Fischreisen - Dr. Fisch
 
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»» Fischen auf Ceylon

Ceylon, das ist für uns Aquarianer das Land der Ceylon-Makropoden, der Ceylon-Barben und der Hechtlinge. Buntbarschfreunde denken dann viel­leicht auch noch an die Etroplus-Arten, die als einzige Cichliden Südasiens auf dieser Insel be­heimatet sind. Der mit Abstand häufigste Fisch, den ich dort angetroffen habe, ist jedoch der Mo­cambique-Maulbrüter Oreochromis mossambi­cus.

Die Insel der Mocambique-Maulbrüter

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Mocambique-Maulbrüter, Natalbuntbarsch Oreochromis mossambicus, Männchen
Reiche Beute: Tilapien

© Dr. Jörg Vierke

Die Hauptstadt von Sri Lanka, die einheimische Be­zeichnung für den Inselstaat Ceylon, ist die Hafen­stadt Colombo. Wer durch die Straßen Colombos geht, wird an den zahlreichen Wasserläufen und Ka­nälen überall Anglern begegnen.* Wenn wir uns einen Weg von der Straße durch die tropische Ufervegetation bahnen, belehrt uns ein neugieriger Blick in die Eimer und Kanister der Angler, was hier gefangen wird: Mocambique-Maulbrüter, mittelgroße Tiere zu­meist. Mit Stolz wird uns erzählt, dass man mit einem Regenwurm acht dieser "Tilapien" aus dem ver­schmutzten Wasser herausholen kann. Die Fische schmecken ganz ausgezeichnet, wurde mir versi­chert. Dass diese Art ursprünglich in Afrika beheima­tet ist, war allerdings keinem der Fischfänger bewusst - sicher ist das auch ein bisschen zuviel verlangt. Mocambique-Maulbrütern begegnet man allenthalben auf dieser Insel in den küstennahen Gewäs­sern - in Stauseen und den Gräben neben den Reis­feldern, in größeren Wasserläufen und in Zierteichen. Professionelle Fischer holen sie aus den großen Flachseen und den brackigen Lagunen im Süden des Yala-Nationalparks gleich netzweise aus dem Wasser - für die zahllosen Kormorane, Pelikane, Ibis­se, Löffler und Reiher bleibt immer noch genug.

Schwarzer Spitzschwanzmakropode Pseudosphromenus cupanus

Man sollte glauben, dass sich ein eingebürgertes Tier nur auf Kosten der einheimischen Tierwelt ausbreiten und behaupten kann. Mit den ceylonesischen Ver­hältnissen gut vertraute Ichthyologen bestreiten das für den speziellen Fall. Sie glauben, dass der Mocam­bique-Maulbrüter hier eine bislang unbesetzte ökolo­gische Nische gefunden hat.

Mocambique-Maulbrüter (Oreochromis mossambi­cus), besser bekannt vielleicht als Natal-Buntbarsche, sind für das Großaquarium empfehlenswerte Fische. Sie stellen weder an das Futter noch an die Wasser­qualität gehobene Ansprüche. Da sie aber immerhin bis zu 40 Zentimeter groß werden können, brauchen sie als erwachsene Tiere schon wirklich riesige Becken, in denen sie dann allerdings angemessen proportionierten Mitbewohnern gegenüber recht friedlich sind. Bekanntlich sind Maulbrüter im allgemeinen weniger aggressiv als substratbrütende Fische - schließlich bilden sie im Gegensatz zu den fast stän­dig revierverteidigenden Substratbrütern nur kurzzei­tig Reviere zum Ablaichen. Die riesigen Mocambique ­Maulbrüter-Männchen heben dann Laichgruben von bis zu 30 Zentimeter Durchmesser aus. An Pflan­zenwuchs im Aquarium ist bei derartigen Baggerar­beiten natürlich nicht mehr zu denken. Immerhin werden die Tiere auch schon mit einer Länge von etwa 10 Zentimetern geschlechtsreif. Die Mutter trägt die Eier und die dann schlüpfenden Jungen fast vier Wo­chen ununterbrochen im Maul herum. Bei wirklicher oder vermeintlicher Gefahr gewährt sie ihrer Brut auch danach noch bereitwillig Zuflucht in ihrem Maul.

Wenn man in der Nähe von Dörfern fischen will, ist man bald von einer großen Schar neugieriger kleiner Ceylonesen umgeben.

Jungmaulbrüter kann man auf Ceylon fast überall leicht mit Netzen und Handkeschern fangen. Die ein­heimischen Kinder, die einem Europäer oft wie ein Moskitoschwarm folgen, fangen sie auch mit der blo­ßen Hand. Manchmal ist man ganz froh über diese kleinen Helfer, denn gelegentlich bringen sie etwas an, was einen interessiert.

In einem der Stauseen zwischen Reisfeldern und dem Mahaweli-Fluß bei Kandy fingen sie mir einen damals etwa 3 Zentimeter langen Schlangenkopf­fisch**. Er schwimmt heute als fast ausgewachsener Channa gachua in einem meiner Becken; damals aber erkannte ich seine Artzugehörigkeit noch nicht mit Sicherheit. Er sah ganz anders aus als heute: Der Fisch war ungezeichnet goldgelb glänzend. Im hinteren Teil der Rückenflosse befand sich ein schwarzer, sehr auffallender Fleck. Von dem sehr ähnlichen Channa orientalis, der nur auf Ceylon vorkommt, unterscheidet sich Gachua vor allem durch das Vorhandensein von Bauchflossen.

Channa orientalis
Ein Paar der auf Sri Lanka endemischen Channa orientalis - zu erkennen am Fehlen der Bauchflossen.

Das kleine Tier wurde in einem Schraubglas zusammen mit kleinen Mocambique-Maulbrütern von etwa 6 bis 7 Millimeter Länge und vielen Hüpferlingen untergebracht. Die Hüpferlinge dienten den Maulbrüter-Kindern als Nah­rung, die kleinen Maulbrüter sollten als Futter für den Schlangenkopf dienen. Ihr kleines Verlies hat­te den Fischen den Appetit nicht verdorben.

Ich hatte die Fische im Wasser ihres Fangortes trans­portiert und war nun im Begriff, die Wasserwerte  zu testen. Erst jetzt bemerkte ich, dass ich noch weitere Schlangenkopffische im Glas hatte. Sie wa­ren mit einer Länge von maximal 7 Millimetern etwa ebenso groß wie die kleinen Maulbrüter. Sie waren jedoch so fadendünn, dass ich sie zunächst glatt übersehen hatte. Offenbar waren sie erst wenige Tage alt. Sie hatten ein vergleichsweise riesiges, aber stumpfes Maul. Ihre großen Augen saßen vorn am Kopf und erinnerten in ihrer Anordnung an Auto­scheinwerfer. Diese Kleinen waren unter den gege­benen Verhältnissen allerdings nicht am Leben zu halten.

Einen Tag später fuhr ich mit dem Fischglas im Ge­päck nach Colombo. Als ich das Glas nachmittags aus der dunklen Tasche herausholte, stürzten sich die verbliebenen sieben kleinen Maulbrüter zunächst sofort auf die Cyclops, der Schlangenkopf blieb vor­sichtig verharrend am Boden des Glases. Doch kaum hatte ich das Glas auf den Tisch gestellt, änderte sich das Verhalten der "Jungtilapien". Hatte ich das Glas zu hart auf dem Tisch abgesetzt? Hatten die Kleinen erst jetzt den Schlangenkopffisch bemerkt? Was jetzt folgte, war geradezu rührend. Alle Fischkinder schwammen zielstrebig auf das Maul ihres verdutzten Todfeindes und versuchten, dort einzudringen. Einige bemühten sich sogar, durch die Kiemenöffnungen in das Maulinnere zu gelangen. Die ethologische Er­klärung für diese Fehlleistung ist natürlich klar. Auf die verunsicherten Kleinen wirkte der Räuber wie eine Mutterattrappe - in Freiheit dürfte das sicher kaum vorkommen.

Ich hatte meinen Schlangenkopffisch gewisserma­ßen als lebendes Souvenir aus Sri Lanka noch über zwei Wochen durch Südasien transportiert, bevor ich ihn zu Hause unterbringen konnte. Dabei hatte er sei­ne Härte in manchen Situationen unter Beweis stellen müssen. Ich erinnere mich vor allem an das stun­denlange Warten auf dem Flughafen in Colombo. Bei brütenden 31° C in der Wartehalle sah ich am Rande des Flugfeldes mein Gepäck liegen - oben auf dem Gepäckwagen, in praller Mittagsglut, zwei Stunden lang! Das Leben meines Schlangenkopfes war mir keinen Pfifferling mehr wert - gewiss hat nur sein La­byrinthorgan es ihm ermöglicht, diese Tortur durch­zustehen.

Zum Foto oben: der aus Sri Lanka mitgebrachte Schlangenkopffisch, ein herrlich gefärbter Channa gachua

Schlangenkopffische sind überaus schnellwüchsig. Man glaubt geradezu, sie wachsen zu sehen. Mein Channa gachua aus Ceylon hat sich inzwischen blaugrau gefärbt und seinen Augenfleck in der Rückenflosse verloren. Er ist kaum von seinen Artgenos­sen aus Thailand zu unterscheiden. Wenn ich die Tiere mit größeren oder gleich großen Fischen vergesellschafte, erweisen sie sich als angenehme Aquarienbewohner. Pflanzen lassen sie unbehelligt. Nur mit Artgenossen vertragen sie sich leider nicht. Somit ist zumindest derzeit an Zuchterfolge nicht zu denken. Dagegen bereitet die gemeinsame Unter­bringung mit Buschfischen oder Kletterfischen kein Problem. Auch die Fütterung ist einfach. Natürlich kann ich meinem Channa jetzt keine Maul­brüter mehr bieten - jedenfalls nicht in solchen Men­gen -, aber er ist auch mit Regenwürmern, Pellets (Forellenfutter) und kleinen Fisch- und Fleischstück­chen zufrieden zu stellen.

Frisch gefangen: Kletterfisch Anabas

Frisch gefangener Anabas testudineus, ein Kletterfisch

Das Beispiel Schlangenkopffisch - Mocambique-Maulbrüter zeigt schon, dass man Fische aus gleichen Herkunftsgebieten im Aquarium nicht ohne nachzu­denken vergesellschaften kann. Aus diesem Grund habe ich zu Hause nicht ein Ceylon-Becken, sondern drei: Im ersten lebt der Schlangenkopffisch zusam­men mit Kletterfischen (Anabas testudineus), im zweiten ein Paar Ceylon-Makropoden (Belontia si­gnata) mit seinem Nachwuchs und in einem dritten Becken leben Bärblinge mit verschiedenen kleinen Labyrinthfischen. Über die erstgenannten beiden Becken will ich nicht mehr viele Worte verlieren. Über Haltung, Zucht und Verhalten der Ceylon-Makropo­den habe ich hier an anderer Stelle schon aus­führlich berichtet (interner Link!). Da die Tiere recht groß werden, sind sie für die im Folgenden genannten, zarteren Fische keine gute Gesellschaft.

Barbus_bimaculatus
Mit zarten, orangefarbenen Längsstreifen - Männchen der Zweifleckbarbe Puntius (Barbus) bimaculatus
Bitterlingsbarbe
Auch in Sri Lanka zuhause: die Bitterlingsbarbe Puntius (Barbus) titteya
Der Gefleckte Spitzschwanzgurami (Malpulutta kretseri), endemisch in Sri Lanka

Ausgezeichnet miteinander sind die verschiedenen Barben und Bärblinge dieser Insel zu vergesellschaf­ten. Den meisten Aquarianern bekannt sind sicher die Ceylonbarben (Puntius cumingii bzw. Barbus cumin­gi) und die genügsamen und schönen Bitterlingsbarben (Barbus titteya).[ Beide waren bereits "Fisch des Monats"; die Bitterlingsbarbe im Dezember 2007, die Ceylonbarbe September 2008; weiteres hierzu kann man unter "Ex-Fische" nachlesen!]

Ich möchte hier auf eine in Sri Lanka häufige Art aufmerksam machen, die man in unseren Aqua­rien jedoch nur selten sieht: die Zweifleckbar­be Puntius (Barbus) bimaculatus. Es handelt sich um eine recht ansprechend gefärbte, relativ, langge­streckte, muntere Art. Die Männchen haben einen breiten, orangefarbenen Körperlängsstreifen, der die ganze Körperachse von der Schnauzenspitze bis zur Schwanzflosse durchzieht. Typisches Kennzeichen dieser im Übrigen silbrig glänzenden Fische sind zwei schwarze Flecken - einer am Grund der Rückenflos­se und ein weiterer in der Schwanzflossenbasis. Der orangefarbene Streifen ist bei den etwas fülligeren Weibchen nicht oder nur sehr schwach ausgeprägt. Die schwimmlustigen Schwarmfische werden etwa 7 Zentimeter lang und sind eine Zierde für jedes gut bepflanzte Asienbecken. Allerdings wünschen sie möglichst auch schattige Partien im Aquarium. Sie werden sonst leicht scheu. Ich habe keine Ahnung, weshalb diese friedlichen Fische so selten importiert werden. In der Aquarienliteratur wird wenig über sie berichtet.

Nur auf Ceylon daheim: Rasboroides vaterifloris, der Perlmuttbärbling.
Ceylonmakropode Belontia signata
Der Ceylon-Makropode (Belontia signata)

Magenuntersuchungen an Wildtieren haben erge­ben, dass sie in ihrer Heimat ausgesprochene Pflan­zenfresser sind. Vor allem Blyxa ceylonica wurde bevorzugt gefressen. In meinem Aquarium lebt seit etwa drei Jahren ein achtköpfiger Schwarm der Bar­bus bimaculatus - ich habe in meinem Pflanzen­dschungel noch keine Fraßspuren ausmachen kön­nen. Vielleicht gehen sie an bereits abgestorbene Blätter. Das wäre mir nur recht. Sie stürzen sich wie alle Barben auf Lebend- und Trockenfutter fast jeder Art.

Zusammen mit den Zweifleckbarben lebt bei mir auch ein kleiner Schwarm der reizvollen Rasboroides va­terifloris, die vor einigen Jahren noch zur Gattung Rasbora gestellt wurden. Dieser Perlmutt-Bärbling kommt unter anderem in den Bächen des Regenwaldes im Süden der Insel (Kottawa Forest Reserve) vor. Es sind hochrückig ge­baute, besonders großäugige Schwarmfische, die im ersten Augenblick an Salmler erinnern. Die goldgelb gefärbten Tiere sind recht anspruchslos, wünschen aber nicht zu hartes Wasser. Sie gehören zu den we­nigen Fischen, die auch im Aquarium sehr gern le­bende Ameisen fressen. Geisler beschreibt, dass diese Nahrung auch im Freiwasser bevorzugt wird:

"Die Fische wurden in dem relativ breiten Andonawa­-Fluß nicht über dem ganzen Flußquerschnitt gleich­mäßig gefunden, sondern nur in Ufernähe, soweit Bäume und Sträucher über den Wasserspiegel her­überragten. Sie standen in der schwachen Strömung unter den überhängenden Landpflanzen - gleichgül­tig ob besonnt oder schattig - und erwarteten dort von den Pflanzen herabfallende Insekten. Die Mägen der Fische waren meist prall gefüllt mit Ameisen, de­ren dickharte Kopfschilder die Magenwandung knol­lig ausbogen." - Im Aquarium nehmen auch die Ras­bora vaterifloris anstandslos jedes übliche Lebend­- und Trockenfutter.  Neben den gelben Perlmuttbärblingen gibt es auch noch eine mehr blau schillernde Variante.

Nachdem ich mit der Erwähnung von Kletterfisch (Anabas testudineus) und vom Ceylon-Makropoden (Belontia signata) bereits einige Labyrinthfische ge­nannt habe, kann ich hier noch zwei Arten nicht völ­lig übergehen. Die erste Art ist der Schwarze Spitz­schwanzmakropode (Pseudosphromenus cupanus), der mit den eigentlichen Makropoden oder Paradies­fischen ebenso wenig zu tun hat wie der Ceylon-Ma­kropode - trotz der Namen! Schwarze Spitzschwanz­makropoden sind in den Küstengebieten recht häu­fig. Sie führen aber ein sehr heimliches, verstecktes Leben. Auch im Aquarium sind sie recht zurückhal­tend. Mit den obengenannten Barben und Bärblingen sind sie ohne weiteres zu vergesellschaften. Auch im Gesellschaftsaquarium sieht man den Labyrinther gelegentlich ablaichen. Das Weibchen färbt sich zur Fortpflanzungszeit fast schwarz - daher der Name Schwarzer Spitzschwanzmakropode. Die helleren Männchen haben dann rote Augen und rote Bauch­flossen. Diese friedlichen und genügsamen Fische sind von der Färbung her also nicht gerade aufre­gend. Auch sie findet man daher nur selten in den Becken der Zierfischliebhaber.

Noch seltener sieht man im Aquarium den Gefleckten Spitzschwanzgurami (Malpulutta kretseri), der eben­falls ein recht verstecktes Leben führt. Diese etwas empfindliche Art, von der es eine blaue und eine röt­liche Unterart gibt, ist nur für kleine und mittelgroße Artbecken geeignet. Sie braucht weiches, leicht sau­res Wasser und Lebendfutter. Es ist also wirklich kein Fisch für jedermann! Für eingefleischte "Labyrinthianer" ist diese dekorative Art aber ein begehrens­wertes Kleinod! Zwar ist der schlanke Kleinfisch nicht besonders farbig, aber die lang ausgezogene Rüc­kenflosse und der noch längere Schwanzflossenzip­fel macht die Männchen zu wirklichen Prachtstücken. Auch über diese Art und ihre Zucht habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich berichtet >>>.

Ich bin kein Verfechter von strengen Biotop-­Aquarien. Daher habe ich keine Hemmungen, meine ceylo­nesischen Barbus titteya mit malaiischen Keilfleck­barben oder Knurrenden Guramis aus Thailand zu­sammenzusetzen. Immerhin kann ich die Biotop­-Freunde verstehen, und ich muss gestehen, dass mein großes Asienbecken im Wohnzimmer für Salmler aus Südamerika oder für südamerikanische Zwergcichli­den tabu ist! Aber das ist wirklich reine Geschmacks­sache.

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Die Aquarien im Zoo von Colombo sind einer der Hauptanziehungspunkte für die einheimische Bevölkerung.

Auch als strenger Biotop-Fanatiker hätte ich eine Möglichkeit, die genannten Barben und Bärblinge aus Ceylon mit Fadenfischen aus ihrer Heimat zu ver­gesellschaften. Ich denke dabei an die großen und dekorativen, dennoch aber sehr friedfertigen Schau­felfadenfische (Trichogaster pectoralis), die in Sri Lanka in langsam fließenden und stehenden Gewäs­sern vorkommen. Allerdings sind sie ebenso wie die Mocambique-Maulbrüter keine Alteingesessenen. Sie stammen ursprünglich aus Zentralthailand und Kam­bodscha und wurden in Ceylon wie auch auf der Ma­laiischen Halbinsel und auf Haiti Anfang dieses Jahr­hunderts als Speisefische eingebürgert.

Der Hechtling Aplocheilus dayi
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Oreochromis mossambicus, ein Natal-Buntbarsch Männchen

Über Süßwasserfische aus Ceylon wäre noch vieles zu schreiben. Duncker beschrieb 1912 bereits 76 gültige Arten, von denen 14 ausschließlich dort vor­kommen. In der Zwischenzeit sind etliche weitere Arten beschrieben worden, unter anderem die vorhin angesprochenen Malpulutta kretseri und Rasbora vaterifloris. Ich hätte vielleicht noch auf die Halbhechte Xenentodon cancila hinweisen sollen, von denen ich in den brackigen Lagunen an der südceylonesischen Küste auf größere Schwärme traf, auf Riesenguramis und Glasbarsche, vor allem aber auf die Hechtlinge (Aplocheilus blochii und A. dayi), die auch mit den genannten Barben und Bärblingen zu vergesellschaf­ten sind. Ich will meinen Bericht über Sri Lanka und ceylonesische Fische aber nicht ohne eine paar Be­merkungen zum Zoologischen Garten und dem ihm eingegliederten Aquarium schließen.

Tierfreunde, die einen Nachmittag in Colombo Zeit haben, sollten auf keinen Fall den Besuch des Tier­parks versäumen. Hier hat man Gelegenheit, einen landschaftlich besonders reizvollen Zoo zu sehen. Die Aquarien sind ein be­sonderer Anziehungspunkt für die Ceylonesen. Man kommt zunächst in einen abgedunkelten Raum. Je­weils zwei Großaquarien befinden sich in muschel­artigen Nischen. Sie enthalten verschiedene Groß­fische Südostasiens: verschiedene Welse, über 1 Me­ter lange Schlangenkopffische, Riesenguramis und Barben. In den Seewasserbecken schwimmen Rot­feuerfische, Fledermausfische und vieles andere - alles herrliche, große Prachtexemplare.

Der Gang führt weiter zu einem großen, nur seitlich überdachten Halbrund mit einer Vielzahl von in die Wand eingelassenen Kleinaquarien. Neben vielen Seewassertieren (Langusten, Seesternen, Anemo­nenfischen und vielen anderen) findet man hier Aquarienfische aus aller Welt - vom Keilfleckbarben bis zum Segelflosser. Um diese Tiere zu sehen, brau­chen wir aber nicht nach Ceylon zu reisen.

Treten wir hinaus in den eigentlichen Zoo und genie­ßen das, was diesen Tierpark von unseren heimi­schen unterscheidet: Das tropische Klima und die üppige tropische Vegetation! Auf die mit Klimaanla­gen versehenen Glaskästen mit den Pinguinen und den trotz allem schwitzenden Eisbären werden wir nur einen mitleidigen Blick werfen - dafür kommen aber die anderen Tiere um so besser zur Geltung. Besonders die Reptilien danken dieses Klima durch sonst ungewohnte Lebhaftigkeit: gewaltige Ganges-Gaviale, Riesenschildkröten im Badeteich, Warane, Leguane, Schlangen ... riesige Gorillas und Orang ­Utans, die sich in großen Freianlagen richtig austo­ben können ... in den Gipfeln der mit Lianen und Epiphyten behangenen Urwaldriesen frei fliegende, laut kreischende Papageien, dort brütende Seiden­reiher und Kormorane, herumturnende Streifenhörn­chen ... wirklich ein Tropenparadies am Rande einer Großstadt, die ansonsten keineswegs in jeder Bezie­hung paradiesisch ist.

* Die Aussage kann ich nicht unkommentiert stehen lassen! Dieser Bericht ist ein Oldie. Ich habe ihn bewusst unverändert übernommen, aber er bezieht sich auf eine Bereisung von 1987. - Auch in Sri Lanka ist die Zeit nicht stehen geblieben. Das Land ist inzwischen weit besser touristisch erschlossen und der Lebensstandard hat deutlich zugelegt. Anglern bin ich 2012 in Colombo nur sehr sporadisch begegnet.

** Leitwert 85 Mikrosiemens bei 30° C, pH 6,8. Die Bäche im Süden der Insel sind zumeist noch weicher und sauerer (10 bis 30 Mikrosiemens, pH 6,2 bis 6,7).

Literaturhinweise:

Duncker, G. (1912): Die Süßwasserfische Ceylons. Mitt. Natur­hisl. Mus. Hamburg 29, 241 - 272.

Geisler, R. (1967): Limnologisch-ichthyologische Beobach­tungen in Südwest-Ceylon. Inl. Revue Ges. Hydrobiol. 52, 559-572.

Vierke, J. (1977): Das Ablaichverhalten von Malpulutta kretseri. Aquarien-Magazin 504- 508.

 

© Dr. Jörg Vierke

letzte Bearbeitung: 4. 9. 2012


 

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