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Lebendfutter© Dr. Jörg Vierke
In einigen Zoofachgeschäften kann man Lebendfutter fast das ganze Jahr über bekommen. Hier handelt es sich zumeist um Tubifex und Weiße oder Rote Mückenlarven, gelegentlich erhält man auch Salzkrebse (als frisch geschlüpfte Larven oder auch schon herangewachsen) und Wasserflöhe. - Für größere Fische bekommt man "Mehlwürmer", Grillen und manchmal noch andere Insektenlarven. In Angelfachgeschäften sind vielfach auch Fliegenmaden und Regenwürmer erhältlich. - Wenn man die Möglichkeit hat, kann man sich das Lebendfutter selbst beschaffen und es aus der Regentonne holen oder "tümpeln" gehen. Viele Aquarienfreunde haben Angst, sich mit Tümpelfutter unerwünschte Gäste einzufangen: Hydren, Planarien oder andere. Diese Gefahr ist in der Tat nicht auszuschließen, wird in der Regel jedoch sehr überschätzt und steht in keinem Verhältnis zu den Vorteilen des knackig frischen Futters. Als weniger riskante Alternativen bieten sich eigene Lebendfutter - Kulturen an (Artemien, verschiedene Ringelwürmer), oder der Kauf von Lebendfutter beim Zoohändler. Der Kauf des Lebendfutters bedeutet in der Regel "saubere" Ware und hat noch zwei weitere Vorteile: Es ist bequemer als das Tümpeln und die Umwelt wird so geschont.
Zur Verfütterung von Lebendfutter gilt wie beim Trockenfutter: Es sollte nur so viel Futter ins Aquarium gegeben werden, wie in kurzer Zeit aufgefressen werden kann. Dass man, vor allem beim Verfüttern der Wasserflöhe, kurzzeitig den Filter abstellen muss, ist sicher selbstverständlich - es sei denn, man hätte Mattenfilter! Ich führe hier die gängigsten als Lebendfutter geeigneten Tiere auf, zunächst die Krebstiere (Wasserflöhe, Hüpferlinge, Salinenkrebse), dann im Wasser lebenden Insektenlarven (Eintagsfliegenlarven und Mückenlarven), Mehlkäferlarven und schließlich diverse Ringelwürmer.
Wasserflöhe (Daphnien) lassen sich zeitweilig in großen Mengen mit dem Netz aus unseren Seen und Tümpeln, oder auch aus großen Regentonnen herausfangen. Diese Tiere ernähren sich von feinen Schwebeteilchen (Mikroorganismen), die sie über ein gut organisiertes Filtersystem aus dem Wasser filtrieren. Aus diesem Grund kann man die Wasserflöhe sehr gut als lebende Filter für das Aquarium benutzen: In einigen Stunden kann ein Trupp Wasserflöhe ein von Schwebealgen getrübtes Aquarium klären. Der Nährwert der Daphnien wird oft unterschätzt. Neben tierischen Eiweißen enthalten frischgefangene Wasserflöhe in ihrem Verdauungsapparat auch pflanzliche Stoffe, die für viele Fische von großer Bedeutung sind. Ihr Chitinpanzer ist gleichzeitig ein ausgezeichneter Ballaststoff. Wasserflöhe sind recht sauerstoffbedürftig. Gibt man zu viele Tiere auf einmal ins Aquarienwasser, so sterben überzählige Tiere bald ab. Kühlgestellt kann man die Wasserflöhe einige Tage aufbewahren (zusätzliche Durchlüftung ist vorteilhaft!), der Nährwert dieser Tiere ist jedoch nicht mehr mit dem frischgefangener Daphnien zu vergleichen. Hüpferlinge (Cyclops) kann man zu allen Jahreszeiten in großen und kleinen Wasseransammlungen mit dem Netz fangen (selbst im Winter trifft man sie gelegentlich unter dem Eis der Seen an). Vor allem die kleinen Cyclops-Larven (Nauplien) sind für die Aufzucht von Jungfischen von großer Bedeutung. Wenn man allerdings von ihnen so viele ins Aquarium gibt, dass nicht alle gefressen werden, dann wachsen sie schneller heran als die Fischbrut und werden ihr gefährlich!
Salinenkrebse (Artemia salina) gehören zum wichtigsten Lebendfutter der Aquarianer. Das gilt vor allem für die Fischzüchter, da die im Handel erhältlichen Artemien-Eier ohne Schwierigkeiten zum Schlupf gebracht werden können und dann ein hervorragendes Aufzuchtfutter für allerkleinste Fischlarven bieten. Die geschlüpften Nauplien kann man in Salzwasser (15-20 g jodfreies Kochsalz pro Liter Wasser) mit im Handel erhältlichem Spezialfutter aufziehen:
Die geschlüpften Nauplien werden am einfachsten in ein kleines Plastikbecken oder eine größere Schüssel überführt. Das Wasser sollte nicht durchlüftet werden, die Temperatur kann zwischen 18-28 ° C liegen. Eine besondere Bestrahlung ist nicht erforderlich. Die Tiere müssen jedoch regelmäßig gefüttert werden: Dazu gibt man etwa eine Messerspitze des staubartigen Artemien-Futters ins Wasser und rührt um. Das nun getrübte Wasser wird von den Krebschen zur Nahrungsaufnahme durchgefiltert. Erst wenn das Wasser wieder klar ist, darf nachgefüttert werden. Den Bodensatz müssen wir regelmäßig entfernen. Die Artemien-Zucht ist unproblematisch, haben wir die ersten Jungtiere erst einmal großbekommen. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich einen Zuchtansatz aus alten und halbwüchsigen Tieren besorgen. Ansonsten kann man die Startschwierigkeiten mit einem speziellen Erstfutter für Artemia-Nauplien überbrücken. Die erwachsenen Artemien werden gut 10 mm groß und sorgen ständig für Nachwuchs.
Eintagsfliegenlarven sind ein eher selten genutztes, aber sehr wertvolles Lebendfutter. Sie halten sich bevorzugt in Wasserpflanzenpolstern im Uferbereich sauberer Gewässer auf. Es gibt viele Arten, die man nicht immer einfach bestimmen kann. Da sie leicht mit den geschützten und im Aquarium nicht unproblematischen Libellenlarven zu verwechseln sind, sollten sie nur von versierten Tümplern gefangen werden. Rote Mückenlarven, d. h. die rotgefärbten Larven der Zuckmücken (Chironomus) leben am Bodengrund von Seen und Tümpeln. Das Fangen dieser Tiere ist keine Sache für den Normalaquarianer, da man dazu spezielle "Kratzkescher" und Siebe benötigt. Rote Mückenlarven werden aber im Handel häufig angeboten. Sie kommen allerdings in der Regel aus stark verschmutzten Gewässern, weshalb bei der Verfütterung der an sich sehr nahrhaften Tiere eine gewisse Vorsicht geboten ist. Man sollte die Mückenlarven 1-2 Tage vor dem Verfüttern wässern - zumindest wenn man empfindliche Fische hat. Wenn Biologen die Gewässerqualität beurteilen, benutzen sie u. a. Chironomus als Zeigerorganismus (Indikator) für dauerhaft stark verschmutzte Gewässer. So findet man die Tiere oft in Massen auf dem Grund von Hafenbecken. Wie oben schon angemerkt, sollte man sie vor dem Verfüttern gründlich wässern. Da stellt sich bei tiefgefrorenem Futter natürlich die Frage, wie gründlich die Mückenlarven vor dem Einfrieren gewässert wurden. Das Wässern der aufgetauten Würmer vor dem Verfüttern dürfte im Hinblick auf evtl. Entgiftungseffekte wenig bringen.
Schwarze Mückenlarven, d. h. die Larven und Puppen der Stechmücken (Culex) sind ein ganz hervorragendes Fischlebendfutter. Im Frühjahr und in einigen Sommermonaten findet man diese Mückenlarven oft sehr zahlreich in kleinen Laubwald-Tümpeln oder auch in Regentonnen. Die Tiere hängen mit ihren Atemröhren an der Wasseroberfläche und strudeln sich hier kleine Nahrungspartikel ein. Bei der kleinsten Erschütterung streben sie nach unten. Wir können sie mit gewöhnlichen Wasserflohnetzen leicht herausfangen. Beim Verfüttern muss man nur insofern aufpassen, als die Larven sich im warmen Wasser recht schnell entwickeln: Wer zu reichlich füttert, holt sich eine Stechmückenplage ins Zimmer!
Weiße Mückenlarven, die Larven der Büschelmücke (Chaoborus), sind ebenfalls ein ideales Fischfutter. Die an Glasstäbchen erinnernden Tiere schweben waagerecht im Wasser von Seen und Tümpeln und kommen manchmal in großer Zahl vor. Vereinzelt trifft man sie sogar in der kalten Jahreszeit noch an. - Da sie seit einigen Jahren in großen Anlagen gezüchtet werden, bekommt man sie regelmäßig in Fachgeschäften. Weiße Mückenlarven sind ideal, wenn man anspruchsvolle Fische an Frostfutter gewöhnen will. Wenn man von lebenden Glasstäbchen zu frisch aufgetautem Frostfutter wechselt, gibt es meist wenig Probleme! Die Glasstäbchen fangen sich gezielt kleinste planktonische Krebstiere, von denen sie sich ernähren. Auch winziger Fischbrut würden sie nachstellen! Dennoch sind sie die idealen Futtertiere! Sie sind sehr nahrhaft, fördern die Laichwilligkeit der Fische und werden außerordentlich gerne gefressen. Sie können ohne Durchlüftung an einem kalten Ort für längere Zeit aufbewahrt werden. Falls doch einmal Mücken aus den verpuppten Larven schlüpfen sollten - keine Angst, Büschelmücken stechen nicht (obwohl sie in systematischer Hinsicht zu den Stechmücken gezählt werden)! Mehlkäferlarven, besser bekannt als "Mehlwürmer" sind im Zoofachhandel immer zu bekommen. Eigentlich sind sie als Futter für Vögel oder Reptilien gedacht, aber sie eignen sich auch sehr gut für größere Fische (Schmetterlingsfische, große Cichliden), denn sie sind fett und nahrhaft. Als Alleinfutter sind Mehlwürmer allerdings ungeeignet, da die Fische sehr schnell verfetten würden! Enchyträen sind kleine, weiße Borstenwürmer (20-30 mm lang), die sich als fett- und eiweißhaltige Aufzuchtnahrung für schnellwachsende Fische sehr gut eignen. Aber auch hier heißt es: "Einseitige Fütterung vermeiden, da die Tiere leicht verfetten könnten!" Wer im Keller genügend Platz hat, sollte es einmal mit einer Enchyträen-Zucht versuchen. Wir benötigen dazu eine 20 x 20 cm große Kiste, die etwa 10 cm hoch sein sollte (Holz oder Styropor). Direkt auf den Boden legen wir als Abdeckung eine Glasscheibe und füllen dann ungedüngte Blumenerde ein. Die Erde muss stets feucht (nicht nass!) gehalten werden. Auf die Erde geben wir das Futter für die Enchyträen: gekochte Haferflocken, Brot, geriebene Äpfel oder Mohrrüben. Dann decken wir die Kiste mit einer Glasscheibe ab. Nicht gefressene Futterreste müssen entfernt werden, damit die Erde nicht säuert oder verdirbt. In einer guten Kultur sammeln sich die Würmer am Futter rein an. Da die Kultur nach einiger Zeit immer von Schädlingen befallen wird, sollte sie regelmäßig erneuert werden. Am besten hält man mehrere Zuchtkästen gleichzeitig. (Zuchtansätze bekommt man beim Zoohändler oder auf dem Versandweg. In Aquarienzeitschriften findet man fast ständig Angebote.)
Grindalwürmchen sind tropische Zwergenchyträen, die nur knapp 10 mm groß werden und sich daher besonders für Jungfische eignen. Sie sind bei Zimmertemperatur zu züchten und brauchen nur kleine Zuchtkästen (etwa 10 x 10 x 5 cm). Als Kultursubstrat verwenden wir ungedüngte Gartenerde oder Torf. Die Pflege und Fütterung erfolgt wie bei den großen Enchyträen. Schlammröhrenwürmer (Tubifex) werden im Handel regelmäßig angeboten. Die roten Würmer sind in kühlerem Wasser, das häufig gewechselt werden sollte, einige Tage gut zu halten. Am besten und längsten halten sie jedoch, wenn wir sie unter ständig schwach fließendes Leitungswasser stellen. Die meisten Fische fressen Tubifex gern und vertragen dieses Futter auch, selbst wenn es normalerweise aus stark verunreinigten Gewässern stammt. Wer sehr empfindliche Fische hat, sollte seine Tubifex vor dem Verfüttern auf jeden Fall 1-2 Tage wässern. Tubifex können auch mit einer Rasierklinge klein gehackt werden (Wie Petersilie! Dann gut durchspülen) und so als Aufzuchtfutter für Jungfische dienen. Regenwürmer (Lumbricus terrestris) sind für alle größeren Fische eine begehrte und wertvolle Nahrung. Gegebenenfalls muss man sie vor dem Verfüttern zerschneiden. Mistbeetwürmer sollten jedoch nicht in zu großen Mengen verfüttert werden, da sie u. U. unbekömmlich sein können. Glanzwürmer (Lumbiculus variegatus) ähneln sehr den ihnen verwandten Regenwürmern, bewohnen jedoch langsam fließende und stehende Gewässer. Sie werden bis zu zehn Zentimeter lang. Wie ihre Vettern eignen sie sich als wertvolles Lebendfutter für nicht allzu kleine Fische. Man kann sie auch relativ einfach in Kulturen züchten.
© Dr. Jörg Vierke Hier folgen Videos zu den Futtertieren mit Mikroskop-Aufnahmen. Ton an für die Informationen! 1. Film: Wasserflöhe Daphnia pulex: Im Film sieht man zunächst neben Wasserflöhen auch Cyclops. Dann Überblicks-Aufnahmen und schließlich Detail-Aufnahmen von einigen inneren Organen der Daphnien, teilweise bei Vergrößerung von bis zu 1000fach. Anschließend wurden die kleinen Flohkrebse wieder zurück in ihr Element gesetzt! 2. Film: Weiße Mückenlarven Chaoborus crystallinus: Man sieht den gigantischen Fangapparat der kleinen Räuber, aber auch detaillierte Aufnahmen von den Tracheenblasen, vom Herzen und vom Borstenkamm. 3. Film: Salinenkrebse Artemia salina: Auf den korrekten Artnamen bitte nicht festnageln! Tatsächlich werden eine Reihe ähnlicher Formen als salina bezeichnet, z. B. A. franciscana. Das Video zeigt kurz ein natürliches Vorkommen in einem großen Salzsee in Südamerika, danach makroskopische und mikroskopische Details bis hin zu den Blutzellen des Tierchens bei 1000facher Vergrößerung. 4. Film: Rote Mückenlarven Chironomus: Es gibt in Mitteleuropa an die 1000 Zuckmückenarten! Die Larven von zwei dieser Chironomiden werden genauer vorgestellt.
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