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»» Cryptoheros spilurus
Vor einigen Jahren erwarb ich einen kleinen Schwarm von sechs Jungcichliden: Schwanzfleck(en)buntbarsche, Cryptoheros spilurus. Ihrer oft himmelblauen Iris verdanken sie auch den Namen Blauaugen-Buntbarsch. Leider starben mir die zwei kleinsten Fischchen - ich hatte die Pünktchenkrankheit Ichthyophthirius zu spät bemerkt. Somit blieben nur die vier größten und kräftigsten Tiere übrig. Sie entwickelten sich alle zu prächtigen Männchen, heute sind sie gut elf Zentimeter groß und dankbar für jeden Regenwurm, den ich ihnen bringe. Selbst die allergrößten Würmer werden ohne große Schwierigkeiten bewältigt. Ohne Weibchen war an eine Zucht natürlich nicht zu denken, und damit könnte der Bericht eigentlich schon zu Ende sein. Aber die spilurus-Männchen blieben keine Junggesellen! Erfahrungen mit Schwanzfleckbuntbarschen Cryptoheros spilurus
© Jörg Vierke
Im gleichen Aquarium lebten neben Rotbrustbuntbarschen (Thorichthys meeki) auch noch ein Paar der nahe verwandten und aus dem gleichen Gebiet stammenden Zebrabuntbarsche (Amatitlania nigrofasciata) sowie ein einzelnes Zebra-Weibchen. Was ich erwartet hatte, geschah: Ein spilurus-Männchen verpaarte sich mit dem einzelnen nigrofasciata-Weibchen. Die Tiere begannen ein Revier zu verteidigen, sie unterhöhlten so gut es ging einen Stein, laichten dort ab und erschienen eines guten Tages mit einem Riesenschwarm von A. nigrofasciata x spilurus-Bastarden *. Die Mischlingsnatur der Kleinen war zunächst natürlich nicht zu erkennen, denn für das unbewaffnete Auge sehen alle „Cichlasoma“ ** -Larven gleich aus. Erst später zeigte sich deutlich, daß die Mischlinge sich von jeder der beiden Elternarten eindeutig unterschieden. Allerdings muss man dabei auf bestimmte Zeichnungsmuster achten, die auch schon bei nur acht Millimeter kleinen Fischchen deutlich waren. Da mit diesen Tieren unter bestimmten Umständen weiterzuzüchten ist und sie gelegentlich (leider!) in den Handel kommen, ist es für den interessierten Züchter gut, die Bastarde und die reinen Arten voneinander zu unterscheiden. Zunächst die Elternarten: Am leichtesten sind die Artunterschiede am Verlauf der schwarzen Querstreifen zu erkennen. Der vorderste Körperstreifen bei C. spilurus beginnt am Rückenflossenansatz und verläuft, die Kiemendeckel frei lassend, zum Ansatz der Brustflossen. Typisch ist ferner ein am Nacken ansetzender Streifen, der, nach vorn verlaufend, direkt auf das Auge zielt (siehe Zeichnung) und von dort zur Schnauzenspitze weiter verläuft. Ganz anders ist dagegen das Grundmuster der typischen A. nigrofasciata. Sie haben am vorderen Ansatz der Rückenflosse zumeist nur einen schwarzen Fleck. Vom Nacken des Fisches verlaufen nun zwei Streifen nach hinten, von denen erst der vordere über den Kiemendeckel bis etwa zum Brustflossenansatz hin gelangt. Die Querstreifen des Zebrabuntbarsches sind also gewinkelt. Da eine Zeichnung die Verhältnisse wesentlich besser darstellen kann als eine noch so detaillierte Beschreibung, will ich hier auf weitere Einzelheiten verzichten und auf die Abbildung hinweisen. Es sei aber hinzugefügt, dass die Muster individuell verschieden sein können, gelegentlich sind sie bei erwachsenen Tieren nicht immer gut auszumachen. Die Mischlinge haben ein durchaus typisches Zeichnungsmuster, dessen Anordnung sich von dem ihrer Eltern deutlich unterscheidet. Bestes Merkmal sind die vom Nacken ausgehenden Streifen. Bei C. spilurus zieht ein Streifen nach vorn zum Auge. A. nigrofasciata hat zwei Nackenstreifen, die beide schräg nach hinten ziehen. Der vordere zieht im Abstand von etwa einer Streifenbreite am Auge vorbei. Die Bastarde ähneln den nigrofasciata, nur zielt ihr Streifen haarscharf am Auge vorbei, berührt es gelegentlich auch gerade. Die Abbildung zeigt die Verhältnisse deutlich. Das Muster ist im wahrsten Sinne des Wortes durch Überkreuzung des spilurus- mit dem nigrofasciata-Streifen entstanden. Wenige Wochen alte Bastarde zeigen noch eine Kreuzfigur in der Schläfengegend. Das Bild lässt deutlich werden, welche Zeichnungselemente mit zunehmendem Alter wegfallen. Sind die spilurus-Männchen in Prachtfärbung, ist von den Streifen nichts zu sehen. Wie mir das Blättern in der einschlägigen Literatur bewies, sind Bastarde zwischen den beiden genannten Arten nicht selten. Sie kommen auch zwischen A. nigrofasciata und T. meeki sowie zwischen C. spilurus und T. meeki vor. Es handelt sich hier um die größeren und mittelgroßen zentralamerikanischen Cichliden, die man früher zur Gattung Cichlasoma gezählt hatte. Nach der Aufspaltung dieser Gattung kann man also behaupten, dass sich hier auch Bastarde zwischen den Angehörigen verschiedener Gattungen bilden - zumindest unter Aquarienverhältnissen. Auch wenn Biologen vielfach die Art als geschlossene Fortpflanzungsgemeinschaft beschreiben (so ist es ja auch in der Regel!), unter Fischen sind solche Ausnahmen durchaus auch in anderen Gruppen bekann. Wie steht es nun mit der Fortpflanzungsfähigkeit der Bastarde. Sind sie steril oder können sie sich ohne Probleme untereinander vermehren? Das scheint nicht immer einheitlich in der "Cichlasoma"-Gruppe zu sein. Bereits 1976 schrieb Zukal von einer nigrofasciata-spilurus-Mischung, die Tiere seien grundsätzlich steril. Von der gleichen Kreuzung schreibt Frank im Kosmos-Handbuch: "Alle Tochtergenerationen aus dieser Kreuzung sind fruchtbar." Er berichtet aber, dass die Bastarde zwischen C. spilurus und der xanthoristischen Form von A. nigrofasciata offenbar unfruchtbar seien. Solch unterschiedliche Erfahrungen können durch sehr verschiedene Dinge begründet sein (unterschiedliche Ausgangsrassen, verschiedene Aufzuchtbedingungen ...). Nun zu meinen eigenen Beobachtungen: Wieder und wieder laichten verschiedene meiner Mischlingszuchten ab; niemals entwickelten sich die Eier. Von einer uneingeschränkten Fruchtbarkeit konnte keinesfalls die Rede sein! Dann setzte ich einen der vermeintlich unfruchtbaren Bastarde in mein Großcichlidenbecken. Es war ein schönes, wenn auch noch nicht ausgewachsenes Tier mit spitz ausgezogenen Rücken- und Afterflossen, die deutlich über das Schwanzflossenende hinausreichten. Die Abbildungen rechts zeigen diesen Fisch mit seinen weit ausgezogenen Rücken- und Afterflossen. Daher hielt ich das Tier für ein Männchen, und als ein weiberloser spilurus-Mann sich um diesen Fisch bemühte, dachte ich mir: "In der Not frißt der Teufel Fliegen, der spilurus-Mann heiratet ein Bastard-Männchen." Gemeinsam machten die frischvermählten Tiere dem alteingesessenen meeki-Paar das Revier streitig. Sie eroberten einen Laichplatz und taten sehr eifrig. Wie war ich erstaunt, als der ursprünglich für ein Männchen gehaltene Bastard eine Legeröhre bekam, ablaichte und als sich aus diesen Eiern ein gewaltiger Schwarm voll lebensfähiger Jungfische entwickelte! Er wurde von beiden Eltern ganz hervorragend betreut, aber nach etwa zwei Wochen war schließlich auch der letzte von den übrigen Beckeninsassen erwischt worden. Beim Laichen und während er Pflege konnte man beim Mischlings-Weibchen ansatzweise auch rotgoldene Schuppen in der Bauchgegend erkennen, wie sie bei nigrofasciata-Weibchen häufiger zu sehen sind. Auch das zeigen die Fotos auf der rechten Seite. Die Zuchtergebnisse lassen sich nur so erklären, dass zumindest bei den von mir untersuchten Tieren die Bastarde untereinander verpaart unfruchtbar waren. Mit C. spilurus zurückgekreuzt waren sie jedoch fruchtbar, ganz offensichtlich uneingeschränkt.
Es blieb nicht bei dem einen Zuchterfolg. Wieder und wieder laichten die Tiere ab und erzielten muntere Schwärme von Jungcichliden. Zumeist ließ ich sie als zusätzliches Lebendfutter für die Mitbewohner im Aquarium. Nur einmal hatte ich zehn Jungtiere herausgefischt und getrennt aufgezogen. Sie entwickelten sich prächtig. Als sie etwa einen Zentimeter groß waren, erkannte ich deutlich, daß diese Tiere nun wirklich nur noch schwer von C. spilurus zu unterscheiden waren. Kein Wunder, kreiste doch 75% spilurus-Blut in ihren Adern. Ich habe nicht lange gezögert und sämtliche Nachkommen meiner Kreuzungstiere meinen Schlangenkopffischen zum Fraß vorgeworfen. Der Grund dafür? Ich will nicht mit dafür verantwortlich sein, wenn diese Fische weiter in spilurus eingekreuzt werden. - Wer weiß, vielleicht gäbe es dann in einigen Jahren nur noch spilurus mit viel oder wenig nigrofasciata-Anteil. So interessant und liebenswert derartige Mischlinge auch sein mögen, auf Kosten der reinen Arten sollten sie sich nicht ausbreiten.
* Die Bezeichnung "Bastard" für Mischlinge ist ein biologischer Fachbegriff und ist natürlich in keiner Weise abwertend gemeint! ** Cryptoheros, Amatitlania, Thorichthys und viele andere waren früher in der Sammelgattung Cichlasoma vereinigt.
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