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 Man kann Südostthailand nicht gerade als unerschlossenes Gebiet bezeichnen, denn schließlich liegt in diesem Teil Thailands der Badeort Pattaya, der jährlich von mehreren tausend deutschen Touristen heimgesucht wird. Ich kann meine Sammel- und Studienreise durch dieses Gebiet daher kaum als Expedition bezeichnen, auch wenn die Fahrt unweit der kambodschanischen Grenze entlang durch teilweise sehr dünn besiedelte Landstriche führte, in denen man noch Kobras und Straßenräubern begegnen kann.
(C) Jörg Vierke
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Im Khao Yai Gebirge. Hier kann es urplötzlich zu tropischen Sturzregen kommen
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Der Khao Yai-Urwald erscheint noch wild und unberührt
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Wasserfall im Khao Yai Nationalpark
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Fundort von Guramis, Rasboras, Schmerlen und Halbschnabelhechten
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Meine Reise in den Südosten Thailands diente vor allem dazu, meine- Kenntnisse vom Lebensraum und der Lebensweise der Labyrinthfische zu vertiefen. So mietete ich in Bangkok einen Wagen mit Fahrer und einigen weiteren einheimischen Begleitern, um auf „Tümpeltour“ zu gehen. Natürlich war ich dabei nicht einseitig auf Labyrinthfische fixiert. Es ist selbstverständlich, dass man als eingefleischter Aquarianer nicht wegschaut, wenn man auch andere interessante Kleinfische ins Netz bekommt.
Unser erstes Etappenziel war Khao Yai, der 222 Kilometer nordöstlich von Bangkok gelegene Nationalpark. Hier hat sich im schwer zugänglichen Bergland am Rande des Korat-Plateaus ein tropischer Regenwald gehalten, der erst 1959 zum Nationalpark erklärt wurde. In etwa 800 Meter Höhe liegt hier ein Motel, das von Reiseveranstaltern angeboten wird. Die geräumigen Bungalows gruppieren sich um einen kleinen See, dahinter die Urwaldkulisse. Auf Grund der Höhenlage ist es hier verhältnismäßig kühl und relativ regenreich.
Neben verschiedenen größeren Tieren - Hirschen, Affen, Leopardkatzen, Nashornvögeln und anderen faszinierte mich vor allem die so ungewohnt prächtige Insektenwelt: Nasenschrecken, Schmetterlinge in allen Farben, bizarre Käfer von beängstigender Größe, schockfarbene Libellen. Eine Hummel hat sich mir durch ihre Farbigkeit unvergesslich eingeprägt. Der Vorderteil des Tieres war kräftig braunrot, der Hinterleib war abwechselnd leuchtend türkisfarben und pechschwarz geringelt.
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Xylotrupes gideon-Männchen, Riesenkäfer aus Khao Yai
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Im Dschungel begegnete man Riesenameisen, Riesentausendfüßlern und - was wirklich unangenehm war - Landegeln. Blieb man nur wenige Sekunden an einer Stelle stehen, konnte man beobachten, wie zwischen dem Laub und Gezweig am Boden von allen Seiten her sich spannerartig bewegende, schwarze Würmer auf einen zu bewegten. Der Eifer dieser kleinen Blutsauger war beängstigend, und oft genug mussten wir Blutzoll bezahlen. Endlich kamen meine Frau und ich auf die Idee, uns die langen Hosen unten mit Gummibändern zuzubinden. So konnten die Quälgeister wenigstens nicht an den Beinen hochklettern. Die Thais lächelten über uns und über unsere Maßnahmen. Sie meinten, Blutegel fräßen - Buddha sei Dank - keine Thais. Es gelang mir nicht, ihnen das Gegenteil zu beweisen. Erfreulicherweise waren nicht alle Stellen im Khao Yai so blutegelverseucht.
Am See war ein kleiner Bootssteg ideal zum Fische fangen. Schwärme von 20 bis 300 kleiner und mittelgroßer Fischchen umspielten am Rande der Schilfzone den Steg. Unschwer ließen sich die Tiere mit dem Handkescher oder dem Senknetz fangen.
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Die häufigsten Fische aus dem Urwaldfluss: Puntius stigmatosomus, Rasbora borapetensis, Brachydanio albolineatus
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| Die Mehrzahl bestand aus einer kleinen Rasbora-Art, offenbar Rotflossenrasboras (R. borapetensis). Die schlanken Bärblinge waren durch einen schwarzen Körperlängsstreifen ausgezeichnet, der oben von einem goldglänzenden Band begleitet wurde. Die Rücken- und Schwanzflossen waren teilweise leuchtendrot. Das größte gefangene Tier hatte eine Gesamtlänge von 48 Millimeter.
Kaum weniger häufig und ganz bestimmt nicht weniger attraktiv waren kleine Barben. Es handelt sich um Puntius stigmatosomus, eine der bekannten Zweifleckbarben P. binotatus nahe verwandte Art, die sich vor allem durch eine andere Zeichnung unterscheidet. Die Fische hatten an den Körperseiten in etwa gleichen Abständen je vier deutliche schwarze Flecken, dazu jeweils am Vorderansatz der Rückenflosse und der Afterflosse etwas kleinere schwarze Punkte. Die Rücken- und die Schwanzflosse leuchteten kräftig rot. Das Wasser des Sees war nur ganz leicht milchig getrübt, hatte einen pH-Wert von 7,6 und wies bei 25 bis 26° C einen Wert von nur 10 Mikrosiemens auf.
Das Bergland von Khao Yai wird von einem Flüsschen durchzogen, das die Höhenunterschiede stellenweise durch prächtige Wasserfälle überwindet. Oberhalb wie unterhalb des Haew Suwat-Falles, an dem der Fluß sich 25 Meter in die Tiefe stürzt, fing ich wieder die oben erwähnten Rasbora borapetensis, die Puntius stigmatosomus und einen 40 Millimeter langen Schillerbärbling Brachydanio albolineatus. Auch hier die Wasserwerte: 22 bis 23° C, 14 bis 19 Mikrosiemens, pH 6,4.
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Am Wasserfall konnten wir Schlangenköpfe mit der bloßen Hand fangen
| Wenige Meter vom Lauf des Urwaldflusses entfernt fand ich verschiedene Wasserlöcher von der Größe mittlerer Aquarien. Die Fische, die sich in diesen vom Fluss isolierten Felslöchern aufhielten, waren natürlich bequem zu fangen. Es handelte sich wiederum um die schon erwähnten Barben und Bärblinge und - für mich besonders interessant - um Schlangenkopffische von der Art Channa gachua.
Mit ein bisschen Geschicklichkeit konnten wir die Tiere mit der bloßen Hand greifen. Die Löcher, in denen sie lebten, waren völlig ohne Pflanzenwuchs. Der Boden war allerdings mit abgestorbenem Laub von Landpflanzen bedeckt. Die Wasserwerte unterschieden sich nicht von denen des Flusses. Lediglich in den besonnten Wasserlöchern war die Temperatur bis zu 26° C gestiegen. Schlangenköpfe sind außerordentlich zählebige, darüber hinaus aber auch aquaristisch dankbare Tiere. Ein dort gefangener dreizehn Zentimeter langer Channa gachua hielt einen einwöchigen Transport in einem kleinen Plastikbeutel unbeschadet aus. Der Fisch war von Anfang an handzahm und nahm ohne Schwierigkeiten Regenwürmer, Wasserkäfer, Rückenschwimmer und kleine Lurche. Ich habe ihm ein separates Aquarium (80 x 30 x 30 Zentimeter) eingerichtet, das er einige Jahre bewohnte. Ich habe selten eine so persönliche Beziehung zu einem Fisch aufbauen können wie gerade zu diesem Tier. Wenn ich die Scheiben putze, konnte ich mein Souvenir aus Khao Yai sogar streicheln! Stets war es neugierig, immer aber auch gefräßig. Inzwischen hat es mit etwa 20 Zentimeter Gesamtlänge das Zeitliche gesegnet. Für große Regenwürmer und für Guppyweibchen war das intelligente Tier natürlich bis zum Schluss dankbar; häufiger bekam es allerdings Fleischstückchen und Forellenfutter.
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Mein Freund, der Schlangenkopf (Channa gachua)
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Knurrende Guramis (Trichopsis vittatus)
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| Der Schlangenkopffisch nahm mir das Futter mit lautem Schmatzen aus der Hand. Stets hatte ich dabei etwas Angst, dass er versehends auch meine Finger in seinen Riesenrachen hineinsaugt. Im Behälter erkennt er seine Futtertiere vorwiegend an ihrer Bewegung. Fleischstückchen und Forellenfutter spürt er mit Hilfe seines ausgeprägten Geruchsinns auf. Er schnüffelt dann fast wie ein Hund am Boden entlang, bis er sein Futter gefunden hat. Hierbei unterstützen ihn seine fühlerartig ausgezogenen Nasententakel.
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Frosch-Schlangenkopf Channa gachua |
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Flugbarbe Esomus |
Wer Gelegenheit hat, einen der attraktiven Schlangenköpfe zu erwerben und gerade ein Aquarium frei hat, sollte nicht zögern zuzugreifen. Die Tiere sind wirklich in jeder Hinsicht „pflegeleicht“. Als robuste Labyrinthatmer stellen sie keine Ansprüche an das Wasser, sie fressen fast alles (aber erfreulicherweise keine Wasserpflanzen!) und kommen schon mit verhältnismäßig kleinem Schwimmraum aus. Allerdings, sie sind selbstverständlich nur für das Artbecken geeignet!
Doch wieder zu unserer Tour durch Südostthailand! Am Fuß des Khao Yai stoppten wir an einem mit schönen Lotusblüten bewachsenen See. Zu unserer Überraschung konnten wir keine Fische entdecken. Wir kescherten und fischten vergeblich. Schließlich kam ein einheimischer Fischer herbei, holte sein Wurfnetz und zeigte uns, welche schönen Tiere hier lebten: Mir damals unbekannte, barbenartige Fische mit knallroten Flossen und einem runden, schwarzen Fleck direkt in der Körpermitte. Die spätere Bestimmung der mitgenommenen Spiritusexemplare zeigte, dass es sich um Hampala dispar handelt, eine Art, die sonst nicht sehr häufig ist. Das Wasser war hier am Rande der Kalkberge glasklar durchsichtig und mit 720 Mikrosiemens extrem hart. Die Temperatur lag zwischen 30 und 31° C. Diese wirklich schöne Fischart ist auf Grund der Wasserwerte gewiss als Aquarienfisch gut geeignet. Das gilt allerdings nur für größere Schauaquarien, denn sie wird immerhin stolze 20 Zentimeter groß.
Weiter ging die Fahrt durch die Reisfelder und Trockenebenen des Südostens. An den Gräben und am Rand der unter Wasser gesetzten Reisfelder saßen die Einheimischen. Sie angelten oder versuchten, mit dem Wurfnetz Fische zu erbeuten. Es handelte sich dabei fast immer um Kletterfische (Anabas testudineus) und um Clarias batrachus, den Kiemensackwels, manchmal auch um Schlangenkopffische (vorwiegend Channa striata). In allen Fällen waren es also Fische, die mit Hilfe eines zusätzlichen Labyrinthorgans atmosphärische Luft veratmen können und somit in diesen sehr warmen, oft sauerstoffarmen Gewässern aushalten können.
Im dichten Uferbewuchs am Rande eines Reisfeldes gingen uns dann Esomus metallicus ins Netz. Flugbarben von dieser Art sind für den bereisten Teil Thailands typisch. Sie fallen durch ihre flügelartig ausgezogenen Brustflossen und vor allem durch ihre übermäßig langen Oberkieferbarteln auf, die zurückgelegt bis zum Ansatz der Afterflosse reichen. Die Barteln unserer vier Zentimeter langen Flugbarben waren 2,1 Zentimeter lang! Was mich wirklich überrascht hatte – diese Flugbarben haben nicht nur flügelartige Flossen. Sie können mit ihnen sogar kräftig brummend zu einem aktiven Schwirrflug aufsteigen.
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