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Dekorativ und leicht züchtbar - Apistogramma borellii, der Gelbe Zwergbuntbarsch

Der Gelbe Zwergbuntbarsch

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Wenig später beginnt das Ablaichen. Das Männchen hat sich quer vor den Höhleneingang gestellt, man kann kaum erkennen, was im Inneren des Blumen­topfes geschieht und spannt seine mächtige Dorsale auf - im englischen nennt mn ihn nicht ohne Grund umbrella-cichlid! ( Regenschirm-Buntbarsch!). Einige Eier sind bereits an der Höhle der Decke zu erkennen. Das Weibchen legt eine Laichpause ein und riskiert einen Blick nach draußen.
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Mit dem Bauch nach oben schwimmend, heftet das Weibchen die Eier an die Decke. In diesem Moment gibt auch das Männchen sein Sperma ab. Mit kräftigem Schwanzschlag wird es in das Innere der Höhle gewedelt.
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Nach dem Laichen: Das Weibchen versucht, seinen Partner (rechts!) in die Flucht zu jagen.- Der kennt aber seine Aufgabe und bleibt direkt neben der Höhle, um im Notfall bei der Revierverteidigung zu helfen.
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Wenn das Weibchen auf Nahrungssuche geht, kommt es schon nach kurzer Zeit wieder zurück. Zwei Tage steht es bei dem Laich, bewacht und säubert ihn und fächelt ihm frisches Wasser zu.

© Dr. Jörg Vierke

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Zu den beiden Fotos oben: Ein Import-Borellii (Blauer Borelli) - Männchen aus Paraguay
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Das Apistogramma borellii (früher: reitzigi) - Männchen (Aquarienform) hält eine Höhle besetzt und versucht, ein Weibchen herbeizulocken.
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Das Apistogramma borellii  - Männchen zeigt meist mehr stahlblaue Körperfarben. Der Name "Gelber " Zwergbuntbarsch ist jedoch seit Jahrzehnten üblich; deswegen bleibe ich hier dabei!
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Das Werben hatte Erfolg. "Sie" kommt! Das Paar bezieht gemein­sam die Höhle.
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Das borellii-Paar in der Höhle - das größere Männchen im Vordergrund. Jetzt kann es mit dem Laichen nicht mehr lange dauern.

Vor wenigen Jahren nannte man ihn noch A. reitzigi. Jetzt heißt er  Apistogramma borellii (mit 2 i!). Der Gelbe Zwergbuntbarsch, ist einer der am häufigsten gehaltenen Zwergcichliden. Wer diese Art kennt, wundert sich darüber nicht. Die Tiere sind nicht nur dekorativ, sondern sie sind bei entsprechender Haltung auch leicht zu züchten und zeigen darüber hinaus besonders interessante Verhaltensweisen bei der Brutpflege.      
Der Gelbe Zwergbuntbarsch kommt aus dem Stromgebiet des Rio Paraguay.

Kennzeichen: Eine relativ gedrungene Art mit einem oft zickzackartig verlaufenden Körperlängsband. Eine seit 1938 häufig in Aquarien gehaltene Art. Damals regelmäßig als A. reitzigi bezeichnet.In den letzten Jahren eingeführte Wildfänge unterscheiden sich von der Aquarienpopulation durch andere Färbung und schlankeren Körperbau:

Aquarienform (es ist die auf dieser Seite hauptsächlich durch Fotos vorgestellte Form, wenn keine anderen Aussagen sind!): Gedrungen, gelbköpfig und auch im vorderen Körperdrittel auf Kosten der Blautöne kräftig gelb gefärbt. Es ist nicht geklärt, ob diese Form einer Wildpopulation entspricht, oder ob ihre Entstehung auf die generationenlange Gefangenschaftshaltung und -zucht zurückzuführen ist.

Rotwangen-Borelllii: Ähnelt im Körperbau der Aquarienform. Die Blaufärbung der Männchen erstreckt sich auch auf die Kehlregion. Auf den Kiemendeckeln haben sie einige kräftige rote Flecken, im Augenbereich zwei entsprechend gefärbte Streifen.

Blaue Borelllii: Langgestreckter als die beiden oben angeführten Varianten. Die Männchen sind an Kopf, Körper und Flossen fast durchgehend stahlblau gefärbt.

Geschlechtsunterschiede: Alle Flossen der Männchen sind großflächig, auch die abgerundete Schwanzflosse. Besonders eindrucksvoll ist ihre segelartig große Rückenflosse, deren Membranen über die Stachel hinausragen, aber nicht wie bei bitaeniata freistehen, sondern miteinander verwachsen sind. Außerdem zei- Schon im Gesellschaftsaquarium zeigt er uns seine ganze Schönheit. Ältere Männchen sind durch besonders verlängerte Rücken-, Bauch- und Afterflossen ausgezeichnet, die sie gern und häufig abspreizen, so dass sie an Segel erinnern. Die Farbmuster der Tiere sind recht variabel. Sie ändern sich je nach ihrer Grundstimmung. Wenn sich die Männchen wohlfühlen, ist das vordere Drittel ihres Körpers kräftig gelb gefärbt, während der übrige Körper und besonders auch die Rücken- und Afterflossen metallisch hellblau glänzen. Den kleiner bleibenden Weibchen fehlt der Metallglanz. Sie sind normalerweise schmutziggelb, während der Laich- und Brutpflegephase dagegen leuchtend quittegelb. Im Gegensatz zu den Männchen ist ihr Melaninmuster viel stärker ausgeprägt. So zeigen sie beispielsweise fast stets eine Schwarzfärbung der ersten Bauchflossenstrahlen und sehr häufig auch den für die Apistogramma-Arten typischen Bartstreifen. Die Männchen zeigen den Bartstreifen dagegen seltener, und dann meist nur angedeutet, und in den Bauchflossen habe ich nie Schwarz- oder Dunkelfärbung beobachtet.
Für diesen recht ruhigen Fisch ist eine Vergesellschaftung mit Salmlern und anderen friedlichen Fischen angebracht. Da die Art fast gar nicht wühlt, braucht auf eine gute Bepflanzung nicht verzichtet zu werden. Ja, der Gelbe Zwergbuntbarsch braucht sogar eine stellenweise dichte Bepflanzung und die Möglichkeit, sich zeitweilig in einen dunklen Winkel zurückzuziehen. Man sollte ihm Unterstände in Gestalt von liegenden, halb in den Bodengrund eingegrabenen halbierten Kokosnussschalen oder Blumentöpfen geben, die besonders von Weibchen gern aufgesucht werden und zum Zentrum eines kleinen Reviers gemacht werden. Selbst im Gesellschaftsaquarium laichen die Tiere ab.
Zur Zucht wird man ein Paar zweckmäßigerweise isoliert in einem entsprechend eingerichteten kleineren Becken ansetzen. Apistogramma-Arten sind "Weichwasserfische", aber auch bei mittleren Härtegraden fühlt sich diese Art noch wohl. Selbst bei einer Wasserhärte (dGH) von 10° konnte ich noch gute Zuchtergebnisse erzielen. Eine gute Versorgung mit Tümpelfutter (besonders mit Mückenlarven der verschiedensten Arten) kann die Laichwilligkeit der Tiere ganz erheblich steigern.
Wie bei vielen Cichliden beginnen die Ablaichvorbereitungen mit dem Putzen des Laichsubstrats. Diese Aufgabe wird bei A. borellii fast ausschließlich allein vom Weibchen übernommen. Die Fische "laichen meistens an der Decke oder der Seitenwand einer Steinhöhle ab, niemals aber, wie M. ramirezi oder Nannacara anomala, auf waagerechten Unterlagen" (Kuenzer 1962). Entsprechende Erfahrungen habe ich auch gemacht, und ich möchte annehmen, dass sich die Angabe von Stallknecht (1973, "Abgelaicht wird ... auf flachen Steinen") auf senkrecht stehende Steine bzw. auf steil gestellte Steinplatten bezieht. Andernfalls dürfte es sich wohl nur um Fälle handeln, in denen den laichwilligen Tieren kein anderer Ablaichplatz zur Verfügung stand.
Während meine Weibchen in der Höhle ablaichten, stand das Männchen fast immer quer im Höhleneingang, zumeist noch mit weit abgespreizten Segelflossen, so dass der Ablaichvorgang nur mühsam zu verfolgen war. Man empfindet das ala Fotograf  (Paparazzo), als ginge es hier um diskreten Sichtschutz. Nicht einmal zum Besamen der Laichkörner verließen meine Männchen ihren Posten am Eingang der Höhle. Sie strichen also nicht mit ihren Geschlechtspapillen über den Laich, wie man es von den großen südamerikanischen Cichliden und auch von anderen Apistogramma-Arten her kennt, sondern sie begnügten sich damit, ihr Sperma mit heftigen Flossenbewegungen in die Höhle hineinzuwedeln. Diese Beobachtungen dürften dem Regelfall entsprechen (Kuenzer 1962).
Es werden nur etwa 50 bis 70 recht große Eier abgegeben, die je nach Art der in der letzten Zeit verfütterten Nahrung ziegelrot (nach Zyklops-Nahrung) bis milchigweiß (nach Weißen Mückenlarven und bestimmten Trockenfuttersorten) sein können. Die Pflege und Verteidigung des Geleges wird allein von der Mutter übernommen. Sie fächert den Eiern mit den Brustflossen frisches Wasser zu und belutscht sie. A. borellii Mütter sind im Gegensatz zu A. agassizii und A. cacatuoides ganz ausgezeichnete Brutpfleger. Nur selten vergreifen sie sich am Laich oder an den Larven; an den freischwimmenden Jungen wohl nie.
Bei 24° C schlüpfen die Larven nach ungefähr 48 Stunden. Bis zum Freischwimmen dauert es nun noch fünf bis sieben Tage. Auf dem Grund einer von der Mutter ausgehobenen Grube kann man die Kleinen als dunkle, zappelnde Masse erkennen. Wenn sich das Weibchen in seinem Revier nicht allzu sicher fühlt, bleiben die Larven auch bis zum Freischwimmen auf dem Grund der Bruthöhle. Mit frisch geschlüpften Salzkrebschen sind die gerade freischwimmenden Jungfische leicht großzuziehen.

Da den Apistogramma-Arten vielfach nachgesagt wird, es seien Fische mit einer typischen Mutterfamilie, werden die Väter nach der Beendigung des Laichgeschäfts zumeist aus den Aquarien entfernt. Tatsächlich werden sie zunächst auch heftig von ihrer Partnerin vertrieben. In zu kleinen Becken können die Apistogramma-Weibchen ihre zumeist viel größeren Männchen dann sogar zu Tode quälen. In genügend großen Aquarien erweisen sich die Väter aber als durchaus hartnäckig. Immer wieder versuchen sie, zu den Eiern bzw. den Jungen zurückzukehren. Allmählich schwindet dann die Aggression des Weibchens gegen den Partner, und nach vier bis fünf Tag~n werden die Väter vielfach von ihren Weibchen in der Nähe der Brut geduldet (Kuenzer 1962). Dann treiben beide Eltern gemeinsam Brutpflege, wobei die Männchen sich vorwiegend der Revierverteidigung widmen und die Weibchen der Jungenfürsorge. Ganz ähnliche Verhältnisse findet man bekanntlich auch hei Cichlasoma-Arten und bei anderen südamerikanischen Großcichliden.

Üblicherweise übernimmt das Weibchen allein die Pflege der Eier und der Jungen. Die Eier werden befächelt und wiederholt ins Maul genommen. Dabei werden sie sicher von Schmutz und Infusorien gereinigt. Zwischendurch verlässt das Weibchen die Höhle, um sein Revier zu inspizieren und um sich Nahrung zu beschaffen. Bei 24 Grad Celsius schlüpfen die Larven nach ungefähr 48 Stunden. In diesem Stadium wird das Gelege manchmal verspeist. Apistogramma borellii ist aber zumeist ein zuverlässiger Brutpfleger, und wenn die Jungen erst einmal geschlüpft sind, gibt es kaum noch Pannen. Die Jungen bilden zunächst eine dunkle, zappelnde Masse, auf dem Grund einer ausgehobenen Grube. Gelegentlich, wohl wenn sich das Weibchen in seinem Revier nicht sicher genug fühlt, bleiben die Larven auch bis zum Freischwimmen auf dem Grund der Höhle. Wenn die Jungen sieben bis neun Tage nach der Eiablage freischwimmen, müssen sie sofort mit Artemien gefüttert werden. Besonders schön ist in den ersten Tagen, die Fischfamilie zu beobachten. Die Jungen halten sich eng an ihre Mutter, die schon seit dem Ablaichen eine kräftig gelbe Farbe zeigt. Eva und Peter Kuenzer haben in einer sehr gründlichen Untersuchung nachgewiesen, dass die jungen Apistogramma borellii angeborenermaßen auf die Färbung reagieren. Ihre Nachfolgereaktion wird nur von der Färbung und der Bewegungen der Mutter ausgelöst, Form und Größenmerkmale sind dagegen bedeutungslos. Entsprechende Versuche lassen sich stark vereinfacht nachvollziehen. Wenn wir Jungfischen, die nur wenige Tage alt sind, die Mutter wegnehmen und eine an einem Faden aufgehängte gelbe Plastikwäscheklammer als Mutterattrappe ins Wasser hängen, werden wir sehen, dass die Jungen ihr folgen.

Literatur
Axelrod, H. R., u. a. (1962): Exotic Tropical Fishes. Jersey City. F-74.00
Holly, M., H. Meinken und A. Rachow (0. J.): Die Aquarienflsche in Wort und Bild. Stuttgart. 838/39-41,14
Kuenzer, E. und P. - (1962): Untersuchungen zur Brutpflege der Zwergcichliden Apistogramma reitzigi und A. borelli. Z. Tierpsych., S. 56-83
Küntzel, H. (1964): Erfahrungen bei der Zucht von Zwergcichliden. AT, S. 79-81

Das borellii-Weibchen führt die seit vier Tagen freischwimmenden Kinder

Neubert, H. (1955): Apistogramma reitzigi Ahl, ein Zwergcichlide. AT, S. 34-35
Nieuwenhuizen, A  v. d. (1964): Zwergbuntbarsche. Kleine DATZ-Bücherei Nr. 20. Stuttgart. S. 16
Pinter, H. (1966): Handbuch der Aquarienflschzucht.
    Stuttgart. S. 261 .  
Pittendörfer, P. (1941): Apistogramma reitzigi W.schr. Aquar. Terrar.k., S. 203

Stallknecht, H. (1973): Apistogramma reitzigi Ahl 1939, der Gelbe Zwergbuntbarsch. AT-Zierfischlexikon. AT, S.288

Sterba, G. (1959): Süßwasserfische aus aller Welt. Leipzig, Jena

Vierke J. (1973): Apistogramma reitzigi, der Gelbe Zwergbuntbarsch. Das Aquarium 7

Vierke J. (1976): Der Gelbe Zwergbuntbarsch AQUARIEN-TERRARIEN 23, Urania

Vierke J. (1977): Dwärgciklider, Västeräs

Vierke J. (1987): Zwergcichliden. Albrecht Philler Verlag, Minden

Vierke J. (1988): Dwarf Cichlids. T.F.H. Publications. New Jersey.

 
 


© Dr. Jörg Vierke