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Costa Rica - Cichliden im Freiwasser

© Dr. Jörg Vierke

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Weißbinden-Felsenbuntbarsch Hypsophrys nematopus

Einzigartige Fischaufnahmen werde ich nicht machen, das wurde mir klar, als ich von einer großen Hängebrücke in die schäumenden Wildwasserfluten des Rio Sarapiqui sah, dort, wo er sich mit dem Rio San Raffael vereinigte*. Von Fischen war noch nicht einmal was zu erahnen. Aber vor mir stand ein Vogel auf der Stelle flatternd frei in der Luft, um sich wenig später fünf oder mehr Meter wie ein Pfeil ins Wasser zu stürzen und mit etwas Silbrigem wieder aufzutauchen. Es war ein Ring-Fisher **, ein Verwandter unseres Eisvogels, der mir zeigte, dass hier Fische sein müßten.

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Hypsophrys nematopus
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Topas-Buntbarsch Cryptoheros myrnae
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Pastell-Buntbarsch Amphilophos alfari
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Leoparden-Buntbarsch Parachromis dovii

Nur wenige Stunden blieben mir Zeit, um die Fischfauna im Bereich des Rio Sarapiqui kennen zu lernen. Ich war in diesem Teil des zentralen Costa Rica zwar Ende November, also zum Beginn der Trockenzeit, aber offenbar regnet es in diesem Gebiet fast ständig. Die starken Regenfälle der vergangenen Tage hatten viel lehmiges Erdreich in den Fluss geschwemmt. Infolgedessen war das Wasser ausgesprochen trübe.

Natürlich macht man bei Sonnenschein bessere Filmaufnahmen. Aber da ich keine Wahl hatte, begab ich mich ins Wasser, trotz des Regens. Unter Wasser zeigte sich dann doch recht schnell, dass hier eine ganze Reihe interessanter Fischchen anzutreffen waren. Allerdings beeinträchtigte die Wassertrübe doch sehr die Aufnahmen.

Bei der Filmbearbeitung konnte ich einiges von der Trübe wegfiltern. Ich halte derartige Manipulationen nicht für verwerflich! Andererseits sehe ich es nicht gern, wenn übertrieben mit Zeitlupe und Zeitraffer gearbeitet wird, wie das in populären Natursendungen leider immer häufiger zu sehen ist. Hier werden falsche Eindrücke erzeugt, speziell dann, wenn nicht auf diese Manipulationen hingewiesen wird!

Ich arbeitete mich schnorchelnd in Ufernähe den Fluss aufwärts. Schwimmen war in der kräftigen Strömung nicht möglich, nicht für mich! Mit den Füßen stützte ich mich an den runden faust- bis fußballgroßen Steinen ab, mit den Händen zog ich mich vorwärts. Die Steine waren mit Algen- und Bakterienrasen bewachsen. Sie sind die Hauptnahrung der Fische neben ins Wasser gefallenen Früchten und Insekten. Höhere Wasserpflanzen gab es hier nicht. - Die Wassertemperatur lag bei 26 bis 27 ° C.

Ein Cichliden-Paradies

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Maskenbuntbarsch Tomocichla tuba, Weibchen über dem Gelege
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Tomocichla tuba, das Gelege

Bestimmend waren hier die Cichliden. Buntbarsche gab es hier in großer Zahl und in überraschender Artenvielfalt. Ich habe bei meiner Videotour mit Sicherheit nur die häufigsten von ihnen aufspüren können.

Am zahlreichsten waren die kleinen Hypsophrys nematopus, früher als Neetroplus nematropus bezeichnet, Die Fischchen mit dem Buckelkopf und dem unterständigen Maul waren ständig mit dem Abweiden des Steinbewuchses beschäftigt. Ihr deutscher Name Weißbinden-Felsenbuntbarsch bezieht sich auf das Prachtkleid der Fische. Sie präsentieren dann eine auffallende weiße Querbinde auf dem dunklen Körper.

Weiter in der Mitte des Füßchens, wo die Strömung deutlich stärker als im Uferbereich ist, sieht man die etwas größeren Jungfische, auch teilweise in eindrucksvoller Populationsdichte. Dazwischen auch einige junge Maskenbuntbarsche Tomocichla tuba, die sich offensichtlich in der Gesellschaft der nematopus wohl fühlten. Sie bildeten lockere gemischte Jugendgruppen zusammen mit einigen Amphilophus.

In den noch tieferen Bereichen des Flusses - damit sind etwa 1 m Tiefe gemeint! - traf man gelegentlich auf die schönen blauäugigen Cryptoheros myrnae. Seine beeindruckende Augenfärbung verhalf ihm zu dem Namen Topas Buntbarsch; nach dem schönen blaufarbenen Edelstein. Die sanften, gerade nur 10 cm großen Fischchen sieht man in Aquarien leider nur selten.

Das trifft auch für den Pastell-Buntbarsch Amphilophus alfari zu. Er erreicht Längen von 15 cm. Man kann ihn leicht mit Amphilophus diquis verwechseln, aber diese Art soll nur auf der zum Pazifik ausgerichteten Seite von Costa Rica vorkommen.

Ein besonders schneller und auffallender Schwimmer ist der Maskenbuntbarsch Tomocichla tuba. Auch dieser Cichlide wurde in der Vergangenheit immer wieder umbenannt. Man kannte ihn längere Zeit als Tomocichla oder Theraps underwoodi. Der kräftige bis zu 30 cm groß werdende Buntbarsch ist ein Fisch strömender Gewässer - ein Grund, dass seine Pflege nicht ganz unkompliziert ist.

Ich entdeckte das Gelege des Tomocichla auf der Oberfläche eines gut faustgroßen Steines, der von gröberem Geröll umgeben war. Die Eier sind für einen Offenbrüter recht auffällig und groß. Andererseits ist die Eizahl für einen Fisch dieses Kalibers recht gering. Überschlagsweise komme ich auf gut 400 Eier, aber man kann ihre Anzahl gerne exakt auszählen (Abb.!). - Bei genauerem Hinschauen sieht man, dass die Eier nicht nur auf dem eigentlichen Laichstein zu finden sind. Einige kleben auch auf einem der seitlichen Steine (auf dem Foto oben!).

Es gab auch noch einige weitere Cichliden hier im Fluss. Aber es war nicht möglich, sie alle genauer zu betrachten. Unter anderem kreuzten auch die im Alter bis zu 70 cm groß werdenden Räuber Parachromis dovii (Leopardenbuntbarsch) sowie Hypsophrys nicaraguense meinen Weg. Im Film kann man sie sehen!

Salmler und Lebendgebärende Zahnkarpfen

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Astyanax fasciatus
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Xenophallus umbratilis

Stellenweise begegnet man hier im Freiwasser Schwärmen von lebhaften Salmlern. Der gelb eingefaßte, rhombenförmige schwarze Schwanzwurzelfleck kennzeichnet sie als Amerikanische Streifensalmler Astyanax fasciatus, die Form, von der die bekannten Blinden Höhlensalmler abstammen. In den Niederlanden steht diese Art übrigens auf der Roten Liste bedrohter Arten (Cites). Man darf aber davon ausgehen, dass sich das nur auf die Unterart, den Blinden Höhlensalmler A. fasciatus mexicanus, bezieht.

Zum Schluß noch ein Blick auf die kleinen Kärpflinge, die hier häufig, aber gut getarnt vorkommen. Man entdeckt sie erst beim zweiten Hinschauen. Zwei kräftige schwarze Flecken verraten sie. Bei genauerer Betrachtung entpuppen sie sich als das dunkle Auge und als eine umgekehrt kommaförmige Zeichnung am Beginn der Rückenflosse. Es sind Regenschirm- oder Schattenkärpflinge Xenophallus umbratilis, im englischen Sprachgebrauch werden sie als "Golden Teddy" bezeichnet.

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Tomocichla tuba-Weibchen am Gelege

Sie kommen in lockeren Trupps vor, gelegentlich aber sind sie auch vereinzelt. Wo das guppyartige Weibchen ist, ist allerdings in der Regel das kleine Männchen nicht mehr weit. Beide Geschlechter tragen die gleiche, unverwechselbare Zeichnung. Gern suchen sie in Ufernähe am sandigen Bodengrund nach Nahrung. Dort im Flachwasser sind sie sicher vor dem Ringfischer. Hier allerdings sollten sie sich vor den weißen Reihern in acht nehmen, die hier recht häufig auf Fischsuche gehen.

Anmerkungen:

*   Genaue Ortsangabe nach Google Earth 2010: 10°21´06.80" N, 83°58´13.23" W; 64 m über NN.

**  Das ist kein Rechtschreibfehler. Diese Kingfisher tragen ein ringartiges weißes Federmuster, daher der Name!

Literatur: Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2010.FishBase. World Wide Web electronic publication. www.fishbase.org, version (07/2010).

© Dr. Jörg Vierke


Um einen richtigen Eindruck vom Geschilderten zu bekommen, muss man aber den Film sehen (siehe unten). Dafür habe ich ihn schließlich gemacht!


Wer wissen möchte, wie bunt es in Costa Rica über Wasser mit den Tieren bestellt ist, für den habe ich hier noch einen Film über Kolibris!

 

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