Fischreisen - Dr. Fisch
 
 SUCHE:
 

Besucherzähler


»» Feuermaulbuntbarsch

Blitz und Donner: Feuermaulbuntbarsche

© Dr. Jörg Vierke

Aus Guatemala, Belize und Südmexiko, vor allem von der Halbinsel Yucatan stammen die Feuermaulbuntbarsche (Thorichthys meeki). Schon seit 1937 schwimmen sie in unseren Aquarien, damals allerdings unter dem Namen „Cichlasoma meeki". Sie waren seitdem eigentlich immer populär, aber bei der Vielzahl der neu im Handel angebotenen Arten kommt es doch ziemlich häufig vor, dass man diesen „Oldtimer" vergeblich sucht.

Fische von Thor, dem Donnergott


Thorichthys_ellioti

Ein Verwandter des meeki: Thorichths ellioti, Elliots Buntbarsch

meeki8cr.jpg

Thorichthys meeki, Männchen in Normalfärbung

Die Feuermaulbuntbarsche werden zur Gattung Thorichthys gestellt. Die Übersetzung lautet: „Fische des Thor". Der nordischen Sagen- und Götterwelt zufolge war Thor der Gott von Blitz und Donner - welchen besseren Namen konnte man für einen Feuermaulbuntbarsch finden!? Die anderen Erklärungen zur Herkunft des Gattungsnamens überzeugen nicht, selbst die vom Beschreiber Seth Eugene Meek (1904) ist abstrus. Auch die Ableitung von den Stieren (spanisch torres) ist unglaubwürdig, denn dann hätte man Torichthys (ohne Th) schreiben müssen. - Noch ein Argument für meine Ableitung vom Donnergott: Haben Sie schon mal gesehen, wie die Meekis ihre Größe durch Aufblähen ihrer Kiemendeckel urplötzlich verdoppelt haben - zumindest optisch? Auch Thor konnte seine Stärke mit einem einfachen Trick verdoppeln - durch Anlegen seines Gürtels Meginjarder!

Zur Gattung Thorichthys werden derzeit acht Arten gezählt, die sich alle durch einen seitlich stark zusammengedrückten, hochrückigen Körperbau ausgezeichnet sind. Sie haben eine spitze, mehr oder weniger lange Schnauze, wodurch die Augen im Kopf relativ weit zurückliegen. Typisch für diese Gattung ist vor allem ein Augenfleck auf den äußeren Kiemendeckeln, der etwa auf der Höhe des Brustflossenansatzes liegt. Die mittelgroßen Buntbarsche erreichen etwa 12 bis 18 cm Länge. Die Weibchen bleiben regelmäßig kleiner.

Innerhalb der Gattung unterscheidet man nach der Schnauzenlänge zwei Gruppen: Die langschnäuzigeren Arten, zu denen neben T. meeki auch T. affinis und T. pasionis zählen und die eher kurzschnäuzigen Arten mit T. ellioti, T. helleri, T. aureus, T. socolofi und T. callolepis. Die Vertreter der kurzschnäuzigeren Gruppe werden auch geringfügig größer.

 

Nicht immer lammfromm, jedoch anspruchslos

In ihrer mittelamerikanischen Heimat findet man die Meekis vor allem während der Trockenzeit, die von Januar bis Mai dauert, in kleinen Gruppen. Die noch ungebundenen Männchen schaffen sich kleine Brutreviere und balzen jedes vorbeischwimmende Weibchen an. Nach der Verpaarung bleibt das Paar in der Regel für die eine Brut zusammen, danach trennen sich die Fische wieder.

Es ist natürlich schön, solche Verhältnisse auch im Aquarium nachzubilden und eine Brutgruppe von etwa sechs Fischen in einem entsprechend großen Aquarium zu halten. In der Regel wird man die Feuermaulbuntbarsche aber sicher in der Gesellschaft anderer „Cichlasomas" und weiterer Mitfische halten, z. B. mit „Cichlasoma" nigrofasciatum, mit dem er sich gelegentlich auch kreuzt! - Solange die Meekis nicht in Ablaichstimmung kommen, hat man keine Probleme mit ihnen und generell kann man ohnehin sagen, dass die Probleme nur in zu kleinen Aquarien auftreten!

 

Ein Zuchtaquarium für die Meekis

Aus Raumgründen bleibe ich bei der paarweisen Zucht der Feuermaulbuntbarsche. Ein 100-Liter-Becken sollte man seinen "Meekis" schon zur Verfügung stellen, etwas größer wäre natürlich besser. Dann wird man sicher Freude an den anspruchslosen Fischen haben. Sie danken es durch leuchtende Farben und interessantes Verhalten! Die Tiere werden zwar bis zu 15 Zentimeter lang, aber sie sind bereits mit etwa acht Zenti­metern zuchtfähig. Die Zusammenstellung eines Paares ist bei jüngeren Tieren nicht immer leicht. Wenn das Paar Ablaichvorbereitungen trifft oder während der Brutpflege, sind die Eltern nicht nur am Verhalten, son­dern auch an der Färbung gut zu unterscheiden. Bei der Zusammenstel­lung eines Zuchtpaares muss man sich dagegen nach den Rücken- und Afterflossen richten, die bei den Männchen zumeist länger ausgezogen sind. Die Männchen unterscheiden sich vielfach auch durch ihre Größe von den Weibchen. Diese Merkmale sind aber nicht sicher!

Besondere Ansprüche an die Nahrung oder an die Wasserhärte stellen Feuermaulbuntbar­sche nicht. Ein Zuchtaquarium für diese Tiere kann ruhig bepflanzt wer­den, auch wenn ich dafür nicht die teuersten Pflanzen empfehlen würde. Man muss darauf gefasst sein, dass die Fische ihre Laichgrube gerade am Fuß der schönsten Aponogeton anlegen wollen! Viel wichtiger als Pflan­zen sind im Zuchtaquarium aber Steine, denn sie bilden das Laichsub­strat für die Fische. Und damit sich die Fische später Gruben graben kön­nen, brauchen sie auch noch eine Fläche mit Sand oder nicht allzu gro­bem Kies.

meeki12cr.jpg


Ein schönes Paar Feuermaulbuntbarsche, oben das Männchen

meeki11
Feuermaulbuntbarsche (Thorichthys meeki), Paar frontal drohend

Gelegentlich schwierig - die Paarzusammenstellung

In einem derartig eingerichteten Aquarium wird sich das Weibchen bei Temperaturen von 24 bis 28° C in seiner Färbung sicher bald vom Männ­chen unterscheiden. Es färbt sich besonders dunkel und zeigt in seiner hinteren Körperhälfte drei bis vier helle Querstreifen. Der dunkle Fleck in der Körpermitte und die Kiemendeckelflecken sind zeitweilig nicht mehr zu sehen. Besonders auffallend sind dann leuchtend hellblaue Punkte in der Rückenflosse, im hinteren Teil der Afterflosse und in der Schwanz­flosse. Das Männchen ändert seine Färbung dagegen nicht. Es zeigt wei­terhin seine dunklen, hell eingerahmten Kiemendeckel und Körperfleck­en sowie den kleinen Schwanzwurzelfleck. Seine Schuppen und Teile der Flossen schillern herrlich blaugrau. Vielfach verbindet ein dunkler, waagerechter Längsstreifen das Auge mit dem Fleck in der Körpermitte. Der besondere Schmuck des Männchens ist aber die zumeist intensive, rote Färbung, die sich vom Mundboden über die Kehle hin zum Bauch und zum Ansatz der Schwanzflosse hinzieht. Auch das Weibchen zeigt vielfach diese Rotfärbung.

Als mir vor einiger Zeit drei Thorichthys meeki angeboten wurden, griff ich sofort zu. Von den Erlebnissen mit diesen Fischen soll in der Folge berichtet werden. Ich richtete den Tieren ein Becken wie oben beschrieben ein, setzte die drei ein, de­ren Geschlecht an den Flossen nicht sicher zu erkennen war. Das größte Tier blieb hell, die beiden anderen färbten sich dunkel. So glaubte ich, ein Männchen und zwei Weibchen zu haben. Ich fing eines der Weibchen heraus, da es vom stärkeren "Weibchen" ständig gejagt wurde. Wie sich aber herausstellte, handelte es sich bei dem verbliebenen "Weibchen" um ein Männchen, das entweder eine Weibchenfärbung angenommen hatte oder - was ich für wahrscheinlicher halte - dessen Demutfärbung, die der Weibchenfärbung nahezu gleicht.

Fanatische Brutpfleger

Nachdem ich das schwächere Männchen mit dem Weibchen ausgetauscht hatte, musste das Weibchen sich erst. einmal zwei Tage vom Männchen drangsalieren lassen. Dann endlich begann das Paar, Steine mit dem Maul abzuputzen. Das Weibchen hatte ihren Mann doch noch herumgekriegt! Nun bildete sich beim Weibchen auch die fleischfarbene Legeröhre heraus, etwas später beim Männchen eine kleinere und spitzere Laichpapille. Bald hatten sich die Tiere dann auf einen senkrecht stehenden Stein geeinigt und begannen, mit ihren Bäuchen über den Stein zu gleiten. Einige Minuten später waren dann auch die erster Laichkörner zu sehen. Nach zwei Stunden klebten 250 bis 300 glasartig durchsichtige, nur leicht milchige Eier am Stein.

In den folgenden 55 bis 60 Stunden (bei 28° C) bis zum Schlüpfen der Jungen wurden die Eier intensiv bewacht und mit den Brustflossen befächelt. Das Weibchen erwies sich beim Versorgen des Laiches als die fleißigere; der Mann inspizierte derweil das Revier. Gegen Ende des zweiten Tages und am dritten Tag begannen die Eltern am Fuß einer Amazonasschwertpflanze eine große Laichgrube auszuheben. In diese Grube wurden die gerade geschlüpften Jungen gebracht. Doch nun erwachte die Buddelleidenschaft der Tiere erst richtig. Immer neue Gruben wurden angelegt, und immer wieder wurden die Kleinen von einer Grube in die nächste gebracht. Zumeist reichten die Gruben so tief unter Steine und Wurzeln, dass ich die Jungen auch dann nicht sehen konnte, wenn ich den Kopf noch so sehr verrenkte. Im Zuchtaquarium waren natürlich keine weiteren Fische, aber ich bin ganz sicher: Hätte ich welche hinzugesetzt, wären sie gewiss nicht lange am Leben geblieben. Selbst in meine ins Wasser getauchte Hand bissen die Eltern ohne zu zögern.

Ganz besonders eindrucksvoll ist das Drohverhalten dieser Art, das durch das Foto veranschaulicht wird. Die Tiere schwimmen dem Eindringling entgegen, spreizen dabei ihre Kiemendeckel ab und stülpen ihre signalrote Kehlhaut hervor. Die Fische erscheinen von vorne gesehen plötzlich viel größer und ihre schwarzen, hell eingefassten Kiemendeckelflecken wirken auf einmal wie große Augen. Ich muss gestehen, dass ich regelrecht Respekt vor den Burschen bekam, als ich zum Fotografieren mit den Augen ganz nahe an der Aquarienscheibe war und die Fische auf einmal auf mich zuschossen und sich im Bremsen wenige Zentimeter vor meinen Augen plötzlich "aufblähten".

Etwa vier Tage nach dem Schlüpfen verlassen die Jungen die Laichgruben. Männchen und Weibchen unterscheiden sich in ihrer Färbung dann immer noch deutlich. Am ersten Tag ihres Freischwimmens können de Jungen sofort frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien gereicht werden. Normalerweise genügt es in alteingerichteten Aquarien jedoch, erst nach ein oder zwei Tagen mit der Artemien-Fütterung zu beginnen. In der Zwischenzeit ernähren sich die Jungen von den dort immer reichlich vorhandenen Kleinstlebewesen.


meeki2

Der Thorichthys meeki Vater mit dem Schwarm seiner Nachkommen.

Ein Hauch von Vaterfamilie

Schon am zweiten Tag hatte die junge Familie sich zerstritten. Einen Teil der Jungen führte der Vater, den Rest - es waren ein paar weniger - betreute dagegen die Mutter. Am Tag darauf hatte er alle Kinder und vertrieb sein Weibchen heftig beißend. Dieses hatte inzwischen wieder die hellere Normalfärbung angenommen und leistete dem Despoten keine Gegenwehr. Ich fing es daher heraus und überließ ihm die alleinige Jungenpflege.

Die Überschrift „Vaterfamilie" ist natürlich übertrieben! Im Aquarium wie auch im Freiwasser kümmert sich auch die Mutter um die Brut, besonders in der Anfangsphase. Allerdings ist die spätere Dominanz des Vaters bei den Feuermaulbuntbarschen nicht zu übersehen!

 

Die Aufzucht der Jungen ist von diesem Stadium ab unproblematisch. Für erwähnenswert halte ich noch eine Zufallsbeobachtung, die zeigt, dass der Vater seine Jungen nicht nur visuell erkennt. Ich gab den Tieren unsortiertes Tümpelfutter, in dem auch für die damals neun Tage alten Kleinen schon etliche Brocken enthalten waren. Das Männchen machte sich gierig daran, die großen Daphnien dutzendweise einzusaugen. Da­bei gelangten häufig jedoch auch seine Kinder mit ins Maul. Ich habe ge­nau aufgepasst: Nicht einmal konnte ich ihn dabei ertappen, dass er sie - ­wenn auch nur versehentlich - herunter geschluckt hätte. Immer wurden die kleinen "Meekis" wieder ausgespuckt. Die plausibelste Erklärung hierfür dürfte doch wohl sein, dass der Vater seine Kinder am Geschmack er­kannt hat. Aber das sind Beobachtungen, die man auch bei anderen brutpflegenden Cichliden machen kann!

 

Unten: Der Feuermaulbuntbarsch Thorichthys meeki - Laichserie (Fotos von oben links nach unten rechts):

Bild 1 : Ein Thorichthys meeki-Paar ist in Laichstim­mung. Im Hintergrund steht das dunkel gefärbte Weibchen.

Bild 2: Schon be­ginnt das Weibchen, auf einer steil­ gestellten Schieferplatte entlangzugleiten.

Bild 3: Jetzt beginnt er, das Gelege zu be­samen. Das dunkel gefärbte Weib­chen (im Hintergrund) ist immer noch beim Ankleben der Laichkörner an die Schieferplatte.

Bild 4: Hier gleitet das Männchen zum Befruchten über die Eier. Die Legeröhre des Weibchens ist auf diesem Bild besonders gut zu se­hen.

Bild 5: Das Weibchen (rechts) läßt das Gelege nicht aus den Augen.

Bild 6: Nach dem Ablaichen wechseln sich Vater und Mutter beim Befächeln des Laiches ab.

© Dr. Jörg Vierke

 

Hier der animierte Dia-Film zum Bericht:


Zurück zur Übersicht-Startseite 

nächste Seite - Afrikanischer Schmetterlingsbuntbarsch Anomalochromis thomasi >>>