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Badis ruber

 

Männchen des Roten Badis Badis ruber

 

Badis - Barsche

 

Topfgucker, Chamäleonfische, Blaubarsche

 

©  Dr. Jörg Vierke

In der Familie der Nanderbarsche bilden die Badidae eine von drei Unterfamilien. Hierzu gehören nach heutigem Stand die Gattungen Badis (12 Arten) und Dario (3 Arten).

 

Badiskanabos9055.jpg

 

Badis cf. kanabos*

 

Der indische Blaubarsch Badis badis ist bereits 1822 beschrieben worden. Seit über hundert Jahren (Ersteinfuhr nach Deutschland 1904) ist er als Aquarienfisch bekannt. 1920 wurde der Rote Badis aus Burma eingeführt. Er wurde drei Jahre später von Schreitmüller als Badis ruber beschrieben. 1957 kam ein Badis aus Thailand hinzu - Badis siamensis. Und 2002 beschrieben Kullander und Britz gleich 9 weitere Badis-Arten. Die Bestimmung der vielen Arten ist vor dem Aquarium leider nicht immer problemlos.

 

Mit der deutschen Bezeichnung für „Badis" hatten die Aquarianer früher kein Problem - man nannte sie Blaubarsche, denn der einzige Vertreter dieser Gattung zeigte gelegentlich schöne blaue Farben. Man benutzte aber schon damals auch die sehr treffende Bezeichnung Chamäleonfisch, denn die Fische änderten ihre Färbung wie die Mannequins ihre Kleider bei der Modenschau - oder eben wie ein Chamäleon! Das gilt auch für die neuen Arten!

 

Alle Badis-Arten stammen aus stehenden oder aus ruhigen Randbereichen langsam strömender Gewässer Vorder- und Hinter­indiens. Einige sind in ihrer Heimat nicht selten. Im Händlerbecken sind die Tiere nicht unbedingt ein Hit, aber sie haben ein interessantes Verhalten. Zur Haltung: einige Arten sind ausgesprochen hart, andere wie B. kanabos nehmen Stickstoffverunreinigungen schnell übel. Der Vorteil - sie brauchen kein weiches oder saures Wasser, Leitungswasser mittlerer Härte ist gerade richtig. Temperatur je nach Herkunft zwischen 20 und 26 ° C. Der Nachteil - die Tiere brauchen unbedingt Lebendfutter! Schon aus diesem Grund empfiehlt sich ein Artbecken. Es sollte gut mit Höhlen ausgestattet sein.

 

kanabosDoppel.jpg

Badis cf. kanabos*, rechts im Prachtkleid

 

Meine ersten Erfahrungen mit Badis-Arten sammelte ich mit dem Blaubarsch Badis badis - das war 1973! Sie gehören zu den großen unter den Badis; sie können 8 cm Gesamtlänge erreichen - jedenfalls die Männchen. Ihre Färbung ist kaum zu beschreiben, trotz des doch eindeutig klingenden Namens. Normalerweise tragen die Jungfische und die Weibchen auf ocker­farbenem Grund etwa 14 dunkle Querstreifen. Je nach ihrer Stimmung können sich die Strei­fen verstärken, verwischen, ganz verschwin­den oder auch paarweise miteinander ver­schmelzen. Das Männchen kann fast alle Farben zwischen schwarz und weiß annehmen. Bei den Paarungsvorbereitungen und bei der Paarung ist es fast schwarz, bei anderen Gele­genheiten kann es aber auch ganz hell wer­den. Sonst sind die Männchen mehr oder weniger gestreift und zeigen rotbraune und blaue Farben. Blau leuchten besonders die Flossen.

 

 

 

Badis badis Männchen 

 

Blaubarsche sind typische Höhlenfische, erst in einer Höhle fühlen sich die Tiere richtig wohl und geborgen. Mein damaliges Blaubarsch-Männchen verließ seine Höhle, nachdem es sie bezogen hatte, nur noch sehr selten. Es färbte sich dunkel, fast schwarz, und kam bald in Höchst­form. Zunächst ging der Fisch an die Säuberung der Wohn- und zukünftigen Brutstätte. Er benutzte dazu aber nicht sein Maul, wie es Cichliden tun würden. Vielmehr scheuerte er mit dem ganzen Körper an der Innenwand der Höhle entlang, nicht weniger häufig auch auf dem groben Sand, der den Boden der Höhle bildete. Dabei schlug er oft heftig mit dem Hinterkörper, als wollte er mit Höchstgeschwindigkeit davon jagen; zu­gleich schaltete der Fisch aber mit den Brust­flossen den "Rückwärtsgang" ein, so dass er auf der Stelle blieb. Auf diese Weise wurden nach hinten Wolken von Sand aus der Höhle gewedelt. Schließlich blieben nur noch die groben Kieskörner und Steinchen übrig, welche sich auf diese Weise nicht beseitigen ließen und mit denen sich der Fisch abfand.

 

Badis badis ablaichend

 

 

Zum Ablaichen von Badis badis, dem Blaubarsch.

 

Oben : Die Paarung beginnt. Das Weibchen stößt in die Flanke des quer zu ihm stehenden Männchens.

 Links: Die gepaarten Tiere stehen antiparallel. Das Weibchen wird dabei von der Schwanzflosse des Männchens gehalten.

 

Rechts: Die Paarungsschlinge aus einer anderen Perspektive. Das Weibchen legt die Eier zunächst auf die schalenartig unter ihr ausgebreitete Schwanzflosse des Partners!

 

Blaubarsch-Männchen Badis badis bewacht den Laich

 

Das ganz dunkel gefärbte Blaubarsch-Männchen bewacht hier die glasklaren Eier. Nur die wenigsten kleben an der Höhlendecke, die meisten liegen am Boden herum und sind dort kaum auszumachen.

 

Die Laichvorbereitungen können lange dauern. Das Weibchen sucht von sich aus die Höhle auf. Dabei schwimmt es manchmal aufreizend langsam voran. Bei diesen Gelegenheiten war das Weibchen meistens einfarbig hellocker gefärbt. Zwischendurch blieb es häufig meh­rere Minuten, bis zu einer Viertelstunde, fast unbeweglich stehen. Oft schaute es dabei zum Männchen in die Höhle hinein. Jetzt wurde mir erst so recht der deutsche Name "Topf­gucker" klar. Was dann ge­schieht, geht blitzschnell. Zügig schwimmt das Weibchen in die Höhle zum Männchen. Anfangs ist das aber noch nicht zur Hochzeit bereit. So langsam sich das Weibchen der Höhle ge­nähert hat, so schnell verlässt es sie nun wieder. Das Männchen flitzt, wild nach ihm beißend, wie ein schwarzer Teufel hinter ihm her. Die Keilerei in der Höhle dauert zunächst keine Sekunde. Oft wird das Weibchen schon verprügelt, bevor es in die Höhle hineinge­schwommen ist.

 

Das laichwillige Weibchen gibt jedoch nicht auf. In Abständen von etwa einer Viertelstunde, anfangs wohl auch nur stundenweise, versucht es, in die Höhle ein­zudringen. Dabei dauern die Auseinandersetzungen in der Höhle immer länger; das Weib­chen setzt sich langsam durch. Nun treten auch schon kurze Maulkämpfe auf. Wenn es auch so aussieht, "küssen" sollte man dieses Ver­halten nicht nennen, denn mit Zärtlichkeit hat das nichts zu tun, im Gegenteil! Wenn die Aggressivität des Männchens abgeklungen ist, zeigt es dem Weibchen mit voll gespreizten Flossen die Breitseite. Das Paarungsverhalten gleicht in vielen Punkten dem der Fadenfische. Das Weibchen schwimmt das quer zu ihm stehende Männchen an und stößt in dessen Flanke. Daraufhin biegt sich das Männchen zur Partnerin hin und umschlingt sie mit dem ganzen Körper. Das Weibchen liegt dabei meist auf dem Rücken. Der Körper des Männ­chens gleicht einem umgekehrten U, Kopf und Schwanz zeigen nach unten. Das Ganze spielt sich auf dem Boden der Höhle ab oder auch an der Höhlenwand. Die Mehrzahl der bis zu 100 durchsichtigen Eier liegt in der Höhle ver­streut, nur wenige werden an die Höhlenwand geklebt und bleiben dort haften.

 

 

Badis corycaeus Paar

 

Badis corycaeus - Paar

 

Die Paarungen wiederholen sich viele Male. Anfangs verlässt das Weibchen noch nach je­der Paarung die Höhle. Wenn das Ablaichen aber seinen Höhepunkt erreicht, bleiben man­che Weibchen solange bei ihrem Partner, bis sie schließlich ihren ganzen Laich abgegeben haben. Dann müssen sie die Höhle aber end­gültig verlassen. Das Bewachen der Brut ist ausschließlich Sache des Männchens. Die Eier und die noch nicht schwimmfähige Brut werden vom Vater sorgfältig bewacht. Wenn die Larven jedoch freischwimmen, sollte man die Eltern entfernen, falls die Mutter nicht schon nach be­endetem Laichakt herausgefangen wurde. Die Jungen verteilen sich bald über das ganze Aufzuchtbecken, da sie keinerlei Schwarmver­halten zeigen. Ihre Aufzucht ist problemlos, wenn man die Alttiere in einem alteingerich­teten Aquarium ablaichen ließ. In solchen Becken sind genügend Infusorien, die den Kleinen als erste Nahrung dienen. Können die kleinen Blaubarsche nach einigen Tagen erst einmal frischgeschlüpfte Salinenkrebschen fressen, ist das Schwierigste geschafft. Die Jungen wach­sen nun schnell heran und können bald mit Cyclops sowie zerhackten Tubifex ernährt wer­det!

 

 

Badis corycaeus

 

Badis corycaeus - das Männchen hat ein Schneckenhaus bezogen, die laichwilligen Weibchen stehen davor Schlange!

 

Vor einigen Wochen erhielt ich einige der „neuen" Badis Arten von Karl-Heinz Rossmann, der diese, wie auch andere Arten züchtet. Herzlichen Dank dafür auch an dieser Stelle! Hier meine ersten Erfahrungen mit diesen Tieren. Es sind wirklich Fischchen - klein im Vergleich zu Badis badis oder zu Badis ruber. Ich meine Badis corycaeus („Putao") und den noch winzigeren Badis cf. kanabos („Cooth Behar"). Badis kanabos stammt aus dem äußersten Nordwesten Indiens (West-Assam) aus dem Grenzbereich zu Bhutan, corycaeus dagegen lebt ursprünglich im Norden Myanmars (Birma). Hier kann man sie in flachen, strömungsarmen Uferbereichen fangen.

 

Badis corycaeus, ablaichend

 

Badis corycaeus, das Paar beim Laichen in der Bruthöhle 

 

Meine 5 Badis corycaeus leben bei 22° C in einem 25 Liter Artbecken; es sind 2 Männchen und drei Weibchen. Die Weibchen sind deutlich kleiner und gedrungener. Das Aquarium ist mit 3 Höhlen ausgestattet. Die Männchen hatten sich nach einiger Zeit jeweils das Gehäuse einer Weinbergschnecke als Domizil ausgesucht. Hier haben sie alles saubergemacht, hier erwarten sie die Damen, die am Höhleneingang regelrecht Schlange stehen und sich gelegentlich um den Erkorenen prügeln. Letztlich bleibt aber alles harmlos. - Die Männchen nehmen voneinander kaum Notiz. Hier wäre auch noch problemlos Platz für ein drittes Männchen.

 

Badis corycaeus mit Laich

Badis corycaeus-Vater

beim Betreuen des Laichs.

Noch ein Wort zu den Schneckenschalen! Ich weiß nicht, ob Badis auch in den Heimatgewässern solche Schneckenhäuser als Laichhöhlen nutzt; ich bin nur einer Eingebung gefolgt. Letztlich hat sich das aber sehr gut bewährt, denn man kann die kleinen Fische in den hellen Gehäusen gut beobachten und vor allem filmen. Ich hatte schon bei Badis badis beobachtet, dass es den Fischen weniger auf Dunkelheit ankommt, wenn sie Höhlen aufsuchen als vor allem um die Enge. Sie lieben Hautkontakt mit den Höhlenwänden!

 

Badis corycaeus mit Larven

 

Badis corycaeus, das Männchen mit der frisch geschlüpften Brut

 

Eigentlich wiederholt sich hier alles so, wie ich es bereits von meinem Blaubarsch-Paar kannte und oben beschrieben habe. Aber alles ist hier viel lebhafter - natürlich, weil hier die Konkurrenz zwischen den Tieren größer ist als bei nur einem Paar. Ob der Begriff „lebhaft" allerdings für Badis-Arten anzuwenden ist, bleibt zweifelhaft. Die ruhigen Phasen, in denen die Fische sich nicht bewegen, können in Viertelstunden gemessen werden! Wenn Sie einen genaueren Eindruck vom Verhalten dieser Fische haben wollen, schauen Sie sich meinen Film an - keine Sorge, die ruhigen Phasen sind stark gekürzt! Ich bin etwas stolz darauf, dass es mir meines Wissens erstmals gelungen ist, das Laichverhalten von Badis im Film festzuhalten!

* Eine nachträgliche Anmerkung: Die als Badis cf. kanabos bezeichneten Fischchen sind offensichtlich nicht mit B. kanabos identisch. Sie stehen B. badis sehr nahe, bleiben aber auffallend kleiner.

 

Nur wer das Video gesehen hat, bekommt einen wirklichen Eindruck vom Leben dieser liebenswerten Kleinstfische! Es werden in diesem Film auch Beobachtungen und Erkenntnisse vorgestellt, die im Text nicht angesprochen werden konnten!

Man wird sehen, dass auch die besten Fotos bewegte Bilder nicht ersetzen können! Unten der Film:

 

 

Badis corycaeus, paralleldrohend

 

Badis corycaeus: oben zwei Weibchen bei einer harmlosen Plänkelei,

 

unten: ein prächtig gefärbtes Männchen, es erreichte eine Gesamtlänge von 4,9 cm.

 

 © Dr. Jörg Vierke 


 

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