Fischreisen - Dr. Fisch
 
 SUCHE:
 

Besucherzähler


»» Microctenopoma fasciolatum

Der Gebänderte Buschfisch Microctenopoma fasciolatum

Oldtimer und Rarität

Text und Fotos: Dr. Jörg Vierke

Microctenopoma_9.jpg
Gebänderter Buschfisch Microctenopoma fasciolatum, Männchen

Buschfische sind in Aquarianerkrei­sen uralte Bekannte. Das gilt ganz besonders für die hier vorgestellte Labyrinthfisch-Art. Der Gebänderte Buschfisch wurden 1899 wissen­schaftlich beschrieben und bereits 1912 in drei Exemplaren durch Sig­gelkow in Hamburg importiert. Sie stammen aus dem Kongogebiet, wo sie in klaren, vegetationsreichen Uferzonen anzutreffen sind.

Ich möchte meinem Bericht zur Hal­tung und Zucht der Gebänderten Buschfische ein paar allgemeine Anmerkungen zu diesen afrikani­schen Labyrinthern und ihrer Her­kunft voranstellen. Das Hauptver­breitungsgebiet und zweifellos auch das Entstehungsgebiet der Laby­rinthfische ist das tropische Asien, vermutlich der Südosten des Konti­nents. Dort entstanden vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren die Urtypen der jetzigen Unterfamilien, darunter auch die Unterfamilie Anabantidae.

Diese Unterfamilie ist tiergeogra­phisch besonders interessant. Eini­ge Anabantidae blieben in Südasien (die Vorfahren der heutigen zwei Kletterfischarten Anabas), andere breiteten sich mehr und mehr nach Westen und später nach Süden aus. Das war in noch geologisch jungen Zeiten, nämlich vor "nur" 25 bis 20 Millio­nen Jahren.

F2Ctennanum.jpg
Zwergbuschfisch Microctenopoma nanum, Männchen
congicum (?)
Microctenopoma congicum (?), Männchen

Damals war Asien mit Afrika über ei­ne breite, klimatisch begünstigte Landbrücke verbunden, die vielen Tieren, darunter eben auch Süßwas­serfischen, das langsame Vordrin­gen nach Westen ermöglichte. Auch in umgekehrter Richtung fand ein Austausch statt. Heu­te bestehen diese Länder (Iran, Ara­bien) vorwiegend aus Wüste. Offenbar erreichten mehrere Ein­wanderungswellen der Anabantiden Afrika, vermutlich mit der zeitlichen Staffelung der Eiszeiten. Die Zeiten waren mal gün­stig, mal weniger günstig für die Ausbreitung der Arten über diese Landbrücke.

Microctenopoma_2.jpg
Perlbuschfisch Microctenopoma damasi, Männchen
Ctenopoma_ansorgii.jpg
Orange-Buschfisch Microctenopoma ansorgei, Männchen

Die Nachkommen der ersten Einwanderungswelle finden wir heute nur noch im äußersten Süden Afrikas: die Sandelia-Arten (Kapbuschfische). Jüngeren Wellen entstammen die Ctenopoma- und die Microctenopoma-Arten. Die Fische der Gattung Ctenopoma sind nicht brutpflegende Freilaicher. Sie weisen nicht nur anatomisch noch viele Beziehungen zu den asiatischen Kletterfischen auf, sie zeigen auch Übereinstimmungen in einigen Verhaltensweisen. Be­zeichnenderweise sind sowohl die asiatischen Kletterfische Anabas als auch Ctenopoma multispinis in der Lage, austrocknende Gewässer zu verlassen und auf dem Landwege neue aufzusuchen. Diese Verhaltensweise ist zwar nicht die Voraus­setzung für eine geographische Wanderung, wie die vorhin beschrie­bene, sicher aber alles andere als nachteilig.

Die schaumnestbauenden Buschfi­sche wurden schon seit geraumer Zeit von der Gattung Ctenopoma abgetrennt. Sie werden jetzt als Microctenopoma bezeichnet. Derzeit sind 12 Arten bekannt. Jedoch sind nur die wenigsten aquaristisch in Erscheinung getreten. Auf jeden Fall stellen die Fische aus dieser Gattung für "normal-aquaristische" Zwecke die geeignetsten Arten unter den Buschfischen: sie sind vergleichsweise farbenprächtiger und eher tagaktiv als die anderen Ar­ten. Das wundert nicht, denn bei den Schaumnestbauern besteht der Zwang, dass das Männchen sein Weibchen zur Laichablage in die Nähe oder am besten direkt unter das Nest lockt. Dieses geschieht durch auffallende Farben oder kräftige Muster - Merkmale, die logischerwei­se bei Dunkelheit sinnlos wären. Die vorwiegend tarnfarben bräunlich gefärbten Nichtbrutpfleger der Gattung Ctenopoma dagegen verstreuen ihre Eier im Wasser. Das ist im Hinblick auf die vielen potentiellen Laichräuber bei einbrechender Dun­kelheit sicher günstiger als am hel­len Tag.

Bevor ich auf  die Gebänderten Buschfische Microctenopoma fasciolatum näher eingehe, ein ganz kurzer Blick auf die anderen Arten der Gattung. Richtig bekannt sind von denen eigentlich nur der Orange-Buschfisch M. ansorgei, ein farbenprächtiger und friedlicher Fisch aus Angola, sowie der Zwerg-Buschfisch M. nanum, der bei „Fischreisen“ bereits ausführlich vorgestellt wurde >>>. Ansonsten wird man nur ausnahmsweise mal auf M. congicum (Foto links) und auf den schönen M. damasi aus Uganda treffen (Abbildung rechts). Literaturhinweis zu damasi unten!

Die Gebänderten Buschfische ge­hören sicher nicht zu den farben­prächtigsten unter den schaumnest­bauenden Buschfischen. Immerhin sind die kontrastreiche Hell-Dunkel­ Zeichnung der Männchen und die schwarz-blau und goldgrün gezeich­neten Flossen ein aparter Schmuck. Die Weibchen sind unscheinbarer. Zwar haben auch sie Querstreifen, aber ihre Flossen sind kleinflächiger und weit weniger verlängert. Zur Haltung im Gesellschaftsaquarium brauche ich kaum Worte zu verlie­ren: Gebänderte Buschfische stel­len weder an das Wasser noch an die Qualität des Futters sonderliche Ansprüche. Wie alle Fische, sind sie für nur mäßig bevölkerte Becken und gelegentliche Lebendfutterga­ben dankbar und ziehen, ihrer Her­kunft gemäß, weicheres Wasser här­teren Wasserqualitäten vor.

Microctenopoma_6.jpg
Microctenopoma fasciolatum-Weibchen

Die Zucht und die Aufzucht Gebänder­ter Buschfische ist kein Problem -­ vorausgesetzt, man hat ein Zucht­paar! Ich habe jahrelang darauf ge­wartet, bis ich endlich einige Gebän­derte Buschfische erhielt. Herzli­chen Dank an Heiko Bleher, der mir einige seiner im Kongogebiet ge­sammelten Buschfische überlassen hatte! Er hatte sie in der Umgebung von Stanley Pool gesammelt.

Microctenopoma_8.jpg
Mit geklemmten Flossen nähert sich das von unten anschwimmende Weibchen dem unter dem Nest stehenden Partner.
Microctenopoma_5.jpg
Etwa zwei Umkreisungen, dann umschließt das Männchen sein Weibchen zur Paarung
Microctenopoma_12.jpg
Die glasklaren Eier erscheinen nach etwa 15 Sekunden.

Inzwischen glaube ich auch zu wissen, warum man trotz allem Bemühen bei Händ­lern in aller Regel keine Gestreiften Buschfische bekommt: Man wird als Züchter nur einen kleinen Teil seiner Nachzuchten bei den Zoohändlern los - die Kunden bevorzugen ande­re Fische. Der frustrierte Züchter bleibt auf seinen Buschfischen sit­zen und schwört sich, nächstesmal wieder Platys, Segelflosser und An­tennenwelse zu züchten. Er lässt sei­ne Zucht folgerichtig auslaufen -­ möglicherweise ist die Art dann auf Jahre wieder verschwunden.

Für denjenigen, der diesen selten gewordenen Oldtimer ergattern kann: es lohnt sich, ihn sich anzu­schaffen, es macht Spaß, ihn zu züchten. Hierzu ist es nötig, das Zuchtpaar in ein gesondertes Becken zu setzen. Ein großes, gut be­pflanztes und alteingerichtetes Becken ist von Vorteil, aber auch ein 50­ Liter-Aquarium reicht bereits. Eine Desinfektion des Zuchtaquariums und der einzubringenden Gegen­stände ist - wie bei allen Labyrinth­fischen - weder nötig noch sinnvoll. Die Brut ist nicht empfindlich, profi­tiert aber von den in alteingerichteten Aquarien vorhandenen Infuso­rien.

Am besten füttern wir die Zuchttiere vorher getrennt gut mit Lebendfutter an. Besonders lebende Weiße und Schwarze Mückenlarven sind ideal. Erst wenn das Weibchen einen deut­lichen Laichansatz zeigt, setzen wir das Paar zusammen. Mein Zucht­becken war ohne Bodengrund. Auf der Bodenplatte lag, mit einem Stein fixiert, ein handgroßes Büschel Ja­vamoos als Zufluchtsort für das Weibchen. An der Wasseroberflä­che schwamm Riccia als Stütze für das Schaumnest. Ich mische mein Leitungswasser mit etwa der Hälfte Regenwasser und erhalte so Härte­grade um 300 Mikrosiemens. Die Temperatur im Zuchtbecken liegt bei 24°C.

Jetzt zum Paarungsverhalten: Ich habe nach der beschriebenen Me­thode zwar schon mehrfach die Tie­re zum Ablaichen gebracht und dann Jungtiere aufgezogen - über das Paarungsverhalten kann ich aber nur von einem Fall berichten. Leider schaute ich fast regelmäßig erst dann ins Becken, wenn die Fi­sche mit dem Ablaichen bereits fer­tig waren. Für einen Züchter ist das sicher nicht sehr tragisch, wenn man aber wie ich am Verhalten der Tiere interessiert ist und es gern auch noch im Bild festhalten möch­te, ist es schon frustrierend, wenn man regelmäßig eine Stunde zu spät ins Aquarium schaut.

Das Ablaichen dauerte nur einein­halb Stunden: es fand zwischen 13.00 und 14.30 Uhr statt; auch in den anderen Fällen hatte es sich zu­ meist in der Mittagszeit abgespielt. Das Männchen hatte zwischen den Riccia-Polstern Schaumblasen zu­sammengetragen. Das Nest hatte einen Durchmesser von etwa 5 cm und wölbte sich ungefähr einen Zen­timeter über die Wasseroberfläche. Bei anderen Labyrinthfischen wer­den die Weibchen in kleinen Aqua­rien oft heftig gejagt. In diesem 50­ Liter-Becken konnte das Weibchen sich fast völlig unbehelligt in der dem Nest entgegengesetzten Ecke am Boden, nach oben hin durch Pflanzenpolster gedeckt, aufhalten. Gelegentlich schwamm sein Part­ner ihm entgegen, verhielt aber auf halber Strecke. Er stellte sich quer, so dass er dem Weibchen seine nun kontrastreiche und stellenweise blaugeschmückte Breitseite zeigen konnte. Die Flossen wurden dann weit abgespreizt.

Ein aufmerksamer Beobachter kann dem Weibchen schon etwa eine hal­be Minute vor dem Ablaichen seine Laichbereitschaft ansehen. Dann sind alle dunklen Körperquerstrei­fen durch eine helle Zone in der Mitte getrennt. Das helle Band zieht von den Kiemendeckeln bis zum Schwanzflossenansatz. Diese Ab­laichfärbung (die Abbildungen rechts zeigen es deutlich) ist typisch für die Weibchen der Gebän­derten Buschfische; aber auch die nahe verwandten Ctenopoma nanum-Weibchen haben den weißen Längsstreifen.

Zum Ablaichen schwimmt das Weib­chen auf das Männchen zu, das nun meist durch Querimponieren und anschließendes Führungsschwim­men reagiert. Direkt unter dem Nest verharrt das Männchen nun und stellt sich wieder mit weit gespreiz­ten Flossen quer zum Weibchen. Dieses steht noch immer in Boden­nähe und versteht das Signal als Nest-Einladungs-Geste. Mit fest an den Körper angelegten Flossen schwimmt es nun von unten an das Männchen heran. Relativ ruhig um­schwimmen die Partner sich jetzt di­rekt unter dem Nest. Nach der zwei­ten Umkreisung hat das Männchen seine Partnerin umfasst. Sie verhar­ren so eine Weile, ohne sich - wie bei den meisten asiatischen Laby­rinthfischen - in ihrer Lage zu ver­ändern. Das Weibchen wird also nicht auf den Rücken gedreht. Etwa nach 15 Sekunden Umschlingung beginnt das Weibchen heftig zu er­beben. Kurz darauf erzittert auch das Männchen und man erkennt, wie die Eier ausgestoßen werden.

Während das Weibchen noch einen Moment in Paarungsstarre verharrt, sammelt das Männchen schon die Eier ein. Die Laichkörner sind glasig durchsichtig und leichter als Wasser, das heißt, sie treiben langsam nach oben unter das Nest.

Es ist kaum möglich, die Gesamtan­zahl der Eier zu schätzen. Jeder Paarungsakt ergibt 10, 30 oder mehr Laichkörner; etwa zwanzigmal paarten sich die Tiere innerhalb der 90 Minuten. Die Eier sind sehr klein. Ich habe einige unter dem Mikros­kop vermessen. Mit Eihülle maßen sie 0,8 mm, ohne Hülle 0,6 bis 0,7 mm. Bereits nach 13 Stunden verlie­ßen die Larven ihre Eihäute und nach weiteren 40 bis 45 Stunden schwammen sie frei und suchten das Wasser nach allerkleinsten Beu­tetieren ab.

Jetzt spätestens sollte man die Eltern von den Jungen trennen. Die Mutter hat man in den meisten Fäl­len schon vorher aus dem Aquarium heraus gefangen, denn sie ist an der Brutpflege nicht beteiligt. Allerdings ist es keineswegs gesagt, dass die Eltern ihren Kleinen grundsätzlich nachstellen. Wenn man die Eltern und die Jungfische in ausreichend großen Aquarien zusammen läßt, kann man (gelegentlich) beobach­ten, dass neben den Eltern mehrere Würfe junger Buschfische unbehel­ligt schwimmen.

Die Aufzucht der kleinen Buschfische ist natürlich vom passenden Futter abhängig. In alteingerichteten Aquarien reicht die Menge der vorhandenen Infusorien für einige Tage. Bereits nach drei oder vier Tagen kann man versu­chen, frisch geschlüpfte Artemien zu reichen: die kleinen Buschfische haben ein überraschend großes Maul. Wenn man es so weit ge­schafft hat, muss man nur an regel­mäßige Futtergaben denken und an einen ausreichend häufigen Was­serwechsel.

© Dr. Jörg Vierke

Literturhinweise

Vierke, J. (1977): Der Perlbuschfisch (Ctenopoma damasi) und andere Buschfische. Das Aquarium 12, 513 - 517

Vierke, J. (1987): Zwergbuschfische (Ctenopoma nanum) - pflegeleichte Labyrinther aus Afrika. Aquarien-Magazin 21, 382 - 386

Vierke, J. (1989): Oldtimer und Rarität - Gebänderter Buschfisch , Ctenopoma fasciolatum. Das Aquarium 23, 270 - 273


nächste Seite: Paradiesfisch Macropodus opercularis  >>>
zurück zur Übersicht-Startseite  >>>