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Erfahrungen mit dem Fünffleckbuntbarsch Thysochromis ansorgii

© Dr. Jörg Vierke

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Man erkennt das Weibchen des Fünffleckbuntbarsches Thysochromis ansorgii leicht am silbrigen Afterfleck.
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Thysochromis ansorgii - Männchen an der Bruthöhle.
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Wenn sich beide Partner in der Bruthöhle aufhalten und hier putzen, wird es mit dem Ablaichen nicht mehr lange dauern.
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Während das Weibchen die Eier an die Innenseite des Blumentopfes heftet, schaut das Männchen wachehaltend heraus.
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Die Rollen haben gewechselt: Jetzt besamt das Männchen den Laich, das Weibchen hält Wache.
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Das Fünffleckbuntbarsch-Weibchen mit dem an der Höhlenwand klebenden Gelege.

Warum sollte man sich nicht mal mit Fischen beschäftigen, die nicht jeder hat? Vor allem dann, wenn die Fische sich ohne Schwierigkeiten in ein herkömmliches Gesellschaftsaquarium eingliedern lassen? Wenn sie pflanzenfreundlich sind und wenn sie mit jedem herkömmlichen Futter vollauf zufrieden sind? Nur zu, versuchen Sie es doch mal mit Fünffleckbuntbarschen!

Allerdings erreichen Fünffleckbuntbarsche unter Umständen Gesamtlängen bis zu 13 cm. Das passiert jedoch nur bei den Männchen und auch nur in wirklich großen Aquarien. Zugegeben, dann können sie für kleinere Fische schon eine Gefahr werden. Und außerdem - Fünffleckbuntbarsche haben noch drei weitere Nachteile. Erstens beanspruchen sie weiches Wasser und auch einen einigermaßen regelmäßigen Wasserwechsel. Das allerdings sind Ansprüche, die auch viele andere Fische stellen. Und zweitens kann man sie nicht auf Anhieb in jedem Zoogeschäft kaufen - sie sind im Verkauf keine „Renner“ , und drittens sehen sie nicht bunt aus (das ist der Grund für „zweitens“).


Etwas groß geratene Zwergcichliden aus Afrika

Mir gefallen sie aber. Es sind etwas zu groß geratene Zwergbuntbarsche, sie sind friedlich wie jene und wurden früher sogar zur Gruppe der „Pelmatochromis“ gezählt. Damit sind afrikanische Zwergbuntbarsche gemeint, die man heute vorwiegend der Familie „Pelvicachromis“ zugeordnet hat wie den bekannten und schönen Pelvicachromis pulcher. Mit der Revision der Gruppe „Pelmatochromis“ wurde für unseren Fünffleckbuntbarsch eine Extra-Familie eingerichtet: Thysia, benannt nach dem Cichlidenspezialisten Thys van den Audenaerde. Doch auch dieser Name sollte nicht von Dauer sein, mittlerweile heißt die Art korrekt Thysochromis ansorgii. Hoffentlich hat dieser Name einige Zeit Bestand, denn das dauernde Umlernen macht selbst den Fachleuten keinen Spaß!

Mit Namen ist das so eine Sache, auch mit den deutschen: wenn man die Flecken auf den Seiten der Fünffleckbuntbarsche nachzählt, kommt man eigentlich nur in Ausnahmefällen auf fünf Flecken, normalerweise sind es immer sechs schwärzliche Flecken, die sich in verschiedener Größe und in sehr unterschiedlichen Abständen in einem lockeren Band längs über den Körper erstrecken. Sie beginnen am Kiemendeckel und enden am Schwanzflossenansatz. Gelegentlich werden die Fische auch Delphinbuntbarsche genannt, wegen ihrer oft an Delphine erinnerndes gewölbtes Kopfprofil. Aber auch das wäre keine gute Idee, denn auf diesen Namen erhebt auch ein anderer Cichlide Anspruch, nämlich Aequidens itanyi. Bleiben wir also beim einmal eingeführten Namen Fünffleck-Buntbarsch! Gelegentlich liest man auch den Namen Fünffleck-Prachtbarsch.

Heimat unserer Buntbarsche sind die Küstengebiete Westafrikas von der Elfenbeinküste im Westen über Ghana und Nigeria bis hin nach Kamerun. Hier leben sie in kleinen, langsam strömenden Flüssen, die sich durch die Waldgebiete schlängeln. Die Fünffleckbuntbarsche kommen oft gemeinsam mit anderen Cichliden wie Hemichromis fasciatus, Tilapia mariae und mit verschiedenen Chromidotilapia-Arten vor. Es scheinen auch im Freiwasser ausgesprochen friedliebende Fische zu sein, die den Bodengrund und Wasserpflanzen systematisch nach Insektenlarven und verschiedenen Kleinkrebsen absuchen.

Die Geschlechter sind bei Thysochromis ansorgii leicht zu unterscheiden, natürlich aber erst, wenn die Tiere im geschlechtsreifen Alter sind! Die Männchen sind deutlich größer als die Weibchen. Die Weibchen erkennt man aber leicht auf Anhieb. Sie sind mit einem großen, leuchtend silbrig weißen Fleck in der Aftergegend geschmückt. Diesen Fleck haben zwar auch die Jungfische, egal ob Männchen oder Weibchen, aber mit zunehmender Größe verlieren die Männchen diese Zeichnung. Wenn die Weibchen laichreif werden, wird ihr Bauch deutlich voluminöser und er beginnt sich, mehr oder weniger kräftig rötlich zu färben. Auf dem Foto oben links ist das deutlich zu erkennen.

So kann man sie züchten

Wer den Ehrgeiz hat, seine Thysochromis ansorgii zu züchten, sollte sie lieber in ein separates Zuchtbecken überführen. Allerdings müsste es schon von ausreichender Größe sein, denn wenn diese Cichliden pflegen sollen, verlangen sie doch nach einem Becken von mindestens 8O cm Seitenlänge. Und selbst das ist noch keine Garantie. Im Gegenteil, es passiert ausgesprochen selten, dass die Eltern ihre Brut so aufziehen, wie man es eigentlich erwarten sollte. In vielen Fällen fressen sie ihren Laich oder die Larven kurz vor dem Freischwimmen auf! Unnötig zu erklären, dass das keine natürliche Verhaltensweise sein kann - irgendetwas müssen wir falsch machen.

Wer seine Thysochromis züchten will, ist gut beraten, wenn er sie ausgiebig mit Lebendfutter versorgt. Dann wird er oft schon Tage vor dem Ablaichen beobachten, dass die Zuchtfische ausgiebig „putzen“. Die Fische betupfen mit ihrem Maul immer wieder Steine und andere mögliche, zum Ablaichen geeigneten Flächen. Manchmal hat es gar den Anschein, als wollten sie kleine Stückchen aus den Steinen herausbeißen. Die Deutung der meisten Aquarianer ist logisch: die Unterlage für die dort anzuheftenden Eier muss natürlich gereinigt werden! Vermutlich ist diese Deutung aber falsch. Die beiden zukünftigen Laichpartner stimmen sich lediglich aufeinander ein, synchronisieren gewissermaßen ihre „Gefühle“ - auf „menschlich“ übersetzt: wir wollen für einige Zeit beisammenbleiben und für Nachwuchs sorgen. Ganz sicher wird bei diesem „Putzen“ auch über die Lage des zukünftigen Laichplatzes abgestimmt.

Während der Balz verfärben sich die Tiere deutlich. Die Fleckenreihe des Männchens scheint miteinander zu verschmelzen und es bildet sich ein unregelmäßig gestalteter Körperlängsstreifen, der oberhalb am Rücken noch von einem feineren Parallelstreifen begleitet wird. Auch das Fleckenmuster des Weibchens ändert sich jetzt. Auch sie hat jetzt im Rückenbereich eine parallele Fleckenfolge, die aber ebenfalls feiner als die normalen Seitenflecken sind. Beide Reihen sind oft mit nicht ganz so dunklen Querbinden verbunden, die sich auch über die Bauchzone hinaus noch nach unten fortsetzen.

Sehr wählerisch sind die Buntbarsche nicht im Hinblick auf den Laichplatz. Sicher nehmen sie gern eine Höhle, wenn der Höhleneingang nur ausreichend groß genug ist. Im Inneren einer Höhle ist man gut gedeckt und einigermaßen sicher. Aber ebenso gern laichen die Fünffleckbuntbarsche auch auf schräg gestellten Schiefertafeln oder überhaupt auf Steinen, gelegentlich sogar direkt an der Aquarienscheibe.

Die Gelege bestehen aus ca. 25O bis 5OO Laichkörnern. Die Eier sind nicht etwa unscheinbar durchsichtig, wie man es bei Offenbrütern gewöhnt ist. Sie sind auffallend gelblich oder ockerfarben - ein deutlicher Hinweis darauf, dass diese Fische eben doch darauf eingestellt sind, die Eier eher versteckt abzulegen. Die Eier sind länglich oval. Dabei sind sie 2 mm lang und um 1,2 mm breit.

Die Eier hängen an kleinen Haftfäden. Wenn die Mutter dem Gelege Frischwasser zufächelt, bewegt sich der Laich in der Wasserströmung. Es sieht es so aus, als würden sich Getreidehalme im Wind wiegen. Drei Tage nach der Eiablage schlüpfen die Larven aus den Eihüllen. Sie sind dann gerade mal 4 mm groß - und jetzt ist leider der Zeitpunkt, zu dem sie unter Aquarienverhältnissen spätestens von den Eltern verspeist werden. Wer Glück hat, und eben doch gut pflegende Eltern besitzt, kann beobachten, dass die Mutter jetzt die Larven in Gruben unterbringt, die sie in den Sand gegraben hat. Es werden immer wieder neue Gruben angelegt und die zunächst noch schwimmunfähigen Kleinen werden ständig umgebettet. Der Vater hat dann noch nicht viel zu melden. er beschäftigt sich lieber damit, in sich in der weiteren Umgebung der Familie umzuschauen. Auf diese Weise sorgt er im Freiwasser dafür, dass sich eventuelle Fressfeinde nicht zu nahe an die Brut heranmachen können und ihr möglicherweise gefährlich werden. Erst später, wenn die Jungen freischwimmen, beteiligt sich der Vater am Führen seiner Nachkommenschaft.

Wer seine Thysochromis-Eier vor den kannibalischen Gelüsten der Eltern rechtzeitig rettet, kann unter dem Mikroskop immerhin beobachten, wie die Entwicklung in den folgenden Stunden abläuft. Bei einer Wassertemperatur von etwa 24° C erkennt man am zweiten Tag, dass sich die Augen schon fast vollständig entwickelt haben. Sie sind allerdings noch unpigmentiert. Aber man kann dann auch schon die Wirbelsegmente finden und bei genauerem Hinsehen, sieht man auch das Blut durch die Adern pulsieren. Am dritten Tag dann schlüpfen die Larven bereits. Jetzt schlagen die Kleinen fast ununterbrochen mit ihren Schwänzen, die von den 4 mm Gesamtlänge der Larven ganze 2,6 bis 3 mm ausmachen! Erst einen weiteren Tag später beginnen sich die Augen dunkel zu färben. jetzt sind sie funktionstüchtig und nun ist auch bald der Dottersack aufgebraucht und die Kleinen beginnen nun herumzuschwimmen und nach Futter zu suchen. Die Jungen müssen jetzt schnell mit passendem Futter versorgt werden. Man sollte darauf vorbereitet sein. Mit ganz frisch geschlüpften Salzkrebslarven kann man die Kleinen von Anfang an versorgen. Bei ausreichender Fütterung und regelmäßigem, aber vorsichtigem Wasserwechsel sind die jungen Fünffleckbuntbarsche bald so weit herangewachsen, dass wir sie an interessierte Aquarianer weitergeben können.


© Dr. Jörg Vierke

 



 

Hier ein animierter Fotofilm zum Bericht über den Fünffleck-Buntbarsch:

 

 



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