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Betta falx, der Sumatra-Kampffisch


Dr. Jörg Vierke

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Bild 1: Betta falx-Weibchen, gut zu erkennen an der gemusterten Afterflosse
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Bild 2: Vor Beginn der Paarungen kreist das Weibchen (vorne) unablässig um seinen Partner
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Bild 3: Es drückt sich dem Männchen in die Flanke, das sich daraufhin zum Weibchen umbiegt. Bevor es aber zur festen Umklammerung kommt ...
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Bild 4: ... löst sich das Paar schon wieder. Zwischen den eigentlichen Paarungen treten solche unvollendeten Ansätze häufig auf.

Bereits 1981 hatte ich diesen liebenswerten Maulbrüter untersucht und meine Beobachtungen mitgeteilt*. Ich erhielt diese Fische dank der freundlichen Vermittlung von O. Naujokat von einem Großhändler, der sie direkt aus Zentralsumatra importiert hatte. Es waren zwanzig Tiere von durchschnittlich vier Zentimeter Gesamtlänge. Wie sich später herausstellte, war darunter nur ein einziges Männchen!

Es gab damals wenig zuverlässige Betta-Literatur und anders als heute (Internet!) war nur schwierig an sie heranzukommen. Immerhin fand ich heraus, dass es sich um eine etwas abweichende Form der von Java beschriebenen Betta picta handeln musste – so bezeichnete ich sie als „Betta picta von Sumatra“. An eine taxonomische Beschreibung der Tiere traute ich mich nicht heran, vor allem, weil mir keine lebenden Vergleichs-Exemplare aus Java vorlagen.

Vor einigen Jahren wurden diese Fische als Betta falx beschrieben (1998 von Tan, H.H. und M. Kottelat) und die Autoren betonten nachdrücklich die große Ähnlichkeit und Verwandtschaft zu B. picta. Im deutschen Sprachraum werden die Tiere in der Regel als Sumatra-Kampffische bezeichnet. Sie leben im Umkreis von Jambi (Zentralsumatra). Typischerweise findet man sie zwischen den Wasserpflanzen im Uferbereich der Bäche, oft in der Nähe von stehenden Gewässern mit pH 4,7 bis 6,8.

Wie oben angemerkt, hatte ich bereits 1981 das Verhalten, speziell das Fortpflanzungsverhalten dieser Fische untersucht und ausführlich dokumentiert. Die hier gezeigten Fotos stammen von damals. - Die Erstnachzucht der kleinen Maulbrüter gelang meines Wissens O. Naujokat.

Ich erhielt bereits fast vollständig ausgewachsene Tiere. Sie waren danach nur noch einige Millimeter gewachsen. Männchen erreichen 5,5 cm, die Weibchen 4,5. Da sie auch ohne großes Murren Trockenfutter nehmen und überdies keinem Mitbewohner an die Flossen gehen (der Name „Kampffisch“ ist für diese Art absolut unzutreffend!), eignen sie sich gut zur Haltung im Gesellschaftsaquarium. Besondere Ansprüche an das Wasser stellen sie auch nicht. Ich kann mir daher ersparen, die verschiedenen Temperatur- und Härtegrade aufzuzählen, bei denen ich sie gehalten und gezüchtet habe. Betta falx ist der empfehlenswerteste maulbrütende Kampffisch, den ich kenne, zumal die Art kleiner als die allermeisten anderen maulbrütenden Bettas bleibt.

In der Normalfärbung ist Betta falx bräunlich. Charakteristisch für ihn, aber auch für die meisten anderen Kampffische und überhaupt für viele Labyrinthfische des südostasiatischen Raumes, sind drei annähernd parallel verlaufende Körperlängsstreifen. Nach diesen drei Streifen wurde die Art früher auch als Betta trifasciata bezeichnet. Die Bezeichnung „falx“ bedeutet übrigens „Sense“ und bezieht sich auf die geschwungene Linie, die der Unterrand der Afterflosse beschreibt. Das gibt es natürlich auch bei anderen Kampffischen …

Aus den Bildern werden auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern hinreichend deutlich. Sie beschränken sich in allererster Linie auf verschiedene Farbmuster. Auch außerhalb der Fortpflanzungszeit kann man leicht Männchen und Weibchen voneinander unterscheiden. Die Weibchen haben in der Schwanz und vor allem in der Afterflosse rötliche bzw. dunkle Tupfen und Strichel. Diese fehlen dem Männchen. Sie haben dagegen einen dunklen Afterflossensaum. Wenn die Männchen in Ablaichstimmung sind, wird ihr Afterflossensaum besonders deutlich. Die übrige Afterflosse und die Schwanzflosse sind dann satt braunrot. In diesem Stadium sind die drei Körperlängsstreifen in beiden Geschlechtern bis auf die Kopfregion zurückgebildet. Nur gelegentlich kann man sie beim Männchen in der Körperzone noch andeutungsweise erkennen. Das Weibchen zeigt stattdessen eher Querbinden. Zu dieser Zeit hat das Männchen eine blaugraue Kopfunterseite; beim Weibchen ist sie weißlich.

Die von mir beobachteten Paarungen fanden alle am Nachmittag statt. Bis alle Eier im Maul des brutpflegenden Vaters untergebracht sind, dauert es mehrere Stunden. Zu Beginn der Laichphase verteidigen Männchen und Weibchen intensiv ein bestimmtes Gebiet gegen eindringende Artgenossen. Im Gegensatz zu den schaumnestbauenden Kampffischen liegt dieses Gebiet nicht an der Wasseroberfläche, sondern direkt am Boden. Die Tiere haben jetzt ihre Ablaichfärbung, und beim Weibchen ist bereits eine weiße Laichpapille zu sehen.

Etwa die erste Stunde ist durch ein intensives Umschwimmen der Partner gekennzeichnet, durch eingeleitete und schnell wieder abgebrochene Scheinpaarungen und viel seltener durch Scheinlaichakte. Unter Scheinlaichakten verstehe ich vollständige, langdauernde Umschlingungen der Partner, ohne dass Eier ausgestoßen werden. All dies geschieht fast immer direkt am Boden wie auch die dann folgenden Laichakte mit Eiausstoß. Nur sehr selten wird die Paarung mal in höheren Wasserschichten eingeleitet. Dann sinkt das Paar aber in der Umschlingung schnell zu Boden.

Das Ablaichen unterscheidet sich prinzipiell nicht von dem der anderen maulbrütenden Bettas. Das Männchen liegt mit einer Seite auf dem Boden auf und hat sich so gebogen, dass Kopf und Schwanz zum Wasserspiegel zeigen. Wenn das von ihm umklammerte Weibchen die Eier ausgestoßen hat, bleiben sie in der vom Männchen gebildeten Schale liegen. Jetzt öffnet das Männchen seine Umklammerung ohne ansonsten seine Position zu verändern. Nun kann die Partnerin herausschwimmen und die Eier vom Körper des Männchens absammeln. Danach erst erwacht das Männchen aus seiner Paarungsstarre.

Betta falx ist Maulbrüter im männlichen Geschlecht. Jetzt hat also noch die Eiübergabe von der Mutter zum Vater zu erfolgen. Hierzu stellt das Weibchen sich so vor seinem Männchen auf, dass es ihm den direkt vor das Maul spucken kann. Anfangs nimmt der Vater die Laichkörner begierig in sein Maul. Einige Stunden später, wenn nach mehreren Laichakten der Kehlsack des Vaters schon geradezu unanständig mit Laich vollgefüllt ist, muss die Mutter sehr viel Geduld aufbringen, um auch noch die letzten Laichkörner "an den Mann zu bringen". Wieder und wieder muss sie ihm die weißen Eier vorspucken und sie selbst wieder aufschnappen, bevor sie zu Boden fallen. Gegen Ende der Laichphase hat das vorher schlank gewesene Männchen nicht nur einen vollen Kehlsack, sondern auch einen prall gefüllten Bauch. Hier sind die überschüssigen Eier gelandet! Sie ermöglichen es dem Vater, jetzt etwa zwei Wochen zu fasten. Hierzu sollte er einzeln in einem gut bepflanzten, möglichst durchlüfteten Becken gehalten werden. Weibchen würden jetzt stören!

Die Zucht gelingt bei dieser Art wesentlich leichter als bei den anderen mir bekannten maulbrütenden Bettas. Die etwa 20 bis 50 Jungen werden vom Vater nicht verfolgt und sind, wenn sie aus dem Kehlsack entlassen werden, sofort mit kleineren Artemien oder gesiebten Cyclops zu füttern. Jetzt sollte man den Vater mit ausreichend Lebendfutter für die fast 2 Wochen dauernde Fastenzeit entschädigen. Die Jungfischchen messen bei der Freilassung etwa 7 mm. Sie werden danach nicht wieder aufgenommen. Man kann den Vater also herausfangen und gezielt wieder aufpäppeln.


(c) Dr. Jörg Vierke

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Bild 6: Das falx-Männchen hat die Umklammerung gelöst. Sein Weibchen sammelt die in seiner Körperhöhle liegenden Eier auf. Eins der weißen Eier ist dem Weibchen noch an der Laichpapille kleben geblieben.
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Bild 8: Sumatra-Kampffisch Betta falx: Übergabe der Eier.


* damals erschienen unter: "Betta picta - der Javanische Kampffisch". Aquarienmagazin 15, 473 - 476 (1981)

 

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Bild 5: Hier eine echte Paarung. Diesmal geschieht sie nicht direkt über dem Boden. Während das Weibchen die Eier abgibt, sinkt das Paar nach unten.
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Bild 7: Nun stellen sich die Betta falx-Partner Maul an Maul auf. Man sieht deutlich den durch vorherige Eiaufnahmen schon ausgebuchteten Kehlsack des Männchens.

 

 

 


Hier ein animierter Fotofilm zum Laichverhalten des Sumatra Kampffisches Betta falx:

Zum Vergleich ein Film, der das Ablaichverhalten des nahen Verwandten Betta picta (Java Kampffisch) anschaulich vorführt:

 

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