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Korallenfische ohne Korallenriff

Die Riffbarsche Abudefduf troschelii an der Pazifikküste von Costa Rica

© Dr. Jörg Vierke

 

Tatsächlich hatte ich eine beachtliche Individuen- und Artenzahl an Fischen gesehen, als ich zusammen mit drei Mitreisenden schnorchelnd die nur wenige Quadratmeter große Felsenklippe*  besucht hatte. Nur eine kurze Beobachtungszeit und mindestens 12 verschiedene Arten. - Als mich die Freunde später jedoch nach den Namen der Fische fragten, war ich etwas einsilbig. Ich murmelte ganz allgemein von Riffbarschen, Doktoren und Schleimfischen.

An Costa Rica grenzen zwei Ozeane, im Nordosten mit der Karibik der Atlantische Ozean, im Südwesten der Pazifik. Die Fische in diesen beiden Meeeren gehören verschiedenen Arten an, auch, wenn sie oftmals zum Verwechseln ähnlich sind. Wir waren im Pazifik unterwegs, genauer: wir hatten an einer Katamarantour teilgenommen, die in Puerto Quepos startete und auch etwas Zeit zum Schnorcheln ließ.

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 Abweichend gefärbter Abudefduf troschelii (?)  Riesen-Riffbarsch Microspathodon dorsalis
Acanthurus_nigricans_1.jp... Ophioblennius_steindachne...
 Samtdoktorfisch Acanthurus nigricans  Panama-Schleimfisch Ophioblennius steindachneri
Thalassoma_lucasanum.jpg Bodianus_diplotaenia.jpg
 Junge Junker Lippfische Thalassoma lucasanum  Mex. Schweinslippfisch Bodianus diplotaenia
Kyphosus_cinerascens.jpg Holacanthus_passer_1.jpg
 Blauer Ruderfisch Kyphosus cinerascens links: Holacanthus passer, rechts: A. nigricans
 Alle Fotos UW-Aufnahmen  vor Costa Rica

Wer wie ich einigermaßen vertraut ist mit den Fischen das tropischen Pazifiks, der wird hier eine Überraschung erleben. Das Meer und seine Bewohner sind anders als sonst im Stillen Ozean. Die erste Überraschung: Riffbildende Korallen fehlen weitgehend im zentralamerikanischen Raum zwischen der Küste Niederkaliforniens und der Küste Equadors. Sie fehlen nicht völlig und nicht überall, aber eben weitgehend! Das dürfte der Grund dafür sein, dass sehr viele der hier beheimateten Fischarten ausschließlich in diesem Bereich vorkommen.

Ich durfte also wieder mal dazulernen. Natürlich war es mir locker möglich, die Fische grob nach ihrer Verwandtschaft einzuordnen, aber die korrekten Artnamen fehlten zumeist. Lediglich zwei Arten waren mir von den Galapagos-Inseln vertraut. Aber mit Hilfe meiner Fotos und der Filmaufnahmen und mit Verwendung der Fishbase war es schnell möglich, die exakten Artnamen zu finden.

Die Fische

Als Empfangskomitee begrüßte uns ein großer Trupp Riffbarsche. Diese Gruppe enthält immerhin 60 Arten, von denen einige sich doch sehr ähneln. Ich hätte diese Feldwebelfische mit dem arabischen Gattungsnamen Abudefduf für A. saxatilis gehalten, aber die sind auf die Karibik beschränkt. Im Indopazifik ist dagegen A. vaigiensis zu Hause, nicht aber in diesem speziellen Abschnitt! Die amerikanische Pazifikküste ist der Art A. troschelii vorbehalten. Auch auf einigen vorgelagerten Inseln und auf den Galapagos trifft man diese lebhaften Riffbarsche an.

Einige der troschelii zeigten auch orangefarbene Tönungen und einer der Fische hatte eine dunkle Vorderpartie und nur wenige Streifen (Abb. oben links!). Eine andere Art? Ein kranker Fisch? Ich würde es gern wissen. - Zwischen den A. troschelii sah ich auch vereinzelte Stegastes acapulcoensis, diese grau gefärbten Riffbarsche, deren hintere Körperhälfte noch deutlich dunkler ist.

Im Kreis der kleinen Riffbarsche traf ich auch auf vereinzelte Blaue Ruderfische Kyphosus cinerascens. Die Fische mit der markanten Maulpartie erreichen Größen von bis zu 90 cm, aber sie eignen sich nicht als Speisefische! Man behauptet, sie seien giftig. Sie sind nicht auf dieses Gebiet beschränkt. Abgesehen vom Atlantik kann man sie in allen tropischen Meeren antreffen.

Das Riff ist ein zerklüfteter Felsbrocken, der nur wenige Quadratmeter Fläche einnimmt. Korallen waren für den flüchtigen Betrachter nicht zu sehen. Der Fels bestand aus vulkanischem Gestein. - Hier gab es überraschenderweise viel zu sehen. Allerdings war das Wasser keineswegs klar. Der Regen der vergangenen Wochen hatte viel lehmige Fracht über die Flüsse ins Meer befördert.

Auffallend und beeindruckend waren hier die zahlreichen Riesen-Riffbarsche Microspathodon dorsalis. Sie sind, anders als die meisten Fische, die man hier sieht, im gesamten Pazifik anzutreffen. Es sin kräftige blau bis blauschwarz gefärbte Fische mit verlängerten, hell geränderten Flossenbehängen. Eindrucksvolle Fische, die gut 30 cm groß werden und bis zu 20 Jahren alt werden können. Wenn sie Reviere besitzen, verteidigen sie diese auch beherzt gegen Taucher, die ihnen zu nahe kommen. - Besonders schön sind die dunklen, mit leuchtend blauen Punkten geschmückten Jungfische, von denen im Film auch einer zu sehen ist.

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Samt-Doktorfische Acanthurus nigricans

Ebenfalls sehr häufig trifft man hier auch die Samtdoktorfische Acanthurus nigricans an. Auch sie sind im gesamten Pazifikbereich zu finden. Die gut 20 cm langen Doktoren sieht man oft paarweise durch das Steinriff ziehen.

Die im Folgenden genannten Arten sind alle auf den besagten Bereich vor der amerikanischen Pazifikküste beschränkt. Das gilt z. B. für die beiden Falterfische, die mir hier begegneten; für den Ostpazifik Falterfisch Chaetodon humeralis und für den Putzerfalterfisch Johnrandallia nigrirostre, der auch im Alter noch Putzstationen betreibt. Und für die Junkerlippfische Thalassoma lucasanum, bei denen man nicht sagen kann, wer farbenprächtiger aussieht, die flächig blau-gelb-rot gefärbten Altfische oder die mit Längsstreifen versehenen Jungfische. Ein ganzer Trupp der bunten Jungtiere hielt sich im Bewuchs auf der Oberfläche des Felsens auf.

Neben ihnen auch ein Panama-Schleimfisch Ophioblennius steindachneri. Der Blennide ist charakteristisch gefärbt und erreicht immerhin eine Länge von bis zu 18 cm. Auf der Felskuppe suchte er im Bewuchs nach Nahrung.

Die weiteren Fische sollen nur noch kurz erwähnt werden: Der Kalifornische Engelsfisch oder "Kaiser von Mexiko" Holacanthus passer, der mir schon von einem Tauchgang vor den Galapagos-Inseln bekannt war, der Panama-Zackenbarsch Cephalopholis panamensis, der sich schnell verdrückte, und der Mexikanische Schweinslippfisch Bodianus diplotaenia. Diese Lippfische beginnen - wie andere Lippfische auch - ihr Leben als Weibchen. Im Alter verändern sie Farbe und Aussehen und verwandeln sich zu funktionsfähigen Männchen.

Es ist schon erstaunlich, wie hoch der Anteil der Fische ist, die nur in diesem vergleichsweise winzigen Sektor des Pazifiks vorkommen. Von den 12 Fischarten, die ich hier an diesem kleinen Felsbrocken angetroffen hatte, waren es immerhin 9 Arten!

Anmerkung:

*   Genaue Ortsangabe nach Google Earth 2010:  9°24´17.53" N, 84°10´22.13" W.

Literatur:  Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2010.FishBase. World Wide Web electronic publication. www.fishbase.org, version (07/2010).

© Dr. Jörg Vierke

 

Hier der Film!

 

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