|
|
»» Gestreifter Fadenfisch Colisa fasciata
© Dr. Jörg Vierke Der Gestreifte Fadenfisch Colisa fasciata
Unter den Fadenfischen der in der Aquarienkunde sehr populären Gattung Colisa wird der Gestreifte Fadenfisch Colisa fasciata am seltensten im Handel angeboten. In seiner vorderindischen Heimat ist er dagegen sehr häufig. Für die Inder ist er der wichtigste unter allen Fadenfischen - als größter seiner Gattung liefert er regelmäßig seinen Beitrag zur Ernährung als Trockenfisch!
Bei dieser Gelegenheit will ich kurz einige Namen richtigstelIen, die immer noch durch die aquaristische Literatur geistern. Es betrifft die "Arten" Colisa "cotra", C. "sotra" und C. "bejus". Hora (1929) hat sie freundlicherweise abgebildet. Jeder, der etwas von Fadenfischen versteht, wird die recht guten Bilder einzuordnen wissen: Die von Hora als Trichopus sotra bezeichnete Art ist eindeutig ein Colisa chuna-Männchen im Prachtkleid, T. cotra stellt einen Colisa lalia und T. bejus - nicht ganz so eindeutig - stellt einen C. fasciata dar.nur 6,2 cm Gesamtlänge. Auch Colisa labiosa soll Größen von 10 cm erreichen – möglicherweise handelt es sich aber um Verwechslungen mit C. fasciata. Diesen "Riesen" folgt der Zwergfadenfisch (Colisa lalia), der 5, selten 6 cm Gesamtlänge erreicht, und das Schlusslicht bildet der kleine Honigfadenfisch (Colisa chuna) mit maximal 4,5 cm Länge. Honigfadenfische weisen als einzige Colisa-Art keine Körperquerstreifen auf. Die Männchen der anderen Arten (Zuchtformen ausgenommen!) haben alle auf rötlichem oder braunem Grund leuchtendblaue, schräge Körperstreifen. Wenn wir Colisa fasciata also als "Gestreiften Fadenfisch" bezeichnen, sollten wir bedenken, dass zwei weitere Colisa-Arten auch noch gestreift sind! Der Gattungsname Colisa ist derzeit strittig. Es gibt Biologen, die stattdessen „Trichogaster“ vorziehen. Mehr zu diesem Problem >>>! Gestreifte Fadenfische trifft man nicht sehr häufig im Fachhandel an. Wenn man doch mal auf sie stößt, sind die Tiere oft nicht in der besten Kondition. Sie sind oft halbverhungert wenn man sie kauft. Bei guter Pflege erholen sie sich aber. Sie sind sehr starke Fresser und brauchen vor allem auch häufiger Lebendfutter. Sie sind in dieser Hinsicht deutlich anspruchsvoller als alle anderen Fadenfische! Colisa fasciata hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet, das von Pakistan im Westen bis in das Brahmaputra-Tiefland im Osten reicht. Dass die Art ein so weit nach Westen reichendes Verbreitungsgebiet hat, wird in der Aquarianer-Literatur zumeist unterschlagen. Das Vorkommen im Indus-Gebiet, also in Pakistan, ist aber eindeutig belegt. Es ist durchaus denkbar, dass die Tiere in einem derartigen Areal in Unterarten aufgespalten sind. Unterschiede fasciata - labiosa
Proportionen: Wenn die C. fasciata dem Betrachter gelegentlich als wenig proportioniert erscheinen, liegt es daran, dass die größte Körperhöhe oft kaum die Kopfhöhe übertrifft. C. labiosa ist dagegen deutlich tiefer gebaut. Im Diagramm wird deutlich, wie sich die Arten unterscheiden, auch im Vergleich zu Colisa lalia und zu den Mischlingen zwischen lalia und labiosa. Diese Unterschiede sind im direkten Vergleich auch ohne Messung zu erkennen. Man kann, wenn man diese Vergleichsmöglichkeiten nicht hat, die Tiere lebend im Fangnetz vermessen - sie nehmen keinen Schaden. Wenn man sich um einen Millimeter irrt, stört das die Einordnung nicht. Mit dieser Methode ist es also möglich, auch die Weibchen eindeutig der Art labiosa oder fasciata zuzuordnen. Beflossung: Die Flossenformeln - wesentliches Kriterium der klassischen Ichthyologen - lassen keine signifikanten Unterschiede erkennen. Ein erwachsenes fasciata-Männchen ist jedoch sofort an der Form seiner Afterflosse zu identifizieren: Sie ist, wie auch die Rückenflosse in ihrem hinteren, weichstrahligen Teil, spitz ausgezogen. Bei Colisa labiosa dagegen ist die Afterflosse stets abgerundet. Dagegen werden die Rückenflossenzipfel bei alten labiosa-Männchen deutlich länger als bei fasciata. Oft reichen sie bis zum Ende der Schwanzflosse oder noch darüber hinaus. Farbmuster: Als deutlichster Unterschied in der Färbung der Männchen erschien mir bis vor Kurzem die Afterflossenkante. Sie ist bei fasciata rot, bei labiosa gelb. Inzwischen habe ich aber auch labiosa mit rötlichem Afterflossenrand gesehen. Verhalten: Es gibt verschiedene Unterschiede im Laichverhalten, die ich hier nicht im Einzelnen aufzählen kann. Ich will hier nur eine für C. labiosa typische Verhaltensweise bei dem Kampf erwähnen, die ich bei C. fasciata nie gesehen habe: In Konfliktsituationen stehen die labiosa-Männchen sich gelegentlich unbeweglich in einer sehr auffallenden KörpersteIlung gegenüber. Dabei sind die Flossen weit gespreizt, der Körper steht senkrecht in einer typischen Kopf-unten-Stellung, wobei die Tiere mit dem Maul fast den Boden berühren. Welche Triebe dieser Verhaltensweise zugrunde liegen, ist nicht sicher. Der Partner wird durch diese Position jedenfalls nicht erkennbar abgeschreckt. Dies ist nur ein Teil der Unterschiede, die man aufzählen könnte. Einige weitere, den Körperbau betreffende Unterschiede zählt Horst Linke (1980) auf. Haltung und Zucht der Gestreiften Fadenfische Die Haltung und Zucht der Gestreiften Fadenfische ist nicht schwer, aber doch etwas anspruchsvoller, als die der anderen Colisa-Arten. Auf die Notwendigkeit gelegentlicher Lebendfuttergaben wurde bereits hingewiesen. Die Tiere sind starke Fresser, die immer hungrig zu sein scheinen. Temperaturen um 24 bis 28° C sind nötig. Für den Laichansatz sollte man den Weibchen Weiße oder Schwarze Mückenlarven geben.
Wenn ich meine Colisa fasciata in relativ dicht bevölkerten Aquarien halte, kommen die Männchen nicht in Laichstimmung. Dann sind sie die friedlichsten Fische auf der Welt. Wehe aber, wenn ich ein Paar in ein dicht bepflanztes 100-Liter-Becken nur mit ganz wenigen Beifischen setze und Tümpelfutter gebe: Dann wird das Männchen so kämpferisch, dass ich um die anderen Fische fürchten muss. Im Zuchtaquarium sollten auch Schwimmpflanzen vorhanden sein und dem Weibchen muss ein gegen das Männchen sichtgeschützter Zugang zur Wasseroberfläche möglich sein. Größere Wasserbewegungen sind zu vermeiden. Also: Keine Durchlüftung, Filter - wenn überhaupt - nur sehr schwach! Die Colisa fasciata-Männchen bauen große Schaumnester, die allerdings zumeist nicht lange halten. Die Schaumblasen werden dadurch erzeugt, dass die Männchen sich mit dem Maul an die Wasseroberfläche stellen und schöpfende Bewegungen mit der Unterlippe machen. Bei diesen Pumpenbewegungen fließt der Schaum regelrecht aus dem Maul heraus. Anschließend wird ein Teil der so erzeugten Blasen aufgeschnappt und am Standort des "Nestes" entlassen. Warum ich "Nest" in Anführungszeichen setze? Von einem richtigen Nest kann man zumeist nicht reden. Manchmal ist eine große Zone der Wasserfläche von einer lockeren und mit vielen blasenfreien Bereichen durchbrochenen Schaumschicht überzogen. Wenn Riccia am Wasserspiegel war, wurden die Blasen zwischen diesen Pflanzen hochgelassen und waren dann kaum noch zu sehen. Der Fisch hatte dann eher ein Pflanzennest als ein Schaumnest. Aktiv Pflanzen geholt, wie es beispielsweise vom Zwergfadenfisch Colisa lalia bekannt ist, haben meine Colisa fasciata allerdings nie. Hierin glichen sie völlig den C. labiosa. Das laichbereite Weibchen nähert sich von selbst dem unter dem "Nest" stehenden Partner. Es kommt schnell angeschwommen, bremst dann aber kurz vor dem Männchen ab. Furchtsam spreizt es alle Flossen. Nun versucht es, sein Männchen mit Bissen - sollte ich "Küssen" sagen? - in der Maul- und Kopfgegend zu besänftigen. Manchmal kommt es nun zu regelrechten Maulkämpfen, da das Männchen den Biss gelegentlich erwidert. Wenn das Männchen aber in der richtigen Stimmung ist, legt es die zuvor aggressiv gespreizten Flossen an. Nun drängt das Weibchen sich in die Flanke des Männchens, woraufhin dieses sich mit dem ganzen Körper um das Weibchen herumbiegt. So verharren die Tiere eine ganze Weile. Dann ein Ruck - das umschlungene Paar hat sich so gedreht, dass die Geschlechtsöffnungen der Tiere nach oben zum Wasserspiegel zeigen. In diesem Moment werden die Geschlechtsprodukte ausgestoßen. Nun löst sich das Paar. Die Eier steigen von selbst nach oben unter das Nest. Das Weibchen zieht sich zurück, während das Männchen damit beschäftigt ist, neue Blasen für das Nest zu produzieren. Nach einigen Minuten beginnt die nächste Paarung. Das kann sich etwa zwei Stunden hinziehen, dann sind etwa 30 Paarungen gewesen. Das Weibchen zieht sich jetzt endgültig zurück. Das Männchen dagegen bleibt bei dem Nest mit der Brut und verteidigt es gegen jeden Interessenten. Die Jungen schlüpfen schon nach 24 Stunden, nach etwa zwei Tagen schwimmen sie frei. Die Aufzucht der Jungen ist weiter nicht schwierig. Der Vater, manchmal auch die Mutter, stellt den Kleinen im allgemeinen nicht nach. Wer auf Nachzucht Wert legt, sollte die Jungen aber getrennt aufziehen. Sie brauchen sehr viel Futter und einen regelmäßigen Teilwasserwechsel.
© Dr. Jörg Vierke
Literaturhinweise:
Hora, S. L. (1929): An Aid to the Study of Hamilton Buchanan's "Gangetic Fishes". Mem. Ind. Mus., 169-192. Linke, H. (1980): Colisa fasciata und Colisa labiosa, zwei gute Arten? Das Aquarium, 408 – 409 Vierke, J. (1975): Beiträge zur Ethologie und Phylogenie der Familie Belontiidae. Z. Tierpsychol. 38: 163 - 199 Vierke, J. (1978): Labyrinthfische und verwandte Arten, Engelbert Pfriem, Wuppertal. Vierke, J. (1983): Der Gestreifte Fadenfisch - Colisa fasciata. Aquarien-Magazin 377 - 381 Vierke, J. (1991): Brutpflegestrategien bei Belontiiden. Bonn. zool. Beitr. 42: 299 – 324 Der Film zeigt das Fortpflanzungsverhalten der Gestreiften Fadenfische in allen Einzelheiten.
zurück zur Übersicht-Startseite >>> Empfehlung: Der Honigfadenfisch Colisa chuna mit Video >>> |