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©  Dr. Jörg Vierke

Mondscheinfadenfische können in der Farben­pracht nicht im Entferntesten mit den Mosaikfa­denfischen mithalten, in der Genügsamkeit nicht mit den Punktierten Fadenfischen. Sie sind also keine Zierfische, in die man sich auf Anhieb ver­liebt. Hat man aber die Gelegenheit, sie einige Zeit im größeren Aquarium zu halten, wird man sie bald nicht mehr missen wollen.

Erlebnisse mit Mondscheinfadenfischen Trichogaster microlepis

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Der Autor mit einem Fischer in Burma (Myanmar), der Tilapien und Fadenfische angelt.
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Unten sein Fang: Oreochromis niloticus und Trichogaster microlepis, beides Arten, die hier ursprünglich nicht vorkommen.

Herkunft  

Mondscheinfadenfische (Trichogaster microlepis) wurden erst in den 50iger Jahren nach Deutschland importiert. Sie stammen aus den Entwässerungska­nälen und Reisfeldern von Kambodscha und Thai­land. Hier sind sie nicht selten, wenngleich nicht so häufig wie ihre nahen Verwandten, die Punktierten Fadenfische (Trichogaster trichopterus) und die Schaufelfadenfische (Trichogaster pectoralis bzw. cantoris). Sie sind dort begehrte Nutzfische. Die Einheimischen er­beuten sie mit Keschern oder Wurfnetzen.

In Burma (Myanmar) werden sie wie auch Trichogaster trichopterus und die Schaufelfadenfische in Zuchtteichen gehalten und im Internet für den Export (!) angeboten, natürlich als Speisefische. Das gilt in größerem Umfang noch für die Tilapie Oreochromis niloticus. Alle diese Tiere sind nicht ursprünglich in Birma zu Hause. Sie wurden für die besagten Zwecke importiert und sind vielfach in Freiheit entkommen. Mit Sicherheit dient das nicht dem Wohl der einheimischen Fischfauna - aber auf der anderen Seite profitieren die Fischer zumindest kurz- und mittelfristig von diesen Verhältnissen.

Gut für das  Aquarium geeignet

Die hoch gebauten, silbrig schimmernden Fische fallen im Aquarium sofort auf. Auf manchen Betrachter wirken sie großflächig fad und unat­traktiv. Sie bilden mit ihrer ruhig sanften Art aber einen angenehmen Kontrast in größeren Gesellschaftsbecken gegenüber bunten und oft unruhigen Mitbewohnern. Von Barben, die gern an den Flossenfäden knabbern, sollte man allerdings Abstand nehmen. Ansonsten - keine besonderen Ansprüche, nicht an das Wasser, nicht an das Futter.

Auf den zweiten Blick zeigen die Microlepis auch eini­ge körperliche Vorzüge: Ihre sehr kleinen Körper­schuppen (daher ihr Name „microlepis" - kleinschuppig) geben ihrer Körperoberfläche einen seidig schimmernden Glanz - früher wurden sie daher gele­gentlich auch als "Seidenfadenfische" bezeichnet. Interessant ist ferner ihr selbst für Fadenfische ex­trem hoch gebauter Körper, der auch seitlich deutlich fla­cher als bei den anderen Arten der Gattung ist. Ty­pisch ist das eingedellte Stirnprofil, die "Sattelnase". Eingewöhnte Männchen können einen wirklich at­traktiven Eindruck machen, denn sie schimmern zeit­weilig am ganzen Körper hellblau-violett und ihre Kehle zeigt eine orangerote Färbung. Die Au­gen können dann kräftig rot gefärbt sein, übrigens auch die Bauchflossenfäden. Gerade die fadenartig verlängerten Bauchflossen sind schon im Händler­becken und auch bei noch nicht völlig geschlechts­reifen Tieren das beste Indiz für das Geschlecht der Tiere. Bei den Weibchen sind sie farblos oder besten­falls gelb, aber niemals orange oder gar rot, wie bei den Männchen.

Silbrige Blitze im Zuchtaquarium!

Manche Männchen beginnen schon im Gesell­schaftsbecken, Pflanzenteile zu suchen und sie dann an einer ausgewählten Stelle zu einem Nest zusammenzutragen. In Gegenwart anderer Fische ist es aber wohl immer zu unruhig; zur Zucht müssen wir die Tiere gesondert ansetzen.

Ich hatte mir aus einer Gruppe von mehreren Jung­tieren ein schönes Männchen und einige Weibchen herangezogen. Erst wenn die Tiere 10 bis 11 cm lang sind, kann man sie als zuchtfähig bezeichnen. Mond­scheinfadenfische sollen Maximalgrößen von 18 cm erreichen.

Ich beschloss also, meine als Zuchttiere auserwählten Exemplare aus dem Gesellschaftsbecken zu nehmen, um sie in einem Extra-Aquarium zur Zucht anzusetzen. Hier sollte sich zum ersten Mal zei­gen, dass ich die Tiere unterschätzt hatte. Ich hielt Mondscheinfadenfische für ruhige und langsame Schwimmer - die dürften sicher leicht aus meinem 2-Meter-Becken heraus zu fangen sein. Schließlich waren es nicht die ersten Trichogaster, die ich fing! Falsch gedacht, ich musste das halbe Becken ausräu­men, bis ich endlich mein Zuchtpaar zusammen hat­te. Die Mondscheinfadenfische sind vorsichtiger und schneller als die anderen südostasiatischen Faden­fische. Jetzt ging mir ein Licht auf, wieso ich in den Reisfeldern Thailands so selten Mondscheinfaden­fische gesehen und nie fangen konnte. Sie sind nicht nur seltener als die anderen Trichogaster-Arten, sie sind auch scheuer. Im Aquarium machen sie dage­gen normalerweise gar nicht den Eindruck von Schüchternheit.

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Das Trichogaster microlepis-Weibchen (Vordergrund) leitet die Paarung ein. Hierzu drängt es sich in die Flanke des Männchens.

Ich brachte die mühsam eingefangenen Tiere in ei­nem 80 x 30 x 30 cm-Aquarium unter. Es war mit ei­nem regelrechten Cryptocorynen-Dschungel dicht be­pflanzt und an der Oberfläche mit Riccia überzogen. Die Temperatur hatte ich auf 30° C eingestellt. Beide Fische verschwanden sofort im Pflanzendickicht. Bald er­schien das Männchen und begann nach wenigen Stunden schon mit dem Nestbau. Zwischendurch wurde das Weibchen gejagt, das heißt, viel sah ich das Weibchen nicht. Es war fast ständig in den Pflan­zen verschwunden, und nur gelegentlich sah ich zwei silbrig glänzende Blitze durchs Wasser jagen. Es sind sanfte Tiere - dachte ich - und maß der Sache nicht viel Bedeutung zu. Ja, wenn es Punktierte Faden­fische wären, die sind echt brutal, aber doch nicht die Mondscheinfadenfische! Ich irrte das zweite Mal - am nächsten Morgen musste ich ein totes Weibchen aus dem Aquarium herausfischen!

Immerhin hatte ich noch mehr Weibchen; diesmal wollte ich besser aufpassen. Mehr Versteck­möglichkeiten als der ohnehin schon vorhandene Pflanzendschungel war den Tieren allerdings nicht zu bieten. Sicher wäre ein noch größeres Zuchtbec­ken besser - es war aber keins frei. Aufpassen war angesagt! Und das war notwendig - bereits zwei Stunden nach dem Einsetzen musste ich das schon ziemlich zerzauste Weibchen durch Herausfangen retten. Es wäre sonst den Weg seiner Vorgängerin gegangen. Der microlepis-Mann blieb jetzt einige Wochen allein im Zuchtbecken. Die Temperatur hielt ich bei etwa 28° C. In der Zwischenzeit erhielt das Weibchen eine Spezialbehandlung. Es wurde mit Lebendfutter ver­wöhnt wie nie zuvor. Speziell die Larven der Büschel­mücke (Weiße Mückenlarven, Glasstäbchen) bekam sie in Mengen. Dann setzte ich die Tiere wieder zu­sammen - und siehe da -, es gab diesmal keine Pro­bleme. Gelegentlich biss das Männchen auch jetzt noch zu, aber hin und wieder hatte das Weibchen so­gar Gelegenheit, es ihm mit einem kleinen Biss zu ver­gelten. Das ist nun allerdings vermenschlicht ausge­drückt. Der wahre Sachverhalt war anders: Ein sexuell hochmotiviertes Weibchen wie hier flüchtet nicht vor dem Männchen, sondern animiert es mit Bissen zum Nestbau und zur Paarung.

Heimliche Hochzeiter

Ich hatte die Temperatur hochgestellt. 32° C ! Das Männchen begann jetzt, alle losen Pflanzenteile zusammenzutragen, derer es habhaft werden konnte. Bevorzugt sammelte es Javamoos, das ich eigentlich als zusätzliche Deckung für das Weibchen gedacht hatte. Im Verlauf von drei Tagen kam so ein gewaltiges schwimmendes Nest aus vielen Pflanzen­teilen und wenigen Schaumblasen zustande, das ei­nen Durchmesser von etwa 15 cm hatte und knapp 5 cm kuppelartig über die Wasserfläche hinausragte. Hätte der Fisch noch mehr Pflanzenmaterial gefun­den, dann hätte er sich noch ein größeres Nest ge­baut!

Natürlich wollte ich das Ablaichen der Tiere im Bild festhalten! Das kann so schwer nicht sein, dach­te ich - das war mein dritter Irrtum. Inzwischen weiß ich, warum ich noch keine Laichfotos von die­ser Art gesehen hatte. Sehr leicht verpasst man das Ablaichen, denn es geschieht heimlich und in großen Abständen. Meine Fische laichten immer in den spä­ten Abendstunden. Dabei näherte sich das Weibchen nicht etwa frei dem Nest. Es schlich sich, bis zuletzt im Cryptocorynen-Dickicht verborgen, bis unter das Pflanzennest. Dann tauchte es aus dem Blätter­dschungel auf und schwamm schnell auf das Männ­chen zu. Das derart überraschte Männchen reagierte mit langsamem Umkreisen, das das Weibchen sofort mitmachte. Nach mehreren Umkreisungen bog das Männchen sich so, dass sein Körper eine zur Partne­rin offene Schale darstellte. Hier hinein schwamm sie. Langsam und ruhig wurde sie nun vom Männchen umschlossen. Sekunden später drehte sich das fast umschlungene Paar, so dass die eng beieinander liegenden Geschlechtsöffnungen nach oben oder schräg zur Seite zeigten. Sofort danach wurden die Geschlechtsprodukte ausgestoßen. Die glasklaren Eier schwebten direkt nach oben unter das Schaum­nest. Das Paar löste sich daraufhin, und das Weib­chen zog sich wieder in sein Pflanzendickicht zurück, während das Männchen sich wieder mit der Ausbes­serung des Nestes beschäftigte.

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Mondscheinfadenfische bei der Paarung. Der Pulk der gerade ausgestoßenen Eier schwebt nach oben unter das Nest aus Schaum und Moosteilchen.

Die Anzahl der bei einem Laichakt ausgestoßenen Eier war oft beträchtlich; ich schätzte, es waren manchmal an die 100 Eier. Sicher kamen im Verlauf des Abends 1000 oder mehr Eier zusammen. Der Ab­stand zwischen den verschiedenen Laichakten dau­erte aber - oft musste ich eine dreiviertel Stunde warten, bis ich das nächste Foto machen konnte.

Wieso es - von den längeren Wartepausen abgese­hen - ein Problem ist, die Tiere zu fotografieren? So silbrig glänzende Fische sind wegen der Lichtreflexe nur sehr schwer zu blitzen. Jede Schuppe wirkt wie ein kleiner Spiegel. Hier ist die richtige Blende tatsächlich Glückssache.

Eier und Larven

Am Mittag des nächsten Tages holte ich einige Eier aus dem Nest. Ich wollte sie vermessen und die Entwicklung der Jungen verfolgen. Dabei erwies sich der Fischvater alles andere als furchtsam. Er biss mir heftig in die Hand, und nicht nur einmal, sondern er biss hartnäckig so lange, bis ich die Hand wieder aus der Nestbereich entfernt hatte.

Die von mir unter dem Mikroskop vermessenen Eier waren mit Eihülle 0,8 bis 0,9 mm groß, ohne die Eimembran 0,7 bis 0,8 mm. Unter den asiatischen Labyrinthfischen haben nur einige Colisa-Arten noch kleinere Eier.

Die Larven schlüpfen bei Temperaturen von 31 bis 32° C nach 23 bis 24 Stunden. Genau 36 Stunden nach dem Eiausstoß schwimmen die Jungen frei. Dei Vater versucht nicht, sie wieder einzusammeln. Ich hätte auch die Mutter im Ablaichbecken lassen kön­nen, da der Vater jetzt so sanft war, wie man es bei Mondscheinfadenfischen erwartet. Beide Eltern stell­ten ihren Kindern in keiner Weise nach - ich ließ eini­ge im Zuchtbecken mit den Eltern, bis sie eine Länge von etwa 1 cm hatten.

Vorsicht vor Kiemenwürmern!

Das Wasser des Zuchtbeckens war zunächst grau vor lauter Kleinstmicrolepis; nun war mir klar, dass ich - wenn auch nicht 1000 - so doch eine große Anzahl von Mondscheinfadenfischen aufziehen würde. Auch hier hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Trotz guter Fütterung ging ein außerordentlich gro­ßer Teil der Brut zugrunde - hier war mir allerdings die Ursache schnell klar: Ich hatte bei der Untersu­chung der Fischlarven schon gesehen, dass da im wahrsten Sinne des Wortes der "Wurm drin war". Schon auf seit gerade erst zwei Tage freischwim­menden Fischlarven sah ich unter dem Mikroskop kleine Würmer herumkriechen. Sie hielten sich be­vorzugt direkt im Kiemenbereich auf. Die fast un­durchsichtigen Parasiten hatten am Vorderteil deut­lich sichtbar zwei Augenpaare, die wie vier schwarze Punkte aussahen. In der hinteren Körperregion hat­ten die Würmer kräftige Hakenapparate. Bei diesen Parasiten handelt es sich um Kiemenwürmer der Gat­tung Dactylogyrus. Vermutlich sind die meisten er­wachsenen Import- Trichogaster microlepis und viele Trichogaster leerii mit Dactylogyrus befallen. Offen­bar können gut gehaltene Fische die Zahl ihrer Dac­tylogyrus-Parasiten gering halten. Erst bei einer Schädigung der Fische durch Abkühlung oder ande­re Parasiten kommt es in der Regel zu einer tödlichen Massenvermehrung der Kiemenwürmer.

An eine vernünftige Zucht ist natürlich erst zu den­ken, wenn man die Kiemenwürmer ausgeschaltet hat. Hierzu eignen sich trichlorophonhaltige Präpara­te wie zum Beispiel Masoten. Sonst werden die Jungtiere schon im zartesten Alter befallen und ihre Chance, dann noch gut zu gedeihen, ist nur gering. So haben mir die Mondscheinfadenfische also in mehrfacher Hinsicht Überraschungen bereitet. Zur erfolgreichen Zucht hier noch ein paar Hinweise in Kurzform:

  • 1. Nicht zu kleines Zuchtbecken, keine Beitiere.
  • 2. Nur wirklich laichreife Tiere ansetzen.
  • 3. Zuchtbecken gut bepflanzen, an Ver­stecke denken.
  • 4. Pflanzliches Nistmaterial (Riccia, Java­moos) beigeben.
  • 5. Temperatur auf 30 bis 32° C erhöhen
  • 6. Keine Wasserbewegung durch Filter oder Belüftung
  • 7. Jungtiere mit Infusorien anfüttern, spä­ter Artemia-Nauplien
  • 8. Bei zunächst unerklärlichen Aufzucht­pannen Zuchttiere gegen Dactylogyrus behandeln

 

Literatur

Vierke, J. (1984): Der Labyrinther mit dem Seidenglanz. Aquarienmagazin 18, S. 358 - 361

©  Dr. Jörg Vierke

Bilderfolge von links oben nach rechts unten: Mondscheinfadenfische Trichogaster microlepis beim Ablaichen unter dem Schwimmnest.

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