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Trichogaster trichopterus - der Punktierte Fadenfisch

 

© Dr. Jörg Vierke

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Schaufelfadenfisch Trichogaster pectoralis
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Mondscheinfadenfisch Trichogaster microlepis
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Mosaikfadenfisch Trichogaster leerii

Egal, ob man sie nun Trichogaster oder Trichopodus nennen will, die Rede ist hier von den großen Fadenfischen aus Hinterindien mit der kleinen, fähnchenartigen Rückenflosse. Der größte unter ihnen ist der Schaufelfadenfisch T. pectoralis. Er ist mit seiner Maximalgröße von mindestens 20 cm ein beliebter Speisefisch in seiner Heimat. Aber auch die anderen Trichogaster-Arten werden gerne gegessen. Das gilt für den Mondscheinfadenfisch T. microlepis (ein ausführlicher Bericht zum Mondscheinfadenfisch >>>) und auch für den Punktierten Fadenfisch T. trichopterus, von dem dieser Bericht handelt. Und auch der Vierte im Reigen der großen Fadenfische, der Mosaikfadenfisch T. leerii bleibt nicht verschont.

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Wild-trichopterus, oben aus Vietnam, in der Mitte aus Malaysia, unten aus Indonesien (Java)

Für die Pfanne reicht es am ehesten noch beim Schaufelfadenfisch. Die anderen werden Bestandteil der Fischsuppe. Zumal die ärmere Landbevökerung ist mit Fadenfischen als zusätzlichen Proteinspendern sehr zufrieden. Sie stellt ihnen vor allem mit Wurfnetzen nach. Für diese Fangmethode eignen sich gerade Labyrinthfische und Schlangenkopffische, denn diese Tiere müssen zum Atmen ja in regelmäßigen Abständen an den Wasserspiegel hochschwimmen um atmosphärische Luft aufzunehmen. Dann kann der aufmerksame Fischer sie leicht entdecken.

Der Punktierte Fadenfisch hat von allen Trichogaster-Arten die größte natürliche Verbreitung und kommt in ganz Hinter- und Inselindien vor: Südvietnam, Kambodscha, Thailand, Malaysia, Singapur, Borneo, Sumatra, Bangka, Java, Madura, Bali und die Sunda-Inseln weiter östlich bis Sumba sowie auf der Philippinen-Insel Luzon. Trichogaster trichopterus ist im genannten Gebiet einer der häufigsten und auffallendsten Fische überhaupt. Er ist in allen möglichen Gewässern zu finden: in den unter Wasser gesetzten Reisfeldern, in Tümpeln, Sümpfen und Seen, in Flüssen und Entwässerungskanälen. Dabei kommt er selbst in pflanzenarmen Gewässern vor und geht sogar ins Brackwasser. Nur in sehr stark fließendem Wasser wird man ihn vergeblich suchen. Besonders fühlt er sich zu pflanzenreichen Zonen hingezogen, in denen er Schutz vor räuberischen Fischen und Vögeln findet und wo er am zweckmäßigsten sein Schaumnest errichten kann.

Beschreibung

Die Art wird bis zu 15 cm groß. Die Grundfärbung der Wildform ist sehr variabel. In Südvietnam filmte ich gelbliche trichopterus, auf Java blaue. Im Gebiet dazwischen, in Thailand und Malaysia traf ich bräunliche und graue Formen an. Es gibt wohl alle Übergänge, aber alle sind durch die für T. trichopterus typischen Zeichnungsmuster ausgezeichnet, die runden schwarzen Flecken in der Körpermitte und der Schwanzwurzel, die auch der Art den deutschen Namen gegeben haben. Wie später gezeigt wird, sind diese Punktmuster sehr wichtig für das Sozialverhalten der Fische. Die anderen Trichogaster-Arten und die Zuchtformen müssen ohne diese Zeichnung auskommen! - Ganz interessant übrigens: Im englischen Sprachgebrauch werden diese Fische als "Three Spot Gouramis" bezeichnet. Dabei bleibt offen, was mit dem dritten Punkt gemeint sein könnte, vielleicht das Auge?

Die Geschlechter erkennt man bei herangewachsenen Tieren leicht an der Rückenflosse, die beim kleineren Weibchen kürzer und abgerundeter ist.

Zuchtformen

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Trichogaster trichopterus, 2 Zuchtformen
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T. trichopterus-Wildform-Männchen in Laichstimmung

Von dieser Art gibt es viele Zuchtformen. Zuchtrassen werden nicht mit wissenschaftlichen Namen versehen. Sie behalten die Bezeichnung der Herkunftsform und erhalten bestenfalls einen erklärenden Zusatz in Anführungszeichen. Bei T. trichopterus "cosby", fälschlich auch als "Trichogaster cosby" oder "crosby" bezeichnet, handelt es sich um eine Zuchtrasse mit balkenartig dicken dunklen, unregelmäßigen Querbändern. Aufgrund ihrer unregelmäßigen Struktur spricht man auch vom "Marmorierten Fadenfisch" oder vom "Marmorgurami".

Weitere Zuchtrassen sind die Gold- und Silberguramis, bei denen die besondere Färbung durch teilweisen Ausfall von Pigmenten entstanden ist.

Attraktiv sind auch die Kreuzungsprodukte zwischen Gold- und Marmorguramis. Sie werden gelegentlich als  "Amethyst-Guramis"  bezeichnet. Bei der Bezeichnung dieser Zuchtrassen wird aber viel Phantasie aufgebracht und es geht alles durcheinander - jeder benennt seine Zuchtrassen wie er will!

Alle Formen halten sich im Aquarium ganz ausgezeichnet. Im direkten Vergleich allerdings merkt man, daß sie sich sowohl in der Wachstumsgeschwindigkeit als auch in der Vitalität unterscheiden. Beide nehmen in folgender Reihe ab: wild, blau, gold, silbern. Die Ausbildung der Färbung am Körper und in den Flossen, sowie die Zeichnung der Zuchtrassen, können individuell sehr unterschiedlich sein. Hier sollte man bei der Auswahl als Züchter und Käufer wirklich wählerisch sein.

Haltung

Von allen Trichogaster-Arten sind die Punktierten Fadenfische und ihre Zuchtformen die vitalsten und nach T. leerii sicher auch die schönsten. Wenn sie in Laichstimmung  kommen,  verteidigen sie hartnäckig ein ihrer Größe entsprechendes Revier. Das kann auch im Gesellschaftsaquarium vorkommen. Dann kann der Fisch als durchaus ruppig bezeichnet werden – hierzu aber der relativierende letzte Abschnitt dieses Berichts! Im allgemeinen sind Punktierte Fadenfische verträglich und gut für das nicht zu kleine Gesellschaftsaquarium geeignet.

An die Wasserbeschaffenheit werden keine Bedingungen gestellt. Eine Durchlüftung oder Filterung ist nicht nötig. Eine zu starke Wasserströmung ist sogar unerwünscht. Auch an das Futter werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Mit ausschließlicher Trockenfutter-Ernährung gedeihen die Tiere gut. Die Temperatur kann zwischen 22 und 30° C liegen. Das Aquarium sollte nach Möglichkeit gut bepflanzt sein.

Zucht und Fortpflanzungsverhalten

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Punktierter Fadenfisch Trichogaster trichopterus Wildfang-Männchen
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 Paarung der Goldfadenfische T. trichopterus - Zuchtform ohne Punkte!

Die Art ist in ihren Wild- und Zuchtformen leichter als alle anderen Trichogaster-Arten zu züchten. Allerdings erfordert die oft sehr temperamentvolle Balz (letzter Absatz!) ein genügend großes Becken von mindestens 60 cm Seitenlänge. Der Ansatz erfolgt paarweise. Natürlich gibt es auch Individuen, die sehr sanft sind. Man muss jedoch mit dem Temperament der Tiere rechnen und dafür sorgen, dass das Weibchen die Möglichkeit hat, sich vor dem Männchen hinter Steinen, unter Kienwurzeln und zwischen Pflanzen zu verstecken.

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Zum Ablaichverhalten wildfarbener Punktierter Fadenfische (Trichogaster trichopterus). Von oben nach unten:

Mit weit gespreizten Flossen und Hohlkreuz zeigend balzt das Männchen (links) vor der Partnerin!

Das paarungsbereite Weibchen (rechts) nähert sich dem Männchen. In dieser Situation schwimmt das Männchen langsam pendelnd vor und zurück.

Bei der Paarung umschlingt das Männchen seine Partnerin unter dem Schaumnest.

Nach dem Eiausstoß verlässt das Weibchen (links) den Nestbereich.

Zur Zucht empfehlen sich Temperaturen von etwa 28° C. Das Männchen errichtet am Wasserspiegel ein aus vielen Luftblasen zusammengesetztes Schaumnest. Das Nest kann groß oder klein sein, flach oder hochgewölbt. Große Nester erreichen 40 cm im Durchmesser oder mehr.

Wenn das Nest fertiggestellt ist, versucht das Männchen, sein Weibchen zum Nest zu führen. Bei diesem "Führungsschwimmen"  schwimmt das  Männchen auf die Umworbene zu und gibt ihr nun einen Biss * in die Seite, der genau in der Mitte zwischen den beiden Körperpunkten liegt. Dann schwimmt es mit weit abgespreizten Flossen und oft seitlich eingebogener Körperhaltung zum Nest zurück. Der Schwanz wird dabei nach oben gedrückt, so daß man an ein Hohlkreuz erinnert wird. Der Biss in die Seite des Weibchens ist zweifellos harmlos und muss als Paarungsaufforderung verstanden werden. Wenn das Weibchen ablaichbereit ist, jagt es hinter dem Männchen her und erwidert den "freundschaftlichen" Biss mit einem kräftigen Biss seinerseits, der das Männchen genau in die entsprechende Stelle zwischen den beiden schwarzen Punkten trifft. Das geschieht oft schon unter dem Nest.

An dieser Stelle sei bemerkt, daß solche Beobachtungen natürlich am besten bei Naturformen zu machen sind, da den Zuchtrassen die ursprünglichen Farbmuster unter Umständen fehlen. Ein Wildmännchen würde sich in der eben beschriebenen Situation dunkler und dunkler färben, seine schwarzen Querbänder würden jetzt mehr und mehr hervortreten. Dagegen verblassen die schwarzen Seitenflecke so vollständig, daß an ihrer Stelle jetzt oft ein sich hell abhebender Fleck erscheint. Beim Weibchen hat genau der gleiche Farbwechsel schon etwas früher stattgefunden. Es folgt dem Männchen nie in Normalfärbung unter das Nest, immer nur in der "Negativfärbung". An der Färbung kann man bei Wild-trichopterus direkt die sexuelle Erregung der Tiere ablesen.

Auf den Biss des Weibchens hin legt das quer zur Partnerin stehende Männchen die Rückenflosse flach an. Manchmal "reitet" das Weibchen nun regelrecht auf dem Partner, der, den Körper vielfach schon leicht zum Weibchen hin eingebogen, vor der Partnerin mehrfach vor- und zurückschwimmt, es pendelt. Das ist typisch trichopterus, die anderen Fadenfische zeigen dieses Verhalten nicht!

Das Pendeln ist wie eine Aufforderung und wird vom Weibchen auch so verstanden. Es drängt sich nun dem Männchen in die Seite. Dieser Berührungsreiz veranlasst das Männchen, seinen Körper um das Weibchen herumzubiegen und es zu umschließen. In dieser Phase verharrt das Paar einige Sekunden. Dann wendet das Männchen die Partnerin auf den Rücken, worauf sofort die Laichabgabe erfolgt.

Schon während der Umklammerung färbt sich das Weibchen wieder heller. Wenn die Tiere auseinanderschnellen und die zahllosen winzigen Eier zum Nest emporsteigen, ist das Weibchen wieder ganz hell - ein Zeichen, dass es im Moment nicht mehr sexuell motiviert ist. Es verlässt sofort den Nestbereich und wird oft sogar vom Männchen mit einem Biss dazu veranlasst. Nun sammelt das Männchen eventuell noch abgetriebene Laichkörner ein und beginnt dann wieder mit dem Werben für den nächsten Laichakt. Pro Laichphase werden etwa 1000 bis 4000 Eier abgegeben, die wie alle Trichogaster-Eier leichter als Wasser sind und daher nach oben schweben. Der Eidurchmesser (ohne Eihülle) schwankt um 0,6 mm, mit Eihülle um 0,8 mm.

Die Larven schlüpfen nach 24 Stunden, und nach weiteren acht Stunden sind die Augen ausgebildet und pigmentiert. 72 Stunden nach der Eiablage schwimmen die Jungfische frei und machen Jagd auf Infusorien. Besonders Rotatorienfutter wirkt sich nun gut aus. Artemia-Nauplien werden erst vier bis sechs Tage später genommen. Bei regelmäßiger Wassererneuerung und guter Fütterung können die ersten Jungfische schon nach sechs Monaten fortpflanzungsfähig sein.

In großen und zweckmäßig mit Versteckmöglichkeiten ausgestatteten Aquarien kann man die Weibchen belassen. Bei guter Fütterung kann man dann oft beobachten, daß die Fische sich in Abständen von wenigen Tagen paaren. Das Dauerlaichen kann sich über Wochen hinziehen.

Das Männchen erhält die ganze Zeit das Nest. Da die Eltern dem Laich und den Jungen gewöhnlich nicht nachstellen, kann man dann alle Entwicklungsstadien gleichzeitig im Aquarium haben, vom Ei über die verschiedenen Larvenstadien bis hin zum entwickelten Jungfisch. Wer allerdings effektiv züchten will, wird die Kleinen nach ihrem Freischwimmen von den Alttieren trennen und sie gesondert aufziehen.

Verhalten im Freiwasser

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Trichogaster trichopterus, Nester im Süden Vietnams

Im Süden Vietnams, ca. 40 km südlich von Saigon (Betonköpfe sprechen von Ho-Tschi-Min-City): Ich beobachtete Punktierte Fadenfische, die sich in der Nähe eines Rasthauses in einem breiten Graben aufhielten. Das Wasser war zwar nicht kristallklar, aber es reichte zum Beobachten und auch zum Filmen. Es floss nur sehr langsam. Die Schaumnester reihten sich in einem Abstand von jeweils etwa 2 Metern am Rand der einen Uferseite. Oft waren sie an ins Wasser führende Baumwurzeln angelehnt.

Erst die Schaumnester hatten mich auf die Fadenfische aufmerksam gemacht. Die Fische haben lebhafte, braungelbe Farbtöne. Aber von oben sind die Tiere durch die spiegelnde Wasseroberfläche nur schwer auszumachen, zumal sie auch noch ausgesprochen scheu sind. Und klar, wenn die Tiere sich direkt unter dem Nest aufhielten, waren sie natürlich auch den Blicken entzogen.

Gern wäre ich mit meiner Unterwasserkamera in den Graben gestiegen, um die Fische in aller Ruhe zu beobachten und zu filmen. Das erlaubte die Zeit nicht. Ich legte mich am Gewässerrand flach auf den Boden und hielt meine Kamera ins Wasser, zu den Fischen (als sie sich dann endlich wieder näherten) und unter die Schaumnester. Für das Personal im angrenzenden Restaurant war das natürlich das Erlebnis der Woche!

Das Ergebnis dieser Aktion ist schnell berichtet: einige Fotos von den schönen Fischen und einige Filmsequenzen. Und als Beobachtung: Ich sah nur Männchen, alle waren durchaus einträchtig miteinander. Offenbar ist es kein Zufall, dass ihre Nester in dichter Nachbarschaft zueinander standen, es handelte sich um eine Brutkolonie!

Erst bei der Auswertung der Filmaufnahmen sah ich das Entscheidende: Im freien Wasser jenseits des Uferbereichs und der Nester waren keine Jungfische zu erkennen, nirgendwo. Aber unter den Schaumnestern wimmelte es von jungen Trichogaster trichopterus in allen Altersstadien! Exakt so, wie ich es in meinem Aquarien beobachtet hatte. Das war also ein natürliches und kein aquarienbedingtes Verhalten!


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Punktierter Fadenfisch Trichogaster trichopterus, UW-Foto aus Vietnam

Offenbar stehen die Jung-trichopterus noch lange nach dem Freischwimmen unter dem Schutz ihres Vaters. Vielleicht ist das nur ein indirekter Schutz. Sie werden wochenlang unter dem Schaumnest toleriert. Der Vater verteidigt sie (bzw. sein Nest-Revier) gegen Fischfeinde – Artgenossen brauchen sie nicht fürchten. Und gegen Fressfeinde außerhalb des Wassers (hier denke ich an verschiedene Vögel) sind sie durch den Sichtschutz des Nestes ebenfalls ziemlich sicher.

Das Koloniebrüten der trichopterus-Männchen ist offenbar keine Ausnahme, denn ich fand es – erst einmal darauf aufmerksam geworden – auch an anderen Stellen. In der Kolonie befanden sich ausschließlich Männchen und natürlich die Jungtiere. Alle Männchen waren in bestem Zustand – keine Flossenschäden, wie man das unter diesen Umständen gewiss auch in großen Aquarien beobachten müsste.

Ganz offensichtlich halten sich die Weibchen im Normalfall außerhalb der Kolonie auf. Erst wenn sie laichbereit sind, schwimmen sie zu den Männchen. Und sie können sich aussuchen, welches ihren Ansprüchen am ehesten entspricht. Ich konnte es aus Zeitgründen nicht überprüfen, aber ich bin davon überzeugt, dass nur dunkel gefärbte Weibchen (vgl. oben!) in die Kolonie einschwimmen. Durch ihre spezielle Färbung geben sie den Männchen ihre Laichbereitschaft zu verstehen. Dann kommt es nicht zum Hetzen der Weibchen und sie bleiben ohne Schäden.

Aquaristische Irrmeinungen

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Blaue Form des Trichogaster trichopterus

Ich gehöre nicht zu denjenigen, die behaupten, dass nur Beobachtungen im Freiwasser Aufschluss über das natürliche Verhalten von Fischen geben können. Ganz im Gegenteil, die oben dargestellten Verhaltensweisen vom Paarungsverhalten (Pendeln, Umfärbung, Bedeutung der schwarzen Punkte u.s.w.) gelten nach wie vor und sind im Aquarium natürlich weit leichter zu beobachten und zu untersuchen als im Freiwasser.

Wenn man aber als Aquarianer weiterhin die Meinung vertritt, dass Jagen, heftiges Verfolgen oder gar Beißen zum natürlichen Verhalten der Punktierten Fadenfische gehört, dann ist man fehlinformiert. Man darf diese Aquarienbeobachtungen nicht als „natürliches“ Verhalten ausgeben; es ist durch die räumliche Enge auch großer Aquarien bedingt. Ich bin davon überzeugt, dass man diese Erkenntnis auch auf die anderen Fadenfische und darüber hinaus auf viele weitere Arten übertragen muss - übrigens auch auf viele Cichliden! 

© Dr. Jörg Vierke

* Die Wortwahl „Biss“ ist zweifellos missverständlich, denn es geht hier offenbar nicht um Aggression, sondern um Signalgebung! Vielleicht wäre in diesem Zusammenhang die Bezeichnung „Kuss“ richtiger, aber vermutlich würde auch das zu Fehlinterpretationen führen!

Literaturhinweise:

Vierke, J. (1975): Beiträge zur Ethologie und Phylogenie der Familie Belontiidae. Z. Tierpsych. 38: 163 - 199

Vierke, J. (1994): Fischverhalten beobachten und verstehen. Kosmos, Stuttgart (im Internet unter www.fischverhalten.de, speziell zum Laichverhalten von T. trichopterus mit Ethogramm  >>>)

letzte Bearbeitung: 4. 9. 2012


Einen ausführlichen Bericht über die Früh-Entwicklung der Punktierten Fadenfische vom Ei bis zum freischwimmenden Fischchen findet man hier: >>> Unten auf der Seite ist auch ein Film mit Mikroskop-Aufnahmen und ausführlichem Kommentar!


Hier der Film aus Süd-Vietnam: Trichogaster trichopterus im Freiwasser

Der folgende Film dokumentiert ausführlich das im Text beschriebene Verhalten bei der Paarung und den damit verbundenen Wechsel der Farbmuster.


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