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Parosphromenus nagyi Biotop. Hier leben auch Betta tussyae, Schokoladenguramis und Hechtköpfe
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Parosphronemus nagyi, der Schwarze Prachtgurami, Männchen im Prachtkleid.

Der Schwarze Prachtgurami Parosphromenus nagyi

© Dr. Jörg Vierke

"Schon wieder so ein Mist-Nagy!" drückte mein Mitreisender Jürgen Rösler sich drastisch und nicht gerade druckreif aus. Wir standen bis zur Brust im bräunlich-undurchsichtigen Wasser und versuchten, mit einer zum Netz umfunktionierten Gardine Fische zu fangen. Nun hatten wir nichts gegen Prachtzwergguramis, ganz im Gegenteil. Aber hier hatten wir - abgesehen von den Tieren, die bei uns bereits in der Heimat schwammen - schon so viele gefangen, dass unser Bedarf bereits längst gedeckt war! Wir wollten die hier auch vorhandenen Betta tussyae, Schokoladenguramis und Hechtköpfe fangen.

Nicht überall sind diese aus Westmalaysia stammenden Prachtzwergguramis so häufig wie in dem stagnierenden Wasser des malaysischen Flüsschens einige Kilometer südlich von Kuantan. Das Wasser hatte gegen Abend eine Temperatur von 27,5° C und einen pH-Wert von 5,5. Die glatte Wasseroberfläche war mit einer ölig glänzenden Kahmhaut überzogen. Der etwa drei Meter breite Bach hatte einen lehmigen Grund und war frei von Wasserpflanzen. Allerdings hingen vom Ufer Gräser und andere Landpflanzen in das Wasser hinein. Hierzwischen hielten die Fische sich vorzugsweise auf, auch riesige Hechtköpfe, die sich sicher in erster Linie von den Prachtzwergguramis ernährten.

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Parosphromenus nagyi unter dem Schaumnest. Die relativ großen Eier sind deutlich zu erkennen.
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P. nagyi: Zur Paarung umschlingt das Männchen sein Weibchen. Unter dem Nest erkennt man einige der zu Boden gefallenen Eier.
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Nach der Paarung sammelt das Weibchen den laich aus der Körperbeuge des Partners auf.

Wenn ich von Fangreisen zurückkomme, habe ich immer wieder das gleiche Problem. Zwar hat man vor der Abreise einige Aquarien vorbereitet - aber es sind nachher immer zu wenig! So ging es mir auch diesmal. Was war denn noch in dem 20-Liter-Plastik-Aquarium mit dem Javamoos? Richtig, da hatte ich die Parosphromenus-Eier hineingespült, die ich direkt vor der Abreise unter dem Mikroskop vermessen hatte. An eine Aufzucht war nicht zu denken, wenn die Fische wenige Tage vor einer sechswöchigen Tropenreise ablaichen und man niemanden hat, der die Brut versorgen kann. Zu meinem nicht geringen Erstaunen fand ich nach meiner Rückkehr einen etwa 7 mm großen Prachtzwerggurami zwischen dem Moos. Er hatte sich alleine durchgeschlagen - wohlgemerkt, ohne jede Pflege, ohne Futtergaben. Inzwischen balgt der Kleine sich schon mit seinen Eltern um Weiße Mückenlarven.

Die Bilder vom Ablaichverhalten der Prachtzwergguramis hatte ich noch vor meiner Abreise gemacht; aus einem der auf den Bildern zu sehenden Eier könnte also der ebengenannte Kleine entstanden sein. Ich habe diese Zufallszucht nur erwähnt, um zu veranschaulichen wie unglaublich zäh diese Fische sind.

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Parosphromenus nagyi - einige Szenen aus dem Paarungsvorgang

Die Ablaichfotos zeigen Prachtzwergguramis vom oben genannten Fundort bei Kuantan. Ich erhielt sie dankenswerterweise von René Krummenacher, der die Eltern dieser Fische im August 1985 gefangen hatte. Zur Unterbringung eignen sich am besten kleine, nicht zu dicht bepflanzte Aquarien, die auf jeden Fall mit ein oder mehreren Höhlen versehen sein sollten. Auf Bodengrund kann man verzichten, wenn man sich bei den Pflanzen auf Javafarn und Javamoos beschränkt. Das erleichtert die Aquarienhygiene.

Die Wasserwerte liegen in meinem Aquarium bei 100 Mikrosiemens. Ich mische dazu unser heimisches Leitungswasser mit etwa zwei Teilen Regenwasser. Die Temperaturen lagen in meinen Aquarien zwischen 24 und 25° C. Gefüttert wird mit feinem und mittelfeinem Tümpelfutter (vorzugsweise Cyklops und Weiße Mückenlarven), gern werden gelegentlich auch Tubifex genommen, die ich vorher gut und längere Zeit wässere.

Schwarze Prachtzwergguramis erreichen gerade einmal Gesamtlängen von 3,5 cm. Die beiden Geschlechter sind normalerweise nur schwer zu unterscheiden. Die Weibchen sind etwas gedrungener, und gelegentlich kann man den laichvollen Eierstock erkennen. Dazu gehört aber ein gewisses Maß an Routine. Bei guter Pflege, speziell bei paarweiser Unterbringung, färben die Männchen sich bald mehr oder weniger dunkel. Ich erspare mir ausführliche Beschreibungen, denn die Bilder können das besser veranschaulichen. Bald kommt es dann zum Ablaichen. Während dieser Zeit hält sich das nun unscheinbar hell gefärbte Weibchen in der Bruthöhle auf. Bei den von mir beobachteten Fällen war es in dieser Phase immer so, daß das Männchen nur zur Paarung in die Höhle kam. In der Nestbauphase davor und in der Brutpflegeperiode danach war dann wieder das Männchen "Herr im Haus".

Mit gespreizten, leuchtend blau gezeichneten Flossen, am übrigen Körper aber ganz dunkel, nähert sich das Männchen seinem in der Höhle wartenden Weibchen. Ein kurzes Umschwimmen, und es hat sein Weibchen mit dem ganzen Körper umschlossen. So verharrt das Paar einige Zeit. Dann löst das Männchen seine Umklammerung und schwebt nun immer noch gekrümmt auf der Seite im Wasser liegend. In seiner Körperbeuge liegen die wenige Sekunden vorher vom Weibchen abgegebenen gelblich-bernsteinfarbenen, trüben Eier. Sofort schnappt das Weibchen sie auf und bringt sie unter das Nest, wo es sie zwischen die Schaumblasen an die Höhlendecke klebt. Auch das Männchen ist derweil aus seiner Starre wieder "erwacht". Zusammen mit dem Weibchen wird jetzt der Höhlenboden nach eventuell zu Boden gefallenen Eiern abgesucht. Wenn es nun nicht direkt wieder zu einer weiteren Paarung kommt, dann verläßt das Männchen erst einmal für einige Minuten die Höhle und überläßt der Mutter das Bewachen und Versorgen der Eier.

Die Laichakte fanden in der Regel gegen Mittag oder am frühen Nachmittag statt. Eine Laichphase erbringt etwa 40 bis 50 Eier. Die Eier sind recht groß: mit Eihülle haben sie einen Durchmesser von 1,2 bis 1,4 mm, ohne Eihülle 1,0 bis 1,1 mm. Solche Ausmaße erreichen nur wenige Labyrinthfische! Auch die Eier der nahe verwandten Parosphromenus filamentosus sind etwas kleiner.

Am besten überführt man den Laich in ein mit Wasser des Zuchtaquariums gefülltes Zwei-Liter-Weckglas, dem man etwa drei Körnchen Kaliumpermanganat beifügt. Eine leichte Durchlüftung ist jetzt angebracht. Bei 24° C schlüpfen die ersten Larven erst nach ziemlich genau 60 Stunden. Auch die weitere Entwicklung der noch schwimmunfähigen Fischlarven dauert einige Zeit. Nach weiteren 60 Stunden sind die Augen der Kleinen fertig ausgebildet und erst nach nochmals 30 Stunden schwimmen die ersten Jungfische frei. Jetzt muß die Durchlüftung eingestellt werden. Nun gibt man ein Büschel Riccia oder Javamoos in das Glas, besser, man überführt schon jetzt in ein größeres Aquarium. Die ersten zwei bis drei Tage ernähren die Kleinen sich von den in den Pflanzen vorhandenen Infusorien. Danach nehmen sie eifrig frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien.

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Parosphromenus nagyi -der Vater bewacht den Laich

Es handelt sich bei diesen Fischen zweifellos um eine Bereicherung für die Aquaristik. In der Haltung und Zucht ähneln sie den anderen Parosphromenus-Arten; sie bereiten also dem Freund von Labyrinthfischen keine Probleme. Allerdings sind es keine Fische, die man dem Normalaquarianer empfehlen kann, der sie in seinem Wohnzimmeraquarium unterbringen möchte. Hier würden diese zarten Kleinfische buchstäblich untergehen. Sie brauchen die Pflege im gesonderten Kleinaquarium, damit sie sich entfalten und uns ihre sehenswerten Verhaltensweisen zeigen können.

© Dr. Jörg Vierke


Anmerkungen:

Dieser Bericht ist die gekürzte Fassung eines Artikels, der 1988 in "Das Aquarium" erschien:

Vierke, J.: (1988): Nagys Prachtzwerggurami Parosphromenus nagyi. DA 22, S. 72 - 74

Ausführliche, allgemeine Anmerkungen zu den Prachtguramis findet man bei "Fischreisen". >>>  Dort gibt es auch einen sehr ausführlichen Zuchtbericht zu P. filamentosus und einen Filmbericht zur Zucht des erst kürzlich beschriebenen P. phoenicurus aus Sumatra!

Einen ausführlichen Bericht zum Dunklen Sumpfprachtgurami P. sp. affin. paludicola mit Film gibt es bei "Fischverhalten": >>>