Fischreisen - Dr. Fisch
 
 SUCHE:
 

Besucherzähler


»» Rocio octofasciata Achtbindenbuntbarsch

 

Rocio octofasciata, der Achtbinden-Buntbarsch oder Schwarzbindenbuntbarsch

© Dr. Jörg Vierke

Namensfrage: Wenn man die Fische in der üblicherweise gezeigten Prachtfärbung sieht, fragt man sich nach der Herkunft des Namens Achtbinden-Buntbarsch oder Schwarzbindenbuntbarsch. Antwort: Bei Stress, aber auch bei der Brutpflege und als Jungtiere zeigen sie mehr oder weiger auffallende Querbänder. Aber die deutsche Bezeichnung ist nicht das Problem, eher die wissenschaftliche.

REGAN beschrieb die Art 1903 als Heros octofasciatus, dann hat derselbe Autor dieselbe Art ein zweitesmal als Cichlasoma biocellatum beschrieben. Das war 6 Jahre später. Zwischenzeitlich wurden auch die Namen Cichlasoma octofasciata und Nandopsis octofasciatus verwendet. Derzeit hat man sich auf den Namen Rocio octofasciata geeinigt, jedenfalls vorläufig!

Größe: Als Rekord wird ein Männchen von 25 cm Gesamtlänge angegeben. Im Allgemeinen bleiben die Fische allerdings deutlich kleiner.

Rocio_octofasciata4.jpg
"Jack Dempsey" nennen die Amerikaner den Achtbinden-Buntbarsch Rocio octofasciata. Hier ein schönes Männchen.
Rocio_octofasciata9.jpg
Rocio octofasciata, das große Männchen ist in Laichstimmung
Rocio_octofasciata6.jpg
Ablaichvorbereitungen. Der kleinere Fisch im Hintergrund bearbeitet den Stein.
Rocio_octofasciata2.jpg
Jetzt gleitet der kleinere octofasciata mit den Brustflossen heftig propellernd über den Ablaichstein.
Rocio_octofasciata8.jpg
Rocio octofasciata: Dicht an den Stein gepresst werden die Laichprodukte abgegeben.
Rocio_octofasciata1.jpg

Jetzt ist das größere Tier an der Reihe, seine Laichprodukte abzugeben. - Ein schönes Paar, könnte man glauben. Nur leider sind beides Männchen - da ist an eine Zucht natürlich nicht zu denken!

Geschlechtsunterschiede: Männchen in der Regel größer, mit weiter ausgezogenen Rücken- und Afterflossen und im Alter mit aufgewölbter Stirnpartie. In der Färbung keine deutlichen Unterschiede. Sichere Geschlechtsbestimmung nur anhand der Genitalpapillen laichender Tiere: Beim Männchen spitz zulaufend, beim Weibchen stumpf und größer.

Lebensraum: Die Süßwasserfische sind in Nord- und Mittelamerika zu Hause, ursprünglich in den Atlantikzuflüssen von Südmexiko (Papaloapán River) bis Honduras (Ulua River). Einbürgerungen brachten sie aber auch in den Südwesten der USA und in andere Regionen der Welt.

Die Fische bevorzugen sumpfige, warme Flachlandbereiche mit viel Vegetation und nur schwacher Strömung. pH Bereich: 7.0 - 8.0; dGH: 9 – 20, 22° C – 30° C.

Haltung: Handfeste Buntbarsche, die wegen ihrer Robustheit im englischen Sprachgebrauch als „Jack Dempsey“ (nach einem bekannten Boxchampion) bezeichnet werden. Nur für große Aquarien geeignet und – wenn überhaupt – nur für robuste Mitbewohner. Die Mindestgröße für ein erwachsenes Paar ohne weitere Beifische sollte ein 200 Liter-Aquarium sein.

Zucht: Bei geeigneter Unterbringung und Paarzusammenstellung unproblematisch. Die Fische heften ihren Laich an Steinen oder Wurzeln und bewachen und verteidigen intensiv als Elternfamilie die Brut.

Zuchtform: Vor einigen Jahren ist eine leuchtend blaue Zuchtform dieser Art aufgetaucht. Sie hat mehr oder weniger unregelmäßige schwarze Flecken am Körper und orangerote Augen.

Eigene Erfahrungen: Vor geraumer Zeit sah ich bei einem Zoohändler, der sonst kaum Cichliden anbietet, zwei große Rocio octofasciata, Schwarzgebänderte Buntbarsche, die sich in einem Gurkenglas befanden, etwa auf die Art, wie sonst Sardinen in der Dose verpackt sind. Ich erfuhr, dass sie eben ein Aquarianer abgeliefert hatte, der von ihnen endgültig die Nase voll hatte. Da man selten die Gelegenheit hat, so schöne, große Schautiere zu bekommen, griff ich sofort zu und brachte sie nach Hause. Dort wurden die schönen Südamerikaner in ein eilig für sie eingerichtetes 100-Liter-Aquarium überführt: eine Schicht grober Kies, ein paar große und mittelgroße Steine und ein Pflanzenbüschel - das war die ganze Einrichtung. Aus heutiger Sicht war das Aquarium natürlich mit Abstand zu klein, aber das war ja auch nur als vorläufig gedacht.

Nun konnte man die Tiere in ihrer ganzen buntschillernden Pracht sehen. Der Name "Schwarzgebänderter Buntbarsch" lässt ein Aschenputtel erwarten, nicht aber einen derart schönen Fisch. Das größere Tier - eine Stirnaufwölbung und die zugespitzten Rücken- und Afterflossen wiesen es eindeutig als Männchen aus - war mehr als 16 cm groß. Der kleinere Fisch hatte nur etwa die halbe Größe. Er wurde bald vom stärkeren Tier im Becken hin- und hergejagt. Mir war klar, dass das nicht lange gut gehen konnte. Ich versuchte das streitbare Männchen durch Weiße Mückenlarven abzulenken. Offenbar stiftete dieses Lebendfutter Frieden, denn bald waren beide voll mit Fressen beschäftigt. Nach einer Stunde hatten die Fische richtig runde Bäuche. Gewiss hatten sie lange nicht mehr so etwas Leckeres gefressen.

Nun zeigte sich, daß der kleinere octofasciata seinen großen Beckengenossen regelrecht umwarb; wenn dieser drohend auf ihn zukam, stellte sich der Kleine quer, spreizte weit seine Flossen und umschwamm ihn. Das schien dem Großen zu gefallen. - Bereits am folgenden Tag putzte das Paar. Mal gemeinsam, mal jeder für sich wurden die Steine im Aquarium gesäubert. Das geschah oft sehr energisch, so als wollten sie Stücke aus den Steinen herausbeißen. Diesen großen, robusten Fischen wollte man das manchmal fast zutrauen.

Nun war es für mich allerhöchste Zeit, die Kamera zu holen. Ich wollte das Ablaichen dieses Paares natürlich im Bild festhalten. Schnell hatten sich die Tiere auf einen Laichstein geeinigt, schon begannen sie - wie zur Probe - über das Laichsubstrat zu gleiten. Natürlich waren auch die Laichpapillen schon hervorgetreten. Ich fotografierte also. - Um es kurz zu machen, eine Laichserie kam nicht zustande. Die Tiere haben, nur von kurzen Pausen unterbrochen, Tag auf Tag scheingelaicht. Eier wurden nicht abgegeben. Ein genauerer Blick auf die Laichpapillen zeigte mir nun auch den Grund: es waren beides Männchen.

Anscheinend hatte sich der Geschlechtstrieb nach langer Enthaltsamkeit und dank der nun plötzlich eingetretenen verbesserten räumlichen Bedingungen und aufgrund des guten Futters plötzlich entladen. Man weiß, dass sich bei Cichliden unter solchen Umständen gleichgeschlechtliche Paare bilden können. Zumindest gilt das dann, wenn der entsprechende Partner des anderen Geschlechtes fehlt. Wenn sich zwei Weibchen zusammenschließen, kann passieren, dass der Züchter dieses lange Zeit nicht bemerkt. Er wundert sich nur, dass der Laich trotz guter Pflege der Eltern immer wieder verpilzt.

© Dr. Jörg Vierke

letzte Bearbeitung: 4. 9. 2012