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Der Schwarze Makropode

©  Dr. Jörg Vierke

Macropodus_spechtiSeit 1937 ist der Schwarze Makropode als Macropodus concolor bekannt (concolor - gleichfarbig, einfarbig). Einer, aus meiner Sicht nicht zwangsläufig notwendigen Umbenennung zufolge, heißt er heute Macropodus spechti, benannt nach einem Aquarianer aus Köln, der diesen Fisch seinerzeit nach Deutschland gebracht hatte.

Die Herkunft dieses Fisches blieb viele Jahrzehnte im Dunkeln. Es gab auch immer mal Spekulationen, dass es sich bei diesen Tieren gar nicht um eine „gute Art“ handeln sollte. Hieran zweifelt heute niemand mehr. Und inzwischen ist auch sicher, dass die Schwarzen Makropoden im zentralen Vietnam zu Hause sind. Hier leben sie vorwiegend in den Bächen der Bergregionen.

rechts: Schwarzer Makropode (Männchen) in der normalen Färbung

Gelegentlich wird der Schwarze Makropode mit dem Schwarzen Spitzschwanzmakropoden Pseudosphromenus cupanus verwechselt. Das erklärt sich allerdings nur aus der Namensähnlichkeit. Ansonsten sind die kleineren Spitzschwanzmakropoden eigentlich mit Macropodus spechti nicht zu verwechseln. Zwei deutliche Unterschiede seien aber genannt: Die dunklen Netzmuster am Körper, wie sie beim Schwarzen Makropoden unübersehbar sind, fehlen den Spitzschwanzmakropoden und außerdem haben die Spitzschwanzmakropoden eine spitz zulaufende Schwanzflosse, ihre Caudale ist niemals gegabelt.

Beschreibung

Macropodus_spechti_2.jpgSowohl in der Färbung als auch in der Beflossung unterscheiden sich die Schwarzen Makropoden deutlich von M. opercularis. Ihr Körper erscheint auf einfarbig grauem Grund wie dunkel genetzt, da jede Körperschuppe kräftig schwarz gerandet ist. Zur Fortpflanzungszeit färben sich die Männchen gelegentlich fast völlig schwarz. Die verlängerten vorderen Bauchflossenstrahlen sind dann leuchtend rot. Auch die blauweißen Säume der Rücken- und Schwanzflosse sorgen für einen auffallenden Kontrast. Die Schwanzflosse ist gabelig. Ihre äußeren Flossenstrahlen sind - vor allem bei den Männchen - weit ausgezogen. Entsprechendes gilt für die letzten Weichstrahlen ihrer Rücken- und Afterflossen.

Linkes Bild: Bei der Balz spreizen die Schwarzen Makropoden ihre unpaaren Flossen fast bis zum Zerreißen!

Typische Operkularflecken fehlen beim Schwarzen Makropoden. Gelegentlich sieht man einen vom Augenhinterrand waagerecht zum Rand des Kiemendeckels hinführenden schwarzen Streifen.

Auch die für M. opercularis typischen Querstreifen fehlen. Nur in seltenen Fällen kann man an den Körperseiten der Weibchen aufgehellte streifenartige Zonen erkennen.

Die Männchen werden bis zu 12 Zentimeter groß, bleiben normalerweise aber kleiner. Die Weibchen sind, neben ihrer geringeren Größe, vor allem an den deutlich weniger prächtig ausgebildeten Flossen zu erkennen.

Haltung

Es gibt zwar auch gegenteilige Erfahrungen, aber zumeist eignet sich diese Art ausgezeichnet für das Gesellschaftsbecken. Lediglich zur Fortpflanzungszeit werden die Männchen in zu kleinen Becken auch gegen Artfremde aggressiv.

Die Wassertemperaturen sollten zwischen 20 und 26° C liegen, zur Zucht auch bis zu 30° C. Die Härte kann unbedenklich bis auf über 20° dGH ansteigen; zur Zucht sollte man den Fischen aber weiches Wasser anbieten. – Auch beim Futter gibt es keine Probleme: Trocken- und Lebendfutter werden anstandslos genommen.

Zucht und Fortpflanzungsverhalten

Macropodus_spechti_4.jpgMacropodus_spechti_3.jpgBei guten Haltungsbedingungen errichten die Männchen am Wasserspiegel bald Schaumnester. Beim Balzen zeigen sie wieder und wieder ihren schönsten Schmuck: die Schwanzflosse, die sie direkt vor dem Kopf des Weibchens zu einem übergroßen blaugrauen, schwarz-gemusterten Fächer aufspannen. Die weichen Teile der Rücken- und Afterflossen unterstützen eindrucksvoll die Wirkung des Schwanzfächers.

Das Männchen legt am Wasserspiegel ein häufig großflächiges Schaumnest an. Während der Laichphase bleibt das Weibchen zumeist die ganze Zeit ununterbrochen am Nest, ohne vom Partner ernsthaft behelligt zu werden. Dabei ist es deutlich heller als das Männchen und trägt die unpaaren Flossen fest angelegt.

Zu den Fotos:

Oben links: Das Männchen errichtet zwischen Riccia ein Schaumnest, mit geklemmten Flossen nähert sich das Weibchen. Oben rechts: Mit weit gespannten Flossen balzt das Männchen vor dem Weibchen. Unten links: Die Paarungsschlinge. Unten rechts: Gerade werden die Eier abgegeben, das Weibchen wird freigelassen und sinkt langsam nach unten.

Macropodus_spechti_5.jpgMacropodus_spechti_7.jpgZur Paarungseinleitung drängt sich das Weibchen an die Seite des Partners. Das Männchen legt nun ebenfalls die Flossen an und formt mit seinem Körper ein zur Partnerin offenes U. Sie schwimmt nun in diese Körperbucht und wendet dabei das Männchen, das sich in diesem Moment fest umklammert, auf die Seite, so dass dessen Körper nun ein zur Wasserfläche offenes U bildet. Die Fische verharren je­doch keinen Augenblick in dieser Position. Ohne seine Umklammerung zu lockern, dreht sich das Männchen nun so, dass Schwanz und Kopf zum Boden weisen. Dabei wird das Weibchen in Rückenlage gebracht. In dieser Sekunde werden die Geschlechtsprodukte ausgestoßen, und sofort darauf trennen die Fische sich. Der ganze Laichakt dauert nur wenige Sekunden.

Die Eier sind leicht milchig trüb und auf Grund einer großen zentralen Ölkugel leichter als Wasser. Sie steigen nach oben und landen im Schaumnest. Der Durchmesser der Eier beträgt mit Eihülle nur etwa einen Millimeter. Pro Laichakt werden 10 bis 30 Eier, pro Laichphase etwa 500 Eier abgegeben. Die Entwicklungs­geschwindigkeit ist von der Wassertemperatur abhängig.

Gegen Ende der Laichphase beansprucht der Vater das Gelege für sich. Wie auch bei den Paradiesfischen wird das Weibchen aber sehr oft noch in der Nestnähe geduldet. Es ist dann auch Macropodus_spechti_8.jpgdurchaus aktiv damit beschäftigt, potentielle Laichfeinde aus dem Nestbereich zu vertreiben. Gelegentlich kann man sogar beobachten, dass sich die Mutter einen Teil der Brut „unter den Nagel reißt“ und ihre eigene Kinderstube aufmacht!

Bei der Aufzucht der Jungen ist mehr Vorsicht als bei Pa­radiesfischen erforderlich. In härterem Wasser verpilzen vom Vater isolierte Eier leicht. Daher sollte man ein Mittel gegen Laichverpilzung hinzugeben. Zur Aufzucht ist in den ersten Tagen feinstes Staubfutter (z. B. Rotatorien) erforderlich; nach gut einer Woche nehmen die Jungen auch schon frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien.


Foto rechts: Männchen beim Versorgen der Eier. Das Weibchen (Hintergrund) wird in der Nestnähe immer noch geduldet.


Literatur:

Vierke, J. (1978): Labyrinthfische und verwandte Arten. Engelbert Pfriem Verlag, Wuppertal-Elberfeld.

Vierke, J. (1978): Der Schwarze Makropode. Aquarien-Magazin 12, 76 - 81

Zukal, R. (1972): Ein raubeiniger Freier

©  Dr. Jörg Vierke


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