Fischreisen - Dr. Fisch
 
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Regenbogen-Lalia-Männchen zeigen auch außerhalb der Laichzeit ihre wunderschöne Färbung. Hier steht ein paarungsbereites Tier unter seinem Schaumnest und bessert es aus. Zwischendurch schwimmt es zur Reviergrenze, um ein Weibchen zum Nest zu balzen.

Der Regenbogen-Lalia, eine besonders schöne Zuchtform der Zwergfadenfische


© Dr. Jörg Vierke

Es gibt immer wieder Neuerscheinungen, die bei den Aquarianern wie eine Bombe einschlagen. So ging es 1980 mit dem Roten Lalius. Ende 80, Anfang 81 zierte er fast gleichzeitig die Titelbilder der meisten Aquarienzeitschriften. Ich hatte Anfang 1980 die Gelegenheit, den Roten Zwergfadenfisch im Aquarien-Magazin erstmals vorzustellen. Ich bekam damals auf meinen Bericht eine ganze Reihe von Zuschriften. Die meisten Leser waren, wie auch ich, sehr angetan von der plakativen Färbung dieser neuen Zuchtform aus Singapur, andere hielten den "Wild-Lalius" wegen seiner kontrastreichen Blaurotfärbung immer noch für viel schöner.
Ich wurde auch nach dem Blauen Lalius gefragt, den ich in dem Bericht kurz erwähnt hatte. Leider kann ich in solchen Fällen diesem Fall wirklich keine Bezugsquellen angeben; man sollte seinen Zoohändler darauf ansprechen.

 

Das Weibchen hat dem Werben des Männchens nachgegeben. Deutlich sieht man seinen kräftigen Laichansatz
Die rote Zuchtform des Zwergfadenfisches, ein Männchen. Anders als beim Regenbogenlalius sind hier Kopf und Kehle nicht blau!
Die blaue Zuchtform des Zwergfadenfisches (Männchen)
Trichogaster lalius / Colisa lalia Regenbogenform: Nun drängt sie sich dem werbenden Männchen in die Seite. .
. . . woraufhin das Männchen mit seinem Körper seine Partnerin umschlingt. In dieser Stellung verharrt das Paar mehrere Sekunden.
woraufhin das Männchen mit seinem Körper seine Partnerin umschlingt. In dieser Stellung verharrt das Paar mehrere Sekunden
Jetzt ein leichtes Überkippen des Paares, und...
Sekundenbruchteile später lösen sich die Partner. Man sieht die soeben erschienenen, glasklaren Laichkörner (oben rechts), die jetzt unter das Nest hochsteigen.
Bis zum nächsten Laichakt hat das Weibchen nichts unter dem Nest zu suchen. Es verschwindet für einige Minuten, während der Vater sich um das Nest und den Laich kümmert.
Ein Männchen Colisa lalia / Trichogaster lalius Naturform unter dem mit Pflanzen stablilisierten Schaumnest

Ein Leser meinte, gerade die blauen Colisa lalia würden doch besonders dekorativ im Aquarium wirken, da nur wenige Süßwasserfische blaue Farben aufweisen. Das stimmt im Prinzip. Ich hatte die Tiere vor einiger Zeit mal gesehen und muss sagen, dass die Blauen Zwergfadenfische mich enttäuscht hatten. Man muss dazu vor allem wissen, dass ihr Blau als irisierende Farbe in seiner Intensität in erster Linie vom Lichteinfallswinkel abhängt. Zumeist wirken die Fische unter Aquarienbedingungen recht blas. Die rote Farbe dagegen ist unter jedem Lichteinfallswinkel satt zu erkennen. Bei den Roten Zwergfadenfischen kann die Rotfärbung der Männchen durchaus unterschiedlich intensiv sein. Es gibt Zuchtformen, die eher kräftig-orangefarben aussehen, und solche, die wirklich knallrot sind. Alle haben eine Gemeinsamkeit: Die schöne dunkel- oder mittelblau strahlende Kehle der balzenden Männchen der Naturform fehlt ihnen völlig. Das Fehlen dieses Kontrastes ist es vor allem, was die Tiere trotz bester Rotfärbung nach einiger Zeit in den Augen des Beobachters blas erscheinen lässt. Leider ist die Kehlpartie auch nicht rot, sondern gelblich oder grau. Vor einiger Zeit traf ich nun aber Lalias an, die mir wirklich als ideale Kombination der Roten und der Blauen Zwergfadenfische erschienen. Ich möchte annehmen, dass sie tatsächlich durch entsprechende Kreuzungen der Zuchtformen entstanden sind. Wegen ihren leuchtenden Farben werden diese Zwergfadenfische als Regenbogen-Lalias bezeichnet. Der größte Teil des Körpers der Männchen ist einfarbig - orangerot gefärbt. Dazu sehr schön im Kontrast wirken die strahlend blauen Rücken- und Afterflossen. Die Bauchflossenfäden sind rot, die Brustflossen farblos. Der Kopf sowie die Rücken- und die Bauchpartie schillern ebenfalls blau. Als besonderer Schmuck fallen die Augen auf, die im blaugefärbten Kopf durch ihre rote Iris besonders dekorativ wirken. Im Vergleich zu den Regenbogen-Lalias wirken die Roten Zwergfadenfische - so schön sie für sich sein mögen - eintönig fad. Die Weibchen der Roten Zwergfadenfische können die gleiche Färbung haben wie die der Wildform. Ich hatte zuerst geglaubt, dass man sich hier einen Trick erlaubt hatte, wie er bei den Hochzuchtformen der Guppys angewandt wird: Man kann zumeist zwar die herrlichen Männchen kaufen, nicht aber die zu diesem Stamm gehörenden Weibchen. Stattdessen werden andere Guppyweibchen mit beigegeben. Dann ergeben die Nachzuchten natürlich nicht mehr das, was man auf Grund der Väter erwarten würde. Nun, bei den Colisa lalia, war es anders. Auch mit den "wildfarbenen „Colisa lalia-Weibchen, die mit den roten Männchen verkauft werden, erzielte ich schön gefärbte, einfarbig rote Nachkommen. Gelegentlich werden mit den roten Männchen aber auch Weibchen angeboten, bei denen die dunklen Schrägstreifen der Stammform auffallend schwach sind oder ganz fehlen. Man sieht, hier gibt es alles; die Roten Zwergfadenfische stammen offenbar aus verschiedenen Zuchten.
Die Weibchen der Regenbogen-Zwergfadenfische sind einfarbig. Zumindest die Tiere, die ich bislang gesehen habe, hatten alle keine Schrägstreifen. Stattdessen zeigen sie eine gewisse Blautönung. Besonders die Partien, die auch bei ihren Männchen blau gefärbt sind, schillern bei ihnen - den richtigen Lichteinfall vorausgesetzt - herrlich blau. Schuppen in der Nackenregion erscheinen manchmal wie mit Goldstaub übersät. Sie können, wieder in Abhängigkeit von der Beleuchtung, golden, grünlich oder bläulich schimmern. Ganz Entsprechendes beobachtet man auch bei den Männchen in dieser Körperpartie.
Zwergfadenfische sollte man immer paarweise kaufen. In der Haltung und in der Zucht unterscheiden sich die Regenbogen-Lalias in keiner Weise von der Normalform. Die Fische brauchen Temperaturen zwischen 24 und 28° C und zumindest stellenweise gut bepflanzte Aquarien mit Schwimmpflanzen oder mit Teilen eingewurzeIter Pflanzen, die bis zur Wasseroberfläche hochgewachsen sind. Üblicherweise genügt Kunstfutter für die Haltung. Zur Zucht ist Tümpelfutter dringend zu empfehlen. Besonders Schwarze und Weiße Mückenlarven sowie Eintagsfliegenlarven fördern den Laichansatz der Weibchen und die Laichwilligkeit der Männchen ungemein. Zwergfadenfische sind eigentlich recht problemlos in der Haltung, allerdings werden sie nicht alt. Sie sterben schon früh an Altersschwäche. Man kann sie schon fast als Saisonfische bezeichnen. Tiere, die älter als eineinhalb Jahre werden, findet man nur ganz, ganz selten. Unter diesen Umständen ist es für viele Aquarianer besonders wichtig, auch etwas zur Zucht dieser Tiere zu hören. Sie ist selbst für unerfahrene Aquarianer nicht zu schwer.
Wenn das Männchen eine ruhige Ecke im Aquarium findet, errichtet es dort sein kunstvolles Nest, das aus zusammengetragenen Pflanzenteilen und Schaumblasen hergestellt wird. Wehe dem Fisch, der sich in dieser Zeit in die Nähe des Nestes wagt! Einige Arten, besonders Lebendgebärende Zahnkarpfen, scheinen es nie so richtig zu lernen, die Revieransprüche anderer Fische zu respektieren. Sie haben einfach keine Antenne dafür! In zu (!) kleinen Aquarien bezahlen es diese Fische mit Wunden oder gar mit dem Tod. Wenn das Nest seiner Vollendung entgegengeht, umwirbt das Zwergfadenfisch-Männchen mit voll gespreizten Flossen und in den herrlichsten Farben leuchtend sein Weibchen. Auch hier geht es oft nicht ohne zumeist harmloses Jagen ab. Man sollte aber doch für Versteckplätze in Form von Steinen oder Wurzeln für das Weibchen sorgen, zumindest in kleineren Zuchtaquarien. Die Paarung und das Ablaichen der Fadenfische ist schon so oft beschrieben worden, dass ich mir hier ersparen möchte, darauf ausführlicher einzugehen. Überdies zeigen die Fotos mit den dazugehörenden Bildtexten alles Wesentliche.
Wie bei allen Labyrinthfischen sind die Partner bei der Laichabgabe fest umschlungen. Eine einzelne Umschlingung mit der dazugehörenden Eiabgabe wird Laichakt genannt. Die in den Bildern gezeigte Laichserie umfasst diesen Abschnitt, der bei Colisa lalia etwa 20 Sekunden dauert. Ein Laichakt ergibt etwa 10 bis 50 Eier. Das Weibchen verschwindet dann für einige Minuten aus dem Nestbereich und überlässt es dem Männchen, eventuell abgetriebene Eier einzusammeln und das Nest weiter auszubauen. Dann kehrt es zurück, um den nächsten Laichakt einzuleiten. Dieser Zyklus wiederholt sich 15 bis 20mal, dann sind etwa 300 bis 700 Eier zusammen.
Für die Versorgung des Laiches ist ausschließlich das Männchen zuständig. Aus den Eiern entwickeln sich bei 27° C nach etwa 24 Stunden Larven, die etwa drei Tage nach dem Schlupf beginnen, das Nest zu verlassen. Etwa einen Tag sucht der Vater, die Jungfische im Nest zu halten und bereits entwichene Junge aufzusammeln und zurückzutragen. Dann erlischt sein Interesse an der Brut. Jetzt sollten wir die Jungen separat aufziehen.
Es ist ziemlich leicht, Zwergfadenfische zum Laichen zu bringen; die Aufzucht der Brut ist schon etwas schwieriger. Die große Zahl der hungrigen Mäuler muss zunächst mit feinsten Infusorien gestopft werden! Es gibt im Zoohandel Zuchtansätze dafür. Erst nach etwa einer Woche fressen die Jungen frisch geschlüpfte Salzkrebslarven (Artemia salina). Auch Artemia-Eier sind mit Zuchtanleitung im Fachhandel zu bekommen. Auch wer noch keine Erfahrung mit der Aufzucht von eierlegenden Fischen hat, sollte es ruhig einmal mit der Zucht von Colisa lalia versuchen. Er sollte aber keine allzu großen Jungfischzahlen erwarten. Für den Anfang ist eine gelungene Aufzucht von 15 oder 20 Fischen bereits ein Erfolg. Eine kleinere Jungfischzahl hat auch den Vorteil, dass man mit der Fütterung der heranwachsenden Brut weniger Probleme hat. Auch wenn sie recht bald auf Kunstfutter umzustellen sind, honorieren sie Lebendfuttergaben mit besserem Wachstum. Wenn wir dann möglichst alle zwei Tage einen Teilwasserwechsel vornehmen, erhalten wir große und gut proportionierte Nachzuchttiere.

In letzter Zeit wird häufiger eine wie die Wildform gestreifte Zuchtrasse mit besonders leuchtenden Blauanteilen als "Neon-Lalia" angeboten. Besonders der Kopfteil leuchtet kräftigblau. Möglicherweise handelt es sich dabei um eine Kreuzung zwischen dem Blauen Zwergfadenfisch und der Normalform. Bedauerlich für den Freund von Wildformen: schon jetzt ist ein völliges Zurückdrängen der Wild-Lalias abzusehen.


Weitere sehr ausführliche Infomationen zum Zwergfadenfisch auf VIERKE fischverhalten: >>> Zusätzlich gibt es auf meinen Seiten zahlreiche Videos zum Verhalten der Zwergfadenfische. Genauere Infos hier: >>>

Hier der entsprechende Fotofilm zum Regenbogen-Lalius:


Dieser Bericht erschien erstmals in ähnlicher Weise im Aquarien-Magazin - Kosmos-Verlag, Stuttgart (1982) S.150 - 153 © Dr. Jörg Vierke