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Blaue Kongocichliden Nanochromis parilus, ihre Haltung und Zucht

© Dr. Jörg Vierke

Es gibt Aquarienfische, die im Hinblick auf ihre Erscheinung nicht nach Jedermanns Geschmack sind. Dazu gehören neben den Mondscheinfadenfischen auch die Blauen Kongocichliden. Diese Buntbarsche schleichen ganz bevorzugt in Bodennähe herum und lassen es an Eleganz fehlen. Es ist eine sehr lang gestreckte Art mit relativ kleinen Köpfen. Wenn die Weibchen laichreif werden, haben sie einen geradezu aufgequollen erscheinenden Bauch und eine auffallend heraustretende Laichröhre.

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Nanochromis parilus-Weibchen, leicht am angeschwollenen Bauch und der Legeröhre zu erkennen.
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Das Paar vor der Bruthöhle. Im Vordergrund das kleinere Weibchen.
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Was sich im Inneren der Höhle abspielt ist kaum zu erkennen, weil immer eines der Alttiere davor steht und dem neugierigen Beobachter die Sicht nimmt.
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 Die Nanochromis parilus-Mutter mit der gerade frei schwimmenden Brut
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 Blauer Kongocichlide: Auch der Vater beteiligt sich am Führen der Nachkommen
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 Nanochromis parilus mit Jungen
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 Die Nanochromis parilus-Mutter umgeben von den Kleinen

Aber über Geschmack kann man wirklich streiten. Letztlich zeigen diese Fische doch etwas, was bei den anderen Aquarienfischen nicht sehr häufig ist - eine sehr schöne blaue Farbe. Die zeigen sie wohl nur in seltenen Fällen schon im Händlerbecken, aber wer es mal mit der Haltung der Kongocichliden im Spezialaquarium versucht hat und die Tiere bei ihrer Balz beobachtet hat, wird kein böses Wort mehr über sie verlieren.

Wie der Name schon sagt, kommen die Tiere aus Zentralafrika aus dem Bereich des Kongoflusses. Sie sind hier besonders aus der Umgebung von Stanley Pool bekannt, dem See am unteren Kongo (Zaire), an dem die beiden Hauptstädte Brazzaville und Kinshasa liegen. Sie sind aber nicht direkt im See Zuhause, sondern im schnell fließenden Wasser der Stromschnellengebiete. Daher ihre langgestreckte Erscheinung. Sie ermöglicht es den Tieren, gut zwischen Steinspalten geschützte Zufluchträume aufzusuchen. Zum wissenschaftlichen Namen der Blauen Kongocichliden soll nicht viel gesagt werden. Seit ihrer Ersteinführung bei uns im Jahre 1952 wurden sie als Nanochromis nudiceps bezeichnet. Inzwischen heißt unser Fisch Nanochromis parilus. Die Art nudiceps gibt es zwar auch, aber diese Fischchen kommen nur ganz selten mal in unsere Zoohandlungen. Die parilus sind leicht an der schwarz-weißen Längsstreifung in der oberen Schwanzflossenhälfte zu erkennen.

Ihre Herkunft aus den ständig feuchten Regenwaldgebieten Zentralafrikas macht verständlich, dass diese Buntbarsche auf Wasserwerte angewiesen sind, wie wir sie auch von den südamerikanischen Urwaldfischen kennen: Sie brauchen möglichst weiches Wasser und einen pH-Wert, der im saueren Bereich liegt. Wenn wir dann als Halter regelrechte Steinaufbauten ins Aquarium geben, die jede Menge von Gesteinsspalten und Höhlen bilden, haben wir schon viel für unsere Stromschnellenfische getan. Und dann lieben sie natürlich Wasserströmung. Ein Filter oder zumindest eine kräftige Durchlüftung sollten wir für die Tiere schon installieren. Auf Wasserpflanzen legen sie dagegen keinen Wert. Da ein bepflanztes Becken aber allemal schöner aussieht, werden wir zumindest Javafarn an einem Teil der Felsaufbauten unterbringen. Aber auch zartere Pflanzen bleiben verschont, wenn sie nicht gerade in der direkten Nähe ihrer Bruthöhle gepflanzt sind.

Blaue Kongocichliden werden bis zu 8 cm groß. Die Weibchen allerdings bleiben etwas kleiner. Sie erreichen bestenfalls eine Gesamtlänge von etwa 7 cm. Blaue Kongocichliden sind nicht ausgesprochen selten, aber andererseits bekommt man sie auch nicht an jeder Straßenecke. Wer sich diese Fische anschafft, sollte sie nicht nur optimal unterbringen - das sollte ohnehin selbstverständlich sein! - er sollte auch versuchen, sie nachzuzüchten. Wer die oben gegebenen Hinweise berücksichtigt, dürfte schon auf dem besten Weg dazu sein. Eigentlich sind nur noch drei weitere Dinge zu berücksichtigen: die Aquariengröße, die Fischauswahl und das Futter.

Bekanntlich kann ein Aquarium nie groß genug sein. Vermutlich funktioniert die Zucht bei paarweiser Unterbringung auch schon in einem 50-Liter-Aquarium, aber sicherer und weit schöner ist es, wenn man den Tieren ein 100-Liter-Becken zur Verfügung stellen kann. Blaue Kongocichliden sind nämlich gelegentlich recht scheu und schreckhaft. Je mehr Möglichkeiten sie haben, sich zu verstecken und je mehr Platz sie haben, desto sicherer fühlen sie sich, desto besser kann man sie beobachten. Anderenfalls trauen sie sich vielleicht kaum noch aus ihren Verstecken heraus!

Zur erfolgreichen Zucht sollte man Kongocichliden nicht mit anderen Buntbarschen vergesellschaften. Am besten hält man nur ein einziges Paar, denn untereinander können sich die Tiere erbitterte Gefechte liefern. Die Zusammenstellung eines Paares bereitet bei dieser Art nicht die geringsten Schwierigkeiten. Die Rücken- und Afterflossen der geschlechtsreifen Männchen sind deutlich ausgezogen. Vor allem haben die geschlechtsreifen Weibchen aber den schon oben angesprochenen deutlich aufgetriebenen Leib mit der auch außerhalb der Laichzeit deutlich hervortretenden Laichpapille.

Leider ist es keineswegs sicher, dass sich ein wahllos zusammengestelltes Paar auch wirklich verträgt. Hier muss man auf sein Glück vertrauen und notfalls sehen, ob ein Partnerwechsel zum erhofften Erfolg führt. Da die Cichliden total bodenfixiert sind, bemerken sie es kaum, wenn wir im Aquarium auch noch Fische haben, die sich direkt an der Wasseroberfläche aufhalten. Hier eignen sich Spritzsalmler, oder - um bei Afrikanern zu bleiben - sehr gut auch Querbandhechtlinge Epiplatys dageti. Doch auch mit vielen anderen Nichtcichliden vertragen sie sich, wenn es sich bei den Tieren nicht gerade um typische Bodenbewohner handelt. Allerdings sollten die Mitbewohner zahlenmäßig gering bleiben. Auch muss ihretwegen die durch unseren Filter verursachte Strömung in verträglichen Grenzen gehalten werden. Tatsächlich sind die Ansprüche unserer Kongocichliden in dieser Hinsicht auch weniger groß, als vielfach angenommen wird.

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 Die Eier sind an Fäden unter der Höhlendecke aufgehängt.
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 Eine Vielzahl von schwanzschlagenden Nanochromis parilus-Larven hängen mit ihren Haftdrüsen unter der Höhlendecke.

Die Blauen Kongocichliden sind ohne Weiteres an Kunstfutter zu gewöhnen. Wer sie jedoch züchten will, sollte sie gut und in ausreichender Menge mit Lebendfutter anfüttern. Hier bewährten sich vor allem die sogenannten Glasstäbchen oder Weißen Mückenlarven, die Larven der Büschelmücke. Aber auch anderes Lebendfutter wird von den Blauen liebend gerne verspeist.

Da sich in der Folgezeit viel in Höhlen abspielen wird, ist der Aquarienfreund jetzt gut beraten, seine Taschenlampe bereitzuhalten. Gern baggern die Tiere jetzt Sand unter den Steinen weg, um sich eine geräumigere Wohnstube zu schaffen. Hier sind Männchen und Weibchen oft beide gleichermaßen aktiv. Bald ist vor dem Höhleneingang ein richtiger Sandwall aufgetürmt, so dass das Hineinschauen trotz Taschenlampe erschwert wird. Hoffentlich stehen unsere Felsaufbauten sicher, damit es keine Katastrophe durch zusammenstürzende Steinaufbauten gibt.

Ganz einfach ist die Zucht der Kongocichliden nicht. Aber mit Geduld und etwas Glück werden wir eines Tages im Licht unserer Taschenlampe das Gelege sehen. Es klebt direkt unter der Höhlendecke und besteht aus etwa 100 bis 200 leuchtend gelben Eiern. Sie hängen wie kleine Bommel an zarten Fäden. Ständig schwimmen die Eltern direkt um die Eier herum und bringen sie in schaukelnde Bewegungen. Immer wieder lutschen sie an den Eiern, sicherlich, um sie auf diese Weise sauber zu halten und so eventuellen Infektionen durch räuberische Einzeller vorzubeugen. Als Zuschauer ist man direkt in Sorge, dass die kleinen Fäden reißen könnten, aber die Sorge ist unbegründet.

Artemia-Nauplien sind das Standardfutter der Fischzüchter für frisch geschlüpfte Jungfische. Nauplien sind die Larven von bestimmten Salzkrebsen (Artemia salina), die man aus staubfeinen Eiern leicht selbst zum Schlupf bringen kann. Die gerade geschlüpften Krebslarven sind so klein, dass sie vielen Fischchen als ideales Erstfutter dienen. Salzkrebseier kann man in jeder Zoohandlung kaufen.

Wenn die Jungen schlüpfen, ist meist nur noch die Mutter in der Höhle. In kleinen Aquarien, in zu kleinen Aquarien, kann der Vater nicht den notwendigen Abstand von der Bruthöhle halten und wird von der Mutter erbarmungslos durch das Aquarium gehetzt. In ausreichend großen Becken dagegen wird er in der Umgebung der Höhle geduldet, gewiss schaut er nach potentiellen Feinden aus.

Die frisch geschlüpften Kleinen werden zunächst am Boden der Höhle deponiert. Hier bleiben sie etwa sechs Tage liegen. In dieser Zeit leben sie nur von den Vorräten in ihrem großen gelben Dottersack. Dann aber ist der Nahrungsvorrat aufgezehrt und nach etwa einer Woche verlassen die Kleinen in Gesellschaft ihrer Mutter das erste Mal die Bruthöhle.

Die Kleinen brauchen jetzt viel Futter. Als Erstnahrung fressen sie sehr gern frisch geschlüpfte Artemien. Bei guter Fütterung wächst die Brut rasch heran. Jetzt beteiligt sich auch der Vater wieder intensiv an der Führung der Kleinen. Es macht Riesenfreude, einer solchen Buntbarschfamilie zuzuschauen - und die Vorurteile, von denen ich im ersten Absatz schrieb, die weichen dann schnell der Begeisterung für diese schönen Fische.

© Dr. Jörg Vierke

Hinweis: Einen ausführlichen Bericht mit ebenso ausführlichem Film zum nahen Verwandten Nanochromis transvestitus findet man hier bei "Fischverhalten"  >>>



Hier der Fotofilm zum Thema!