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© Dr. Jörg Vierke

Der Gestreifte Fadenfisch Colisa fasciata


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Colisa fasciata-Männchen, Gestreifter Fadenfisch      
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Colisa labiosa-Männchen, Dicklippiger Fadenfisch      
       

Unter den Fadenfischen der in der Aquarienkunde sehr populären Gattung Colisa wird der Gestreifte Fadenfisch Colisa fasciata am seltensten im Handel angeboten. In seiner vorderindischen Heimat ist er dagegen sehr häufig. Für die Inder ist er der wichtigste unter allen Fadenfischen - als größter seiner Gattung liefert er regelmäßig seinen Beitrag zur Ernährung als Trockenfisch!

      Colisa_fasciata_K_sschen_...
      Kurz vor der Paarung gibt es tatsächlich Küsschen vom Weibchen links und eine "Umarmung" mit den Flossenfäden bei Colisa fasciata! - Zeitlupen-Wiedergabe!
       
Der Gestreifte Fadenfisch (Colisa fasciata) ist die größte unter den vier Colisa-Arten. Ausgewachsene Exemplare sollen in ihrer Heimat bis zu 12,5 cm lang werden. Ich habe derart große Tiere noch nicht gese­hen. Mein größtes Männchen ist 8,2 cm lang, meine Weibchen erreichen alle Mein größtes Männchen ist 8,2 cm lang, meine Weibchen erreichen alle nur 6,2 cm Gesamtlänge. Auch Colisa labiosa soll Größen von 10 cm erreichen – möglicherweise handelt es sich aber um Verwechslungen mit C. fasciata. Diesen "Riesen" folgt der Zwergfadenfisch (Colisa lalia), der 5, selten 6 cm Gesamtlänge er­reicht, und das Schlusslicht bildet der kleine Honigfa­denfisch (Colisa chuna) mit maximal 4,5 cm Länge. Honigfadenfische weisen als einzige Colisa-Art keine Körperquerstreifen auf. Die Männchen der anderen Arten (Zuchtformen ausgenommen!) ha­ben alle auf rötlichem oder braunem Grund leuch­tendblaue, schräge Körperstreifen. Wenn wir Colisa fasciata also als "Gestreiften Fadenfisch" bezeich­nen, sollten wir bedenken, dass zwei weitere Colisa-Arten auch noch gestreift sind!

Bei dieser Gelegenheit will ich kurz einige Namen richtigstelIen, die immer noch durch die aquaristische Literatur geistern. Es betrifft die "Arten" Colisa "co­tra", C. "sotra" und C. "bejus". Hora (1929) hat sie freundlicherweise abgebildet. Jeder, der etwas von Fadenfischen versteht, wird die recht guten Bilder einzuordnen wissen: Die von Hora als Trichopus so­tra bezeichnete Art ist eindeutig ein Colisa chuna­-Männchen im Prachtkleid, T. cotra stellt einen Colisa lalia und T. bejus - nicht ganz so eindeutig - stellt einen C. fasciata dar.nur 6,2 cm Gesamtlänge. Auch Colisa labiosa soll Größen von 10 cm erreichen – möglicherweise handelt es sich aber um Verwechslungen mit C. fasciata. Diesen "Riesen" folgt der Zwergfadenfisch (Colisa lalia), der 5, selten 6 cm Gesamtlänge er­reicht, und das Schlusslicht bildet der kleine Honigfa­denfisch (Colisa chuna) mit maximal 4,5 cm Länge. Honigfadenfische weisen als einzige Colisa-Art keine Körperquerstreifen auf. Die Männchen der anderen Arten (Zuchtformen ausgenommen!) ha­ben alle auf rötlichem oder braunem Grund leuch­tendblaue, schräge Körperstreifen. Wenn wir Colisa fasciata also als "Gestreiften Fadenfisch" bezeich­nen, sollten wir bedenken, dass zwei weitere Colisa-Arten auch noch gestreift sind!

Der Gattungsname Colisa ist derzeit strittig. Es gibt Biologen, die stattdessen „Trichogaster“ vorziehen. Mehr zu diesem Problem >>>!

Gestreifte Fadenfische trifft man nicht sehr häufig im Fachhandel an. Wenn man doch mal auf sie stößt, sind die Tiere oft nicht in der besten Kondition. Sie sind oft halbverhungert wenn man sie kauft. Bei guter Pflege erholen sie sich aber. Sie sind sehr starke Fresser und brauchen vor allem auch häufiger Lebendfutter. Sie sind in dieser Hinsicht deutlich anspruchsvoller als alle anderen Fadenfische!

Colisa fasciata hat ein sehr großes Verbreitungsge­biet, das von Pakistan im Westen bis in das Brahma­putra-Tiefland im Osten reicht. Dass die Art ein so weit nach Westen reichendes Verbreitungsgebiet hat, wird in der Aquarianer-Literatur zumeist unterschla­gen. Das Vorkommen im Indus-Gebiet, also in Paki­stan, ist aber eindeutig belegt. Es ist durchaus denk­bar, dass die Tiere in einem derartigen Areal in Unter­arten aufgespalten sind.

Unterschiede fasciata - labiosa

Colisa-Tabelle.jpg
   

Unterschiede in den Proportionen der Colisa-Arten fasciata, labiosa, lalia und den labiosa x lalia Mischlingen. GL = Gesamtlänge, KL = Kopflänge, KG = größte Körperhöhe.

Zeichnung: W. Weiss nach Vorlage des Verfassers.

     

Proportionen: Wenn die C. fasciata dem Betrachter gelegentlich als wenig proportioniert erscheinen, liegt es daran, dass die größte Körperhöhe oft kaum die Kopfhöhe übertrifft. C. labiosa ist dagegen deutlich tiefer ge­baut.

Im Diagramm wird deutlich, wie sich die Arten unterscheiden, auch im Vergleich zu Colisa lalia und zu den Mischlingen zwischen lalia und labiosa.

Diese Unter­schiede sind im direkten Vergleich auch ohne Messung zu erkennen. Man kann, wenn man diese Vergleichs­möglichkeiten nicht hat, die Tiere lebend im Fangnetz vermessen - sie nehmen keinen Schaden. Wenn man sich um einen Millimeter irrt, stört das die Ein­ordnung nicht. Mit dieser Methode ist es also mög­lich, auch die Weibchen eindeutig der Art labiosa oder fasciata zuzuordnen.

Beflossung: Die Flossenformeln - wesentliches Kri­terium der klassischen Ichthyologen - lassen keine signifikanten Unterschiede erkennen.

Ein erwachsenes fasciata-Männchen ist jedoch sofort an der Form seiner Afterflosse zu identifizieren: Sie ist, wie auch die Rückenflosse in ihrem hinteren, weichstrah­ligen Teil, spitz ausgezogen. Bei Colisa labiosa dage­gen ist die Afterflosse stets abgerundet.

Dagegen werden die Rückenflossenzipfel bei alten labiosa-Männchen deutlich länger als bei fasciata. Oft reichen sie bis zum Ende der Schwanzflosse oder noch darüber hinaus.

Farbmuster: Als deutlichster Unterschied in der Fär­bung der Männchen erschien mir bis vor Kurzem die Afterflossenkante. Sie ist bei fasciata rot, bei labiosa gelb. Inzwischen habe ich aber auch labiosa mit röt­lichem Afterflossenrand gesehen.

Verhalten: Es gibt verschiedene Unterschiede im Laichverhalten, die ich hier nicht im Einzelnen auf­zählen kann. Ich will hier nur eine für C. labiosa typi­sche Verhaltensweise bei dem Kampf erwähnen, die ich bei C. fasciata nie gesehen habe: In Konfliktsitua­tionen stehen die labiosa-Männchen sich gelegent­lich unbeweglich in einer sehr auffallenden Körper­steIlung gegenüber. Dabei sind die Flossen weit ge­spreizt, der Körper steht senkrecht in einer typischen Kopf-unten-Stellung, wobei die Tiere mit dem Maul fast den Boden berühren. Welche Triebe dieser Ver­haltensweise zugrunde liegen, ist nicht sicher. Der Partner wird durch diese Position jedenfalls nicht er­kennbar abgeschreckt.

Dies ist nur ein Teil der Unterschiede, die man auf­zählen könnte. Einige weitere, den Körperbau betref­fende Unterschiede zählt Horst Linke (1980) auf.

Haltung und Zucht der Gestreiften Fadenfische

Die Haltung und Zucht der Gestreiften Fadenfische ist nicht schwer, aber doch etwas anspruchsvoller, als die der anderen Colisa-Arten. Auf die Notwendigkeit gelegentlicher Lebendfuttergaben wurde bereits hingewiesen. Die Tiere sind starke Fresser, die immer hungrig zu sein scheinen. Temperaturen um 24 bis 28° C sind nötig. Für den Laichansatz sollte man den Weib­chen Weiße oder Schwarze Mückenlarven ge­ben.

Paarung von Colisa fasciata - Bildfolge von links oben nach rechts unten:

1. Das Weibchen hat sich dem laichbereiten Partner genähert, betastet ihn mit den Flossenfäden und gibt ihm "Küsschen" in der Kinngegend. 2. Das Weibchen schwimmt seinem Partner in die Flanke. 3. Das Männchen umklammert seine Partnerin. In dieser Stellung eng umschlungen verharren die Tiere einige Sekunden ... 4. ... dann verändern sie, immer noch fest umschlungen, ihre Lage und stoßen die Geschlechtsprodukte aus. Die winzigen Eier schweben zum Nest hoch. 5. Wenige Minuten später eine weitere Paarung. 6. Wieder erscheint ein kräftiger Pulk von Laichkörnern.

 

Wenn ich meine Colisa fasciata in relativ dicht bevöl­kerten Aquarien halte, kommen die Männchen nicht in Laichstimmung. Dann sind sie die friedlichsten Fische auf der Welt. Wehe aber, wenn ich ein Paar in ein dicht bepflanztes 100-Liter-Becken nur mit ganz wenigen Beifischen setze und Tümpelfutter gebe: Dann wird das Männchen so kämpferisch, dass ich um die anderen Fische fürchten muss.

Im Zuchtaquarium sollten auch Schwimmpflanzen vorhanden sein und dem Weibchen muss ein gegen das Männchen sichtgeschützter Zugang zur Wasseroberfläche möglich sein. Größere Wasserbewegungen sind zu vermeiden. Also: Keine Durchlüftung, Filter - wenn überhaupt - nur sehr schwach!

Die Colisa fasciata-Männchen bauen große Schaum­nester, die allerdings zumeist nicht lange halten. Die Schaumblasen werden dadurch erzeugt, dass die Männchen sich mit dem Maul an die Wasseroberflä­che stellen und schöpfende Bewegungen mit der Unterlippe machen. Bei diesen Pumpenbewegungen fließt der Schaum regelrecht aus dem Maul heraus. Anschließend wird ein Teil der so erzeugten Blasen aufgeschnappt und am Standort des "Nestes" ent­lassen. Warum ich "Nest" in Anführungszeichen set­ze? Von einem richtigen Nest kann man zumeist nicht reden. Manchmal ist eine große Zone der Wasser­fläche von einer lockeren und mit vielen blasenfreien Bereichen durchbrochenen Schaumschicht überzo­gen. Wenn Riccia am Wasserspiegel war, wurden die Blasen zwischen diesen Pflanzen hochgelassen ­und waren dann kaum noch zu sehen. Der Fisch hat­te dann eher ein Pflanzennest als ein Schaumnest. Aktiv Pflanzen geholt, wie es beispielsweise vom Zwergfadenfisch Colisa lalia bekannt ist, haben mei­ne Colisa fasciata allerdings nie. Hierin glichen sie völlig den C. labiosa.

Das laichbereite Weibchen nähert sich von selbst dem unter dem "Nest" stehenden Partner. Es kommt schnell angeschwommen, bremst dann aber kurz vor dem Männchen ab. Furchtsam spreizt es alle Flos­sen. Nun versucht es, sein Männchen mit Bissen - ­sollte ich "Küssen" sagen? - in der Maul- und Kopf­gegend zu besänftigen. Manchmal kommt es nun zu regelrechten Maulkämpfen, da das Männchen den Biss gelegentlich erwidert. Wenn das Männchen aber in der richtigen Stimmung ist, legt es die zuvor ag­gressiv gespreizten Flossen an. Nun drängt das Weibchen sich in die Flanke des Männchens, worauf­hin dieses sich mit dem ganzen Körper um das Weib­chen herumbiegt. So verharren die Tiere eine ganze Weile.

Dann ein Ruck - das umschlungene Paar hat sich so gedreht, dass die Geschlechtsöffnungen der Tiere nach oben zum Wasserspiegel zeigen. In diesem Mo­ment werden die Geschlechtsprodukte ausgestoßen. Nun löst sich das Paar. Die Eier steigen von selbst nach oben unter das Nest. Das Weibchen zieht sich zurück, während das Männchen damit beschäftigt ist, neue Blasen für das Nest zu produzieren.

Nach einigen Minuten beginnt die nächste Paarung. Das kann sich etwa zwei Stunden hinziehen, dann sind etwa 30 Paarungen gewesen. Das Weibchen zieht sich jetzt endgültig zurück.

Das Männchen dagegen bleibt bei dem Nest mit der Brut und verteidigt es gegen jeden Interessenten. Die Jungen schlüpfen schon nach 24 Stunden, nach etwa zwei Tagen schwimmen sie frei. Die Aufzucht der Jungen ist weiter nicht schwierig. Der Vater, manchmal auch die Mutter, stellt den Kleinen im all­gemeinen nicht nach. Wer auf Nachzucht Wert legt, sollte die Jungen aber getrennt aufziehen. Sie brau­chen sehr viel Futter und einen regelmäßigen Teil­wasserwechsel.

 

© Dr. Jörg Vierke

 

Literaturhinweise:

 

Hora, S. L. (1929): An Aid to the Study of Hamilton Buchanan's "Gangetic Fishes". Mem. Ind. Mus., 169-192.

Linke, H. (1980): Colisa fasciata und Colisa labiosa, zwei gute Arten? Das Aquarium, 408 – 409

Vierke, J. (1975): Beiträge zur Ethologie und Phylogenie der Familie Belontiidae. Z. Tierpsychol. 38: 163 - 199

Vierke, J. (1978): Labyrinthfische und verwandte Arten, Engelbert Pfriem, Wuppertal.

Vierke, J. (1983): Der Gestreifte Fadenfisch - Colisa fasciata. Aquarien-Magazin 377 - 381

Vierke, J. (1991): Brutpflegestrategien bei Belontiiden. Bonn. zool. Beitr. 42: 299 – 324


Der Film zeigt das Fortpflanzungsverhalten der Gestreiften Fadenfische in allen Einzelheiten.

2. Film (mit Engl. Untertiteln)

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