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Seit den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts wurden Kriegerische Kampffische bei uns nicht mehr gezüchtet. Sie gelangten zwar noch vereinzelt nach Europa, aber Paare waren nie dabei. Hier der Bericht über den Fang und die Zucht dieses seltenen, sehr attraktiven Fisches mit den ersten Fotos vom Ablaichen des größten unter allen nestbauenden Kampffischen.

Aus Malaysia geholt und gezüchtet:

Betta bellica, der Kriegerische Kampffisch

© Dr. Jörg Vierke

Betta bellica soll eine Gesamtlänge von 11 cm erreichen. Damit ist er nicht nur der größte Schaumnestbauer unter den Kampffischen, auch unter den Maulbrütenden Bettas reichen nur wenige an ihn heran. Nur von Betta anabatoides aus Borneo wird berichtet, daß er bis zu 12 cm Länge erreichen soll; auch vom Großen Kampffisch (Betta unimaculata), der gelegentlich auch schon als "Riesenkampffisch" bezeichnet wurde, sind nur Maximallängen von 11 cm bekannt.

Der Kriegerische Kampffisch Betta bellica, ein Männchen
Betta bellica kommt im Süden der Malaiischen Halbinsel vor und im Norden und in der Mitte von Sumatra. Ich bezweifle, dass es sich bei der von Mittelsumatra beschriebenen Form Betta simorum tatsächlich um eine "gute Art" handelt.

Ein Blick in die Literatur
Betta bellica wurde 1884 von Sauvage beschrieben. Die Art ist damit 26 Jahre länger bekannt als unser allgegenwärtiger Siamesischer Kampffisch Betta splendens. Dennoch ist viel Widersprüchliches über den Fisch berichtet worden, und es ist nötig, einiges davon zu berichtigen.
Die Art wurde bereits 1913 nach Deutschland eingeführt, wurde damals auch schon nach gezüchtet. Dann ist sie aber trotz einiger weiterer Importe Anfang der zwanziger Jahre wieder verschwunden. Die Aussagen der damaligen Aquarianer zu diesem Fisch reichten von "sehr empfindlich" bis "anspruchslos wie Betta splendens". Was stimmt nun? Immerhin war man sich einig, dass der Fisch Temperaturen zwischen 25-30° C braucht und dass er Schaumnestbauer ist.
Das erste veröffentlichte Farbfoto vom Kriegerischen Kampffisch stammt von Walter Foersch. Es ist in verschiedenen Büchern wiedergegeben worden; man findet es auch in meinem Aufsatz über schaumnestbauende Kampffische (1980). Das bei Goldstein (1971) wiedergegebene Foto von Axelrod, das laut Text einen Betta bellica darstellen soll, zeigt dagegen einen anderen Fisch, vermutlich Betta pugnax.
Die Art wurde in der Vergangenheit verschiedentlich verwechselt. Um so wichtiger ist es mir, dass es sich hier um die richtige Zuordnung handelt. Nun ist die Bestimmung von Kampffischen meist ein wirkliches Problem, auch in diesem Fall ist sie nicht völlig eindeutig. Es sind zwei besonders große Kampffische beschrieben worden, die sich auch in der Färbung gleichen - Betta bellica von der Malaiischen Halbinsel und Betta fasciata von Sumatra. Ich halte es für möglich, dass der letztere Name nur Folge einer ungültigen Zweitbeschreibung ist - doch wie dem auch sei, das berührt den Namen bellica nicht. Die Identität dieser Fische von Sumatra mit Betta bellica hat schon Anfang dieses Jahrhunderts der Ichthyologe Dr. Georg Duncker, ein großer Kenner malaiischer Fische, angenommen (J. Reichelt, 1906).
In jüngster Zeit erschien in der amerikanischen Aquarien-Zeitschrift T. F. H. ein Bericht über Betta fasciata von P. Kirtley. Von den Fischen sollen auch Nachzuchten erzielt worden sein. Die dem Bericht beigegebenen Fotos lassen aber eher auf Betta bellica schließen - vorausgesetzt, es handelt sich dabei um verschiedene Arten. Leider kann Kirtley nichts Genaues zur Herkunft seiner Fische mitteilen.

Dieser größte unter den schaumnestbauenden Kampffischen ist eine Bereicherung unserer Zierfischpalette, zumal er sich anderen Fischen gegenüber trotz seines anders lautenden und etwas abschreckenden Namens durchaus friedlich benimmt.

Die Zeichnungen, die zu Betta bellica in den Vorkriegszeitschriften abgebildet wurden, zeigen regelmäßig außerordentlich gestreckte Fische. Oft wurden sie dann auch folgerichtig als "Schlanke Kampffische" bezeichnet. Wenn es neben den Zeichnungen nicht auch schon Fotos dazu gegeben hätte (beispielsweise von Conn in "Holly, Meinken, Rachow"), könnte man in der Tat glauben, dass es sich um andere Tiere handelt.
Letztlich ist dieser Fisch aufgrund seiner Form, Größe und Färbung mit keinem anderen Kampffisch (Ausnahme eventuell B. fasciata, falls dieser Name Bestand haben sollte) zu verwechseln. In Form und Farbe gleicht er am ehesten dem Smaragdkampffisch B. smaragdina. Auch im Verhalten glaube ich einige Parallelen gefunden zu haben, und es mag sein, dass hier tatsächlich enge verwandtschaftliche Beziehungen bestehen. B. smaragdina erreicht jedoch nie die Größe des bellica. Darüber hinaus ist der Kriegerische Kampffisch durch ein Merkmal ausgezeichnet, das ich noch bei keiner Kampffisch-Art gesehen habe und das Sterba sehr treffend beschreibt: "Die Schuppen der Körperseiten sind vorn leuchtend grün; insgesamt entsteht dadurch der Eindruck, als ob die Schuppen von hinten nach vorn angeordnet wären." Die dem Bericht beigegebenen Fotos zeigen diese Erscheinung.

In diesem Graben am Rand eines Reisfeldes fingen wir Betta bellica

Am Fundort
Als Fundorte werden für den Kriegerischen Kampffisch die Ebenen am Kinta-Fluß angegeben. Dieses Gebiet liegt im Nordwesten Malaysias. Mayland gibt als Fundort eines von Schaller gefangenen bellica (es ist der vom Foerschschen Farbfoto!) den Süden Thailands an; gewiss aber noch aus dem Bereich der Malaiischen Halbinsel.
Die am Anfang dieses Jahrhunderts von Reichelt, Siggelkow und Eimeke nach Deutschland importierten Fische kamen offenbar alle über Singapur. Auf Singapur selbst gibt es heute keine Gebiete mehr, in denen man mit Aussicht auf Erfolg auf Fischfang gehen könnte. Vielleicht wurden die nach Deutschland geschickten B. bellica damals tatsächlich auf der Singapur-Insel gefangen, sicher aber nicht am etwa 750 km (Luftlinie!) entfernten Kinta-Fluß. Mir gelang es, sie nur 90 km von Singapur entfernt in der Nähe von Ayer Hitam aus dem Wasser zu holen.
Zusammen mit meiner Frau war ich im Juli 1984 in Malaysia. Wir haben dort Freunde, die wir schon vor sechs Jahren kennengelernt hatten. Mit ihnen gemeinsam begaben wir uns auf Fischsuche.
Wer die Hauptstraße von Ayer Hitam nach Nordwesten einschlägt, kommt nach wenigen Kilometern Fahrt durch Plantagenwälder in eine weite Wiesen-Reis-Landschaft. Es ist die Niederung des Sungei Semberong, die mich an die Marschlandschaft meiner norddeutschen Heimat erinnerte. Die Straße war an bei den Seiten von stark verkrauteten Gräben begleitet. An der ersten kleinen Brücke, etwa 5 km von Ayer Hitam entfernt, hielten wir.
Im bräunlichklaren Wasser erkannten wir Scharen kleiner Fische. Die Tiere waren leicht mit dem Netz zu bekommen. Es waren zierliche, schön rot gefärbte und schwarz getüpfelte Fischchen, Zwergbärblinge (Rasbora maculata). Andere Schwärme bestanden aus den größeren, aber nicht weniger attraktiven Fünfgürtelbarben (Barbus pentazona).
Daneben gingen uns auch Kampffische ins Netz: zierliche, ocker oder rötlich gefärbte Tiere, gelegentlich auch tiefschwarze Männchen mit blauroten Flossen: Kleine Kampffische (Betta imbellis). Das ist der südlichste mir bekannte Fundort für diese Art; aber diese Fänge waren nichts Besonderes. Ich hatte die imbellis hier erwartet. Inzwischen habe ich sie an mehr als 40 verschiedenen Orten in Malaysia gefangen. Interessant immerhin die Beobachtung, dass die Rotanteile der Tiere - das gilt für Männchen wie für Weibchen - zunehmen, je weiter man nach Süden kommt. Dennoch halte ich die nördliche Population, wie sie beispielsweise in Südthailand vorkommt, für attraktiver, da sie die kontrastreiche Dunkelfärbung häufiger und deutlicher zeigt.
Auf einmal ein großes Hallo! Ein großer Kampffisch ist Mr. Ho ins Netz gegangen, ein Riese, wie ich ihn bisher nur von den großen Maulbrütenden Bettas gewohnt war: ohne Zweifel ein Betta bellica! Jetzt gab es kein Halten mehr, wir mussten mindestens ein Paar fangen! Ohne Erfahrung mit dieser Art traute ich mir eine sichere Geschlechtsbestimmung vor Ort nicht zu. Der nächste Fang ergab einen deutlich kleineren Fisch, der aber ohne Zweifel auch zu dieser Art gehörte. Dann verließ uns das Jagdglück.
Ich glaubte, ein Paar zu haben, besser, ich hoffte es, aber das war mir zu unsicher. Also griff ich mir die Netze der beiden Profi-Fänger und stürzte mich selbst ins Wasser. Bis zur Hose steckte ich im Graben. Der Boden war schlammig, die schilfartigen Gräser hatten messerscharfe Kanten - man musste vorsichtig sein. An ein gezieltes Fangen ist unter solchen Umständen nicht zu denken. Man stellt sein Netz auf und versucht, die Fische, die dort möglicherweise sind, in das Netz zu treiben. Schon in der ersten Minute ein gewaltiges Zappeln - ein großer Kletterfisch (Anabas testudineus) hatte sich im Netz verfangen. Er wird fotografiert und wieder freigelassen. Immer wieder gingen Betta imbellis ins Netz. Meine Hoffnung auf einen dritten bellica schwanden mehr und mehr. Es hat ziemlich lange gedauert, aber schließlich hatte ich doch noch einen Kriegerischen Kampffisch im Netz. Er war zwar noch recht klein, aber die Chance, nun ein Paar zu besitzen, hatte sich damit erhöht. Und ich hatte vor meinen chinesischen Freunden mein Gesicht gewahrt und gezeigt, daß auch ich bellica fangen konnte; ich konnte beruhigt aus dem Wasser steigen.
In der Zwischenzeit hatte meine Frau schon längst Wasserproben entnommen und geprüft: Das Wasser war extrem weich und stark sauer. Weder die Gesamthärte war mit unseren Reagenzien zu messen noch der pH-Wert. Auf jeden Fall war der pH-Wert kleiner als 4,8! Der Leitwertmesser zeigte 33 Microsiemens an!
Ich mußte mich also mit drei Betta bellica zufriedengeben. Wie sich später zeigte, waren tatsächlich schon die beiden erstgefangenen Tiere ein Paar. Trotz der extremen Wasserwerte des Fundortes erwiesen sich die Fische als anspruchslos im Hinblick auf das Wasser.

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Zur Paarung schwimmt das Männchen seine Partnerin von oben an ...
Betta_bellica_14.jpg
... und hält sie dann in dieser Umklammerung.
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Betta bellica-Paar direkt nach dem Ablaichen. Das Weibchen verharrt noch mit dem Bauch nach oben zeigend in der Laichstarre; darunter das Männchen.
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Jetzt macht das Männchen Anstalten, den Laich aus der Flossentasche der Partnerin aufzunehmen.

Der Kriegerische Kampffisch im Aquarium
Da ich noch zwei Wochen länger in Malaysia bleiben wollte, gab ich meiner früher heimreisenden Frau die in der Zwischenzeit gefangenen Tiere mit auf den Heimweg. Die bei Ayer Hitam gefangenen Kampffische - 3 Betta bellica und eine größere Zahl Betta imbellis - kamen zusammen in ein gut bepflanztes 100-Liter-Aquarium.
Als ich die Tiere nach meiner Rückkehr inspizierte, sahen sie ganz gut aus. Nur der kleinste bellica hatte arg zugerichtete Flossen, war sonst aber doch wohl unverletzt. Ich brachte ihn umgehend in Sicherheit. Nun wurden auch die kleinen Kampffische herausgefangen, so daß die "Krieger" zur Ruhe kamen. Vor allem der kleinere der beiden bellica - wie sich bald zeigte, das Männchen - jagte gelegentlich die imbellis. Diese entkamen aber immer flink, und da sich die Aggression auf viele verteilte, konnte kein Schaden geschehen. An eine Reviergründung oder eine Zucht der bellica war unter diesen Umständen aber natürlich nicht zu denken.
Betta bellica heißt also nicht zu Unrecht "Kriegerischer Kampffisch". Die oft auch gebrauchte Bezeichnung "Schlanker Kampffisch" trifft den Sachverhalt weniger, wie ich gleich begründen will.
Mein Weibchen war zunächst körperlich seinem Männchen eindeutig überlegen. Wer weiß, ob sonst während meiner Abwesenheit alles so problemlos abgegangen wäre. Am Anfang zeigte es auch noch mehr Initiative als das Männchen. Immer wieder näherte es sich dem zunächst wohl noch nicht ganz fortpflanzungsreifen Partner mit schaukelnden Körperbewegungen, jagte ihn auch kurz etwas. Mit zunehmender Größe des Männchens wurde der Spieß aber umgedreht. Inzwischen haben beide Partner eine Gesamtlänge von etwa 8,5 cm. An manchen Tagen muss das Weibchen sich vor dem Männchen versteckt halten. Dann liegt es zwischen zwei bis zur Wasseroberfläche hoch reichenden Echinodorus-Blättern - auch ich suche es dann oft vergeblich und fürchte dann jedesmal, es hätte trotz der peinlich genauen Abdeckung eine Gelegenheit gefunden, aus dem Aquarium herauszuspringen.
Normalerweise reicht das 80-Liter-Aquarium aber für beide Tiere gut aus. Meinem Männchen reicht die eine, durch eine große Echinodorus parviflorus abgetrennte Hälfte für sein Revier. In der anderen Hälfte kann sich relativ ungestört das Weibchen aufhalten. Die Pflege bereitet ansonsten keine Schwierigkeiten. Ich halte die Fische jetzt bei 28° C und 9° dGH; doch war das Wasser zeitweilig auch schon etwas härter. Ich glaube, daß weiches Wasser die Laichwilligkeit der Tiere eher anregt.
Die Fische haben schnell gelernt, dass ich ihnen Futter bringe. Sobald ich am Aquarium erscheine, kommen sie Futter heischend an die Scheibe. Beide sind in keiner Weise scheu, und auch wenn ich im Wasser hantiere, zeigen sie keine Angst vor meiner Hand. Gern fressen sie Weiße Mückenlarven, noch lieber Tubifex oder kleine Regenwürmer.
Von Anfang an haben sie auch ohne Schwierigkeiten Trockenfutter genommen. Nach den Mahlzeiten haben sie oft kugelrunde Bäuche. Dann muss ich über die Bezeichnung "Schlanker Kampffisch" wirklich lachen!
Arthur Rachow beschreibt die Art als träge. Sie halte sich vorwiegend in der Nähe des Bodengrundes auf und sei für die Haltung im Zimmeraquarium nicht sonderlich geeignet. Objektiverweise schreibt er aber wenige Zeilen später: "Dagegen hat Conn mit Betta bellica recht gute Erfahrungen gemacht und ist des Lobes voll". Ich schließe mich Conn an. Vielleicht hat Rachow die Tiere bei zu niedrigen Temperaturen gehalten - heute, im Zeitalter der Thermostaten, ist die richtige Temperatur für unsere Fische kein Problem mehr. Vielleicht mußte Rachow seine Erfahrungen auch mit recht alten Tieren sammeln. Aus Erfahrungen mit Betta splendens und Betta smaragdina wissen wir, dass sich relativ alte Tiere tatsächlich gern träge auf dem Boden liegend aufhalten. Meine Fische haben bisher noch nie ein derartiges Verhalten gezeigt; sie benehmen sich exakt so, wie man es auch von jugendlichen Betta splendens erwartet, und sind eine Zierde für das Aquarium.
Zum Aussehen der Tiere will ich nicht mehr viel sagen. Sie sind wirklich apart und zeigen auch außerhalb der Fortpflanzungsphasen eine Färbung, die der auf den beigegebenen Fotos vom Ablaichen der Art entspricht.
An der Färbung sind die Geschlechter normalerweise nicht zu unterscheiden. Ein sicheres Erkennungsmerkmal scheint mir die Beflossung zu sein. Während die Weibchen eine abgerundete Schwanzflosse besitzen, haben ältere Männchen verlängerte mittlere Schwanzflossenstrahlen, so dass die Schwanzflosse so zugespitzt aussieht, wie man es sonst nur von einigen Maulbrütenden Kampffischen kennt. Auch der ausgezogene Teil der Afterflosse ist beim Männchen deutlich länger. Das ist das, was ich aus den Erfahrungen an den bisher nur drei erwachsenen Betta bellica sagen kann, aber ich glaube, die Aussage hat Bestand. Nach Rachow sollen die Männchen im Unterteil der Schwanzflosse und im ausgezogenen Teil der Afterflosse prächtig rot gefärbt sein. Das trifft zumindest für mein Männchen nicht zu.

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Während der Paarung fällt gelegentlich ein kleiner Teil der Eier zu Boden, aber ...
Betta_bellica_6.jpg
... den größten Teil des Laichs hält das rücklings in der Laichstarre verharrende Betta bellica-Weibchen in einer aus den Brustflossen gebildeten Tasche fest.

Paarungsverhalten und Zucht
Das Männchen baut aus großen Luftblasen Schaumnester, die es bei mir bevorzugt unter den bis an die Wasseroberfläche reichenden Blättern einer großen Amazonasschwertpflanze errichtete. Einmal hatte es mit dem Bau auch in einer Aquarienecke begonnen, ihn dann aber bald aufgegeben.
Bei meinem Paar ging die Initiative zur Paarung offenbar in erster Linie vom Weibchen aus. Beim laichwilligen Weibchen hellt sich die normalerweise dunkle Körperfärbung ein wenig auf. Stattdessen treten an seinen Seiten etwa neun dunkle Querstreifen hervor.
Es ist nicht immer einfach, die Tiere zum Ablaichen zu bringen. Wichtig erscheint mir eine gute Anfütterung mit Weißen Mückenlarven zu sein, um die Tiere in Laichstimmung zu bringen. Offenbar stellen sie auch an die Wasserqualität höhere Ansprüche. Zum Zeitpunkt meiner Niederschrift habe ich das Ablaichen zweimal beobachtet. Die Wasserwerte waren in beiden Fällen recht ähnlich: Temperatur 27-29° C, pH 7,0, dGH 4-6°, KH 2,8-4°,180-220 Mikrosiemens. Während der Laichphase konnte das Weibchen sich völlig unbehelligt unter dem Nest aufhalten, ohne dass vom Männchen Aggression gezeigt wurde. Das Paar umschlang sich direkt unter dem Nest so, wie man es vom Siamesischen Kampffisch kennt: Das Männchen umschließt das schräg im Wasser liegende Weibchen wie eine Klammer von oben. Dabei weist die Geschlechtsöffnung des Weibchens direkt nach oben zum Nest.

Betta bellica verfügt über eine einzigartige Methode, seinen Laich sicher zu stellen. Das Weibchen bildet beim Laichen aus seinen Brustflossen eine Tasche, in der die Eier gesammelt werden. Damit wird verhindert, dass zu Boden rieselnder Laich Fressfeinden ausgesetzt wird. Das Männchen sammelt die Eier aus dieser Tasche auf und bringt sie umgehend zum Nest.

Ich will jetzt eine Beobachtung beschreiben, die ich für recht bemerkenswert halte. Bei anderen Schaumnestbauenden Bettas ist man gewohnt, dass die Eier langsam nach unten rieseln und dabei vom Männchen aufgeschnappt werden. Nur gelegentlich verfangen sich einzelne Laichkörner in den Bauch- und Brustflossen des Weibchens. Bei meinem Paar war das die Regel: Das weibliche Tier verharrte - wie man es bei Bettas gewohnt ist - auch nach dem Ablaichen in der Paarungsstarre. Dabei hielt es seinen Laich - oft 20 oder mehr Eier - grundsätzlich mit den Flossen fest. Nur in Ausnahmefällen rieselten auch ein paar Eier zu Boden. Die Eier waren zwischen Flossen und Körper regelrecht eingeklemmt. Das Männchen pickte sie jetzt aus dieser Tasche heraus und brachte sie zum Schaumnest, wo es sie in die Blasen einbettete. Das Weibchen schwamm dann nach unten zum Boden, um dort nach eventuell doch noch verloren gegangenen Eiern zu suchen.
Zweifellos ist dieses Rückhalten der Eier am Körper der Mutter ein Verhalten, das der Sicherung des Laiches dient. Bei anderen Kampffischen kann man schon gelegentlich beobachten, dass zu Boden gefallene Laichkörner auf verschiedene Weise verloren gehen, wenn sie nicht rechtzeitig vom Vater oder von der Mutter aufgesammelt werden. Ich vermute, dass es sich bei diesem Verhalten um eine arttypische Verhaltensweise handelt...
Um die Entwicklung der Jungfische zu beobachten, hatte ich einige Eier aus dem Schaumnest herausgeholt. Die trübweißen Eier sind größer als die aller anderen bisher bekannten Eier von nestbauenden Bettas: Sie haben einen Durchmesser von 1,2-1,4 mm. Bei 28,5° C schlüpften die Kleinen nach 31-33 Stunden. Am vierten Tag nach der Eiablage schwammen die Jung-bellica bereits frei. Sie hatten jetzt die für nestbauende Bettas immerhin beachtliche Länge von 5 mm (zum Vergleich: Gerade freischwimmende imbellis messen 3 mm). Schon vier Tage nach dem Freischwimmen fielen die Kleinen gierig über frisch geschlüpfte Salzkrebschen her. Sicher kann man dieses Futter schon einen Tag früher geben, vielleicht sogar zwei oder gar drei!

Die Eier von bellica sind deutlich größer als die von anderen schaumnestbauenden Bettas. Das gilt auch für die Größe der Jungen beim Freischwimmen. Sie fressen schon sehr bald Salzkrebs-Nauplien. Die Kleinen sind ausgesprochen gefräßig und ihr Wachstum ist entsprechend!

Das folgende Wachstum war so rasant; wie ich es bisher bei Labyrinthfischen noch nicht gesehen habe. Nach weiteren zwei Wochen hatten sie eine Länge von 1 cm erreicht. Natürlich wird das schnelle Wachstum von einem entsprechenden Appetit begleitet und von der Fähigkeit, mit großen Futterbrocken fertig zu werden. Gerade 1 cm große Fischchen fressen schon Weiße Mückenlarven und unsortierte Tubifex, auf die sie sich geradezu stürzen. Auch wenn ein Wurm doppelt so lang ist wie der Fisch, wird er an einem Ende gepackt, zunächst wie eine Fahne hinterher geschleift und dann langsam, aber sicher ins Maul gezogen. Nach der Fütterung haben die Kleinen kugelrunde Bäuche, dass man um ihr Wohlergehen manchmal ein bisschen besorgt sein muss.

Um meine bisherigen Erfahrungen mit dem Fisch auf eine Formel zu bringen:
Aggressivität: wie bei den anderen Schaumnestbauenden Bettas.
Raumansprüche: entsprechend seiner eigenen Größe mehr. Für ein Paar sollte das Aquarium mindestens 80 cm Seitenlänge haben.
Haltung: anspruchslos, braucht aber höhere Temperaturen. Aquarium sorgfältig abdecken, da sehr sprungfreudig.
Zucht: laicht nicht so prompt ab wie Betta splendens.
Aufzucht: leicht, Junge sehr schnellwüchsig.
Ausblick: Dieses prächtigen und dekorativen Labyrinthfisches sollten sich die Aquarienfreunde unbedingt annehmen. Es wäre eine dankenswerte Aufgabe für die Internationale Gemeinschaft für Labyrinthfische, für den Erhalt des Fisches in unseren Aquarien zu sorgen. Dieser größte unter den schaumnestbauenden Kampffischen ist eine Bereicherung unserer Zierfischpalette, zumal er sich anderen Fischen gegenüber trotz seines anders lautenden und etwas abschreckenden Namens durchaus friedlich benimmt. K. Stansch schrieb schon 1913, im Jahr der Ersteinführung *, der Gesamtanblick der Fische sei bestrickend und würde selbst den Siamesischen Kampffisch in den Schatten stellen: "Vorteilhaft unterscheidet sich Betta bellica von splendens durch größere Lebhaftigkeit und dadurch, daß auch das Weibchen die strahlenden Farben zeigt."

*Möglicherweise bezieht sich sein Bericht auf B. fasciata, da entsprechende Fänge aus Sumatra schon 1905 eingeführt wurden unter dem Namen bellica! Die beigefügten Zeichnungen zeigen aber die große Ähnlichkeit bzw. eventuelle Identität der beiden Formen.

Betta bellica - Hier der Moment, in dem das Männchen die Eier der Flossentasche seines Weibchens entnimmt. Das kleine Bild zeigt vergrößert den Ausschnitt von der Flossentasche mit den Laichkörnern.

Literaturhinweise:

Goldstein, R. J. (1971): Anabantoids, Gouramis and Related Fishes. T. F. H. Publications.
Kirtley, P. (1984): Spawning Betta fasciata. T. F. H., 30-33.
Mayland, H. J. (1982): Labyrinthfische. Albrecht Philler Verlag.
Rachow, A. in Holley, Meinken, Rachow: Betta bellica.
Reichelt, J. (1906): Betta bellica und Betta pugnax, Wochenschrift 183 - 185
Stansch, K. (1913): Die Labyrinthfische, Verlag Gustav Wenzel.
Sterba, G. (1959): Süßwasserfische aus aller Welt. Urania Verlag.
Vierke, J. (1978): Labyrinthfische und verwandte Arten. Engelbert Pfriem Verlag.
Vierke, J. (1980): Die Gattung Betta. Nestbauende Kampffische. Aquarien-Magazin (Kosmos), 397-401.

 

Eine notwendige Anmerkung zu diesem Bericht

Der oben wiedergegebene Bericht erschien erstmalig bereits 1985 im Aquarien-Magazin im Kosmos-Verlag. Zwei Jahre später erschien die englische Übersetzung im Tropical Fish Hobbyist. Aus guten Gründen habe ich hier den Original-Bericht weitestgehend unverändert wiedergegeben - ich habe ihn der aktuellen Rechtschreibung angepasst. Hier als Nachtrag der aktuelle Stand zum Kriegerischen Kampffisch Betta bellica:

Aus mir unverständlichen Gründen ist Betta bellica bei Aquarianern nie populär geworden und es dürfte schwierig sein, diese Fische heutzutage zu erhalten.

Mittlerweile gibt es eine taxonomische Überarbeitung der Art von Tan und Ng, die zu dem Schluß kommt, dass die ursprünglich von Regan beschriebene Art B. fasciata ein ungültiges Synonym von bellica sei. Ich hatte diese Vermutung oben bereits geäußert. Weitergehend wird eine neue Art von Sumatra beschrieben (B. simorum). Auch simorum unterscheidet sich aus meiner Sicht von bellica bzw. fasciata nicht hinreichend! Interessanterweise berichten Tan und Ng neben Fundorten von simorum im mittleren Bereich Sumatras auch von einer Fundstelle für B. bellica im nördlichen Teil der Insel. - Auch andere Autoren sind vom Artstatus der Betta simorum nicht überzeugt.

Literatur:

Froese, R. and D. Pauly. Editors. 2012. FishBase. World Wide Web electronic publication. www.fishbase.org, version (12/2012).

Glauder, J. (2010): B. bellica, in Galerie-Portraits der Internationalen Gemeinschaft für Labyrinthfische >>>

Tan, H. H. und P. K. L. Ng (1996): Redescription of Betta bellica Sauvage, 1884 (Teleostei: Belontiidae), with description of a new allied species from Sumatra. Raffl. Bull. Zoolog. 44, 143 - 155

Vierke, J. (1985): Aus Malaysia geholt und gezüchtet: Der Kriegerische Kampffisch, Betta bellica. Aquarien Magazin 19 (Kosmos-Verlag), S. 87 - 92

Vierke, J. (1987): Breeding Betta bellica. Trop. Fish Hobbyist, 10 - 15

 

© Dr. Jörg Vierke

letzte Bearbeitung 22. 1. 2013


Der kurze Fotofilm (2:26 min) zeigt noch einmal die bemerkenswerte und einzigartige Fortpflanzungsstrategie von Betta bellica beim Laichen:

Und hier das Ganze in einer englischsprachigen Version - so gut, wie ich es eben hinbekomme:

 


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Betta albimarginata, der Weißsaum-Kampffisch  >>>

Betta channoides, der Schlangenkopf-Kampffisch  >>>

Betta edithae, Ediths Kampffisch  >>>

Betta falx, der Sumatra-Kampffisch  >>>

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Betta smaragdina, der Smaragdkampffisch  >>>

Betta splendens, der Siamesische Kampffisch (Schleierkampffisch)  >>>

Betta unimaculata, der Großmaul-Kampffisch  >>>