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Der Paradiesfisch oder Gabelschwanz-Makropode Macropodus opercularis |
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© Dr. Jörg Vierke
Name
Erklärung des wissenschaftlichen Namens: Macropodus (gr.) = Großfüßiger, Großflosser. Makros = groß; podos = Fuß. Der Name bezieht sich auf die großen, lang ausgezogenen Flossen. Opercularis nimmt Bezug auf den ausgebuchteten und mit einem auffallenden Fleck versehenen Kiemendeckelrand: operculum (lat.) = Kiemendeckel.
LINNE beschrieb den Paradiesfisch als Labrus opercularis. Die Zahl der Synonyme ist stattlich, daher sollen hier nur die wichtigsten aufgezählt werden: L. operculatus, Macropodus viridi-auratus, Platypodus furca, Macropodus venustus, Polyacanthus opercularis, Macropodus filamentosus.
Vorkommen, Ökologie
Nach aktuellen Kenntnissen endet das Areal der Fische im Süden mit dem Dong-Nai-System im südlichen Vietnam. Im Norden reicht es bis zum Jangtsekiang einschließlich der Küstenebenen und der vorgelagerten Inseln. - Zudem ist auch immer noch unklar, inwiefern gewisse Vorkommen durch Aussetzungen zu erklären sind.
Nördlich vom Jangtsekiang beginnt das Gebiet der Rundschwanzmakropoden Macropodus ocellatus (Bericht bei "Fischreisen" in Kürze).
Makropoden sind als Bewohner der Reissümpfe bekannt, doch sind sie in den verschiedensten stehenden, aber auch in fließenden Gewässern anzutreffen. In den Flüssen der chinesischen Tiefebene gehen sie bis in die Gezeitenzone.
Beschreibung
Als Maximalgröße wird eine Gesamtlänge von 9 Zentimetern angegeben. Die Weibchen bleiben deutlich kleiner. Bereits mit 5 bis 6 Zentimetern Länge sind Makropoden zuchtfähig.
Die Paradiesfische gehören zu den wenigen Kletterfischen mit gabeligen Schwanzflossen und werden daher gelegentlich auch als Gabelschwanzmakropoden bezeichnet. Die äußeren Caudalstrahlen sind, besonders bei älteren Männchen, weit ausgezogen und machen zum großen Teil den dekorativen Wert der Tiere aus. Die Rücken- und Afterflossen schöner Männchen sind im Bereich der Gliederstrahlen ebenfalls weit verlängert.
Am Körper sind die Tiere in der Regel abwechselnd mit jeweils etwa zehn roten und blauen Querstreifen versehen. Tiere mit gleichmäßigen, nicht unterbrochenen Streifen sind besonders beliebt. Auch die Flossen sind blau und rot gemustert.
Die Weibchen sind unschwer an ihrer schwächeren Beflossung, ihrer weniger lebhaften Färbung und ihrer geringeren Größe zu erkennen.
 Die Makropoden werden im Handel in zwei Farbschlägen angeboten: eine oberseits bräunliche Form, der Rote Makropode und eine oberseits graublaue Form, der Blaue Makropode. Auch die relative Breite der blauen Körperstreifen ist beim Blauen Makropoden größer als beim Roten; es werden auch schon rein blaue Formen mit roter Schwanzflosse angeboten. Auch bei den Roten gibt es Formen, die keine oder nur noch rudimentäre Blaustreifen haben. Oben rechts auf dieser Seite ist das Männchen einer derartigen Variante abgebildet! Auch der typische Operkularfleck fehlt dieser Form weitgehend!
Es ist noch völlig ungeklärt, inwiefern die roten und blauen Formen geographischen Unterarten entsprechen oder ob sie reine Zuchtformen sind. Aussagen über die natürliche Verbreitung dieser Formen sind noch nicht möglich. Das ist bei dem riesigen Verbreitungsgebiet dieser Tiere kein Wunder! Es spricht aber viel dafür, dass es sich bei den Farbschlägen um Zuchtformen handelt. Die Chinesen haben Paradiesfische schon seit langer Zeit gehalten und gezüchtet.
Bei den "Weißen Makropoden" handelt es sich um albinotische oder teilalbinotische Fische, also um Tiere, die keine oder nur wenig Farbstoffe bilden können. Die rote Augenfarbe rührt vom Blut her, das vom Augenhintergrund hindurchschimmert. Es ist kein Wunder, dass diese Fische nur bei wenigen Zierfischfreunden beliebt sind. Schließlich sind es neben der Flossenpracht doch gerade die Farben, die die Schönheit eines Paradiesfisches ausmachen. - Auch bei den manchmal angebotenen "Gelben Makropoden" oder ,.Goldmakropoden" handelt es sich um Züchtungen, die durch den teilweisen Ausfall von Farbstoffen entstanden sind.
Pflege
Makropoden sind schon seit gut hundert Jahren Aquarientiere. In älteren Büchern und Zeitschriften wird nachhaltig davor gewarnt, die Tiere in Gesellschaftsaquarien zu pflegen. Es zeigt sich jedoch, dass die Paradiesfische fast immer problemlos in größeren GeseIlschaftsaquarien zu halten sind.
Weder an das Wasser noch an das Futter werden Ansprüche gestellt. Die Temperatur kann durchaus auch einmal auf 15° C abfallen. In Extremfällen wurden die Tiere sogar schon unter Eis überwintert. Doch sei das keinesfalls zur Nachahmung empfohlen!
Zucht und Fortpflanzungsverhalten
Paradiesfische sind im Normalfall leicht zu züchten. Gelegentlich trifft man aber auch auf „faule“ Männchen. Dann sollte man das Tier am besten gegen ein anderes austauschen. Die Zucht gelingt selbst in 10-Liter-Aquarien, sollte mit Rücksicht auf das Weibchen jedoch in einem deutlich größeren Becken erfolgen. Dabei darf nicht vergessen werden, Versteckplätze für das Weibchen anzulegen. Es empfiehlt sich ein senkrecht gestellter Stein, der bis an die Wasseroberfläche reicht. Dann kann das hinter dem Stein verbleibende Weibchen unbeobachtet Luft von der Wasseroberfläche holen. Als Labyrinthfisch sind die Tiere auf die zusätzliche Luftatmung angewiesen.
Das Männchen legt am Wasserspiegel ein häufig großflächiges Schaumnest an. Anders als die Fadenfische, stellt er seine Schaumblasen einzeln oder nur zu ganz wenigen her. In der Regel wird einmal Luft geschnappt und die eingespeichelte Blase umgehend wieder ausgespuckt.
Während der Laichphase bleibt das Weibchen zumeist die ganze Zeit ununterbrochen am Nest, ohne vom Partner ernsthaft behelligt zu werden. Dabei ist es auffallend blass, zeigt keine Opercularflecken und trägt die unpaaren Flossen fest angelegt. Diese Demuthaltung dämpft die Aggressionen des männlichen Partners.
Das balzende Männchen schwimmt gern quer vor die Partnerin und zeigt ihr seine prall aufgespannte, farbenprächtige Schwanzflosse. Gelegentlich bewegt er dann auch abwechselnd seine Bauchflossen, man hat den Eindruck eines ungeduldigen Zappelns!
Zur Paarungseinleitung drängt sich das Weibchen an die Seite des Männchens. Daraufhin biegt sich das Männchen seiner Partnerin entgegen. Bei gut eingespielten Paaren ist die vorherige Berührung durch das Weibchen nicht nötig, um beim Männchen die Umschlingungsreaktion auszulösen. Das Männchen legt die Flossen an und formt mit seinem Körper ein zur Partnerin offenes U. Sie schwimmt nun in diese Körperbucht und wendet dabei das Männchen, das sich in diesem Moment fest umklammert, auf die Seite, so dass dessen Körper nun ein zur Wasserfläche offenes U bildet. Die Fische verharren jedoch keinen Augenblick in dieser Position (wie man es von Fadenfischen her kennt!). Ohne seine Umklammerung zu lockern, dreht sich das Männchen so, dass Schwanz und Kopf zum Boden weisen. Dabei wird das Weibchen in Rückenlage gebracht. In dieser Sekunde werden die Geschlechtsprodukte unter heftigem Zittern ausgestoßen, und die Fische trennen sich.
Der ganze Laichakt dauert nur etwa 14 Sekunden. Die Eier sind leicht milchig trüb und auf Grund einer großen zentralen Ölkugel leichter als Wasser. Sie steigen nach oben und landen im Schaumnest. Der Durchmesser der Eier beträgt 0,76-0,82 mm, mit der Eihülle sind es 0,9-1 mm. Pro Laichakt werden bis zu 30 Eier, pro Laichphase etwa 500 Eier abgegeben.
Nach dem Ende der Laichphase übernimmt das Männchen alleine die Brutpflege. Aus kleinen Zuchtaquarien sollte man die Mutter jetzt entfernen, sonst macht der Vater ihr das Leben schwer.
In großen Aquarien kann man allerdings beobachten, dass die Weibchen sich an der Brutpflege als Verteidiger des Außenreviers auszeichnen. Im Freiwasser stehen sie als Ersatzbrutpfleger bereit, für den Fall, dass dem Vater etwas zustößt. In dieser Hinsicht ähneln sie dem Siamesischen Kampffisch Betta splendens. Colisa-Weibchen dagegen sind Laichräuber. – Man erkennt, dass man das Laichverhalten der Labyrinthfische nicht über einen Kamm scheren kann! Es ist mindestens so komplex wie das der Cichliden.
Im Aquarium kann man gelegentlich beobachten, dass die Weibchen sich einen Teil der Eier nehmen und sie die Brut in einem gesonderten Schaumnest großziehen. Sie sind wie die Männchen in der Lage, Schaumblasen zu erzeugen.
Die Entwicklungsgeschwindigkeit der Brut ist von der Wassertemperatur abhängig. Bei 20 bis 22° C schlüpfen die Larven nach 55 bis 65 Stunden, bei 23 bis 25° C nach 30 bis 40 Stunden und bei 29 bis 31° C nach 22 bis 25 Stunden.
Am 3. oder 4. Tag schwimmen die Jungen frei. Jetzt suchen sie zwischen den Schwimmpflanzen an der Wasseroberfläche nach kleinsten Infusorien. Der Vater findet sich bald damit ab, dass seine Brut sich selbständig macht. Er verfolgt sie nicht. Nach zwei oder drei weiteren Tagen fressen die Kleinen auch frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien. Jetzt ist die weitere Aufzucht der jungen Paradiesfische völlig unproblematisch.
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