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Fischverhalten

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Der Wangenfleck-Zwergbuntbarsch

Apistogramma spec. affin. resticulosa

©  Dr. Jörg Vierke

Wangenflecken-Zwergbuntbarsch Apistogramma resticulosa, Männchen1980 beschrieb KULLANDER einen brasilianischen Zwergbuntbarsch aus der Umgebung von Hu­maita im Rio Madeira System. Er nannte ihn Apistogramma resticulosa. Sehr ähnliche Fischchen waren schon seit Mitte der siebziger Jahre unter Aquarianern in Deutschland bekannt. Sie wurden treffend als Wangenflecken-Zwergbuntbarsche bezeichnet. Die Männchen haben einen blauglän­zenden Unterkopf und entspre­chend gefärbte Kiemendeckel, die mit einer Vielzahl sehr kräftiger dunkelbrauner Flecken und Schnörkel ver­sehen sind. *

Ich erhielt ein sehr schönes Paar. Herrn Hüser sei Dank! Die Fische wurden in einem mit Steinhöhlen und vielen Pflanzen ausgestatteten 80-Liter-Aquarium untergebracht. In einer der hinteren Ecken hatte sich bald Javamoos so stark ausgebreitet, dass ein "ordentli­cher" Pfleger sicher schon bald hätte jäten müssen. Ich tat das nicht! Viele Jung-Apistogramma danken das mir, denn ohne ein solches Dickicht hätten sie sicher nicht über­lebt. Apistogramma resticulosa - Männchen

Auch wenn diese Apistogrammas in Sachen Farbigkeit nicht mit einigen ihrer besonders attraktiven Gattungsgenossen mithalten können, sind sie doch ansprechende Fischchen! Die Männchen können bei der richtigen Beleuch­tung am ganzen Körper herrlich blau schillern. Dabei ist jede Schup­pe dunkel gerandet, so dass es aus­sieht, als ob der Körper von einem groben Netz eingehüllt wäre. Schön­ster Schmuck der Männchen ist aber zweifellos die bläulich glänzen­de Kopfpartie mit ihren braunroten Schnörkeln und Mustern. Die groß­flächigen Flossen erscheinen nor­malerweise weitgehend farblos, aber bei der richtigen Beleuchtung können auch sie bläulich schim­mern. Die Schwanzflosse bleibt auch bei ausgewachsenen Männ­chen abgerundet. Nur wer ganz ge­nau hinschaut, entdeckt in ihr gele­gentlich schwache Querbänder. Häufiger sieht man in der Schwanz­wurzelzone einen dunklen Fleck, der oft durch einen dünnen dunklen Längsstreifen mit dem Auge verbun­den ist.

Apistogramma resticulosa

resticulosa-Weibchen am Laich
resticulosa-Mutter mit Brut

Die Weibchen sind weit schlich­ter: ihre Flossen sind kleiner, der Blauglanz ist oft kaum auszuma­chen und Kiemendeckel- und Unter­kopfflecken sind auch nur zu entdecken, wenn man nach ihnen sucht. Zudem sind sie deutlich kleiner als die Männchen, die immerhin bis zu 60 mm lang werden können. Bei der Brutpflege zeigen allerdings auch die Weibchen, dass sie keineswegs "graue Mäuse" sind. Dann sind sie am ganzen Körper leuchtend gelb gezeichnet. Selbst die Flossen neh­men bei brutpflegegestimmten Weibchen eine Gelbtönung an. In der Rückengegend schillern die Schuppen jetzt auch weiterhin bläu­lich, so dass die Färbung - von gelb unterlagert - dann hier auch ins Grünliche umschlagen kann. Doch was beschreibe ich - die Bilder zei­gen alles viel schöner, auch die typi­sche Schwarzzeichnung brutpfle­gender Weibchen.

Apistogramma resticulata: Balz, Ablaichpause, Weibchen am Laich

Nun zur Zucht! Es hat keinesfalls etwas mit Roßmäßler-Mentalität zu tun, wenn ich hier empfehle, die Tie­re ausreichend mit abwechslungs­reichem Tümpelfutter und mit En­chyträen anzufüttern. Ja, sie fres­sen auch anstandslos Trockenfutter und ich weiß, welche große Bedeu­tung das Kunstfutter für die Aquari­stik hat! Aber zur Zucht, und erst recht zur Aufzucht, der meisten Zwergbuntbarsche und von vielen anderen Fischen komme ich ohne Lebendfutter einfach nicht aus, das gestehe ich offen ein! Bei Wasser­werten um 10° GH und 25° C sind gut gehaltene Wangenflecken­-Zwergbuntbarsche schnell in Brut­stimmung.

Große Ablaichvorbereitungen ha­be ich nie gesehen. Meistens laich­ten die Fische an so gut versteckten Orten ab, dass ich das Ablaichen erst bemerkte, wenn schon alles geschehen war. Dann stand das Männchen in einer der hinteren Ecken des Aquariums, ohne sich von dort fortzubewegen. Immerhin hatte der Vater es damit eigentlich noch gar nicht so schlecht getroffen. Bei anderen Apistogram­ma kann man beobachten, dass der Vater, wenn er denn seine Aufgabe erfüllt hat, so lange von der brutwüti­gen Mutter gejagt wird, bis er in die ewigen Fischgründe eingeht. Das passiert natürlich nur in der räumlichen Enge eines Aquariums, im Freiwasser kann das Männchen ausreichend Abstand halten oder sich notfalls auch verziehen. - Es hat den Anschein, dass es sich in diesem Fall nicht nur um ein friedliches Paar handelte, dass nicht nur die Versteck­möglichkeiten (viel Javamoos!) ide­al waren, sondern dass es sich wirk­lich um eine allgemein friedfertige Art mit vergleichsweise geringen Revieransprüchen handelt.

Nach etwa 48 Stunden schlüpfen die zunächst noch völlig hilflosen Larven. Sie werden jetzt von der Mutter in einer ebenfalls versteckt gelegenen Bodengrube zusammen­getragen und dort versorgt. Etwa ei­ne Woche muss man warten, bis sich der kleine Schwarm zum erstenmal aus der Grube erhebt. Jetzt ist es Zeit, die Brut mit kleinsten Artemia-­Nauplien zu versorgen.

Unter den Nachkommen meiner Tiere beobachtete ich regelmäßig 10 bis 20 % Albinos. Der ausgespro­chen hohe Prozentsatz erklärt sich offenbar durch lange erfolgte In­zucht. Diese Fischchen waren an­fangs völlig gesund, wenn man davon absieht, dass sie keine dunklen Pigmente bilden konnten. Allerdings bedingte das Fehlen der Melanine gleichzeitig auch Blindheit. Die klei­nen Weißlinge verstreuten sich wahllos im Aquarium, während die anderen Jungtiere sich an ihren Ge­schwistern orientierten und zusam­menblieben. Die Reaktionen der Mutter waren den Jung-Apistogram­ma weitgehend gleichgültig. So folg­ten die Zöglinge nicht der Mutter, vielmehr schwamm die Mutter dem Schwarm ihrer Kleinen hinterher. Zusätzlich hatte sie sehr viel zu tun, ständig die blind im Aquarium um­herirrenden Weißlinge einzusam­meln. Nach zwei Tagen durfte auch der Vater sich an dieser mühevollen Aufgabe beteiligen. Jetzt begann aber die Zahl der Albinos schon zu schrumpfen und nach weiteren zwei Tagen waren auch die letzten Weiß­linge verhungert. Sie blieben bis zum Schluss blind und erhielten nur durch Zufall mal den einen oder an­deren Bissen.

Schon nach gut einer Woche fres­sen die kleinen Apistogrammas fein­zerschnittene Enchyträen. Dann ist die weitere Aufzucht einfach. Nach etwa einer weiteren Woche halten die Eltern nicht mehr viel vom Nach­wuchs und er ist gut beraten, wenn er sich in die Dickichtzone zurück­zieht. Tatsächlich reduzierte sich die Zahl der Kleinen. Ich habe die Eltern in Verdacht - doch habe ich sie nie beim Kindermord erwischen kön­nen.

Die Apistogramma resticulosa - Mutter mit ihrer Brut

Es handelte sich aber mit Sicher­heit nie um gezielte Nachstellun­gen, denn es konnten sich Jungfi­sche bei der ein neues Gelege pfle­genden Mutter unbehelligt aufhal­ten. Zeitweilig hielt ich nebeneinan­der die Nachkommen von vier ver­schiedenen Bruten im Zuchtaqua­rium. Zur rationellen Zucht wird man aber selbstverständlich die Kleinen rechtzeitig entfernen und in einem gesonderten Behälter großziehen. In den Wangenflecken-Zwergbunt­barschen haben wir auf jeden Fall einen ohne großen Aufwand zu hal­tenden und zu züchtenden Cichli­den, der wärmstens empfohlen wer­den kann. Auch im Gesellschafts­aquarium mit Salmlern ist er be­stens aufgehoben.

 

* Als Nachtrag eine notwendige Anmerkung zum Artnamen: Offenbar hat sich zwischenzeitlich die Meinung durchgesetzt, dass die Wangenfleck-Apistogrammas doch nicht artidentisch mit resticulosa sind, sie sind wissenschaftlich noch nicht beschrieben. Die Fische sind jedoch resticulosa sehr ähnlich, daher die Bezeichnung "spec. affin. resticulosa".

 

©  Dr. Jörg Vierke

 


 

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Apistogramma regani (in Fischverhalten.de) >>>

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