Fischreisen - Dr. Fisch
 
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»» Findet den Seedrachen!


Finding the Seadragon!

© Dr. Jörg Vierke

Sie sehen aus wie die Drachen, die bei großen chinesischen Volksfesten gezeigt werden! Aber sie leben im Wasser und können daher nicht Feuer spucken!

Normaler Seedrachen Phyllopteryx taeniolatus(AQWA)
Ein Nudibranch der Art Ceratosoma brevicaudatum
Gelbkopf-Mirakelbarsche, Yellowhead Hulafish (Trachinops noarlungae)
 Südaustralischer Pinzettfisch, Western Talma Chelmonops curiosus
Rote Einsiedlerkrebse, vermutlich Paguristis frontalis.

Die blattartigen Körperanhänge der Leafy Seadragons sind Tangbüscheln nachempfunden!
Steckmuschel Pinna bicolor vor American River
Seestern (Asterias amurensis) unter dem Kingscote Jetty
Cheilodactylus nigripes, Magpie perch und Seewalze, Kingscote

Im Aquarium begegnet man Seedrachen nur selten. Es sind ausgesprochen empfindliche Tiere. Im Film sieht man sie neben den Originalschauplätzen im Freiwasser im besuchenswerten "Aquarium of Western Australia" (AQWA) in Perth. Der Pflege der schwierig zu haltenden Seedrachen wird hier besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Neben dem normalen Seedrachen Phyllopteryx taeniolatus hält man hier auch den Leafy Seadragon Phycodurus eques. Im Deutschen nennt man sie Fetzenfische; die Bezeichnung "Seedrachen" bzw. Seadragon, gefällt mir weit besser!

Die nahezu perfekte Tarnung der Seedrachen hat eine Schutzfunktion vor Fressfeinden. Gleichzeitig bleiben die Fetzenfische beim Auflauern ihrer Beute (kleinen Fischchen und Krebstieren) unentdeckt. Es ist logischerweise nicht leicht, derart perfekt getarnte Tiere im Freiwasser zu finden. Ich hatte mich an verschiedenen Stellen auf die Suche gemacht - zunächst vergeblich!

Die bis zu 46 cm lang werdenden Fische führen in den Küstengewässern Süd- und Südwest-Australiens ein heimliches Leben zwischen Tangbüscheln. Gern halten sie sich in etwa 5 m Tiefe unter den hier häufigen alten Anlegestegen, den Jetties, auf. - Ihre Kopfregion macht deutlich, dass sie in die nahe Verwandtschaft der Seepferdchen gehören. Ihnen fehlt elerdings der für Seepferdchen typische Klammerschwanz. Ebenso haben sie nicht wie Seepferdchen Brutbeutel für ihre Nachkommenschaft. Seedrachenweibchen kleben den befruchteten Laich einfach an den Schwanzstiel der zukünftigen Väter! Die Brut entwickelt sich dort ovovivipar (vgl. Stichwort im Biokurs "Fortpflanzung" >>>)

Speziell die Leafy Seadragons, die "Beblätterten" also, leben nur in den kühlen Gewässern vor der südaustralischen Küste. So sollen bis zu 35 cm lang werden. Diese Aushängeschilde der Marine Südaustraliens sind in ihrem Bestand gefährdet. Auf der IUCN Red List werden sie unter NT (Near Threatened) geführt.

Unsere Suche beginnt hier im Norden von Känguru-Island in der vor American River gelegenen Bucht. Obwohl hier auf der Südhalbkugel jetzt Sommer ist (während meines Aufenthalts war Februar!), ist das Wasser kühl. Man sollte sich ruhig daran erinnern, dass das südliche Gegenufer dieses Teiles des Indopazifiks aus den Eisbergen der Antarktis besteht! Das Wasser ist in dieser Bucht nur sehr flach, zu flach für Seedrachen, wie ich mittlerweile weiß! Auch die Pflanzen, Tasmans Aal Gras Heterozosta tasmanica und Caulerpa, haben keine Ähnlichkeiten mit dem Seedrachen - zwischen ihnen dürfte man die perfekt angepassten Fische nicht finden!

Um es kurz zu machen: Meine Suche hier blieb erfolglos. Ich versicherte mich nun professioneller Hilfe. In Kingscote direkt am Jetty gibt es eine Tauchbasis. Hier erkundigte ich mich und buchte einen Tauchgang! Am 24. 2. gegen Mittag ging es los! - Es war zwar einer meiner teuersten Tauchgänge und er ging nur auf gut 5 m Tiefe.

Zusammen mit einem weiteren Mittaucher blieben unser Guide und ich - etwa 70 Minuten - direkt im Bereich des Kingscote-Jetty. Einige Seedrachen kamen uns vor die Linse und manches andere Schöne. Der Tauchgang hatte sich gelohnt! Der Bewuchs der hölzernen Pfosten des alten Jetty war sehenswert. Auch zahllose Fische begrüßten uns: Zunächst ein etws größerer Trupp Gelbkopf-Hulafische bzw. Noarlunga Hulafish (Trachinops noarlungae). Diese für Südaustralien endemischen Fische erreichen gerade mal eine Länge von 15 cm. Die schlanken, silbrigen Fische mit dem gelben Kopf und der gelben Schwanzflosse stehen gern im schwarmartigen Verband in der Sonne vor einem dunklen Höhleneingang und versuchen hier Planktonorganismen zu schnappen(Abb. links!). Sie sollen zu den Mirakelbarschen gehören. Das allerdings sieht man den Fischchen nicht an! Über aquaristische Erfahrungen mit dieser Art ist derzeit nur wenig bekannt. Die Männchen sollen Brutpflege betreiben.

Immer wieder kommen hier Sechsband-Streifenfalterfische (Moonlightener) Tilodon sexfasciatus vorbei. Sie sind im Gegensatz zu den meisten anderen Falterfischen keine schwierigen Pfleglinge im Aquarium. Ihr Wasser dürfte allerdings nur kühl sein! Kein Wunder bei der Herkunft. Gern fressen sie Salzwasserkrebschen (Artemia), Krill (Euphausiidae) und Mysis (Schwebegarnelen). - Nur auf dem ersten Blick ähneln ihnen die anderen hier lebenden Falterfische: Südaustralische Pinzettfische, die Westlichen Talma Chelmonops curiosus, die im Jugendstadium einen auffallenden Augenfleck oben am hinteren Ende der Rückenflosse tragen (Bild links!). - In kleinen Schwärmen sieht man die dort als Zebrafische bezeichneten Girella zebra.

An vielen Orten fielen uns zahlreiche rote Seesterne auf. Im Bewuchs der Holzpfosten leben Nacktkiemenschnecken, Nudibranchien der Art Ceratosoma brevicaudatum. Als hochspezialisierte Nahrungsspezialisten sind diese Schnecken wie auch ihre zahlreiche farbenprächtige Verwandtschaft nicht für die Aquarienhaltung geeignet. Individuen dieser Art sind oft sehr variabel gefärbt. Die großen Schnecken können eine Länge von 15 cm erreichen.

Orangener Kugelschwamm Tethia spec.

Am Boden halten sich diverse Holothurien (Seewalzen) auf. Ich hielt die oft orangeroten etwa faustgroßen bunten Kugeln, zunächst für einen Ascidien (Botrilloides spec.). Tatsächlich handelt es sich bei den ins Auge fallenden Tieren um Schwämme der Gattung Tethya.

Hier treffen wir auch auf attraktive große, rote Einsiedlerkrebse. Dabei handelt es sich vermutlich um Paguristis frontalis. Zwei dieser eindrucksvollen Tiere hatten offenbar miteinender ein Problem. Senkrecht im sandigen Bodengrund sieht man überall halbeingegrabene, große Steckmuscheln Pinna bicolor. Sie erreichen eine  Länge von einem halben Meter und können bis zu 10 Jahre alt werden!

Hier kommen uns die ersten Phycodurus eques, Leafy-Seadragons zu Gesicht. Man sollte diese langsamen Fische nicht anrühren und auf keinen Fall versuchen, sie mitzunehmen. Sobald man sie zur Wasseroberfläche nimmt, bekommen diese Fische dramatische Schwimmblasenprobleme. Erfreuen wir uns am Anblick der Seedrachen dort wo sie zu Hause sind!

© Dr. Jörg Vierke 5.2013

Literatur

Kuiter, R.H. (1993): Coastal fishes of south-eastern Australia. University of Hawaii Press. Honolulu, Hawaii. 437 p. - in FishBase 2013: >>>

Morrison, Sue and Ann Storrie (2010): Wonders of Western Waters. Dept. Enviroment and Conservation. Kensington.

Paxton, J.R., D.F. Hoese, G.R. Allen and J.E. Hanley, (1989): Pisces. Petromyzontidae to Carangidae. Zoological Catalogue of Australia, Vol. 7. Australian Government Publishing Service, Canberra, 665 p.


Hier der Film:

Im folgenden Film werden 9 vorwiegend hier endemische Fisch-Species gezeigt, die  ich unter dem Kingscote Jetty antraf. Hier eine Artenliste:

Pentaceropsis recurvirostris, Girella zebra, Enoplosus armatus, Tilodon sexfasciatus, Trachinops noarlungae, Scorpis lineolata, Cheilodactylus nigripes, Chelmonops curiosus, Phycodurus eques: