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Der Paradiesfisch oder Gabelschwanz-Makropode Macropodus opercularis

Ein uralter Bekannter,

der  Paradiesfisch

Macropodus opercularis (L. 1758)

© Dr. Jörg Vierke

 

Name

Erklärung des wissenschaftlichen Namens: Macropodus (gr.) = Großfüßiger, Großflosser. Makros = groß; podos = Fuß. Der Name bezieht sich auf die großen, lang ausgezogenen Flossen. Opercularis nimmt Bezug auf den ausgebuchteten und mit einem auffallenden Fleck versehenen Kiemendeckelrand: operculum (lat.) = Kiemendeckel.

LINNE beschrieb den Paradiesfisch als Labrus opercula­ris. Die Zahl der Synonyme ist stattlich, daher sollen hier nur die wichtigsten aufgezählt werden: L. operculatus, Macropodus viridi-auratus, Platypodus furca, Macropo­dus venustus, Polyacanthus opercularis, Macropodus fi­lamentosus.

Vorkommen, Ökologie

Reisfelder.jpgNach aktuellen Kenntnissen endet das Areal der Fische im Süden mit dem Dong-Nai-System im südlichen Vietnam. Im Norden reicht es bis zum Jangtsekiang einschließlich der Küstenebenen und der vorgelagerten Inseln. - Zudem ist auch immer noch unklar, inwiefern gewisse Vorkommen durch Aussetzungen zu erklären sind.

Nördlich vom Jangtsekiang beginnt das Gebiet der Rundschwanzmakropoden Macropodus ocellatus (Bericht bei "Fischreisen"  in Kürze).

Makropoden sind als Bewohner der Reissümpfe bekannt, doch sind sie in den verschiedensten stehenden, aber auch in fließenden Gewässern anzutreffen. In den Flüs­sen der chinesischen Tiefebene gehen sie bis in die Ge­zeitenzone.

Beschreibung

Als Ma­ximalgröße wird eine Gesamtlänge von 9 Zentimetern angegeben. Die Weibchen bleiben deutlich kleiner. Be­reits mit 5 bis 6 Zentimetern Länge sind Makropoden zuchtfähig.

Die Paradiesfische gehören zu den wenigen Kletterfi­schen mit gabeligen Schwanzflossen und werden daher gelegentlich auch als Gabelschwanzmakropoden bezeichnet. Die äußeren Caudalstrah­len sind, besonders bei älteren Männchen, weit ausgezo­gen und machen zum großen Teil den dekorativen Wert der Tiere aus. Die Rücken- und Afterflossen schöner Männchen sind im Bereich der Gliederstrahlen ebenfalls weit verlängert.

Am Körper sind die Tiere in der Regel abwechselnd mit jeweils etwa zehn roten und blauen Querstreifen versehen. Tiere mit gleichmäßigen, nicht unterbrochenen Streifen sind be­sonders beliebt. Auch die Flossen sind blau und rot ge­mustert.

Die Weibchen sind unschwer an ihrer schwächeren Be­flossung, ihrer weniger lebhaften Färbung und ihrer ge­ringeren Größe zu erkennen.

Paradiesfisch2.jpgParadiesfisch3.jpgDie Makropoden werden im Handel in zwei Farbschlägen angeboten: eine oberseits bräunliche Form, der Rote Ma­kropode und eine oberseits graublaue Form, der Blaue Makropode. Auch die relative Breite der blauen Körperstreifen ist beim Blauen Makropoden größer als beim Roten; es werden auch schon rein blaue Formen mit roter Schwanzflosse angeboten. Auch bei den Roten gibt es Formen, die keine oder nur noch rudimentäre Blaustreifen haben. Oben rechts auf dieser Seite ist das Männchen einer derartigen Variante abgebildet! Auch der typische Operkularfleck fehlt dieser Form weitgehend!

Es ist noch völlig ungeklärt, inwiefern die roten und blauen Formen geographischen Unterarten entsprechen oder ob sie reine Zuchtformen sind. Aussagen über die natürliche Verbreitung dieser Formen sind noch nicht möglich. Das ist bei dem riesigen Verbreitungsgebiet dieser Tiere kein Wunder! Es spricht aber viel dafür, dass es sich bei den Farbschlägen um Zuchtformen handelt. Die Chinesen haben Paradiesfische schon seit langer Zeit gehalten und gezüchtet.

Bei den "Weißen Makropoden" handelt es sich um albi­notische oder teilalbinotische Fische, also um Tiere, die keine oder nur wenig Farbstoffe bilden können. Die rote Augenfarbe rührt vom Blut her, das vom Augenhinter­grund hindurchschimmert. Es ist kein Wunder, dass diese Fische nur bei wenigen Zierfischfreunden beliebt sind. Schließlich sind es neben der Flossenpracht doch gerade die Farben, die die Schönheit eines Paradiesfisches ausma­chen. - Auch bei den manchmal angebotenen "Gelben Makropoden" oder ,.Goldmakropoden" handelt es sich um Züchtungen, die durch den teilweisen Ausfall von Farbstoffen entstanden sind.

Pflege

Makropoden sind schon seit gut hundert Jahren Aqua­rientiere. In älteren Büchern und Zeitschriften wird nach­haltig davor gewarnt, die Tiere in Gesellschaftsaquarien zu pflegen. Es zeigt sich jedoch, dass die Paradiesfische fast immer problemlos in größeren Ge­seIlschaftsaquarien zu halten sind.

Weder an das Wasser noch an das Futter werden Ansprü­che gestellt. Die Temperatur kann durchaus auch einmal auf 15° C abfallen. In Extremfällen wurden die Tiere sogar schon unter Eis überwintert. Doch sei das keinesfalls zur Nachahmung empfohlen!

Zucht und Fortpflanzungsverhalten

Paradiesfische sind im Normalfall leicht zu züchten. Gelegentlich trifft man aber auch auf „faule“ Männchen. Dann sollte man das Tier am be­sten gegen ein anderes austauschen. Die Zucht gelingt selbst in 10-Liter-Aquarien, sollte mit opercularis2.jpgRücksicht auf das Weibchen jedoch in einem deutlich größeren Becken er­folgen. Dabei darf nicht vergessen werden, Versteckplätze für das Weib­chen anzulegen. Es empfiehlt sich ein senkrecht gestellter Stein, der bis an die Wasseroberfläche reicht. Dann kann das hinter dem Stein verbleibende Weibchen unbeobachtet Luft von der Wasseroberfläche holen. Als Labyrinthfisch sind die Tiere auf die zusätzliche Luftatmung angewiesen.

Das Männchen legt am Wasserspiegel ein häufig großflä­chiges Schaumnest an. Anders als die Fadenfische, stellt er seine Schaumblasen einzeln oder nur zu ganz wenigen her. In der Regel wird einmal Luft geschnappt und die eingespeichelte Blase umgehend wieder ausgespuckt.

Während der Laichphase bleibt das Weibchen zumeist die ganze Zeit ununterbrochen am Nest, ohne vom Partner ernsthaft behelligt zu werden. Dabei ist es auffallend blass, zeigt keine Opercularflecken und trägt die unpaaren Flossen fest angelegt. Diese Demuthaltung dämpft die Aggressionen des männlichen Partners.

opercularis1.jpgDas balzende Männchen schwimmt gern quer vor die Partnerin und zeigt ihr seine prall aufgespannte, farbenprächtige Schwanzflosse. Gelegentlich bewegt er dann auch abwechselnd seine Bauchflossen, man hat den Eindruck eines ungeduldigen Zappelns!

Zur Paarungseinleitung drängt sich das Weibchen an die Seite des Männchens. Daraufhin biegt sich das Männ­chen seiner Partnerin entgegen. Bei gut eingespielten Paaren ist die vorherige Berührung durch das Weibchen nicht nötig, um beim Männchen die Umschlingungsreak­tion auszulösen. Das Männchen legt die Flossen an und formt mit seinem Körper ein zur Partnerin offenes U. Sie schwimmt nun in diese Körperbucht und wendet dabei das Männchen, das sich in diesem Moment fest umklam­mert, auf die Seite, so dass dessen Körper nun ein zur Wasserfläche offenes U bildet. Die Fische verharren je­doch keinen Augenblick in dieser Position (wie man es von Fadenfischen her kennt!). Ohne seine Umklammerung zu lockern, dreht sich das Männchen so, dass Schwanz und Kopf zum Boden weisen. Dabei wird das Weibchen in Rückenlage gebracht. In dieser Se­kunde werden die Geschlechtsprodukte unter heftigem Zittern ausgestoßen, und die Fische trennen sich.

Der ganze Laichakt dauert nur etwa 14 Sekunden. Die Eier sind leicht milchig trüb und auf Grund einer großen zentralen Ölkugel leichter als Wasser. Sie steigen nach oben und landen im Schaum­nest. Der Durchmesser der Eier beträgt 0,76-0,82 mm, mit der Eihülle sind es 0,9-1 mm. Pro Laichakt werden bis zu 30 Eier, pro Laichphase etwa 500 Eier abgegeben.

Nach dem Ende der Laichphase übernimmt das Männchen alleine die Brutpflege. Aus kleinen Zuchtaquarien sollte man die Mutter jetzt entfernen, sonst macht der Vater ihr das Leben schwer.

In großen Aquarien kann man allerdings beobachten, dass die Weibchen sich an der Brutpflege als Verteidiger des Außenreviers auszeichnen. Im Freiwasser stehen sie als Ersatzbrutpfleger bereit, für den Fall, dass dem Vater etwas zustößt. In dieser Hinsicht ähneln sie dem Siamesischen Kampffisch Betta splendens. Colisa-Weibchen dagegen sind Laichräuber. – Man erkennt, dass man das Laichverhalten der Labyrinthfische nicht über einen Kamm scheren kann! Es ist mindestens so komplex wie das der Cichliden.

Im Aquarium kann man gelegentlich beobachten, dass die Weibchen sich einen Teil der Eier nehmen und sie die Brut in einem gesonderten Schaumnest großziehen. Sie sind wie die Männchen in der Lage, Schaumblasen zu erzeugen.

Die Entwicklungs­geschwindigkeit der Brut ist von der Wassertemperatur abhängig. Makropoden-LarvenBei 20 bis 22° C schlüpfen die Larven nach 55 bis 65 Stun­den, bei 23 bis 25° C nach 30 bis 40 Stunden und bei 29 bis 31° C nach 22 bis 25 Stunden.

Am 3. oder 4. Tag schwimmen die Jungen frei. Jetzt suchen sie zwischen den Schwimmpflanzen an der Wasseroberfläche nach kleinsten Infusorien. Der Vater findet sich bald damit ab, dass seine Brut sich selbständig macht. Er verfolgt sie nicht. Nach zwei oder drei weiteren Tagen fressen die Kleinen auch frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien. Jetzt ist die weitere Aufzucht der jungen Paradiesfische völlig unproblematisch.

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© Dr. Jörg Vierke

Meinen Film vom Fortpflanzungsverhalten der Paradiesfische gibt es jetzt sowohl in der Kurzfassung (links 4:14 min) und rechts in der langen Version (10:00 min).

 

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