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Gestreifte Nannacara aus einem Bach im Nordwesten von Französisch Guayana

 

Das obige Bild zeigt einen kleinen Bach im Nordwesten von Französisch Guayana. Hier fingen wir diese gestreiften aureocephalus. Sie erinnern etwas an taenia. Und nur etwa einen Kilometer von diesem Fundort östlich gingen uns Scharen von Nannacara anomala ins Netz!

Nannacara - liebenswerte Nanacara anomala-MännchenZwergcichliden aus Südamerika

© Dr. Jörg Vierke

 

Südamerikanische Zwergbuntbarsche - da denkt man zunächst vor allem an die zahlreichen Arten aus der Gattung Apistogramma. Es gibt aber auch eine Reihe weiterer Zwergcichliden in dieser Region. Sie sind miteinander nicht alle eng verwandt. Gemeinsam ist ihnen eigentlich nur, dass sie kleinbleibende Buntbarsche sind, die ziemlich friedfertig anderen Fischen gegenüber sind und die auch die Bepflanzung in einem gut eingerichteten Gesellschaftsaquarium nicht wesentlich behelligen. Kurz: es sind alles gut geeignete Gesellschafter.

Nannacara anomala, Paar beim LaichenNicht alle sind allerdings anspruchslos. Die meisten erwarten doch schon ausgesprochen weiches Wasser und auch Lebendfutter. Das ist natürlich nicht Jedermanns Sache. Zu den weniger anspruchsvollen Zwergcichliden gehören die Arten aus der Gattung Nannacara. Sie werden im Deutschen gelegentlich auch als „Schachbrettcichliden“ bezeichnet, denn die Weibchen zeigen besonders während der Brutpflege ein typisches schachbrettartiges Körpermuster. Da es aber auch andere südamerikanische Buntbarsche gibt, die als Schachbrettcichliden bezeichnet werden (Dicrossus), ist diese Bezeichnung recht unglücklich gewählt. - Die Gattung Nannacara umfasst fünf derzeit bekannte Arten. Die aus den Gewässern Brasiliens im Bereich des oberen Rio Negro und des Rio Uaupés stammende Art adoketa wurde kürzlich aus der Gattung Nannacara herausgenommen. Für sie wurde die neue Gattung Ivanacara geschaffen. - Bestes Kennzeichen dieser Art sind etwa sieben dunkle Querstreifen, die den Körper bedecken. 

Ebenfalls Brasilianer ist der kleinste unter den Nannacara. Im Raum um Belem kommt Nannacara taenia vor, der nur gerade mal 4 cm Gesamtlänge erreicht. Typisches Kennzeichen dieser Fischzwerge sind acht bräunliche bis schwarze Körperlängsstreifen, die etwa am Kopf beginnen und sich im Schwanzflossenansatz verlaufen.

Nannacara anomala, Weibchen am Gelege

Im Westen Guayanas lebt der Glänzende Zwergbuntbarsch Nannacara anomala. Diese Art ist altbekannt. Sie wurde bereits 1934 in Deutschland gehalten und gezüchtet. Die Männchen erreichen etwa 9 cm, gehören also von ihrer Größe her in das Mittelfeld. – Ferner gibt es noch den N. bimaculata und den erst kürzlich beschriebenen N. quadrispinae. Diese im Orinokodelta gefundenen Fische erinnern sehr an anomala, haben jedoch einen Afterflossenstachel mehr. - Die Art hoehnei wird jetzt zur Gattung Aequidens gezählt.

Fehlt noch die letzte der derzeit bekannten Nannacara-Arten! Auch hier erreichen die Männchen in Ausnahmefällen Gesamtlängen bis zu 12 cm. Gemeint ist der Goldkopf-Nannacara Nannacara aureocephalus, der aus Französisch Guayana stammt. Im Folgenden wird in erster Linie von aureocephalus und anomala die Rede sein, die anderen Arten kenne ich nur von flüchtigen Beobachtungen und aus der Literatur!

Goldkopf-Nannacara, Nannacara aureocephalus, Männchen
Nannacara aureocephalus - Männchen

Nannacara anomala und N. aureocephalus sind nicht schwer zu unterscheiden - vor allem, wenn man an die Männchen denkt. Abgesehen davon, dass die aureocephalus-Männchen mit bis zu 12 cm Ge­samtlänge Größen erreichen, die sie schon bald außerhalb der Buntbarsch-Zwerge stellen, ha­ben sie auch eine arttypische Zeichnung. Ihr Kopf ist golden, wie der Name sagt, doch dieses Merkmal alleine wäre irreführend, denn auch die anomala-Verwandten haben oft "goldige" Köpfe. Die Männchen beider Arten lassen sich aber neben weiteren Merkmalen besonders leicht an der Zeichnung der Körperschuppen unterscheiden: die Schuppen des aureocephalus sind dunkel gerandet und innen hellglänzend, die anomala-Männchen haben dagegen dick hell gerandete Schuppen mit dunklen Zentren.

Die Vergesellschaftung von N. anomala oder N. aureocephalus ist denkbar einfach: sie passen in jedes der übli­chen Südamerikabecken mit Salmlern und kleinen Welsen. Allerdings sollte man - wenn man nicht gerade ein riesiges Aquarium hat - nur ein Männchen in das Aquarium setzen, dazu ein, zwei oder auch drei Weibchen. Untereinander sind sich die Männchen nämlich schnell spinnefeind. Da die Mäuler recht klein sind, bedeuten sie jedoch keine Gefahr für die Mitbewohner. Allerdings würde ich die beiden Arten nicht miteinander zusammen halten, da sich sie sich untereinander als Konkurrenten ansehen. Im Hinblick auf das ähnliche Aussehen ihrer Weibchen kein Wunder - vermutlich wissen sie auch nicht zu unterscheiden.

Wer den verständlichen Ehrgeiz hat, diese Zwergbuntbarsche zu vermehren, ist gut beraten, sie in ein separates Aquarium zu setzen. Hier bewährt sich der Grundsatz: je größer, desto besser. Im Prinzip gibt es keine Unterschiede in der Zucht der beiden Arten. Ich will an dieser Stelle jetzt Erlebnisse schildern, die ich mit den Goldkopf-Nannacara hatte: Ich hatte ein 100-Liter-Aquarium zur Verfügung, das ich mit wenig Leitungswasser und viel Regenwasser gefüllt und so einen Leitwert von 230 µS erreicht hatte. Die Tempera­tur hatte ich auf 25° C eingestellt.

aureocephalus-Mutter am Gelege

N. aureocephalus-Mutter am Gelege

Nannacara aureocephalus Weibchen mit Brut

Nannacara aureocephalus Mutter mit Larven - nicht in einer Grube, sondern am Stein aufgehängt!

Nannacara_aureocephalus_W...

Nannacara aureocephalus-Weibchen

Ich hatte Goldkopf-Nannacara Nannacara aureocephalus, ein mit 4,5 cm schon ziemlich großes Weibchen und ein et­wa 9 cm großes Männchen. Man kann nicht sagen, dass die Tiere untereinander friedfertig waren. Im Gegenteil, oft hatte ich Angst um das meist ziemlich heftig gejagte Weibchen. Durch gezielte Fütterung sorgte ich dafür, dass es ausreichend Enchyträen und weiße Mückenlarven erhielt. Selbstverständlich hatte ich auch viele Steine eingebracht, hinter denen das gejagte Tier Zuflucht finden konnte. Das hatte natürlich den Nachteil, dass ich in der B

eobachtung oft eingeschränkt war. Andererseits war immer zu sehen, wenn das Weib­chen Laich oder Junge hatte - dann nämlich war der Vater auf der Flucht!

Das brutpflegende Weibchen erkannte man aber nicht nur an seinem veränderten Verhalten, es zeigte dann auch sein typisches Mutterkleid: ein schachbrettartiges Schwarz-Weiß-Muster in der oberen und mittleren Körperregion. Die Unterkopfregion färbt sich zu dieser Zeit ganz dunkel, im Extremfall schwarz. Diese typische Färbung ist aber durchaus variabel. Sie kann sich sehr schnell abschwächen, zeitweilig erkennt man zwei kräftige Längslinien, kurzzeitig können die Mütter dann selbst das Männchen-Muster zeigen.

Die bräunlich-tarnfarbenen Eier werden mit ihrer Breitseite an die Unterlage geheftet. Ich zählte immer etwa um die hundert Laichkörner. Laichsubstrat war zumeist ein glatter Stein, der aber nach oben hin durch Blätter oder eine Wurzel abgeschattet war. Leider verschwan­den die Gelege meiner aureocephalus zunächst regelmäßig. Das scheint nicht unüblich bei in Aquarien gepflegten aureocephalus zu sein, denn andere Beobachter berichten ent­sprechend. Aber auch Nannacara anomala kann in dieser Hinsicht gelegentlich Probleme bereiten.

Ich weiß nicht, ob es nur die Eingewöhnung war, ob das abwechslungsreiche Le­bendfutter oder ein Wasserwechsel den Ausschlag gab: schließlich klappte es. Eines Tages hingen etwa 40 Larven an einer senkrecht stehenden Felsfläche, die nach oben hin durch überhängendes Gestein etwas getarnt war. Offensichtlich waren sie dort mit winzigen Haftfä­den befestigt, etwa so, wie man es von Segelflossern, aber auch von Apistogramma-Arten kennt. Die Mutter stand in Brutpflegefärbung davor und war eifrig bemüht, den Larven fri­sches Wasser zuzufächeln.

Ich war überrascht, denn von Nannacara anomala ist bekannt, dass die frisch geschlüpften Larven in Gruben deponiert werden. Ich weiß nicht, ob das hier dokumentierte Verhalten der aureocephalus arttypisch ist, oder ob es nur durch spezielle Einflüsse hervorgerufen wurde. Derart untergebrachte Larven sind vor Verschmutzung und Bakterienbefall zweifellos besser geschützt als in einer Bodengrube, ganz sicher ist auch die Frischwasserversorgung besser gewährleistet.

Nannacara aureocephalus-Mutter mit Larven

Als erstes Futter bot ich den Kleinen frischgeschlüpfte Artemia-Nauplien an - ein Futter, das sie am Anfang nur sehr zögernd annahmen. Offenbar zogen sie es vor, nach kleineren, für mich nicht erkennbare Brocken zu schnappen. Dennoch hatten die ersten aureocephalus schon am ersten Tag ihres Freischwimmens einige Salzkrebschen gefressen - ihre rotgefärb­ten Bäuchlein legten davon eindeutiges Zeugnis ab. Aber auch zwei Tage später schwammen etliche noch mit blassen Bäuchen herum; sie hatten sich also nur mit den verschiedensten weiteren Kleinsttierchen durchgeschlagen, die sie im Aquarium gefunden hatten!

Bis zum dritten Tag nach dem Freischwimmen wurden die Kleinen gegen Abend von ihrer Mutter immer noch an die Schlafwand geklebt! Danach reichte die Kraft der Klebdrüsen nicht mehr aus, die Fischchen zu halten. Jetzt sammelten sie sich gegen Abend alle in einer Bodengrube, so wie man es eigentlich von Nannacara erwartet, wenn man nach den Literaturan­gaben geht!

Während dieser Wochen gab es für die kleine Fischmutter natürlich nur ihre Jungen. Ständig war sie bei ihnen, nur selten versuchte sie aber, die Führung zu übernehmen. In der Regel folgte sie den Kleinen und patrouillierte rund um das von ihren Kindern gerade nach Futter abgesuchte Gebiet. Der arme Fischvater war in den zwei Wochen nach dem Ablaichen in schreckliche Bedrängnis geraten. Immer hielt er sich in der von den Jungen am weitesten entfernten Ecke irgendwo unter einem Stein oder an der Oberfläche hängend auf. Wenn die Familie sich auf der Suche nach neuen Futtergebieten genähert hatte, gab es fürchterliche Prügel durch das Weibchen, eine wilde Jagd durch das gesamte Aquarium, bis das Männchen für einige Zeit wieder einen Zufluchtsort gefunden hatte.

Eigentlich hatte ich vorgehabt, dem Vater die Teilnahme bei der Jungenaufzucht zu ermögli­chen. Von Nannacara anomala weiß man, dass die Väter hier nach einigen Tagen gewisser­maßen gleichberechtigte Brutpfleger sein dürfen. Sie legen dann sogar ein Schachbrettkleid an, das der Führungstracht der Mutter entspricht! Vermutlich war mein Aquarium immer noch nicht groß genug für diese natürliche Form der Brutpflege. Um der Quälerei endlich ein Ende zu bereiten, fing ich den Vater schließlich heraus und überließ das Aquarium ganz der Mutter mit ihren Kindern.

Letzte Bearbeitung: 27. 11. 2012


Hier eine kommentierte Fotoschau zum Nannacara-Bericht:

 

© Dr. Jörg Vierke


 

 

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