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Colisa lalia Männchen, die Naturform

Foto oben: Der Zwergfadenfisch Colisa lalia, Männchen der Naturform

Colisa-Arten

©  Dr. Jörg Vierke

Colisa lalia Männchen, die Züchtung Regenbogen-Lalia
Die rote Zuchtform des Zwergfadenfisches Colisa lalia. Wer etwas Bilder googelt wird feststellen, dass diese Fische immer wieder mit Colisa chuna verwechselt werden!

Nicht viele Fische sind so interessant wie die kleinen Fadenfische der Gattung Colisa. Hierzu zählen die vier Arten Colisa lalia, C. fasciata, C. chuna und C. labiosa. Diese Tieflandbewohner leben alle westlich der gewaltigen Faltengebirge, die Burma (=Myanmar) von den östlich angrenzenden Reisebenen (Thailand, Laos, Kambodscha u.a.) trennen. Dort im Osten und im Südosten bis nach Malaysia und Indonesien leben die größeren Arten der Gattung Trichogaster. Es empfiehlt sich, die Colisa-Arten als Westliche Fadenfische, die Trichogaster-Arten als Östliche Fadenfische zu bezeichnen.

Diese natürliche Verbreitung ist in jüngster Zeit allerdings verwischt – der Mensch ist schuld. Die ständigen Überschwemmungen in diesen Ländern, vielleicht auch Aussetzungen bewirken, dass immer wieder Tiere aus Zierfischfarmen entkommen. So kommt es, dass Trichogaster microlepis in Burma gefunden wird und Colisa lalia auf Borneo! Besondere Ausbreitung fand der Schaufelfadenfisch Trichogaster pectoralis, der ursprünglich auf die Reisfelder Südthailands und Kambodjas beschränkt war. Als Nutzfisch findet man ihn heutzutage nicht nur in Malaysia und Nordborneo, auch in Burma und sogar Sri Lanka (Ceylon) trifft man ihn an.

Colisa labiosa-Männchen
Colisa labiosa

Es gab kürzlich Versuche, die Colisa chuna zur Gattung Trichogaster zu stellen! Zweifellos gehört der kleine Honigfadenfisch Colisa chuna in den Kreis der anderen Colisa, es sei denn, man wollte für ihn eine gesonderte Gattung beschreiben – auch das wäre unsinnig. Nicht nur die Verbreitung und die Proportionen sprechen eindeutige Worte, auch morphologische Details. Die Begründung, die übrigen Colisa seien durch die rot-blauen Streifenmuster deutlich vom chuna abgetrennt, ist unhaltbar, denn wie die Fotos zeigen, gibt es die Regenbogen-Lalia (eine Zuchtform des Zwergfadenfisches Colisa lalia, daneben aber auch orangefarbene labiosa), die genau ein entsprechendes Farbmuster haben (vgl. Abb. rechts ein Regenbogen-Lalia Männchen!). Dass es sich beim Regenbogen-Lalia um eine Zuchtform und nicht um eine Wildform handelt, spricht eher für, als gegen meine Argumentation. Ein einfacher Mutationsschritt führt von der Streifung zur flächigen Rot- bzw. Orangefärbung. Kein Grund also, die verschiedenen Zeichnungsvarianten als Argumentation für eine neue Gattungszuordnung zu sehen. Als weitere Begründung wurde angegeben, „Trichogasterchuna zeige gelegentlich einen Körperlängsstreifen, wie man sie auch bei Trichogaster antrifft. Bei den anderen Colisa gäbe es dagegen keine Längsstreifen, nur Querbänder. Auch das ist falsch. Wie das Foto von Colisa labiosa deutlich demonstriert, trägt auch dieser typische Colisa gelegentlich Längsstreifen, auch wenn sie oftmals in Fleckenreihen aufgelöst sind (vgl. Abb.!).

 

Colisa chuna Männchen, ebenfalls flächig orangefarben

Der Honigfadenfisch Colisa chuna, Männchen im Prachtkleid

Eindeutiges Unterscheidungsmerkmal für die beiden Gattungen Trichogaster und Colisa sind neben der natürlichen Verbreitung und der unterschiedlichen Endgröße die Form der Rückenflosse. Sie setzt bei Colisa lang an, fast wie die Afterflosse; bei Trichogaster dagegen ist sie viel kürzer. Das läßt sich natürlich auch in der Zahl der Flossenstrahlen ausdrücken (Dorsale 3 – 8 Hartstrahlen bei Trichogaster, 15 – 19 bei Colisa!), einem weit sichereren Merkmal als Farbmuster. Zur Information: Für Colisa chuna werden 17 – 19 Hartstrahlen angegeben!

Trichogaster microlepis Paarung. Deutlich zu erkennen, die Weichstrahlen hinter dem Faden!

Mondscheinfadenfisch Trichogaster microlepis Paarung. Im vergrößerten Ausschnittbild sind die Weichstrahlen hinter dem Faden deutlich zu erkennen!

Bei genauerem Betrachten erkennt man auch, dass die Bauchflossen der Trichogaster nicht wie bei Colisa aus nur einem einzigen fadenartigen Gebilde bestehen. Man findet bei Trichogaster regelmäßig noch zwei oder drei kleine weiche Strahlen hinter dem Faden. Auf dem nebenstehenden Foto vom Mondscheinfadenfisch kann man das sehen! Mal genau Hinschauen! - Im Video unten werden diese Zusammenhänge noch einmal im "Filmmodus" erläutert!

Inzwischen wird der Versuch, die chuna aus dem Kreis ihrer nahen Verwandten zu nehmen, nicht weiter verfolgt. Dennoch findet man - diesmal mit anderer Begründung - die Bezeichnng Trichogaster chuna. Tatsächlich wird in jüngster Zeit (sogar von einer einflußreichen Liebhabervereinigung!) befürwortet, die ganze Gattung Colisa einzuziehen und sie durch "Trichogaster" zu ersetzen. Die Fische der derzeitigen Gattung Trichogaster, also die östlichen Fadenfische, hießen dann "Trichopodus".

Erfreulicherweise wurde das Prioritätsgesetz der Internationalen Nomenklatur in seiner strikten Form bereits 1973 geändert. Die Abschnitte a und b des 23. Artikels wurden gestrichen und durch folgenden Text ersetzt: "Das Prioritätsgesetz ist anzuwenden, um die Stabilität zu fördern; es ist nicht dazu bestimmt, angewandt zu werden, um einen seit längerer Zeit gebräuchlichen Namen, der dessen älteres Synonym ist, umzustoßen." Bleiben wir im Geiste der Nomenklaturregeln beim gewohnten und wahrhaftig seit sehr vielen Jahren benutzten "Colisa"! Es ist absolut unsinnig, einen seit fast 90 Jahren vergessenen Namen (Trichopodus) zu reaktivieren. Wer aus falschverstandenem Ehrgeiz oder aus vorauseilendem Gehorsam die ungültigen Namen verwendet, schadet der Aquaristik!

Über die Bedeutung der zu Fäden umgestalteten Bauchflossen besteht vielerorts Unklarheit. Sie sind weniger als Tastorgane geeignet und schon gar nicht zum Finden von Futter. Hiermit "erschmecken" sich die Artgenossen - unter "Mehr Wissenswertes" auf der dritten Seite von "Fischreisen" finden Sie mehr dazu!

Colisa chuna, Paarung

Honigfadenfisch Colisa chuna, Paarung

Doch jetzt zur Pflege und Zucht im Aquarium. Ich habe alle Colisa-Arten und Trichogaster-Arten nicht nur gehalten, sondern auch gezüchtet (Ausnahme: Zucht T. pectoralis) und ihr Verhalten dokumentiert. Auch in ethologischer Hinsicht fänden sich Argumente gegen den Versuch, Colisa chuna zur Gattung Trichogaster zu stellen!

Generell sind alle Fadenfische ruhige und friedliche Tiere. Nur zur Fortpflanzungszeit können sie sehr heftig werden, sowohl beim Verfolgen des Weibchens als auch bei der Verteidigung der Brut. Das gilt auch für Arten, die im Gesellschaftsaquarium einen ganz und gar friedfertigen Eindruck machen wie Trichogaster microlepis (Mondscheinfadenfisch).

 

Insgesamt sind die Westlichen Fadenfische Colisa aber die friedfertigeren. Das hängt natürlich mit ihrer geringeren Größe zusammen und bezeichnenderweise ist gerade der kleinste unter ihnen, der Honigfadenfisch Colisa chuna der harmloseste. Dabei aber immer ein putzmunteres Kerlchen. Wenn man sich die Colisa beim Fortpflanzungsgeschäft genauer anschaut, gibt es bei fast jeder Art spezielle Besonderheiten: das Senkrecht-Balzen der chuna-Männchen vor den Weibchen, die seltsame Kopfunten-Haltung balzender labiosa-Männchen, der aufwendige Pflanzennestbau der Colisa lalia.

Stellvertretend für die anderen Colisa-Arten will ich hier Colisa fasciata, den Gestreiften Fadenfisch, genauer vorstellen. Sie sollen in ihrer Heimat, den großen Flusssystemen im nördlichen Vorderindien, bis zu 12 cm Gesamtlänge erreichen; allerdings hatte mein größtes Männchen gerade mal 8,2 cm erreicht. Die Trichogaster-Arten werden auch gegen diesen „Riesen“ unter den Colisa deutlich größer. Vom gelegentlich recht ähnlichen labiosa unterscheiden sich die Männchen durch ihren Afterflossenzipfel: bei fasciata läuft die Afterflosse nach hinten spitz aus, bei Colisa labiosa ist die Afterflosse dagegen hinten abgerundet.

Im Händlerbecken machen die Fische selten einen guten Eindruck. Sie sehen oft unterernährt aus und sind es wohl auch. Oft ist die Kopfpartie eingefallen und die Flossen sind so stark angeknabbert, dass es auch bei großen Tieren kaum möglich ist, die Geschlechter zu unterscheiden. Wer die Tiere so antrifft - und leider muss ich sagen - es war bisher immer und überall so! - wird sich nicht gern zum Kauf entschließen. Hier sollte man sich aber überwinden. Ich pflege gerade (17. März 2008) ein Männchen und zwei Weibchen in einem gut bepflanzten 200 Liter Aquarium und ich bin wieder mal vollauf begeistert, von diesen wunderschönen Tieren!

Die Haltung, besonders aber die Zucht der Gestreiften Fadenfische ist weniger einfach als die der anderen Colisa. Temperaturen um 24 bis 28° C sind nötig. Die Fische sind große Fresser, die immer hungrig zu sein scheinen. Glücklicherweise sind sie auch mit Trockenfutter zufriedenzustellen. Für den Laichansatz sollte man den Weibchen aber Weiße oder Schwarze Mückenlarven ge­ben.

Wenn ich meine Colisa fasciata in relativ dicht bevöl­kerten Aquarien halte, kommen die Männchen nicht in Laichstimmung. Dann sind sie die friedlichsten Fische auf der Welt. Wehe aber, wenn ich ein Paar in ein dicht bepflanztes 100-Liter-Becken nur mit ganz wenigen Beifischen setze und Tümpelfutter gebe: Dann wird das Männchen so kämpferisch, dass ich um die anderen Fische fürchten muss.

Foto links: 

Colisa fasciata Männchen beim Schaumnestbau

Colisa fasciata-Männchen beim Schaumnestbau

Die Colisa fasciata-Männchen bauen große Schaum­nester, die allerdings zumeist nicht lange halten. Die Schaumblasen werden dadurch erzeugt, dass die Männchen sich mit dem Maul an die Wasseroberflä­che stellen und schöpfende Bewegungen mit der Unterlippe machen. Bei diesen Pumpenbewegungen fließt der Schaum regelrecht aus dem Maul heraus. Anschließend wird ein Teil der so erzeugten Blasen aufgeschnappt und am Standort des "Nestes" ent­lassen. Warum ich "Nest" in Anführungszeichen set­ze? Von einem richtigen Nest kann man zumeist nicht reden. Manchmal ist eine große Zone der Wasser­fläche von einer lockeren und mit vielen blasenfreien Bereichen durchbrochenen Schaumschicht überzo­gen. Wenn Riccia am Wasserspiegel war, wurden die Blasen zwischen diesen Pflanzen hochgelassen ­und waren dann kaum noch zu sehen. Der Fisch hat­te dann eher ein Pflanzennest als ein Schaumnest. Aktiv Pflanzen geholt, wie es beispielsweise vom Zwergfadenfisch Colisa lalia und vom Mondscheinfadenfisch Trichogaster microlepis bekannt ist, haben mei­ne Colisa fasciata allerdings nie. Hierin glichen sie völlig den C. labiosa und den C. chuna.

Das laichbereite Weibchen nähert sich von selbst dem unter dem "Nest" stehenden Partner. Es kommt schnell angeschwommen, bremst dann aber kurz vor dem Männchen ab. Furchtsam spreizt sie alle Flos­sen und betastet und "beschmeckt" ihn mit den Flossenfäden. Nun versucht sie, das Männchen mit harmlosen Bissen - ­sollte ich "Küssen" sagen? - in der Maul- und Kopf­gegend zu besänftigen. Manchmal kommt es nun zu regelrechten Maulkämpfen, da das Männchen den Biss gelegentlich erwidert. Wenn das Männchen aber in der richtigen Stimmung ist, legt es die unpaaren, zuvor ag­gressiv gespreizten Flossen an. Nun drängt das Weibchen sich in die Flanke des Männchens, worauf­hin dieses sich mit dem ganzen Körper um das Weib­chen herumbiegt. So verharren die Tiere eine ganze Weile.

Dann ein Ruck - das umschlungene Paar hat sich so gedreht, dass die Geschlechtsöffnungen der Tiere nach oben zum Wasserspiegel zeigen. In diesem Moment werden die Geschlechtsprodukte ausgestoßen. Nun löst sich das Paar. Die Eier steigen von selbst nach oben unter das Nest. Das Weibchen zieht sich zurück, während das Männchen damit beschäftigt ist, neue Blasen für das Nest zu produzieren.

Nach einigen Minuten beginnt die nächste Paarung. Das kann sich etwa zwei Stunden hinziehen, dann sind etwa 30 Paarungen gewesen. Das Weibchen zieht sich jetzt endgültig zurück.

Das Männchen dagegen bleibt bei dem Nest mit der Brut und verteidigt es gegen jeden Interessenten. Die Jungen schlüpfen schon nach 24 Stunden. Im Gegensatz zu den anderen Fadenfischen halten sich die Larven oft direkt am Boden auf. Der Vater sammelt sie aber gern ein und spuckt sie wieder in die Pflanzen an der Wasseroberfläche. Nach etwa zwei Tagen schwimmen die Kleinen frei. Die Aufzucht der Jungen ist weiter nicht schwierig. Allerdings können sie zunächst noch keine Artemia-Nauplien aufnehmen, sie brauchen am Anfang Infusorien. Der Vater, manchmal auch die Mutter, stellt den Kleinen im all­gemeinen nicht nach. Wer auf Nachzucht Wert legt, sollte die Jungen aber getrennt aufziehen. Sie brau­chen sehr viel Futter und einen regelmäßigen Teil­wasserwechsel.

©  Dr. Jörg Vierke

Anmerkung:

Für Colisa fasciata gibt es einen speziellen, gut illustrierten Bericht mit Film hier >>>

Ein ausführlicher, gut illustrierter Bericht zum Balz- und Laichverhalten des Zwergfadenfisches Colisa lalia ist auf meiner Schwesternseite "Fischverhalten.de" zu finden; dazu eine sehenswerte Fotodokumentation zu diesem Thema. >>>


 

Hier eine Fotoserie zum Paarungsverhalten des Zwergfadenfisches Colisa lalia, hier die Zuchtform Regenbogen-Lalia.

Bildfolge oben links beginnend:

Bild 1: Das Zwergfadenfisch-Weibchen hat dem Werben des Männchens nachgegeben. Deutlich sieht man seinen kräfti­gen Laichansatz.

Bild 2: Nun drängt sie sich ihm in die Flanke ...

Bild 3: … woraufhin das Männchen mit sei­nem Körper seine Partnerin umschlingt. In dieser Stellung verharrt das Paar mehrere Sekunden.

Bild 4: Jetzt ein leichtes Überkippen des Paa­res, und …

Bild 5: ... Sekundenbruchteile später lösen sich die Partner. Man sieht die soeben erschienenen, glas­klaren Laichkörner, die jetzt unter das Nest hochsteigen.

Bild 6: Bis zum nächsten Laichakt hat das Weibchen nichts unter dem Nest zu suchen. Es verschwindet für einige Minuten, während der Vater sich um das Nest und den Laich kümmert.

Ablaichfolge: Colisa lalia, die Züchtung Regenbogen-Lalia­


 

Und hier ein Foto-Film über Dicklippige Fadenfische (Colisa labiosa) aus Burma und ihr Paarungsverhalten!

 


 

Der Film unten befasst sich mit dem Honigfadenfisch Colisa chuna, seinen Verwandten und seiner wissenschaftlichen Gattungszuordnung.

 

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