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»» Indische Buntbarsche
Buntbarsche aus Indien© Dr. Jörg Vierke
Cichliden oder Riffbarsche? Bei Buntbarschen denkt man sofort an die afrikanischen oder an die amerikanischen Arten. Aber auch Asien beherbergt einige Arten. Dabei denke ich nicht an die vielerorts ausgesetzten Tilapien und andere Cichliden, die vom Menschen aus den verschiedensten Gründen ausgesetzt wurden. Ich denke an die im Jordangraben und im Iran (Iranochichlas hormuzensis) vorkommenden Arten, vor allem aber an die drei Arten aus der Gattung Etroplus: E. canarensis, E. suratensis und E. maculatus. Diese drei sind alle in Südindien und Sri Lanka (Ceylon) beheimatet. Es soll Ichthyologen geben, die die Gattung Etroplus eher den Riffbarschen zuordnen wollen als den Cichliden. Ich habe mich mit dieser Frage nicht weiter beschäftigt, aber ich halte diese Vorstellung durchaus für prüfenswert. Ich habe laichende Riffbarsche im Meer gesehen und wurde dabei sehr an meine Etroplus erinnert! Auch passt ihre flatterige Schwimmweise und ihre hochovale, seitlich stark abgeplattete Körperform eher zu manchen Riffbarschen als zu den meisten Buntbarschen. Dann wären die Etroplus allerdings die einzigen Riffbarsche, die das Süßwasser besiedelt hätten. Die Tatsache, dass sie in ihrer Heimat auch im Brackwasser angetroffen werden, würde die These stützen. Canarensis und suratensis
Etroplus canarensis ist aquaristisch erst vor wenigen Jahren bekannt geworden. Die Tiere sind oft tatsächlich kanariengelb gefärbt, haben jedoch markante schwarze Querstreifen, die sich etwas unterhalb der Körpermitte treffen, so dass ein grobes V- oder X- Muster zustande kommt. - Die friedlichen Tiere wurden auch bereits gezüchtet. Zum Gebänderten Indischen Buntbarsch, Etroplus suratensis (Abbildung links!) muss ich mich ebenfalls kurz fassen. Ich hatte leider noch keine Gelegenheit, ihn zu erwerben. Es sind attraktive Fische, die mit ihren Querstreifen und den goldglänzenden Körperflecken ausgesprochen gut aussehen. Mit einer Maximalgröße von 40 cm werden die Etroplus suratensis, das muss ich zugeben, recht groß, aber welcher Cichlidenfreund ließe sich schon von solchen Größenangaben schrecken! Im Aquarium wird diese Größe wohl auch nicht erreicht. Mit einer Gesamtlänge von 13 cm sind die langsamwüchsigen Tiere schon geschlechtsreif. Ein Grund für die fehlenden oder zumindest seltenen Importe der Etroplus suratensis mag sein, dass man ihnen große Empfindlichkeit im Süßwasser nachsagt. STERBA (1959) schreibt, dass E. suratensis ein Brackwasserfisch sei, der nur vorübergehend im Süßwasser gepflegt werden kann. Alsberg zeigte aber, dass man die Tiere auch in Süßwasser halten und züchten kann. Er hielt und züchtete die Tiere im Süßwasser, dem er nur einen Teelöffel Kochsalz auf eine Gallone (3,785 Liter) zusetzte. Das Paar laichte in einem 110-Liter-Aquarium bei der erstaunlich niedrigen Temperatur von 21 Grad Celsius. Ergebnis der Zucht waren etwa 200 Jungfische. Etroplus maculatus - ein guter Gesellschafter
Mal abgesehen von der Frage, ob Buntbarsch oder Riffbarsch - wenn wir unter "Zwergbuntbarschen" kleinbleibende, relativ harmlose und pflanzenfreundliche Fische verstehen, können wir Etroplus maculatus getrost zu dieser Gruppe stellen. Erwachsene Tiere werden selten größer als acht Zentimeter. Nur auf den ersten Blick erscheinen uns diese Indischen Buntbarsche als robust. Ihre hochrückige Form täuscht. Sie sind seitlich auffallend abgeplattet und haben - wie oben schon angemerkt - eine für Buntbarsche etwas flatterige Schwimmweise. Anderen Fischen gegenüber benehmen sie sich zumeist gesittet. Untereinander allerdings können sie sich schon gelegentlich das Leben schwer machen. Wenn man sie mit anderen Buntbarschen vergleicht, darf man sie aber ohne Vorbehalt als harmlos bezeichnen. Allerdings gibt es auch Ausnahmen: Ein einzelnes Etroplus-Männchen, das ich in ein großes Gesellschaftsbecken setzte, entwickelte sich zu einem kleinen Ekel, vermutlich jedoch nur aus Mangel an einer Partnerin. Das Männchen hatte es vor allem auf einen knapp zehn Zentimeter großen Schützenfisch (Toxotes chatareus) abgesehen. Über viele Tage wurde der Toxotes ständig gejagt. Nach einiger Zeit gab sich das seltsame Verhalten des Etroplus-Männchens. Vermutlich hat es den ähnlich gefärbten Schützenfisch als Weibchen angesehen. Ein ganz entsprechendes Erlebnis hatte ich mit einem Zebrabuntbarsch (Cichlasoma nigrofasciatum), und zwar mit einem Weibchen. Es hatte sich in einen Tigerfisch (Datnioides quadrifasciatus) "verliebt" und machte ihm mit einer penetranten Werbung das Leben schwer. Im Normalfall sind die Indischen Buntbarsche harmlose Fische, die auch Pflanzen weitgehend in Ruhe lassen. Selten knabbern sie mal an besonders zarten Pflanzen. Ihre Ansprüche an die Nahrung sind gering; allerdings können sie beachtliche Mengen verdrücken. Neben Flockenfutter kann man ihnen fast alles reichen, was sie von der Größe her bewältigen. Vielfach wird empfohlen, dem Wasser für Etroplus maculatus auf 10 bis 20 Liter einen Esslöffel Salz beizugeben. Das ist dem Pflanzenwachsturn nicht gerade dienlich und sicher auch nicht nötig. Meine Fische gedeihen und vermehren sich in nicht weiter aufbereitetem mitteIhartem Leitungswasser (etwa 14 Grad dGH) ohne Probleme. Keine großen Probleme beim Züchten Die wesentliche Schwierigkeit bei der Zucht ist die Zusammenstellung der Zuchtpaare. Wenn man mehrere Tiere gemeinsam hält, nehmen uns die Fische das Problem aber bald ab. Doch was soll man tun, wenn man beim Händler ein Paar heraussuchen will? Die Beflossung hilft uns auch bei schon geschlechtsreifen Tieren nicht weiter, und die Färbung ist im Verkaufsbecken kaum eine Hilfe. Zuhause wird man allerdings bald erkennen, dass die Gelbfärbung der Männchen kräftiger ist. Besser kann ein anderes Merkmal beim Kauf helfen. Die Männchen sind meist schnellwüchsiger und daher bei gleichalten Tieren etwas größer als die Weibchen. Vor allem sind sie aber weniger gedrungen als Weibchen. Am besten wählt man die Tiere also nach ihren Körperproportionen aus und nimmt zwei große, gestreckte und zwei etwas kleinere, gedrungene Fische. Die Wahrscheinlichkeit ist dann groß, dass man zumindest ein Paar erwischt. Ein laichwilliges Paar wird sich bald ein Revier freikämpfen, aus dem hartnäckig und mit Eifer jeder Eindringling vertrieben wird. Vor allem das Weibchen zeigt sich in dieser Zeit auch als eifriger Graber. Dabei bleiben allerdings kaum einmal Pflanzen auf der Strecke. Sand und Kies werden vorzugsweise am Grund eines größeren Steines oder aus einer Höhle fortgetragen. Die Eier werden nach Manier der Substratlaicher angeheftet, so wie es der Cichlidenfreund von Cichlasoma-Arten kennt. Am liebsten werden die Laichkörner an einer senkrechten, leicht überhängenden Fläche abgelegt, etwa an einer schräg stehenden Steinplatte, in einer Blumentopfhöhle oder auch an der Aquarienscheibe. Sie sind tarnfarben und hängen an kleinen Stielchen. Brutpflege und Aufzucht
Es ist klar, dass die künstliche Aufzucht unter diesen Umständen problematisch ist. Aber sie muss ja nicht sein; denn die Eltern sind vorbildliche Brutpfleger. Einmal habe ich aus purer Neugier doch eine künstliche Aufzucht ausprobiert. Ich gestehe, ich bin kläglich gescheitert! Offenbar fehlte den Jungen nicht nur die Schleimkost sondern einfach ein Leittier. Die erst wenige Tage alten Jungen hockten am Boden oder schwammen ziellos suchend direkt unter dem Wasserspiegel, fraßen aber kaum das angebotene Futter. Die Kleinen wirkten total verstört, ja regelrecht verloren. Dergleichen habe ich noch nie bei Jungcichliden gesehen! Nach einer Woche waren alle Jungtiere tot. Bei der natürlichen Aufzucht dagegen hat man viel Freude an den Indischen Buntbarschen. © Dr. Jörg Vierke |