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Unterwegs in den Stromschnellen des Crique Armontabo

© Dr. Jörg Vierke

Hypostomus-gif.gifEin paar Worte voraus! Am Ende des Berichts sind zwei Filme eingebettet, die das Geschriebene illustrieren. Sehr zu empfehlen! - Hinter einigen Fischnamen im Text steht: (Film >>>). Beim Klicken auf die Pfeile werden Sie direkt zu meiner Seite "Fressverhalten" bei www.fischverhalten.de geleitet. Dort findet man einen kurzen Film (etwa 0:30 bis 3:27 min), der die beschriebene Art beim Fressen wiedergibt. Die Filmchen sind teilweise Auszüge aus den beiden größeren Filmen unten, es gibt aber auch völlig Neues!

In den Stromschnellengebieten Südamerikas trifft man neben alten Bekannten auch Fische, die man andernorts vergeblich suchen würde. Tatsache ist, dass alle Bewohner dieser Gebiete mit den dortigen extremen Bedingungen zurechtkommen müssen.

Der entscheidende Faktor im Bereich der Wildwasser ist natürlich schnell fließendes, teilweise auch reißendes Wasser. Es gibt hier auch Turbulenzen, Gegenströmungen und stellenweise sogar recht ruhige Zonen. Natürlich ist der Sauerstoffgehalt in diesen Wasserzonen hoch. Die Temperaturen und die anderen Wasserfaktoren wie Klarheit und die chemischen  Werte unterscheiden sich nicht wesentlich von den langsamer strömenden Bereichen des Flusses, kein Wunder, da die Stromschnellen plötzlich und unverhofft zwischengeschaltet sind.

 

Zur Lage der Stromschnellen

Montabo1_Oyapock.jpgDirekt nördlich des Amazonas und des Rio Negro liegt ein uraltes Gebirge, das Guayana-Schild, ein Teil des südamerikanischen Urkontinents. In diesem Bereich gibt es keine tiefgründigen Sedimente, sondern durch die Verwitterung rundlich geformte Gesteine, die vor mehr als 2,5 Mrd. Jahren entstanden sind. Von einigen Inselbergen abgesehen ist das ganze Gebiet mit tropischem Regenwald überzogen, übrigens dem größten zusammenhängenden Waldgebiet der Europäischen Union in Französisch Guayana!

Diese Verhältnisse machen deutlich, dass die im Inneren des Berglandes entspringenden Bäche und Flüsse nur über steinige Abfälle, über Wasserfälle und Stromschnellen zum Meer finden. Das gilt auch für den Oyapock, dem Grenzfluss zwischen Französisch Guayana und Brasilien. Wer den Oyapock von Saint Georges stromaufwärts in Richtung Südwesten befährt, muss schon nach einer kurzen Fahrt von etwa einer Stunde das Boot wechseln – eine riesige Stromschnelle, eigentlich schon ein Wasserfall, versperrt den Weg und die Reisenden müssen die Ausrüstung auf dem Landweg bis zur nächsten Anlegemöglichkeit oberhalb der Stromschnelle tragen. In dieser Stromschnelle bin ich natürlich nicht geschwommen. Das wäre nur etwas für Lebensmüde! Abbildung rechts!

Spätestens jetzt braucht man einen kundigen Bootsführer, der einen sicher durch die zahlreichen Stromschnellen bringt, die sich jetzt stromaufwärts anschließen. Nach stundenlanger Fahrt durch den dichten Regenwald bog unser brasilianischer Steuermann in einen kleineren Zufluss des Oyapock ein, der nordwestlich aus dem Guayana-Schild kam. Im Gegensatz zum Oyapock, der regelmäßig von kleinen, stromschnellentauglichen Booten befahren wird, hat dieser Fluss keinen Bootsverkehr mehr. Hier folgt in recht schneller Abfolge eine unbefahrbare Stromschnelle auf die nächste. Der Name dieses Flusses: Crique Armontabo oder kurz Montabo.

Montabo11_Hypostomus_nema...Direkt vor der ersten Stromschnelle legten wir für einige Tage unser Lager an. Um die zweite Stromschnelle flussaufwärts zu erreichen, musste man eine knappe halbe Stunde durch den Urwald laufen. Aber gerade diese Stromschnelle lohnte den Einsatz! – In diesen beiden Stromschnellen war ich schnorchelnd und beobachtend mit der Unterwasserkamera unterwegs – stundenlang. Das Wasser war warm und klar, somit waren die Bedingungen für das Unterwasserfilmen eigentlich ideal.

Abb. links: Der Saugwels Hypostomus nematopterus im Wildwasser der Stromschnellen.

Andererseits ist die Strömung im Bereich der Wildwasser derart stark, dass ihr auch ein geübter Schwimmer mit Maske und Schnorchel nicht viel entgegen zu setzen hat. Das gilt besonders für den oberen Bereich der Schnellen, in dem ich vorzugsweise unterwegs war. Ich musste mich mit Beinen und Armen an den Felsen festklemmen und abstützen und hatte oft kaum eine Hand für das Filmen frei! Insofern war der Einsatz nicht ganz ohne Risiko.

 

Pflanzen in den Stromschnellen

Montabo3_Podosternaceen.j...Das Wasser strömt hier über glatt geschliffene Granit-Felsen, die vielfach zerklüftet sind. Am Grund zwischen den Felsen ist der Boden sandig. Immer wieder wird er durch die Turbulenzen des strömenden Wassers aufgewirbelt.

An den meisten Stellen sind die Felsen nackt und unbewachsen. Der Urwald drängt sich dicht an den Fluss und oft hängen von den Urwaldriesen blühende Lianen herab, die fast das Wasser erreichen.

Zu den Abb. links und rechts: Verschiedene Podosternaceen

Montabo4_Podosternaceen.j...Dort, wo die Felsen den größten Teil des Tages Sonne bekommen, wachsen Krusten von lebermoosartigen Pflanzen, andere sahen aus wie Unterwasserfarne. Es handelt  sich hierbei um verschiedene Podosternaceen. Auch wenn sie wie Flechten, Moose oder Farne aussehen, sind es echte Blütenpflanzen, die ihren ausgefallenen Wuchs dem Anpassen an die reißende Strömung verdanken. Wenn sie bei Niedrigwasser trocken fallen, schieben sie ihre Blütenstände und sterben nach der Samenreife oft ab. Die exakte Bestimmung dieser Pflanzen ist allerdings nur etwas für Spezialisten.

Montabo5_Mayaca_fluviatil...An einigen Stellen, speziell im besser besonnten Teil der oberen Stromschnelle, gibt es unglaublich dichte Wälder von Unterwasserpflanzen: Mayaca fluviatilis. Das Fluss-Mooskraut wächst hier in einer Pracht, in einer Vitalität, die man sich als Aquarienfreund auch im Traum nicht vorstellen kann. Ich wurde stellenweise an ein überaus reich bepflanztes Aquarium erinnert – zugegeben allerdings mit recht einseitiger Bepflanzung. Im Aquarium erweist sich Mayaca als ausgesprochen problematische Pflanze, sie braucht viel Licht und weiches Wasser.

Links das Fluss-Mooskraut Mayaca fluviatilis, rechts unten die Amazonas-Schwertpflanze Echinodorus grisebachii.

In der Uferzone konnte man Eichhornia Montabo6_Echinodorus.jpgdiversifolia sehen, eine Pflanze, die sich durch herzförmige Blätter und sehr schöne, hellblaue Blüten auszeichnet. Dort trifft man auch kleine Amazonas-Schwertpflanzen (Echinodorus) an, aber die waren zumindest beim damals aktuellen Wasserstand ohne Bedeutung für die Unterwasserwelt, denn der größere Teil von ihnen wuchs emers. Mit Hilfe von Jessica und Heiko (herzlichen Dank den beiden!) konnte sie als E. grisebachii identifiziert werden. Die korrekte Artbestimmung ist bei den Echinodorus-Arten eine Angelegenheit für Spezialisten, die Pflege dieser Art allerdings ist einfach. Kaum im heimischen Aquarium, bildeten die beim Einsammeln noch emers wachsenden Pflanzen eine Vielzahl vitaler Ausläufer.

Im Rio Armontabo findet man eine ganze Reihe interessanter Fische: Corydoras-Arten, Apistogramma-Zwergbuntbarsche (Film >>>) und manches mehr. Diese Arten, die sich von den Stromschnellen fern hielten, sollen hier unbeachtet bleiben. Ich werde berichten, was ich direkt im Stromschnellenbereich angetroffen habe. Es handelt sich hier um Buntbarsche, Saugwelse und um verschiedene Salmler.

 

Cichliden

  Crenicichla_ternetzi.jpg
  Crenichichla ternetzi
Montabo7_Guianacara_geayi...  
 Ein Sattelfleckbuntbarsch Guianacara geayi  
Einige Buntbarsche fühlten sich im Bereich des stark strömenden Wassers ganz offensichtlich wohl. In erster Linie sollte man hier wohl Sattelfleckbuntbarsche Guianacara geayi (Film >>>) nennen, die in Eintracht mit Salmlern und Welsen in den Randbereichen der Stromschnellen den Bodengrund und die Steine nach Nahrung absuchten. Die Fische sind absolut friedlich und man könnte sie wegen ihrer geringen Größe eigentlich noch zu den Zwergcichliden zählen.

Zweifellos räuberischer sind die Hechtcichliden. Sie treiben sich wie auch die anderen hier lebenden Cichliden fast nur in Bodennähe herum und sind bei der kleinsten Gefahr bereit, sich in die zahlreichen Spalten im Fels zurückzuziehen. Notfalls genügt ihnen sogar ein ins Wasser geschwemmtes Blatt um sich Deckung zu suchen. Die Art, der man hier im Stromschnellenbereich begegnet, ist Crenicichla ternetzi. Die stromliniengeformten Buntbarsche mit den aufmerksamen Augen sind durch einen dunklen Längsstreifen gekennzeichnet.

 

Montabo8_Geophagus_camopi...

  Oyapock Erdfresser im Bereich der Stromschnellen
   
Gelegentlich sah ich hier auch den Oyapock Erdfresser Geophagus camopiensis (Film >>>) über dem sandigen Bodengrund mit dem auffallenden, großen schwarzen Fleck auf der Seite. Er kaut auf die typische Weise der Erdfresser den Sandboden durch, um hier Verwertbares aufzuspüren. Das kann man aber auch bei den Guianacara beobachten und ebenfalls bei den hier jenseits der Stromschnellen lebenden Apistogramma. Zurück zum Oyapock-Erdfresser: Natürlich sucht er auch nach Art der anderen Cichliden ganz gezielt seine Nahrung. Dieser Erdfresser ist zweifellos ein typischer Bewohner der Wildwasser, aber die extrem stark strömenden Bereiche scheint er wohl zu meiden.

Welse

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 Ancistrus affin. temminkii  Pseudancistrus (Lasiancistrus) niger  
Panzerwelse fanden wir nur in den Flussbereichen abseits der Stromschnellen. Im Stromschnellenbereich gehörten alle angetroffenen Welse zur Gruppe der Loricariidae. Es ist eine Sisyphus-Arbeit, die Welse aus diesem Formenkreis zu identifizieren, vor allem dann, wenn man sie nur kurzzeitig unter Wasser zu Gesicht bekommt. Selbst wenn man sie fängt, abtötet und dann genau untersucht, ist das nur eine Sache für Spezialisten, die schon viele Jahre in dieser Materie zu Hause sind. Für die Richtigkeit der Namen gibt es also keine Garantie! Unser Ziel war es ja auch, zu sehen und zu dokumentieren, wie diese Tiere im Bereich der Stromschnellen leben.

  Montabo13_Cteniloricaria_...
   Metaloricaria_paucidens_....
  Who is who? Mit großer Wahrscheinlichkeit ist der obere Fisch  Cteniloricaria fowleri, der untere Cteniloricaria sp.
Im „Atlas des Poissons déau douce de Guayane“ von P. Keith, P.-Y. Le Bail und P. Planquette werden die Fische von Französisch Guayana akribisch vorgestellt. Für den hier besuchten Bereich haben die Autoren u. a. die folgenden Arten aufgelistet: Ancistrus aff. temminckii,  Lasiancistrus brevispinis, Lasiancistrus longispinis, Lasiancistrus niger, Pseudancistrus barbatus, Hypostomus gymnorhynchus, Lorycaria parnahybae, Cteniloricaria fowleri und Rineloricaria stewarti. Einige dieser Arten werden im Film genauer vorgestellt.

Montabo12_Hypostomus_nema...

 
Der Saugwels Hypostomus nematopterus  

Die hier angesprochenen Saugwelse haben alle eine im Prinzip identische Art der Nahrungsbeschaffung: Sie raspeln die Oberfläche der Steine auf der Suche nach Nahrung ab – in erster Linie sicher Algen. Mit Sicherheit wird aber nichts verschmäht, was sich als Kleinsttier in den Algenteppichen aufhält. Logisch, dass diese Welse sich dort bevorzugt bei der Nahrungssuche aufhalten, wo auch viele Algen wachsen – also in den hellsten und von der Sonne beschienenen Stellen der Stromschnellen. Im schattigen Bereich waren wesentlich weniger Saugwelse zu finden. – Bei dieser Art der Nahrungsbeschaffung hilft das Saugmaul natürlich, sich in der reißenden Strömung festzuhalten. Auch die unten abgeplattete Körperform ist dabei hilfreich.

Recht auffallend präsentierte sich auf den Felsen, oft in der reißendsten Strömung ein Hexenwels, Cteniloricaria fowleri (?) (Film >>>), vielleicht auch eine Rineloricaria oder Hemiloricaria-Art. Die meisten der ancistrusartigen Saugwelse waren deutlich vorsichtiger und verschwanden bei der geringsten Annäherung furchtsam in den zahlreichen Felsspalten. Wie der Film zeigt, gab es aber auch Ausnahmen. Ich denke da vor allem an den Saugwels Hypostomus nematopterus (Film >>>).

 

Salmler als Aufwuchsfresser

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Bodensalmler (Characidium zebra) balzen auf den glattgeschliffenen Felsen im Bereich der Mayaca-Dschungel.  
Salmler haben sich auf sehr vielfältige Weise an das Leben in den stark strömenden Stromschnellenbereichen angepasst. Auch unter ihnen gibt es Aufwuchsfresser wie bei den Welsen. Relativ wenig spezialisiert erscheinen noch die zebraartig quergestreiften Bodensalmler Characidium zebra, früher als fasciadorsale bezeichnet. Ich fand sie unter anderem am Rande eines Mooskrautdschungels auf einem stark umströmten Felsen balzend. Diese kleinen Fische sieht man selten direkt im freien Wasser. An der Gesteinsoberfläche ist die Strömung vergleichsweise schwächer, dort können sie sich gut halten. Gezielt suchen die Bodensalmler hier nach Nahrungspartikelchen.

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  Algensalmler (Parodon bzw. Apareiodon) sieht man immer in der Gemeinschaft von Artgenossen.
Anders die Guayana-Algensalmler Parodon guyanensis (Film >>>)! Diese bis zu 12 cm groß werdenden Salmler lieben es gruppenweise stark strömende Bereiche zu durchqueren. Gemeinsam weiden sie die Oberseiten der vom Wasser rund geschliffenen Felsen ab. Ihr Körperbau und ihre segelartigen Brustflossen ermöglichen es, dass die Strömung sie regelrecht an die Unterlage drückt und so die sitzenden Tiere nicht abtreiben können. Entsprechend funktioniert es auch bei den meisten Saugwelsen.

Es sind ausgesprochen lebhafte und schöne Tiere, diese Parodon mit ihren eleganten schwarzen Längsstreifen und dem kräftigen schwarzen Fleck am Ende der Rückenflosse. In Gestalt und Färbung ähneln die auch hier vorkommenden Hechtcichliden Crenicichla ternetzi (Foto oben!) den Algensalmlern. Oft sieht man beide Arten

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Der Engmaulsalmler Leporinus melanostictus, vorne links ein Sattelfleck-Buntbarsch  
zusammen. Es ist sicher kein Zufall, dass die harmlosen Salmler und die Raubfische gemeinsam schwimmen. Ich vermute Mimikry! Offenbar nutzen die Hechtcichliden ihre Ähnlichkeit mit den Salmlern. Vermutlich fällt es ihnen in der Gegenwart der auffallenden, aber harmlosen Algensalmler leichter, sich arglosen Beutefischen zu nähern. Hierzu folgt in Kürze ein Film! Ein Bild von den beiden kann man hier schon mal sehen >>> (unter Mimikry bei Hechtcichliden)!

Zurück zu den Salmlern! Auch mit den Bodensalmlern haben die Algensalmler noch ein paar Gemeinsamkeiten. Zum einen gibt es bei beiden Probleme mit dem wissenschaftlichen Namen (Parodon wird neuerdings von einigen Autoren zur Gattung Apareiodon gezählt), zum anderen haben sie Gemeinsamkeiten in der Art der Nahrungsaufnahme. Auch die Algensalmler picken ihre Nahrung ganz gezielt!

Eine ganz andere Methode des Algenabweidens benutzt der Engmaulsalmler Leporinus melanostictus (Film >>>). Beim Abgrasen der Steinoberfläche schwimmt dieser Salmler langsam voran, wobei er seinen Kopf regelmäßig nach rechts und links wendet. So wird ein größerer Bereich zum Abweiden erfasst. Diese Fische mit dem den dunklen Augen und den dazu passenden charakteristischen schwarzen Schwanzwurzelflecken haben ein apart netzartig gezeichnetes Schuppenkleid. Ansonsten sind sie aber graue Mäuse, die mit ihren farbigeren Verwandten nicht mithalten können.

Jagende Salmler im Freiwasser

 

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  Gittersalmler Astyanax leopoldi lieben es, stundenlang in der Strömung zu stehen
Mehr als alle anderen Fische in den Stromschnellen haben mich die kleinen Salmler fasziniert, die unermüdlich gegen die reißende Strömung anschwammen. Vielfach schienen sie dabei gewissermaßen auf der Stelle zu stehen. Aber immer wieder brachten sie Strömungsänderungen und Verwirbelungen aus der Bahn. Die mussten blitzschnell korrigiert werden. In anderen Fällen wichen sie aber auch ganz gezielt von ihrem Kurs ab: Sinn der ganzen Prozedur ist es für die Fischchen ja, vorbei treibende Nahrungsteilchen aufzuschnappen. Es müssen schon eine ganze Anzahl Futtertiere vorbeikommen, denn zweifellos ist diese Art der Nahrungsbeschaffung extrem kalorienzehrend!

Einmalig schön sind hier vor allem die Gittersalmler Astyanax leopoldi (Film >>>), die mit ihren roten Augen und dem goldenen Fleck über der schwarzen Schwanzwurzel prächtig in der Sonne glänzten. Sie standen immer in lockeren Schwärmen gegen die Strömung, vielfach auch vergesellschaftet mit den dagegen eher bescheiden gezeichneten Tetragonopterus calceus.

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Ausdauerschwimmer Bryconops cyrtogaster  

Noch eindrucksvoller allerdings waren Salmler, denen ich an der oberen Stromschnelle im am heftigsten strömenden Wasser antraf. Filmen war in dieser Strömung kaum noch möglich! Einzeln oder in sehr kleinen Gruppen kämpften sie ununterbrochen gegen die Strömung an. Ich habe diese nur knapp fingergroßen Ausdauerschwimmer als Bryconops cyrtogaster (Film >>>) identifiziert. Dass man sie im Aquarium wohl kaum unter passenden Bedingungen halten kann, muss wohl nicht extra betont werden! Wen wundert es, dass diese Fische in der Aquaristik so gut wie unbekannt sind?!  Im Film kann man diese Burschen in aller Pracht bewundern, wie sie ausdauernd der reißendsten Strömung trotzen!

Das Beispiel dieser Salmler belegt überzeugend, dass keine Beschreibung und kein Foto auch nur annähernd gut Leben und Verhalten dokumentieren können wie das Medium Film. Nur die Beobachtung vor Ort und das eigene Erleben können diese Eindrücke noch übertreffen!

Noch eine Anmerkung: Nur etwa 200 m nach der letzten Stromschnelle unweit der Einmündung des Crique Armontabo in den Oyapock befindet sich eine Sandbank. Die Ufer sind dicht mit Nadelsimsen bewachsen. Hier in der Uferzone leben Corydoras condiscipulus, Crenicichla saxatilis und Apistogramma sp. Amapá, also eine völlig andere Fischfauna als im direkten Stromschnellenbereich. Aber auch hier fließt das Wasser noch ziemlich kräftig. Wie die Apistogramma sp. Amapá sich hier ihre Nahrung beschaffen, kann man sich auf meiner Seite "Fischverhalten.de" anschauen (unten rechts) >>>.

Zum Beobachtungszeitraum: Oktober 2008

 © Dr. Jörg Vierke

 
   Eine Oyapock-Erdfresser-Mutter (Geophagus camopiensis) mit halbwüchsiger Brut. Genau hinschauen, die Fische sind gut getarnt!

Literatur:

Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2010.FishBase. World Wide Web electronic publication. www.fishbase.org, version (05/2010)

P. Planquette, P. Keith, P.-Y. Le Bail (1996):Atlas des Poissons d'eau douce de Guyane. 3 Bände.

 

Hier die Filme:

 

   

   
   

 

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