Fischreisen - Dr. Fisch
 
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»» Rote Laubkampffische

Sie leben sehr versteckt, diese Kampffische, die manchmal prächtig rot gefärbt sind! In ihrer Heimat, in einigen Regenwaldbächen im Osten Borneos, suchen sie vor allem im abgefallenen Laub in der ufernahen Bodenregion Zuflucht. Es sind zwei sehr nahe verwandte Arten, die sich beide durch einen auffallenden weißen Flossensaum auszeichnen: Betta albimarginata, der Weißsaum-Kampffisch und Betta channoides, der Schlangenkopf-Kampffisch. Durch einige Merkmale unterscheidet sich dieses Zwillingspaar von allen anderen Kampffischen. Da der Name Weißsaum-Kampffisch schon vergeben ist, nenne ich sie "Rote Laubkampffische" oder "Rote Laub-Bettas"!

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Weißsaumkampffisch Betta albimarginata. Männchen in Prachtfarbe
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Betta albimarginata: Paarung (links) und Eiübergabe (rechts)
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Weißsaumkampffische Betta albimarginata bei der Eiübergabe
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Weißsaumkampffisch Betta albimarginata, Männchen mit laichvollem Maul
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Schlangenkopf-Kampffisch Betta channoides. Männchen
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Schlangenkopfkampffisch Betta channoides, Männchen in Prachtfärbung
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Schlangenkopf-Betta Betta channoides. Weibchen in Laichfärbung
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Schlangenkopf-Kampffische Betta channoides, Paarungsschlinge
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Schlangenkopf-Kampffisch Betta channoides, maulbrütendes Männchen

Zwillingsarten

Weißsaum-Kampffische und Schlangenkopf-Kampffische sind in der Tat zum Verwechseln ähnlich. Beide sind langgestreckte, schlanke Fischchen, die maximal gerade mal Größen von 5 cm erreichen. Dabei haben sie einen auffallend großen Kopf, der unpassend zum Rest des Körpers gestaltet ist: Er ist ganz flach und breit, offenbar eine Anpassung an das Maulbrüten.

Die beiden Arten unterscheiden sich vor allem in einem Merkmal deutlich von allen anderen Bettas: Durch die Anzahl der Analstrahlen. Sie besitzen 9 bis 12 Stachelstrahlen in der Afterflosse (andere Kampffische 0 bis 4), dafür aber weniger Weichstrahlen: 11-13 gegen 18-32. Hinzu kommt der auffallende weiße Saum an den unpaaren Flossen der Männchen (teilweise auch beim Weibchen!), einzigartig unter den Kampffischen. Auch in den weiteren Farbmerkmalen gibt es eine Vielzahl von Übereinstimmungen bei den beiden Arten.

Am eindeutigsten werden die beiden Zwillingsarten wieder durch die Anzahl der Stachelstrahlen in der Afterflosse unterschieden: Channoides hat 12 Stachelstrahlen, albimarginata 9 bis 11. Es gibt noch eine Reihe weiterer morphologischer Unterschiede (z.B. hat channoides schmälere und zahlreichere Schuppen), die hier nicht alle aufgezählt werden sollen.

Die allgemeine Erscheinung und die Färbung wird besser als durch Worte durch die beigefügten Fotos verdeutlicht. Fortpflanzungswillige Männchen zeigen oft eine sehr auffallende rote Körperfärbung. Normalerweise sind die Fische jedoch mehr bräunlich. Kennzeichnendes Merkmal sind die weißen Säume der unpaaren Flossen. Die Breite des Flossensaums scheint in Abhängigkeit mit der jeweiligen Befindlichkeit des Tieres zu variieren.

In der Afterflosse trifft man diese weiße Begrenzung auch beim channoides-Weibchen an – meine albimarginata Weibchen dagegen zeigten diese Säume nicht, stattdessen jedoch auffallende weiße Bauchflossenspitzen. Das mag aber herkunftsabhängig variieren.

Gestresste Tiere zeigen oft eine Querbänderung. In sehr auffälliger Form zeigen diese Bänder auch die Weibchen, wenn sie in Laichstimmung sind. Im Bauchbereich wird ein auffallend heller Bereich ausgespart.

Beheimatet im Falllaub flacher Urwaldbäche

Die Bettas kommen aus Indonesien, genauer aus dem Osten Borneos, aus der Provinz Kalimantan Timur. Im Norden dieser Provinz wurden albimarginata gefangen, im Südteil, schon in Grenznähe zur Provinz Kalimantan Tengah channoides. Kottelat und Ng geben die genauen Koordinaten für die Fangstellen an. Wer es genau wissen will, kann hier die Angaben kopieren und bei Google Earth eingeben! Fundorte für B. channoides: 0°01´S 115°43’ E; 0°05´S 115°47´E;  0°14´S 116°07´E; für B. albimarginata: 4°04.08´N 117°00.4´E; 3°59.96´N 116°59.32´E.

Die Fische wurden in flachen, schmalen Klarwasserbächen im Regenwald bei folgenden Wasserwerten gefangen: 26° C bis 27° C, pH von 5.5 bis 6.0, Wasserhärte bis 3° GH. Sie lebten hier im beschatteten Uferbereich zwischen den heruntergefallenen, abgestorbenen Laubblättern der Urwaldbäume und zwischen Ästen, vor allem in oberflächennahen Bereichen.

Fische für das Artaquarium

Die ausgesprochen ruhigen und friedlichen Fische hält man am besten im Artaquarium, vorzugsweise ein Weibchen mir zwei Männchen. Dazu reicht bereits ein 30 Liter Standard-Becken. Größere Aquarien sind jedoch vorzuziehen, weniger wegen der territorialen Ansprüche der Tiere, sondern im Hinblick auf die dann leichter zu haltende Wasserqualität.

Einrichtung: Das Aquarium ist im Idealfall dicht bepflanzt und mit Unterständen (Baumwurzeln, Tonröhren) ausgestattet. Empfehlenswert ist eine Altlaubschicht am Boden (z. B. vorjährige Buchenblätter) und eine Schwimmpflanzendecke. Die Fische lieben das Laub, aber es kann auch Probleme im Aquarium bereiten, da es das Reinhalten des Aquariums behindert.

Zum Wasser: Temperaturen um 24 - 26° C und ein pH-Wert von etwa 6 haben sich bewährt. Eine leichte(!) Strömung wäre sinnvoll (Schwammfilter), aber nicht notwendig.

Zur Ernährung: Ich habe meine Laubbettas nur mit Lebendfutter (Wasserflöhe, Cyklops, weiße und schwarze Mückenlarven) gefüttert. Notfalls nehmen sie aber auch aufgetautes Frostfutter

Auf gar keinen Fall! Nicht die beiden Arten zusammen halten! Es ist wahrscheinlich, dass es dann zu Kreuzungen, also zur Vermischung der Arten kommt.

 

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Ein Betta albimarginata-Männchen: Portrait

Vermehrung – unter passenden Bedingungen nicht schwer

Laubbettas gehören zu den maulbrütenden Kampffischen. Die Fortpflanzung findet in Becken wie dem oben beschriebenen statt. Ich habe keine wesentlichen Unterschiede im Fortpflanzungsverhalten dieser beiden Zwillingsarten bemerkt. Daher bezieht sich der folgende Text auf beide Arten.

Wie bei den maulbrütenden Bettas gewohnt, ist das Weibchen bei der Paarung der aktivere Partner. Dann legt es ein typisches Querbindenmuster an. Wieder und wieder umschwimmt es den männlichen Partner, bis es zu den ersten Paarungen ohne Eiausstoß, den Scheinpaarungen kommt. Dabei umschlingt das Männchen seine Partnerin. In einem späteren Stadium kommt es dann zum Ausstoß der schneeweißen Laichkörner. Sie landen auf dem Körper, häufiger auf der Afterflosse des Männchens, von wo das Weibchen sie umgehend aufschnappt. Gelegentlich fallen sie auch auf den Boden und werden dann hier vom Weibchen aufgesammelt.Auch der Vater findet am Boden noch gelegentlich ein Laichkorn. Zweifellos erleichtert die weiße Farbe der Eier ihr Auffinden.

Dann ist das Weibchen damit beschäftigt, mit den Eiern zu "spielen". Es spuckt sie aus, um sie gleich wieder aufzuschnappen. Man hat selten den Eindruck, dass das Weibchen die Eier dem Männchen gezielt vorspuckt, auch wenn die Eiübergabe natürlich der biologische Sinn des Ganzen ist. Oft hat das Männchen regelrecht Probleme, schnell genug an die Eier zu kommen.

 

Die Paarungen und die anschließenden Laichübergaben finden fast immer direkt am Boden statt. Letztendlich, nach mindestens 20, zumeist jedoch deutlich mehr Paarungsvorgängen, ist das Maul des Männchens prallvoll. Viele Eier werden verschluckt. Man erkennt das an dem deutlich vorgewölbten Bauchprofil! Auch diese Eier sind letztlich nicht verloren, denn sie geben dem Vater die Möglichkeit, die kommenden zwei Wochen zu fasten.

Um einen wirklichen Eindruck vom Paarungsverhalten der Fische zu bekommen, betrachtet man die unten eingebetteten Filme! Man kann sie formatfüllend anschauen und sollte wegen der Kommentare nicht vergessen, den Ton einzustellen.

 

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Weißsaumkampffisch Betta albimarginata. Männchen in Normalfärbung

Wenn der Vater ein randvoll prall gefülltes Maul hat, verliert er das Interesse an weiteren Paarungen. Das Weibchen produziert deutlich mehr Laich als nötig und bleibt meistens länger motiviert. Oft scheint es jetzt dem Vater regelrecht lästig zu werden. Endlich zieht sich das mittlerweile weitgehend unscheinbar tarnfarbene Männchen in den oberen Bereich des Beckens, oft direkt unter die Wasseroberfläche zurück, meist im Schutz eines großen Blattes oder Holzstückchens.

Hier verharrt der Vater weitgehend reglos ungefähr 2 Wochen, bis er seine Brut aus dem Maul ausspuckt. Die Kleinen sehen aus wie winzige dunkle Striche und verteilen sich sofort im Bereich der Schwimmpflanzen. Schon bald nehmen sie frischgeschlüpfte Artemien, die ihnen aber direkt vor das Maul kommen sollten, denn die Fischchen lauern still verharrend auf ihre Beute und suchen sie zunächst nicht aktiv auf. Sie stehen zumeist ruhig unter einem Pflanzenblatt - zweifellos ein guter Schutz gegen Räuber. Bei Gefahr können sie aber auch blitzartig davonschiessen.

Jetzt sollte man darauf achten, dass das Wasser akribisch rein gehalten wird. Einige Züchter fangen das laichtragende Männchen daher kurz vor dem Entlassen der Brut vorsichtig heraus und bringen es in ein Aquarium mit Schwimmpflanzen, aber ohne Bodengrund. So ist es einfacher, abgestorbene Artemien abzusaugen. Ein langsam laufender Schwammfilter sorgt für eine leichte Wasserbewegung und dafür, dass die Artemien auch wirklich vor das Maul der kleinen channoides kommen. Die Brut wächst im Allgemeinen zügig heran und schon nach etwa 2 Monaten kann man die Geschlechter an der Färbung unterscheiden.

© Dr. Jörg Vierke

 

Literatur und Links

 

Goldstein, J. G. (2004): The Betta Handbook, Barron´s, Hauppage, New York 11788

Grams, F. & P. Dickmann (1997): Kleine rote Maulbrüter - eine Labyrinthfischgruppe stellt sich vor. DATZ 9, S. 562

Kottelat, M. & P. K. L. Ng (1994): Diagnoses of five new species of fighting fishes from Banka and Borneo (Teleostei: Belontiidae). Ichthyol. Explor. Freswaters, Vol. 5, No. , 65 – 78. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München.

Schlüter, M. (2000): Betta albimarginata. Der Makropode 9-10.

Anmerkung:

Eine Fotofolge von einem einzigen Laichakt bei Betta channoides befindet sich hier >>> (gleich oben)! Es handelt sich dabei um eine Sequenz aus dem Film unten rechts.


Die Filme zu den Laubbettas:

Weißsaumkampffisch B. albimarginata. Fortpflanzungsverhalten. Kurzfassung mit englischen Untertiteln Schlangenkopf-Kampffisch Betta channoides, Fortpflanzungsverhalten
Betta albimarginata - Fortpflanzung: Ablaichen und Ei-Übergabe. Vollständige Version Betta albimarginata - Fortpflanzung: Maulbrüten, Jungfische. Vollständige Fassung

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