaums nach Beendigung des Schaumschöpfens mit ein oder zwei Schnappbewegungen auf, tragen ihn unter das Nest und entlassen ihn dort. Das hier gezeigte Männchen hatte das nur in seltenen Ausnahmefällen getan. Von welchen Faktoren die unterschiedlichen Bauweisen bei fasciata abhängen, ist mir nicht bekannt. Im letzteren Fall hat das fasciata-Nest neben großen seitlichen, aus nur ein oder zwei Blasenlagen bestehenden Bezirken, auch ein recht kompaktes Zentrum. Die letzte Animation (rechts unten) zeigt ein Zwergfadenfisch-Männchen beim Nestbau. Das Nest der Colisa lalia-Männchen gehört zu den kunstvollsten und haltbarsten Belontiiden-Nestern. Im Gegensatz zu den anderen Colisa-Arten wird es auch unter reichlicher Verwendung von Pflanzenmaterial errichtet. Die Luftblasen werden mit Schöpfbewegungen erzeugt, die meist in Nestnähe stattfinden, gelegentlich aber auch in 10 cm Entfernung oder mehr. Während des Schöpfens wird keinerlei Schaum abgegeben, er verbleibt im Maul, bis der Fisch unter das Nest geschwommen ist und ihn dort unter kreisender Bewegung freiläßt.
Bei den ebenfalls schaumschöpfenden Trichogaster-Arten trifft man die gerade genannten Methoden auch an. Ich will hier verkürzend vom chuna-, fasciata- und lalia-Typ reden. Es gibt dabei zwar gewisse Unterschiede, aber die sind unwesentlich. So könnte man das Schaumschöpfen der T. trichopterus als chuna-Typ bezeichnen, wenn der Fisch ununterbrochen schaumschöpft und dabei ganze Wolken von Schaumblasen ausbläst, die im Gegensatz zu C. chuna zunächst auch einige Millimeter tief ins Wasser geblasen werden. Abwechselnd mit dieser Schaumerzeugung trifft man bei T. trichopterus aber auch oft das Schaumschöpfen nach dem lalia-Typ an.Die Abbildung ganz oben links auf dieser Seite zeigt dieses Verhalten. c) Luftperlen-Abgabe durch die Kiemenöffnungen: Wenn das Nest mehr oder weniger fertig ist, kann das Ablaichen beginnen. Jetzt kann man bei einigen Labyrinthern noch eine weitere Methode des Schaumerzeugens beobachten. Sie erfolgt direkt nach dem Ablaichen. Es handelt sich dabei um auffallend feine Luftbläschen, die aus den Kiemendeckeln entlassen werden. Mit den Brustflossen werden sie dann verwedelt. Offenbar entstammen die winzigen Luftperlen direkt dem Labyrinthorgan. Sie unterstützen die Einbettung der Eier und Larven in den Schaum. Diese Methode wird bei Colisa fasciata, C. lalia, C. chuna und Belontia signata beobachtet. Die Animation links zeigt diese Form der Bläschen-Erzeugung bei einem Zwergfadenfisch-Männchen, das direkt nach dem Laichvergang unter dem Nest steht. Warum werden Schaumnester gebaut? Ganz kurz auch auf diese oft gestellte Frage eine Antwort: Schaumnester sind das Zentrum des Männchen-Reviers. Selbst wenn ein Schaumnest abtreiben sollte, ändert sich das (in gewissen Grenzen) nicht. Die Eierwerden zwischen den Luftblasen zusammengehalten. So können sie nicht so leicht abdriften. Die Nester werden natürlich verteidigt. Sie sind meistens am Ufer oder in Pflanzenteilen einbezogen, an denen sie sich mehr oder weniger stabil halten. Das gilt sowohl für Nester mit Schwimmeiern (Eier und Larven leichter als Wasser, sie treiben nach oben) der Fadenfische und Makropoden wie auch für die mit Sinkeiern (schwerere Eier und Larven, die zu Boden sinken) der Bettas und anderer Labyrinther. Gleichzeitig dient das Schaumnest auch dazu, das Gelege an aus dem Wasser herausragenden Pflanzenteilen (z. B. Reispflanzen) zu verankern. Das gilt für Fadenfische mit ihren Schwimmeiern, aber auch für die Formen mit schwereren Eiern wie Knurrende Guramis (Trichopsis) und Kampffische (Betta), für die das Schaumnest darüber hinaus eine Floßfunktion übernimmt. Andere verschiedentlich diskutierte Aufgaben der Schaumnester (antibakterielle Wirkung des Schaums, optisches Zentrum des Laichreviers) oder auch der Versorgung der Brut mit Sauerstoff, treten dagegen in den Hintergrund. Weiteres zu diesem Thema auf meiner Seite "Fischverhalten.de" >>> © Dr. Jörg Vierke
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