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Fischfang mit Pflanzengift bei den Ashaninca                                        © Dr. Jörg Vierke

Die Indianer Südamerikas wissen den Fischen mit den verschiedensten Methoden nachzustel­len: mit Zug- und Wurfnetz, mit Pfeil und Bogen und mit dem Speer.  Hier eine wei­tere, besonders wirkungsvolle Methode!

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Über diesen kleinen Zufluss steht die Lagune mit dem Fluss (rechts) in Verbindung. Wir sperrten ihn mit einem Netz und scheuchten die im Geröll lebenden Grundsalmler dort hinein. Hier lebten sicher drei verschiedene Characidium-Arten.
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Da nähert sich ein Trupp Ashaninca-Indianer der Lagune
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Die Kinder gehen in das warme Wasser der Lagune, tauchen ihre Körbe halb ein und machen darin Rührbewegungen - für uns Gringos zunächst noch völlig unverständlich.
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Mit erhobenem Speer warten die Männer auf die Fische!
Im äußersten Südosten Perus im Bereich des oberen Rio Ucayali, am Rio Eno, Rio Tambo und Rio Perene lebt der Stamm der Ashaninca. Diese Indianer wer­den von den spanisch sprechenden Peruanern als Campa bezeichnet. Sie leben vor allem von Jagd und Fischfang und von selbstangebautem Yucca. Da es hier, wo der Tropenwald des Amazonasbeckens in den Bergurwald der Anden übergeht, gelegentlich et­was kühler als im Tieflanddschungel ist, tragen die Indianer hier sackartig wirkende Baumwoll-Umhän­ge, ihre Cushmas. Sie sind selbstgesponnen und selbstgewebt und mit der Rinde einer Urwaldpflanze braun gefärbt.

Als ich erstmals den Ashaninca begegnete - zwei mit Speeren und Bogen bewaffneten Indianern, die am Steilufer eines Flusses unbewegt auf mich herab­schauten -, klopfte mir doch das Herz. Mit ihren knallrot bemalten Gesichtern und ihrem in den Nac­ken hängenden Federschmuck musste ich unwillkür­lich an Karl May denken. Trotz ihrer zunächst mir et­was unheimlich erscheinenden Aufmachung erwie­sen sich gerade diese Indianer später als sehr freundliche und sanftmütige Menschen. Ihre rote Be­malung dient nicht nur als Zierde, sondern auch als Schutz vor der sengenden Sonne. Doch ich will hier weniger von den Indianern berichten, sondern in er­ster Linie von einer ihrer Jagdmethoden.

Einige Kilometer südlich von Chicosa war ich mit meinem Freund Horst und einem Indianer, der den Einbaum steuerte, auf dem Rio Ucayali unter­wegs. Wir wollten nach verschiedenen Fischen su­chen und steuerten daher eine Sandbank bei der Einmündung eines kleinen Nebenflüsschens an. Hier im Mündungsbereich stießen wir auf eine kleine Lagune, die nur über einen ganz schmalen Zufluss noch mit dem Hauptfluss in Verbindung stand. Mit Ke­schern und Netzen bewaffnet, stürzten wir uns sofort in die Fluten, mussten aber schnell feststellen, dass wir nur mühsam einige Salmler fangen konnten. Die Tie­re sahen mit ihren schwarzen Längsstreifen und den gelbgetönten Flossen recht apart aus. Als Aquarien­fische sind sie aber nicht bekannt. Eine endgültige Bestimmung soll erst erfolgen. Auch eine Bunt­barschfamilie (Aequidens syspilus) entkam uns mü­helos im Astgewirr einer am Rand der Lagune ange­schwemmten „Baumleiche“.

Die Lagune war voll der Sonne ausgesetzt, ihr Was­ser war körperwarm. Ich maß Werte zwischen 34-35 ° C. Im vorbeifließenden Flüßchen waren die Temperaturen mit 30 - 31 ° C auch nicht gerade kühl. Der pH-Wert war neutral, der Leitwert zeigte 250 Mikrosiemens an.Während der Boden des Flüsschens aus tischtennis­balIgroßem Geröll bestand, war der Boden der Lagu­ne zumeist aus Sand, teilweise sogar aus sehr feinem Sand! Beim eiligen Waten durch das seichte Wasser versank ich unerwartet bis zu den Knien in feinem Treibsand. Es ist kein ergötzliches Gefühl, so plötz­lich hilflos dazusitzen. Ich konnte mich nur mühsam befreien und war fortan etwas vorsichtiger.

 

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Bald hängen mehrere Salmler (Curimata sp. cf. lastata) am Tragestock.
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Unser Bootsführer zeigt uns die Giftpflanze: ein Huaca-Zweig mit seinen typischen Früchten.

Im Geröll des nur spärlich fließenden Zuflusses der Lagune hüpften ruckartig kleine Fischchen vor unse­ren Füßen. Es waren Bodensalmler der Characidium­-fasciatus-Gruppe, mindestens drei Arten, wie ich später feststellte.

Nach fast einer Stunde in glühender Sonne hatten wir doch einiges an Kleinfischen gefangen. Zufrieden und von der Hitze etwas erschöpft ruhten wir uns im spärlichen Schatten eines angespülten Baumstammes aus. In der Ferne hörten wir rhythmisches Trom­meln. Erst jetzt sahen wir am gegenüberliegenden Flussufer zwischen den Bäumen die palmblätterbedeckten Dä­cher von zwei Indio-Hütten. Hier lebten also Campas! Dann kamen sie, mehrere Männer mit Speeren und Kinder mit großen geflochtenen Körben, gefolgt von mehreren Hunden. Sogleich stiegen die Kinder mit ihren Körben ins Wasser, die Erwachsenen blieben am Ufer stehen und harrten der Dinge, die da kom­men sollten.

Es dauerte einige Zeit, bis Horst und ich erfasst hatten, was sich hier abspielte. Dass es um Fische ging, war uns klar. Warum die ihre Körbe aber nur etwas ins Wasser steckten, sie dann wieder an­hoben, sie aber nie mit der Öffnung mal schnell durchs Wasser zogen, das blieb uns völlig unver­ständlich.

Unverstand und Arroganz sind eng be­nachbart. Wir begannen schon leise vor uns hinzu­witzeln: Denen sollten wir mal zeigen, wie man richtig Fische fängt! - Schließlich kapierten aber selbst wir Gringos - hier wird die Lagune vergiftet! Wie wir später erfuhren, befanden sich in den Körben zerstoßene Blätter des Huaca-Strauches. Zwischen­durch gingen die Kinder ans Ufer, nahmen etwas Sand und zerrieben die Blätter damit noch weiter. Dann tauchten sie die Körbe wieder ins Wasser.

Bald begann das Wasser zu brodeln. Überall spran­gen silbrig glänzende Fischleiber aus dem Wasser, oft in meterweiten Sprüngen. Einige schwammen taumelig an der Oberfläche, andere jagten mit voller Kraft ans Ufer und blieben dort auf dem Trockenen liegen. Einige der Fische - es waren fast alles Salmler - wurden gespeert, andere konnten am Ufer bequem eingesammelt werden. Sie wurden zu mehreren an Holzhaken aufgezogen, indem ein angespitztes Li­anenstück ihnen durch Maul- und Kiemenöffnung gedrückt wurde. So kamen die Indianer auf leichte Weise zu einer ausgiebigen Fischmahlzeit.

Unser Bootsfahrer versi­cherte, dass Huaca die Fische nur betäubt, aber ich bin sicher, dass es bei längerer Einwirkung oder hö­herer Konzentration die Tiere auch tötet. Offenbar werden nicht alle Fische gleichermaßen davon ange­griffen, denn Welse, die mit Sicherheit dort im Wasser waren, sahen wir nicht unter den Opfern. Gewiss er­übrigt es sich zu sagen, dass derart abgetötete Fische ohne Vergiftungsgefahr von Menschen gegessen werden können.

Natürlich befragten wir die Indianer nun ausführlich nach Fischgiften. Den Huaca-Strauch, der im Wuchs an unseren Flieder erinnert und charakteristische Früchte hat, sahen wir später am Rande einer Asha­ninca-Siedlung angepflanzt. Eine Nutzpflanze beson­derer Art!

Bei späteren Recherchen fand ich heraus, dass es sich beim Huaca-Strauch um Engelstrompeten (Brugmansia sanguinea) handeln soll. - Die Indianer in dieser Gegend benutzen gelegentlich auch „Barbasco“ als Fischgift, das aus der Rinde des Barbasco (Magonia glabrata) oder aus der Liane (Serjania perulacea) gewonnen wird. Dieses Gift ist besonders stark und soll gelegentlich von den Asha­ninca bei Liebeskummer getrunken werden. Nicht nur ein Fischgift also!

 

 

Es gibt in anderen Tropengebieten noch zahlreiche weitere Pflanzen, die Fischgift enthalten und von den Einheimischen benutzt werden, so in Südostasien Tephrosia, Barringtonia asiatica und Croton tiglium. Die Gifte betäuben die Fische zumeist, wirken mögli­cherweise auch recht verschieden.

 

 


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