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Etwas Besonderes für Labyrinthfisch-Freunde:

Betta imbellis, der Kleine Kampffisch


© Jörg Vierke


Auf  Einladung des Malaiischen Nationalmuseums in Kuala Lumpur konnte ich im Rahmen einer mehrwöchigen Forschungsreise im Sommer 1984 die Verbreitung und die natürlichen Ansprüche von Betta imbellis untersuchen. Hier zunächst ein Überblick über die Untersuchungsergebnisse: 

       
Wasserlöcher und Gräben in Reisfeldern (Vordergrund) sind bevorzugter Lebensraum der Kleinen Kampffische. In den Bächen des Hügellandes im Hintergrund leben dagegen maulbrütende Bettas.        
         

Die natürliche Verbreitung von Betta imbellis

Es stellte sich heraus, dass Betta imbellis ein Fisch der Malaiischen Halbinsel ist. Sein Verbreitungsgebiet reicht im Norden auch noch nach Thailand hinein. Mein nördlichster Fundort liegt im Bereich der Insel Phuket bei Phagna. Der südlichste Fundort, an dem ich die nahe verwandte Art Betta splendens fangen konnte, war im Süden Thailands wenige Kilometer nördlich von Cha-am. Übergangsformen scheint es nicht zu geben, Überschneidungen auch nicht. Offenbar trennt die schmale Landenge im Gebiet des Ishmus von Kra die beiden Arten.

In Malaysia trifft man die Art ganz bevorzugt im Bereich der Westküste an. Hier ist der Kleine Kampffisch in passenden Biotopen allgegenwärtig. Deutlich seltener ist er dagegen im Osten der Halbinsel. Von seltenen Ausnahmen abgesehen, ist Betta imbellis ein Fisch der Tiefländer. Als Kulturfolger ist er nirgendwo gefährdet.

Betta imbellis variiert im Aussehen recht deutlich. Der Rotanteil in den Flossen, speziell in der After- und Schwanzflosse ist bei den im Süden der Halbinsel lebenden Männchen deutlich stärker als bei denen im Norden. Die Männchen können mehr oder weniger grünlich oder blau schimmern. Alles das aber sind keine taxonomisch relevanten Merkmale.

Die ökologischen Ansprüche von Betta imbellis
Betta imbellis bevorzugt besonnte, warme Gewässer. Die Wohngewässer können sehr klein und isoliert sein; ebenso gut kann es sich um die Randzonen tiefer Seen handeln, wie sie beim Zinnabbau entstehen, oder um das fast stillstehende Wasser der Straßengräben am Rand der Reisfelder. Auch in den Reisfeldern selbst trifft man sie häufig an. Voraussetzung ist in jedem Fall Vegetation. Die Kleinen Kampffische sind daher Fische bewachsener Uferbereiche. In pflanzenfreien Gewässern sucht man sie vergeblich. Fast immer ist Betta imbellis mit dem Knurrenden Gurami Trichopsis vittata vergesellschaftet, der in der Regel wesentlich häufiger als der Kleine Kampffisch ins Netz geht. Typische Begleitfische für Betta imbellis sind aber auch Reiskärpflinge und Punktierte Guramis (Trichogaster/ Trichopodus trichopterus).

Die Kleinen Kampffische kommen in einem sehr weiten ökologischen Bereich vor. Die Biotope sind sehr verschieden, die Angaben für den Wasserleitwert variieren zwischen 20 und 120 Mikrosiemens, die pH-Werte zwischen stark sauer (pH 4,2) und basisch (pH 7,3). Die beiden Extremwerte zum Säuregrad wurden bezeichnenderweise in demselben Gewässer ermittelt, und zwar im Abstand von 8 Tagen. Vermutlich erklären sich diese Schwankungen daher, dass dieser See zu einer in Betrieb befindlichen Zinngrube gehört und hier Spülwasser eingeleitet wird. Doch zeigt dieses, welche extreme Anpassungsfähigkeit diese Tiere im Hinblick auf den Säurewert aufweisen. Im Hinblick auf die Wassertemperatur scheinen die Ansprüche deutlich enger zu sein. Ich habe sie nie in Wasser gefunden, das kühler als 28° C ist. Das erklärt ihre Vorliebe für offene, unbeschattete Flachwasserzonen. Im fließenden Wasser der Urwälder und Kautschukplantagen trifft man sie nur selten an, weil das Wasser hier normalerweise kühler als 28° C ist.

        Betta_imbellis_15a.jpg
        Kampffisch-Paarung - Betta imbellis x splendens?
         
       
Das Männchen bedroht das Weibchen - Kampffische B. imbellis x splendens(?)        

Stirbt Betta imbellis aus?

Der Kleine Kampffisch Betta imbellis ist in den Tiefländern der Malaiischen Halbinsel weit verbreitet - wieso sollte er aussterben?

Auch in Malaysia werden Betta splendens, die Siamesischen Kampffische, in größen Mengen gezüchtet, meistens Schleierkampffische, seltener auch die bulligen Kampfformen für Wettkämpfe. Es wäre höchst verwunderlich, wenn diese splendens nicht gelegentlich freikämen oder sogar bewußt frei gelassen werden. Dann vermischen sie sich mit den ortsansässigen imbellis und die reine Art verschwindet letztlich *.

Diese Annahme ist natürlich erst bewiesen, wenn entsprechende genetische Untersuchungen erfolgt sind. Aber ich hatte bereits 1984 speziell im Süden der malaiischen Halbinsel "imbellis (?)" gefunden, die nicht das typische schwarze Prachtkleid der eigentlichen imbellis tragen und auch etwas größer wurden. Ich hielt sie zunächst für weniger attraktive Varianten der imbellis. Inzwischen vermute ich stark, dass es sich dabei um Mischlinge der einheimischen imbellis mit den ursprünglich aus Thailand stammenden splendens handelt. Die Fotos zeigen derartige Fische - dem Männchen fehlen die dunklen Farben der typischen imbellis!

* Anmerkungen: Entsprechendes ist im Süden des Tanganikasee bei einigen Cichliden wissenschaftlich belegt.

Zur Haltung der Kleinen Kampffische

Man nennt diese kleinen Labyrinthfische gelegentlich auch "Friedliche Kampffische", ganz getreu der Bedeutung des wissenschaftlichen Namens. Ich plädiere für die Bezeichnung "Kleine Kampffische". Der Name "Frieedliche Kampffische" wäre nicht nur in sich widersprüchlich und skurriel, er entspricht auch nicht den Tatsachen. Wie alle schaumnestbauenden Kampffische sind die Tiere territorial und verteidigen natürlich ihre Reviere. Sie sind dann deutlich aggressiver als beispielsweise die maulbrütenden Kampffische.

Ich habe immer mal wieder imbellis gehalten. Bei einer Gelegenheit hatte ich 5 Betta imbellis-Paare gemeinsam untergebracht. Sie wurden zusammen in ein speziell für sie eingerichtetes Aquarium mit den Maßen 80 x 25 x 25 Zentimeter einquartiert. Die Geschlechter waren leicht zu unterscheiden. Die Männchen sind etwas größer, insgesamt dunkler und haben eine kräftigere Beflossung. Besonders auffallend sind ihre recht lang ausgezogenen Bauchflossen.

Man muss sie zur Zucht nicht unbedingt bei 28° C halten. Ich versuchte es mit einer Wassertemperatur um 25° C und einer Gesamthärte von etwa 10° dGH. Das Wasser war unbewegt. Schon am folgenden Tag hatten drei der Männchen ihr Hochzeitskleid angelegt. Sie hatten die Oberfläche des Aquariums untereinander aufgeteilt, während es für die Weibchen und die beiden anderen Männchen nicht möglich war, sich ständig am Wasserspiegel aufzuhalten. Wenn sich die Männchen begegneten - das geschah im wesentlichen natürlich an den Reviergrenzen -, dann spreizten sie weit ihre Flossen und erglühten in den herrlichsten Farben. Die Körpergrundfarbe ist dann zwar ein sattes Schwarz, jedoch glänzen Teile des Kopfes und besonders die Schuppen in der oberen Körperhälfte bei günstigem Lichteinfall herrlich hellblau. Auch die unpaaren Flossen strahlen in leuchtenden Blautönen. Ein ganz besonderer Schmuck sind jedoch die Rotanteile in der Schwanz-, der After- und in den Bauchflossen. Letztere haben zusätzlich noch eine weiße Spitze. Ganz gewiss gehört Betta imbellis zu den schönsten Labyrinthfischen. Das will bei dieser an herrlich gefärbten Arten nicht gerade armen Fischfamilie etwas heißen!

        Betta_imbellis_4.jpg Betta_imbellis_5.jpg
        Betta imbellis: Das Männchen bietet sich balzend an, das Weibchen (rechts) kommt. Das Männchen umschlingt das Weibchen. Das Schaumnest (oben) enthält bereits Laichkörner.
        Betta_imbellis_6.jpg Betta_imbellis_7.jpg
         Das erste Ei rieselt schon zu Boden. Jetzt beendet das Männchen die Umschlingung und ...
 ... schwimmt zügig nach unten, um das Ei aufzuschnappen. Das Weibchen verharrt ...
       
         
... S- förmig gebogen direkt unter dem Schaumnest in einer Art Paarungsstarre. Der Partner hat sich unter ihr positioniert und schnappt die nach unten rieselnden Eier eins nach dem anderen auf. Anschließend werden die Laichkörner ins Nest gebracht.
         

Wie oben schon angedeutet, sind diese Tiere nicht wirklich friedlich! Bei den Grenzplänkeleien blieb es nicht aus, dass die Männchen Teile ihrer schönen Flossen verloren. Auch das in den Bildern gezeigte Tier hat eine Lücke in seiner Afterflosse. Immerhin benahmen sich die Männchen bei weitem friedlicher, als wir es von Schleierkampffischen gewohnt sind. Dennoch, ich halte die Tiere nun doch wieder lieber paarweise getrennt. Natürlich kann man sie ohne Schwierigkeiten mit anderen Fischen vergesellschaften. Diese sollten aber ebenfalls recht ruhig sein und auch nicht zu groß werden. Die Betta imbellis-Männchen werden nur maximal fünf Zentimeter groß, zumeist bleibt es bei einer Gesamtgröße von vier Zentimetern. Die Weibchen bleiben noch kleiner.

Zum Fortpflanzungsverhalten der Kleinen Kampffische

Schon einen Tag nach ihrer Einquartierung begannen die drei Reviermännchen mit dem Bau ihrer Schaumnester. Sie legten es an der Wasseroberfläche zwischen Riccia an. Sehr bald begannen auch die Weibchen, Interesse an den Nestern zu finden. Sie legten eine ganz auffallende Tracht an: Während sie normalerweise mehr oder weniger unauffällig blass aussehen, nehmen sie nun eine dunkelblaue Färbung an. An den Flanken tragen sie jedoch mehrere unregelmäßig verteilte helle Querstreifen. Auffallend ist dann auch ihre weit austretende weiße Laichpapille.

Betta_imbellis_9.jpg        
Betta imbellis Eier, kurz nach der Ablage        
Betta_imbellis_10.jpg        
Betta imbellis. Embryo etwa 25 Std alt        
Betta_imbellis_11.jpg        
Betta imbellis, Larve kurz vor dem Freischwimmen        

Beim Ablaichen von Betta imbellis habe ich bisher keine Unterschiede zu Betta splendens feststellen können. Das Männchen umschlingt sein Weibchen unter dem Schaumnest und wendet es auf den Rücken. Das Männchen hat dann die Form eines umgekehrt im Wasser schwebenden U, während das Weibchen sich S-förmig gekrümmt hat. Nach dem Eiausstoß trennen sich die Partner. Während das Weibchen zumeist noch einige Sekunden in der Paarungsstarre verharrt und in der S-Form verbleibend nach oben unter das Schaumnest schwebt, beginnt das Männchen mit dem Einsammeln der einzeln nach unten rieselnden, leuchtend weißen Laichkörner. Er schnappt sie auf - zumeist noch im Fallen, also bevor sie den Boden erreicht haben - und bringt sie sofort im Schaumnest unter. Hier werden die Eier sorgfältig vom Vater gehütet und gepflegt.

Die Zucht von Betta imbellis ist nicht so produktiv wie die von Betta splendens. Wenn die Aufzucht ein wenig schwieriger ist, so ist sie doch keinesfalls als problematisch zu bezeichnen. Auch wenig versierte Fisch-Liebhaber können dafür sorgen, dass diese herrliche Art in unseren Aquarien verbreitet wird. Da die Eier nicht sehr empfindlich sind, kann man sie zusammen mit dem Nest vorsichtig mit einer Kelle abschöpfen und in ein gleichtemperiertes, alteingerichtetes Aquarium von etwa 50 bis 100 Liter Inhalt überführen. Die darin lebenden Mikroorganismen reichen im Allgemeinen aus, um 100 oder noch mehr Betta-Larven so groß werden zu lassen, dass sie frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien bewältigen können. Die Anzucht von Artemia-Nauplien, also von Salinenkrebs-Larven, ist bekanntlich ein Kinderspiel. Hat man die Jungen erst einmal so weit, ist alles andere eine Kleinigkeit. Alle paar Tage sollte man etwa 1/3 des Wassers vorsichtig absaugen und durch gleichtemperiertes frisches Wasser ersetzen. So wachsen die kleinen Betta imbellis recht schnell und können bald mit gesiebtem Tümpelfutter ernährt werden. Dabei sind sie nicht wählerisch. Haben Sie keine Angst, dass die Jungfischchen an zu großen Brocken ersticken könnten! Diese Gefahr besteht bekanntlich bei Fadenfischen. Leider wird sie von manchen Autoren kritiklos auf alle Labyrinthfische übertragen. Das ist jedoch falsch. Betta-, Trichopsis- und Pseudosphromenus-Arten werden in keinem Altersstadium durch zu große Futterbrocken gefährdet. Ich habe nun schon sehr viele Labyrinther gezüchtet, aber auch ich bin jedesmal wieder von neuem erstaunt, wenn ich sehe, welche Riesenbrocken die letztgenannten Arten gefahrlos bewältigen können. Meine einen Zentimeter langen Jung-imbellis bewältigten Weiße Mückenlarven, die genau so lang waren wie ihre eigene Körperlänge. Langsam aber sicher wurde die Beute nach und nach heruntergewürgt. Das Wachstum der gefräßigen Kleinen erfolgt natürlich dementsprechend rasch.


© Dr. Jörg Vierke

Literaturhinweise:

Vierke, J. (1978): Etwas Besonderes für Labyrinthfischfreunde: Betta imbellis. Aquarien-Magazin 3, S. 128 - 130

Vierke, J. (1986): Die ökologischen Ansprüche der Kampffische Betta imbellis und Betta pugnax auf der Malaiischen Halbinsel. Bonn. zool. Beitr. 37, S. 131 - 141


Und hier ein ausführlich kommentierter Fotofilm zum Vorkommen und zum Fortpflanzungsverhalten des Kleinen Kampffisches Betta imbellis: