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Der Regenbogen-Schlangenkopffisch

Zum Fortpflanzungsverhalten von Channa bleheri

©  Dr. Jörg Vierke

 

Einführung

Zu den wohl farbenprächtigsten Schlangenkopffischen gehört Channa bleheri. Ich habe ihn daher als Regenbogen-Channa bezeichnet. Der wissenschaftliche Artname bezieht sich auf Heiko Bleher, der die Fische in Assam zusammen mit Deepak Nopany gefangen hat , sie lebend exportiert und mir zur wissenschaftlichen Bearbeitung überlassen hat.

Ich konnte die Regenbogen-Channa erstmals im Dezember 1988 nachzüchten. Die hier gezeigten Fotos vom Paarungsverhalten der Schlangenkopffische zeigen die Nachzuchttiere bei ih­ren Aktivitäten im Sommer 1990. Die hier noch einmal vorgestellten BRegenbogen-Schlangenkopf - Channa bleherieobachtungen zum Fortpflanzungsverhalten der Art wurden erstmals in der Aquarienzeitschrift „Das Aquarium“ Heft 266 im August 1991 (S. 15 – 19) publiziert. Sie beinhalten nicht nur den Bericht über die Erstnachzucht, sondern auch Einblicke in das Fortpflanzungsverhalten der Schlangenkopffische, wie sie vorher nicht bekannt waren. Dazu die ersten Fotos vom Ablaichen der Schlangenkopffische! – Einzelne Bilder von Scheinpaarungen bei anderen Channas hat es jedoch schon gegeben. Hochinteressante Beobachtungen stammen vor allem von Walter Armbrust (afrikanische Schlangenköpfe) und G. Ettrich (Ch. orientalis und Ch. gachua).

Unterbringung

Das Hauptproblem bei Schlan­genkopffischen ist die richtige Un­terbringung. Wer eine Auswahl von sehr großen, gut bepflanzten Aquarien hat, ist allerdings schon einen großen Teil seiner diesbe­züglichen Sorgen los. Je größer ein Schlangenkopf-Aquarium ist, je besser es durch Pflanzen, Wur­zeln und Steine strukturiert ist, de­sto günstiger ist es für die Haltung. In meinem Fall sah ich mich ge­zwungen, die Schlangenkopffi­sche in einem 100-Liter-Aquarium zu halten. Hier gelang dann auch die Zucht. Ich muss aber sagen, dass ich dieses für die unterste Grenze halte, auch für die Regen­bogen-Channa. Mein Aquarium hatte vor allen Dingen einen für diese Zwecke recht güstigen Zuschnitt. Es war mit 1.10 m recht lang, dafür aber schmal und flach (0.30 X 0.30). - Die größer werdenden Arten, brauchen ohnehin größere Becken, wenn man sie zur Zucht bringen will.Am besten hält man Channa bleheri paarweise. Leider ist es kaum möglich, eindeutige äußere Geschlechtsmerkmale für diese Art anzugeben. Die Weibchen sind meist kleiner und verraten sich durch ihren Laichansatz. Bes­ser als wir Menschen scheinen al­lerdings die Fische selbst zu er­kennen, ob ihr Mitfisch ein Ge­schlechtspartner oder ein Konkur­rent ist. Unter gleichgeschlecht­lichen Regenbogen-Channas ent­brennt spätestens nach einigen Wochen Zusammenleben ein har­ter Konkurrenzkampf. Ergebnis dieser Streitereien sind meist aus­getrocknete Schlangenkopf-Lei­chen auf dbleheri Paar an der zukünftigen Laichstelleem Fußboden. Die un­terlegenen Schlangenkopffische versuchen im Sprung das unat­traktive Gewässer zu verlassen - ­meist mit fatalen Folgen. Auch wenn man als Pfleger noch so aufpasst und jeden kleinen Ritz in der Aquarienabdeckung verschließt, irgendwann kommt es dann doch zur Panne. ­

Aber auch unter verschiedenge­schlechtlichen Regenbogen ­Channas kann es zu erbitterten Beißereien kommen. Natürlich zieht dabei das kleinere Weibchen in aller Regel den Kürzeren und wagt sich unter Umständen nicht mehr aus seinem Versteck. Dann muss man es ganz gezielt füttern, anderenfalls könnte es verhun­gern. Es ist hier wie auch in den anderen Fällen klar: je kleiner das Aquarium ist, desto größer werden die Probleme mit den Fischen!

Ich hielt meine Regenbogen­ Channas bei Temperaturen zwi­schen 22 und 30° C. Das Wasser war Leitungswasser von 14° dGH, das allerdings häufiger mit Regenwasser vermischt wurde. Wie auch die anderen Schlangen­köpfe, scheinen Regenbogen ­Channas keine irgendwie gearte­ten Ansprüche an die Wasserzu­sammensetzung zu stellen. Für Zuchtversuche sollte man jedoch möglichst weiches Wasser benut­zen, da die Eier leicht verpilzen.

Hierzu eine Anmerkung: Man geht neuerdings davon aus, das den Regenbogen-Channas wie auch den ebenfalls in Assam beheimateten Arten Ch. aurantimaculata und Ch. stewartii eine winterliche Ruhepause mit deutlich abgesenkten Wassertemperaturen gut tut. Die Klimadaten im Fanggebiet legen das nahe. Wie meine Erfahrungen mit Wildfangtieren und F1-Nachzuchten zeigten, geht es aber auch ohne diese Maßnahmen.

Ernährung

Wer einen Garten hat, in dem er täglich nach Regenwürmern gra­ben kann, braucht sich um die Er­nährung seiner Schlangenkopffi­sche keine Gedanken zu machen. Mit ein oder zwei mittelgroßen Re­genwürmern pro Tag ist ein er­wachsener Regenbogen-Channa absolut zufrieden. Zwischendurch fressen sie gern auch mal einige Mehl-" Würmer". Verschiedentlich habe ich versucht, Guppys zu ver­füttern. Die Regenbogen-Chan­nas fressen sie durchaus, aber wenn die Futterfische die Gefahr erkannt haben, verstehen sie es, ihren Feinden gezielt aus dem Weg zu gehen. Die Schlangen­kopffische geben dann bald end­gültig auf. So kann es dann für lan­ge Zeit zu erstaunlichen Kombina­tionen kommen (Ettrich hielt lange Zeit erfolgreich Channa orientalis mit Malpulutta kretseri!). Nebenbei ge­sagt: Bei den meisten anderen Schlangenkopf-Arten wäre das undenkbar!

Ersatzweise gehen auch die Regenbogen-Channas an kleine­re Fleischstückchen, wie zum Bei­spiel an gekochten Schinken. Jungtiere fressen, je nach indivi­dueller Größe, zunächst Artemia-Nauplien, später Cyklops, kleine Wasserflöhe, Enchyträen, Weiße und Schwarze Mückenlarven.

Balzverhalten und Ablaichen

Die Zucht dieser doch relativ schüchternen Tiere gelingt ver­mutlich nur bei paarweiser Hal­tung. Es ist mir beim besten Willen nicht gelungen, irgendwelche ge­schlechtsspezifischen Unterschiede im Aussehen der Tiere zu finden. In der Färbung und in der Beflossung sind beide Ge­schlechter absolut gleich. Aller­dings sind bei gleichaltrigen Tie­ren die Weibchen regelmäßig kleiner. Das scheint schon bei den Jungtieren so zu sein, dass die Männchen deutlich schneller voranwachsen. Gut angefütterte, laichreife Weibchen erkennt man daneben natürlich auch an ihrem Laichansatz: Sie sind im Bauch­bereich deutlich fülliger als die Männchen.

Channa bleheri - Paarung

Regenbogen-Schlangenkopffisch Channa bleheri, der Paarungsknoten

Ein gut eingespieltes Channa bleheri-Paar ist absolut friedfertig. Nur gelegentlich kommt es zu kurzfristigen Zwistigkeiten, wenn der eine Partner dem anderen einen leckeren Bissen direkt vor der Nase wegschnappt. In größe­ren Aquarien halten sich die bei­den Tiere meist bevorzugt in ver­schiedenen Teilen des Beckens auf. Aber immer wieder suchen die Partner aktiv Kontakt. Beson­ders das Weibchen schwimmt häufiger mal zum Männchen hin­über, nur als wollte es nachschau­en, ob es noch da wäre. Manch­mal kommt es bei diesen Gele­genheiten sogar zu zärtlich anmu­tenden Hautkontakten. Dieses lockere Aneinanderschmiegen scheint ein Mittel zu sein, die Ag­gressionen speziell des Männ­chens zu dämpfen.

Es geschieht aber gelegentlich, dass dieses traute Miteinander ur­plötzlich zusammenbricht. Dann kommt es zu hemmungslosem Ja­gen und Beißen, bei dem das Weibchen in der Regel unterliegt.

Die besonders friedlichen Peri­oden können monatelang dauern. Sie hängen offenbar mit der natür­lichen Laichperiode zusammen. Wenn der Nachwuchs ausbleibt (z. B. wegen Laichverpilzung), können die Channas etwa alle zwei Wochen erneut ablaichen.

Channa bleheri - Paar unter dem Gelege

 Channa bleheri Paar unter dem Eifloß
Channa bleheri, der Laich wird aus der Kiemenspalte hinausgepresst
Channa bleheri: Hier ist gut zu erkennen, wie die Eier aus den Kiemenöffnungen wieder frei gelassen werden.

Laichwillige Tiere müssen na­türlich ausreichend gut angefüttert werden. Besonders das Weib­chen zeigt jetzt einen gesegneten Appetit und bald hat es einen auf­fallend kräftig angeschwollenen Bauch. In dieser Zeit sucht das Männchen einen geschützten Platz auf, in dem es sich vorwiegend aufhält. Hier ist der zukünfti­ge Laichplatz – zumindest war es bei meinen Fischen so.

Die letzten Tage vor dem Ablai­chen werden die Hautkontakte der beiden Partner immer häufiger. Besonders an den letzten beiden Tagen kommt das Weibchen im­mer häufiger in das Revier seines Männchens. Hier umkreisen sich die Fische, und es kommt zu den ersten Umschlingungen. Diese Scheinpaarungen erinnern an die Paarungsvorgänge bei einigen Labyrinthfischen: Die Partner um­kreisen sich in immer engeren Kreisen, bis sie schließlich wie ein Knoten unter dem Wasserspiegel hängen.

In einigen wesentlichen Punk­ten aber gibt es Unterschiede: Diese Scheinpaarungen beob­achtet man schon zwei oder sogar noch mehr Tage vor dem eigent­lichen Ablaichen! Das gibt es bei Labyrinthfischen so nicht. Typisch für die Regenbogen-Channas ist auch, dass die Intensität der Um­schlingung (von der lockeren Schleife bis hin zum massiven Knoten) und die Dauer der einzelnen Scheinpaarungen zunehmen.

Die floßartig unter dem Wasserspiegel schwimmenden Eier

Channa bleheri: Eifloß

Schließlich kommt es zu einer ein­zigen Paarung mit Laichausstoß! Sie dauert bis zu einer halben Mi­nute. Das jetzt engstmöglich um­schlungene Paar entlässt seinen gesamten Laichvorrat in dieser einen Paarung. Die glasartig durchsichtigen Eier sind leichter als das Wasser und schweben so­fort nach oben.

Sie sind ausgesprochen klein. Ich habe sie unter dem Mikroskop vermessen: Sie haben mit Eihülle einen Durchmesser zwischen 0,9 und 1,1 mm (zum Vergleich: bei Channa orientalis maß ich 1,1 bis 1,2 mm). Im oberen Teil des Eies befindet sich eine klare Ölblase (Durchmesser 0,6-0,7 mm), dar­unter das eigentliche Ei (Durch­messer 0,4-0,5 mm).

Brutpflege

Schon nach den letzten Scheinpaarungen suchen Männchen wie Weibchen die Wasseroberfläche nach den Eiern ab. Zumindest hat es den Anschein, denn sie tasten mit ihren Nasententakeln die ge­samte Wasseroberfläche im Be­reich des Laichplatzes ab. Wenn dann tatsächlich die Eier erschie­nen sind, schnappen die Fische sie mit wenigen sehr vorsichtigen Schnappbewegungen auf und entlassen sie anschließend sofort wieder aus ihren Kiemenspalten. Schließlich werden sie in einer Art Floß zusammengehalten. Der Va­ter liegt jetzt direkt neben oder un­ter dem Eifloß am Boden und läßt die Brut nicht aus den Augen. Wenn man allerdings als Pfleger sich am Laich vergreift (z. B. um ein paar Laichkörner für die mikro­skopische Vermessung zu ent­nehmen), scheint es den Vater nicht zu berühren. Er reagiert jedenfalls nicht.

Channa bleheri, Altfische mit Jungtier
Channa bleheri:  Das Paar mit wenige Wochen alten Jungen
Channa bleheri, Jungfisch
 Channa bleheri: halbwüchsiger Jungfisch

Doch auch in der Folgezeit neh­men beide Altfische den Laich wieder und wieder ins Maul um ihn anschließend auf die beschriebe­ne Weise wieder zu entlassen. Ich vermute, dass so die Eier von Schmutzpartikeln oder Parasiten freigehalten werden, auch antibakterielle Substanzen aus dem Schleim der Mundhöhle könnten hier wichtig sein. Ähnliches kennt man von Labyrinthfischen auch, aber dort sind es einzelne Laichkörner, nicht gleich eine Vielzahl. Das nebenstehende Foto zeigt diesen Vorgang!

Auch die Pflege der freischwim­menden Brut wurde von beiden Eltern gleichermaßen übernommen. Die anfangs farblosen Kleinen sind bei einer Größe von etwa ei­nem Zentimeter am ganzen Ober­körper kanariengelb. Am Kopf haben sie einen auffallenden schwarzen Längsstreifen, der an der Unterkieferspitze beginnt, das Auge durchzieht und am unteren Rand des Kiemendeckels endet. Die untere Körperhälfte ist in auf­fallendem Kontrast zum Gelb der Oberseite rauchgrau bis fast schwarz. Die kontrastreich gefärb­ten Klein-Channas umschwärmen ihre Eltern fast ständig wie ein Mückenschwarm. Auffallend ist, dass sie immer wieder bemüht sind, mit ihnen Hautkontakt herzu­stellen. Gern ruhen sie direkt auf dem Kopf ihrer still im Wasser lie­genden Eltern. Offensichtlich fressen sie von der Haut ihrer Eltern Körperschleim. Sie zupfen am Körper ihrer Eltern und in diesem Stadium von den Altfischen getrennte Klein-Channas gedei­hen auffallend schlechter als die bei den Eltern verbliebenen. Das ist konvergent zum Verhalten einiger Cichliden; von Labyrinthfischen ist mir ein derartiges Verhalten nicht bekannt.

In den Folgewochen verblasst das kontrastreiche Babykleid zu­sehends und macht einem un­scheinbaren Jugendkleid Platz. Jetzt legen die Jungtiere keinen Wert mehr auf Geselligkeit, und sie beginnen sich zu bekämpfen. In die­sem Alter sind ein oder auch zwei dunkle, mehr oder weniger hell eingefasste Augenflecken im hinte­ren Teil der Rückenflosse typisch. Langsam bildet sich nun das attraktive Farbkleid der Alttiere heraus.

Literatur:

ARMBRUST, W. (1963): Zucht des Schlangen­kopfes (Ophicephalus obscurus). DATZ 16,298 - 301

ARMBRUST, W. (1967): Nachzucht beim Schlangenkopf (Ophicephalus africanus). - --DATZ 20, 367-368

BLEHER, H. (1988): India, Part 111. The Assam Struggle. Tropical Fish Hobbyist, 37: 38-65

ETTRICH, G. (1982): Das Schlangenkopf­fisch-Männchen entpuppte sich als Maul­brüter. Erkenntnisse bei der Zucht von Channa orientalis. Aquarien-Magazin 16, 651-653

VIERKE, J. (1991): Channa bleheri sp. n., ein farbenfroher neuer Schlangenkopffisch aus Assam. Das Aquarium 25, Heft 259: 20-24

©  Dr. Jörg Vierke

letzte Überarbeitung: 28. 11. 2012


Lesen Sie, was Heiko Bleher aktuell über diesen Channa in meinem Gästebuch vermerkt (11. 6. 2009) >>>

Zu seiner Webseite gelangen Sie hier >>>


Animierte Fotoschau zum Fortpflanzungsverhalten des Regenbogen-Schlangenkopffisches Channa bleheri (2:31 min)

 


 

Der folgende Foto-Film bietet weitere Informationen über verschiedene Schlangenkopffische. Länge: 4.20 min.


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