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Der friedfertige Zwergkrebs Cambarellus chapalanus

Die Gelbe Zwerg-Garnele Neocaridina heteropoda var. yellow

Garnelen für kleine Aquarien

Auszug aus meinem Buch "Kleine Aquarien"

Die zehnfüßigen Krebse (Dekapoden), ganz speziell die kleineren unter ihnen, die Garnelen, sind in den letzten Jahren ausgesprochen populär unter den Aquarianern geworden. Kein Wunder, denn Garnelen sind harmlos und pflanzenfreundlich, fischverträglich und darüber hinaus sind viele von ihnen auch noch leicht zu vermehren und sehr farbenprächtig. Es ist verwunderlich, dass die Aquaristik erst so spät die Garnelen zu schätzen gelernt hat. Ich will gern gestehen, dass ich auf meinen früheren Fangreisen, wenn ich in den Tropen nach Fischen gesucht hatte, als erstes die Garnelen aussortiert und wieder ins Wasser zurückgeworfen hatte. Das hat sich inzwischen mächtig geändert!

Hier ist nicht der Ort, sich intensiver mit der Biologie und der Systematik der Krebstiere auseinander zu setzen! Hier nur das Allerwichtigste, so weit es für die Pflege dieser Wirbellosen von Bedeutung ist!

Grundsätzlich unterscheidet man die Garnelen (Natantia, die Schwimmenden) und die Panzerkrebse (Reptantia, die Kriechenden). Die zumeist kleineren Garnelen sind relativ hoch gebaut, ihr Körper erscheint wie seitlich zusammengedrückt. Die Panzerkrebse sind dagegen eher flach.

Ihren Namen haben die Panzerkrebse von dem mit Kalkeinlagerungen verfestigten Außenskelett. Garnelen sind dagegen oft durchsichtig, ihr Außenskelett aus Chitin ist kaum mineralisiert. Daher sind viele von ihnen exzellente Schwimmer.

Krebstiere sind grundlegend anders aufgebaut als Fische; auch ihre Physiologie unterscheidet sich weitgehend. Das bedeutet, dass Krebse auf Fischmedikamente vielfach sehr empfindlich reagieren! Vorsicht also, wenn Fischkrankheiten in einem Gemeinschaftsbecken mit Wirbellosen kuriert werden sollen!

Immer wieder hört man auch, dass Krebse, speziell Zwerggarnelen empfindlich auf Pflanzendünger reagieren! Wer auf Nummer Sicher gehen will, verwendet in einem Garnelenaquarium keinen Pflanzendünger! Die Lehmkugelmethode dagegen ist risikolos.

Exuvie.jpg
Eine leere Garnelen-Hülle, eine Exuvie

Auch bei neugekauften Aquarienpflanzen kann es wie bei den Schnecken Probleme geben, speziell bei Stängelpflanzen! Doch auch bei Wasserkelchen und bei Anubias drohen Gefahren, wenn die Wurzelstöcke verletzt werden. An den Schnittstellen können Säfte austreten, die empfindliche Zwerggarnelen schädigen.

Im Gegensatz zu Fischen und den anderen Wirbeltieren haben Krebse ein Außenskelett. Wenn Krebse wachsen, müssen sie im wahrsten Sinne des Wortes aus der Haut fahren. Nach der Häutung dehnt sich ihr Körper sichtbar. Es braucht Stunden oder sogar Tage, bis sich das neue Außenskelett erhärtet hat. In dieser Zeit sind die Krebse gegen viele Freßfeinde ungeschützt und entsprechend vorsichtig. Sie brauchen speziell jetzt Höhlen oder andere Verstecke, in die sie sich zurückziehen können.

Die Häutung verläuft oft nicht reibungslos. Regelmäßiger Wasserwechsel begünstigt die Häutungsvorgänge! Im Gegensatz zu den meisten Fischen sind Krebse auch gegen hohe Nitratwerte ausgesprochen empfindlich! - Die leeren Außenskelette, die Exuvien, findet man immer wieder mal im Aquarium. Anfänger denken dann zumeist, sie hätten eine Krebsleiche vor sich!

Keine Sorge, wenn bei der Häutung mal ein Bein oder gar eine Schere verloren geht! Das fehlende Glied wird ersetzt und nach wenigen weiteren Häutungen ist der Schaden wieder behoben.

 

Garnelen

WER MIT WEM

Alle Zwerggarnelen sind mit kleinen Friedfischen (keine Buntbarsche, keine Labyrinthfische, keine Killifische!) gut zu vergesellschaften. Wer allerdings auf Nachwuchs Wert legt, wird in der Regel auf die Kombination Zwerggarnele – Kleinfische verzichten müssen. Als Ausnahme kann das mit Saugwelsen funktionieren. Lebendgebärende Zahnkarpfen kriegen ihren Nachwuchs groß und die kleinen Boraras-Arten lassen einige Zwerggarnelen groß werden. Aber in der Regel gilt: die Garnelen machen sich über den Fischlaich her und die Fische über die kleinen Garnelen!

 

Da die großen Fächergarnelen nur für Aquarien ab 60 Liter Inhalt geeignet sind, sollen hier nur die beliebten Süßwasser-Zwerggarnelen vorgestellt werden. Sie sind die Stars der Miniaquarien! Bekannt wurde sie vor allem als Besatz kleiner japanischer „Naturaquarien“. Ihre optimale Unterbringung sieht allerdings anders aus! Sie lieben totes Laub als Bodenbedeckung, auch etwas Mulm und auf keinen Fall ständige „korrigierende“ Eingriffe in ihrem Lebensraum. Auch werden ihre Platzansprüche meistens unterschätzt. Selbst wenn einige besonders anspruchslose Arten bereits in einem Wasservolumen von 12 Litern gehalten und sogar gezüchtet werden können (Weißperlengarnele, Red Cherry Garnele), mindestens 20 Liter sollte man auch seinen Zwerggarnelen gönnen. Hobbyzüchter gehen besser auf 50 Liter!

Im Garnelen-Aquarium geht es nicht ohne regelmäßigen Wasserwechsel! Am besten wechselt man wöchentlich ein Drittel bis zu der Hälfte des Wassers aus! Sehr ambitionierte Züchter machen diesen Teilwasserwechsel sogar alle drei Tage!

So sieht eine der Original-Buchseiten aus!

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Ich kann hier nur eine kleine Auswahl an Formen vorstellen, die schönsten oder die besonders empfehlenswerten. Allein die Gattung Caridina zählt derzeit 254 Arten!

Ein Wort zu den Namen: Gerade bei den Garnelen ist die Benennung nicht einheitlich und oft wechselt sie auch. Das gilt sowohl für die Trivialbezeichnung, bei der oft die englische Sprache benutzt wird, als auch für die wissenschaftlichen Namen.

 

Redfire-Zwerggarnele, Red Cherry Garnele, Neocaridina denticulata sinensis var. “Red” (rechts)Redfire1gif.gif

Eine der beliebtesten Arten. Weibchen werden bis zu 45 mm groß, die Männchen bleiben deutlich kleiner. Bei passender Unterbringung (siehe oben!) sehr leicht zu vermehren. Wird daher gelegentlich auch Guppygarnele genannt!

Neben der „klassischen“ roten Form gibt es eine Vielzahl weiterer Farbvarianten.

Die Tiere stammen ursprünglich aus Ostasien, wo sie in vielen Kleingewässern sehr häufig sind. Ihrer subtropischen Herkunft gemäß brauchen sie keine Heizung!

Weissperle5.gifWeißperlengarnele Neocaridina cf. zhangjiajiensis var. „White Pearl“ (unten)

Sehr anspruchslose Art, die weißlich, gelegentlich auch fast durchsichtig ist. Der Name „Weißperlengarnele“ stammt von den Eiern der tragenden Weibchen, die wie weiße Perlen schimmern.

Sehr leicht zu züchten. Kann auch im 20-Liter Aquarium in Gegenwart von Zwergbärblingen Boraras vermehrt werden. Optimale Temperatur 18 bis ca. 25 ° C, also Zimmertemperatur, ein Heizstab ist nicht nötig. Bei Temperaturen über 25° C stellen sie die Vermehrung ein!

Rote Bienengarnele Caridina cf. cantonensis var. “Red Bee“ (unten)Bienengarnele1.gif

Die attraktiv rot-weiß gebänderten „Roten Bienen“ gelten als die Königinnen unter den Zwerggarnelen. Es sind Ausleseprodukte japanischer Züchter. Ursprungsform ist die schwarz-weiß geringelte Bienengarnele, die im südchinesischen Raum weit verbreitet ist. Für besonders gut gefärbte Zuchttiere werden speziell in Japan extrem hohe Preise verlangt.

Die Pflege ist nicht immer einfach, denn die Tiere reagieren empfindlich auf sich verändernde Bedingungen (Temperatur, Wasserchemismus). Vorsicht vor Überfütterung (Nitratwerte!). Temperatur 21 bis 25 ° C.

Rote Nashorngarnele Caridina gracilirostris (links)

Bis zu 50 mm groß werdende Garnele mit bizarr verlängertem Rostrum aus dem tropischen Indien. Braucht daher Temperaturen zwischen 26 und 29° C. Kann im Süßwasser-Aquarium nicht ohne besondere Vorkehrungen vermehrt werden, da die Larven ein marines Stadium durchlaufen müssen. Trotzdem ist die Zucht schon mehrfach gelungen, wenn man tragende Weibchen isoliert und direkt nach der Schlupf der Larven das Wasser langsam aufsalzt. Das Weibchen wird nach der Larvenabgabe natürlich wieder in sein ursprüngliches Aquarium zurückgesetzt.

Weiteres zu Krebstieren und anderen geeigneten Bewohnern von Kleinaquarien im Buch: J. Vierke (2010): Kleine Aquarien, Kosmos Verlag.

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