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Kleine Kostbarkeiten:

 

©  Dr. Jörg Vierke

 

Unter den Labyrinthfischen gibt es eine ganz besondere Gruppe: die Prachtguramis oder Prachtzwergguramis. Der Name deutet es schon an, es sind die kleinsten Labyrinther überhaupt und mit die schönsten und interessantesten dazu. Wegen ihrer geringen Größe wurden sie lange Zeit übersehen. Inzwischen sind an die 20 dieser Fischzwerge beschrieben (einige aber nur an Hand ihrer Farbmerkmale!) und nicht wenige warten noch auf ihre Bearbeitung. Der wissenschaftliche Gattungsname der Prachtzwergguramis ist übrigens ebenso kompliziert wie ihr deutscher: Parosphromenus.

 

 

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Parosphromenus quindecim

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Parosphromenus phoenicurus balzend
Parosphromenus alfredi, Männchen balzend
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Parosphromenus alfredi, Paarung
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Parosphromenus parvulus, Männchen in Normaltracht

Alle Prachtzwergguramis stammen aus Südostasien. Offenbar sind die zu ihnen gehörenden Arten und Unterarten mit die jüngsten Erzeugnisse der Evolution, sicher nur wenige zehntausend Jahre alt. Das ist der Grund, weshalb sich viele von ihnen zum Verwechseln ähnlich sehen.

 

Wo findet man diese Fischchen, deren kleinste Art gerade mal 27 mm lang wird? Sie führen in verwachsenen Teichen, in langsam fließenden Bächen und verkrauteten Kanälen ein heimliches Leben. Man muss regelrecht die Wasserpflanzen und ins Wasser hängende Blätter der Ufervegetation aussieben, um diese scheuen Tiere ins Netz zu bekommen.

 

Die Ansprüche dieser Fische sind im Einzelnen recht unterschiedlich, aber generell kann man sagen, dass Prachtzwergguramis deutlich mehr Fürsorge verlangen als die meisten anderen Aquarienfische. Man sollte sie in gut bepflanzten Extrabecken ohne weitere Beifische halten. Als Ausnahme zu einer in der Aquaristik üblichen Regel sollte man diese Fische lieber nicht in einem zu großen Aquarium halten. Möglicherweise sehen wir die Heimlichtuer dann gar nicht mehr wieder! - Starke Wasserbewegungen sind für diese Fische nicht das Wahre, aber ganz strömungsfrei ist auch nicht optimal. Am vorteilhaftesten erwies sich bei mir ein nur schwach laufender Mattenfilter.

 

Als Bodengrund hat sich Torfgranulat bewährt, das man bei Bedarf leicht auswechseln kann, dazu ausreichend Pflanzen in Pflanztöpfchen und / oder tiefreichende Schwimmpflanzen wie den Schwimmenden Hornfarn Ceratopteris cornuta.

 

Gut bepflanzt sollte das Becken also sein und ruhig sollte es stehen. Nochmals zu den Schwimmpflanzen: Man sollte sie ruhig wuchern lassen, denn zu viel Licht ist auch nicht Sache der Prachtguramis. Außerdem brauchen die Fische Höhlen. Sie dienen ihnen als Brutplatz, oft aber auch nur als Rückzugzone.

 

Noch ein wichtiger Punkt: das Wasser sollte recht weich sein - hier gibt es aber von Art zu Art sehr unterschiedlich empfindliche Tiere - und wir sollten die Fischzwerge in saurem Wasser halten. Aber auch dieser Hinsicht kann man nicht alle Arten über einen Kamm scheren. P. parvulus, quindecim, tweedei und viele andere hält man am besten bei pH-Werten zwischen 4,2 und 4,5! P. paludicola und filamentosa sind in dieser Hinsicht weit anspruchsloser.

 

Zum Futter! Einige Parosphromenus-Freunde füttern ausschließlich Salzkrebschen, genauer: Artemia-Nauplien. Ich ziehe es vor, daneben auch gesiebte Tümpeltiere zu verfüttern. Auf jeden Fall ist Lebendfutter angesagt!

 

Wer sich ernsthaft für die Haltung und die Zucht dieser Fischzwerge interessiert, sollte Kontakt mit den Liebhaber-Vereinigungen aufnehmen (IGL, Link hinten!). Im Zoohandel sieht man die kleinen Fische nur selten. Kein Wunder, der Normalaquarianer übersieht sie schlicht, aber auch wer nach den Prachtzwergguramis sucht, wird nur selten fündig. Am ehesten kann man sie in sehr großen Zoogeschäften erhalten, die sich auch auf das Angebot von Raritäten spezialisiert haben. Welche Art man dann tatsächlich bekommt, ist nicht immer sicher. Da darf man auch nicht wählerisch sein - interessant sind die Kleinen im Artaquarium allemal. Und wenn sie dann in Fortpflanzungsstimmung kommen, dann kann man sich manchmal nur über das Temperament dieser ansonsten stillen Heimlichtuer wundern!

 

Aus dem Spektrum der Arten stechen einige heraus. Zunächst ist da die schon erwähnte Art P. parvulus, nicht nur der kleinste Labyrinthfisch, sondern auch einer unserer kleinsten Aquarienfische. Sie stammt aus Südborneo. Die Männchen sind in Paarungsstimmung wunderschön schwarzgrau und haben knallrote Flecken in der großen Afterflosse. Nahe verwandt ist ornaticauda, bei denen die Männchen einen großen roten Fleck in der Schwanzflosse tragen. Diese Fischchen erreichen gerade mal 3 cm Gesamtlänge, die anderen aus der Gattung können immerhin einen Zentimeter länger werden.

 

Aus dem Osten der Malaiischen Halbinsel kommt P. paludicola. Die Fischchen sind durch eine rhombenförmige Schwanzflosse ausgezeichnet. Auffallend ist auch ihre ganz lang ansetzende Rückenflosse. Von der Färbung her sind sie Aschenputtel, ihr Verhalten dagegen ist hochinteressant. Beachten Sie hierzu die Anmerkung am Ende des Artikels mit dem Hinweis auf einen zweifellos sehenswerten Film! 

 

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Parosphromenus harveyi in der Bruthöhle
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Parosphromenus filamentosus unter dem Nest
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Parosphromenus linkei-Männchen
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Parosphromenus linkei-Männchen in seiner Bruthöhle

Farblich sehr ansprechend dagegen ist P. nagyi, bei dem die Männchen während der Fortpflanzungszeit eine schöne dunkle Zeichnung bekommen. Diese Fische stammen aus dem Osten der malaiischen Halbinsel, genau aus der Gegend, in der auch P. paludicola zu Hause ist. Von beiden Arten, von P. nagyi und von P. paludicola, habe ich Spezialberichte. Am Schluß dieses Berichtes gibt es die Links dazu! - Dann gibt es noch zwei Prachtzwergguramis, die durch einen auffallenden, weit ausgezogenen Afterflossenfaden hervorstechen, P. filamentosus und P. linkei.

 

Ich habe viele der diversen Parosphromenus-Arten gezüchtet, aber eine Art liegt mir besonders am Herzen. Über diese Art will ich im Folgenden ausführlicher berichten. Es handelt sich um P. filamentosus. Sie gefällt mir nicht nur, weil sie besonders schön ist. Es ist auch der Parosphromenus, den ich als erster nachgezogen hatte und den ich neben P. parvulus wissenschaftlich beschreiben konnte. Was ich über diesen Fisch hier jetzt berichte, gilt im Wesentlichen auch für die anderen Parosphromenus-Arten. Allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: kaum eine der anderen Arten ist so anspruchslos wie diese. Das ist natürlich relativ gemeint, denn als wirklich anspruchslos kann man keinen Prachtzwerggurami bezeichnen. Ein Teil ihrer Robustheit hängt damit zusammen, daß sie auch von ihren Heimatgewässern nicht sehr verwöhnt sind. Faden-Prachtzwergguramis kommen aus dem Süden Borneos aus dem Umfeld der Stadt Banjarmasin. Hier findet man sie selbst in Straßengräben - sie stellen also keine allzugroßen Ansprüche an die Wasserqualität.

 

Namensgebendes Erkennungszeichen für diesen schlanken Fischzwerg ist sein fadenartig verlängerter, mittlerer Schwanzflossenstrahl, wie er auf einigen der Fotos auch gut zu sehen ist. Dieser Faden tritt in beiden Geschlechtern auf und kann bei alten Männchen bis zu 4 Millimeter über das Schwanzflossenende herausragen. Die Grundfärbung der Art sieht aus wie bei allen Prachtzwergguramis: Sie sind cremeweiß mit zwei dunklen Körperlängsstreifen. Der untere Streifen beginnt an der Schnauzenspitze, durchzieht das Auge und endet in der Schwanzwurzel. Annähernd parallel dazu verläuft der obere Streifen unmittelbar unter der Rückenlinie.

 

Die Geschlechter sind in der Normalfärbung nicht mit Sicherheit zu unterscheiden. Zwar werden die Männchen etwas größer, zwar sind sie etwas weniger füllig und haben vor allem oft viel länger ausgezogene Fäden am Schwanz und oft auch am Ende der Rückenflosse, aber 100%ig sicher erkennt man sie erst, wenn sie ihr Prachtkleid angelegt haben. Unter geeigneten Bedingungen ist das nach dem Eingewöhnen allerdings fast der Regelfall.

 

Wie einführend bereits angemerkt wurde, bringt man die Tiere in Artbecken unter. Im Hinblick auf die geringe Größe der Tiere, aber auch wegen ihres friedlichen und ruhigen Wesens, genügen auch Kleinaquarien. Selbstverständlich ist für ihre Haltung weiches Wasser günstiger als hartes, aber auch bei mittleren Härtegraden um 15° GH halten sie sich ausgezeichnet. Wie bereits angemerkt, brauchen Prachtzwergguramis Steinhöhlen. Gelegentlich bauen sie ihre Nester aber auch unter die mehr oder weniger waagerecht abstehenden, gebogenen Blätter von Cryptocoryne affinis. Eine stellenweise dichte Bepflanzung ist durchaus angebracht, denn die Fische sind scheu. Manchmal muß man schon ein paar Minuten vor dem Aquarium sitzen, um den jeweiligen Standort der Fische auszumachen. Zumeist stehen sie ganz still unter einem Blatt oder in einer Ecke und beobachten uns. Das Männchen findet man aber meistens in seiner Bruthöhle. Wenn wir sie richtig aufgestellt haben, brauchen wir es also nicht lange zu suchen.

 

Der Höhleneingang sollte so ausgerichtet sein, daß ihr Inneres nicht allzu hell wird. Im anderen Fall wird sie nicht angenommen. Der Freund von Prachtzwergguramis ist daran zu erkennen, daß er stets eine Taschenlampe neben seinem Aquarium liegen hat, um sehen zu können, was sich in der Höhle abspielt! Man sieht, die Prachtzwergguramis sind nicht Fische für jedermann. Man braucht eine besondere Mentalität für die Haltung dieser Tiere!

 

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Parosphromenus nagyi-Paar unter dem Gelege

Wenn es einem nur auf die Zucht ankommt, wird man die Fische im hygienischen Aquarium halten: Kein Bodengrund, nur Schwimmpflanzen (Wasserhornfarn, Ceratopteris, ist gut geeignet!) und ein oder zwei Blumentöpfe als Höhle. Ein schwach laufender Filter oder eine nicht zu starke Durchlüftung sind gut, aber keinesfalls nötig. Ich habe bei erwachsenen Tieren keines von beiden benutzt. Anstelle des hygienischen Aquariums möchte ich im Fall der weniger empfindlichen Faden-Prachtzwergguramis eher für das gut mit Cryptocorynen bepflanzte und mit Wurzeln und Steinhöhlen ausgestattete Miniaquarium plädieren. Das Wasser sollte regelmäßig teilweise erneuert werden. Ich halte die Tiere vorzugsweise bei einem Leitwert zwischen 120 und 200 Mikrosiemens. Die idealen Temperaturen liegen im Bereich um 27° C, aber auch hier sind sie wie bei den anderen Wasserwerten sehr tolerant.

 

 

Faden-Prachtzwerggurami P. filamentosus unter seinem Gelege
Faden-Zwergguramis Parosphromenus filamentosus, Paarung

Bei geeigneten Bedingungen zeigt das filamentosus-Männchen fast ständig seine Prachtfärbung. Dann ist der Rücken goldbraun gefärbt. Rotbraun erscheint nun die Basis der Rücken- und Afterflosse, vor allem aber das herzförmige Innere der Schwanzflosse. Die genannten Flossen sind alle dunkelblau eingefaßt und außen zusätzlich hellblau gesäumt. Blau glänzen auch die Bauchflossen und oft die Kopfseiten.

 

 

Bei einer Temperatur von etwa 25 bis 30° C, bei gutem Ernährungsstand und der notwendigen Ruhe beginnt das Männchen recht bald, ein Schaumnest zu bauen. Dazu trägt es eine Vielzahl von Schaumblasen unter einem Höhlendach oder einem Pflanzenblatt zusammen. Die Fotos zeigen, daß die Blasen regelrecht an das Dach angeklebt werden, denn sie halten auch an einer schrägen Fläche.

 

Wenn das Männchen jetzt auf "Brautschau" geht, zeigt es seine allerschönsten Farben. Es spreizt seine Flossen weit ab, und wenn es einem Weibchen begegnet, geschieht etwas unter Labyrinthfischen Einmaliges: Es versucht, sein Weibchen mit kräftigen, rhythmisch ausgeführten Zuckbewegungen seiner jetzt dunkelblau leuchtenden Bauchflossen zu beeindrucken.

 

Daraufhin beginnen die Partner sich zu umkreisen: Das Männchen im leuchtenden Prachtkleid, das Weibchen dagegen völlig farblos und ohne die sonst üblichen dunklen Längsstreifen. Die Tiere haben während des Umkreisens ihre Flossen zum Zerreißen prall gespannt. Sie zeigen jetzt eine typische Kopf-Unten-Stellung. Es sieht so aus, als ob die Fische Kopfstand machten. Dabei versucht jeder Partner, dem anderen seine Breitseite zu präsentieren. Wenn das Weibchen jetzt wirklich laichwillig ist, zieht es bei dem Karussellschwimmen immer engere Kreise und rückt dem Männchen so auf den "Pelz". Dieses bricht daraufhin mit geklemmten Flossen schnell aus dem Kreis aus und stellt sich an einer anderen Stelle wieder quer zur Partnerin auf. Ganz plötzlich spreizt das Männchen dann seine Flossen wieder weit auf und zeigt seine Farben. Es ist, als sei jetzt ein Regenschirm aufgespannt. Und natürlich macht es nun wieder Kopfstand. Wenn das Weibchen daraufhin nicht reagiert, dem Männchen also nicht nachfolgt, unterstützt der Prachtzwerggurami-Mann seine Geste jetzt durch kräftiges Wedeln mit seinem Schwanz und seiner so markant gezeichneten Schwanzflosse. Dabei legt er sich nun zumeist regelrecht quer ins Wasser. Hierzu nähert es sich seinem Weibchen, unterschwimmt es und präsentiert sich ihm nun auf der Seite liegend direkt unter der Umworbenen.

 

Man sieht, es ist eine aufwendige, komplizierte Balz, die sich diese Fische leisten. Jetzt sind sie lange nicht mehr so versteckt wie üblich. Und dann die Farbenpracht des Männchens! Da die Tiere jetzt sehr lebhaft sind, schnell den Standort und die Stellung wechseln, ist mir zur Balz noch keine gute Aufnahme gelungen. Schade! Ich habe schon sehr viele Fische der verschiedensten Art balzen sehen, aber ehrlich: Unser Faden-Prachtzwerggurami ist eine "Bombe"! Aber nur für den, der sich die Zeit nimmt, in Muße vor dem Artaquarium zu beobachten. Die Balz kann Stunden dauern und setzt sich dann noch eine Weile unter dem Schaumnest fort. Dann aber beginnt das Weibchen, sein Männchen an Aktivität zu übertreffen. Wieder und wieder animiert es den Partner zum Kopfstand und zum gegenseitigen Umschwimmen. Hieraus entwickelt sich dann die Umschlingung.

 

Parosphromenus filamentosus: Das Weibchen nimmt den Laich aus der Körperbeuge des Männchens
Fadenprachtgurami: Das Paar beim Versorgen des Laichs

In fortgeschrittenem Stadium der Laichphase steht ein Weibchen sehr oft direkt unter der Höhlendecke am Nest. Das Männchen balzt seine Partnerin jetzt hauptsächlich von unten an. Es zeigt seine Farben bei weit abgespreizten Flossen, indem es sich direkt unter dem Weibchen seitlich quer ins Wasser "legt". Jetzt drängt es nach oben, das direkt unter dem Höhlendach stehende Weibchen gewissermaßen einklemmend. Oft schwimmt das Weibchen nun auch aktiv das Männchen an, das mit seinem Leib jetzt eine zur Partnerin offene Höhlung bildet. Noch eine kurze Umkreisung, und die Umschlingung ist vollendet (vgl. Abb. links). Das eng umklammerte Paar sinkt jetzt 1 bis 3 Zentimeter nach unten und bleibt dort in der Schwebe. Dann öffnet das Männchen langsam seine Umklammerung und läßt das Weibchen frei. Dabei verbleibt das Männchen frei schwebend im Wasser. Die trübweißen, milchigen Laichkörner liegen jetzt auf seinem nach unten gewölbten Leib und auf der Afterflosse, wie in einer Schale. In dieser Lage verharrt das Männchen unbewegt mehrere Sekunden. Das Weibchen hat noch ausreichend Zeit, die Laichkörner aufzulesen. Das Foto rechts zeigt diesen Vorgang deutlich. Gut sind die Eier in der Körperbeugung des Männchens zu erkennen.

 

Bei dieser Gelegenheit fallen oft auch einige Laichkörner zu Boden. Sie werden aber vom Weibchen fast immer noch im Herunterfallen aufgeschnappt. Dann schwimmt die Mutter mit den Eiern im Maul zum Nest hoch und klebt sie an die Schaumblasen.

 

Für das erst jetzt aus der Paarungsstarre erwachende Männchen bleiben keine Eier mehr zum Einsammeln übrig. Aber es schwimmt sofort unter das Nest zum Laich. Es sieht aus, als wolle es die Arbeit seines Weibchens überprüfen. Die Paarungen wiederholen sich jetzt etwa alle 10 Minuten.

 

Das Weibchen bleibt während der gesamten Laichphase, die etwa 3 Stunden dauert, unter dem Nest. "Sie" wird vom Männchen in keiner Weise behelligt; ist aber völlig blaß und hat im Gegensatz zum Männchen "ihre" Flossen die ganze Zeit kräftig abgespreizt. Das Männchen verläßt in dieser Zeit gelegentlich kurzfristig das Nest, um Luft vom Wasserspiegel zu holen. Diese Blasen dienen offenbar ausschließlich dem Ausbau des Schaumnestes. Übrigens sah ich die Tiere eigentlich nur bei solchen Gelegenheiten zum Luftholen an den Wasserspiegel schwimmen. Sie scheinen ohne eine Labyrinthatmung auszukommen.

 

Die an die Schaumblasen geklebten Eier fallen gelegentlich zu Boden, vor allem dann, wenn die Fische sich direkt unter dem Schaumnest paaren und dabei die Eier abstreifen. Vater und Mutter schnappen sie aber im Fallen auf oder suchen sie nachher auf dem Grund der Höhle zusammen.

 

Die weitere Brutpflege nach Beendigung der Laichphase ist ausschließlich Aufgabe des Vaters. Er legt seine Prachtfärbung jetzt nicht ab, ist aber doch deutlich schwächer gefärbt. Er setzt in dieser Zeit regelmäßig sein Schaumnest instand.

 

Die Jungen schlüpfen bei 25 Grad Celsius nach etwa 48 Stunden. Sie hängen dann wie kleine Kommas unter dem Schaumnest. Die soeben geschlüpften Jungen sind noch milchig weiß, Augen sind noch nicht zu erkennen.

 

Wenn man dem Vater die Jungen läßt und außer der Mutter keine weiteren Tiere im Zuchtaquarium sind, kann ein Teil der Jungen in diesem Becken groß werden. Mit dieser Methode wird man allerdings nicht immer Erfolg haben. Zur rationellen Zucht sollte man die Eier nach dem Ablaichen entnehmen. Man wird selten mehr als 50 Laichkörner zählen, aber gelegentlich kann man sogar bis auf 130 und mehr Eier kommen.

 

Der Abstand von einer Laichphase zur nächsten ist bei guter Fütterung der Tiere nur kurz: Etwa eine Woche. Allerdings legen die Fische gelegentlich auch monatelange Ruheperioden ein. Die Eier werden am besten in ein Plastikaquarium ohne Bodengrund und ohne Pflanzen überführt. Das Wasser sollte die gleiche Temperatur und Zusammensetzung wie die des Zuchtbeckens haben. Ich gebe dem Wasser meistens etwas Kaliumpermanganat hinzu, doch ist das nicht unbedingt nötig. Das Brutaquarium sollte durchlüftet werden. Nach dem Freischwimmen der Jungen ist das allerdings nicht mehr nötig. Täglich sollten die Eier und Larven auf Pilzbefall untersucht werden.

Wenn die Jungen frei schwimmen, gibt man am besten einige Schwimmpflanzen (Ceratopteris) ins Aquarium. Die kleinen Fischchen ernähren sich von den hierin lebenden Infusorien und können schon nach 2 bis 3 Tagen frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien fressen. Sie wachsen bei häufigem Teilwasserwechsel nun recht zügig.

 

Zum Schluss noch ein Hinweis: Wer wirkliches Interesse an diesen Juwelen hat, sollte auf jeden Fall dem Link zum Parosphromenus-Project folgen >>> (unten auf der Seite!).

 

©  Dr. Jörg Vierke

letzte Bearbeitung: 22. 12. 2012


Die Laichserie unten zeigt P. phoenicurus von Langgam (Sumatra)

Diese Form aus der bintan-Gruppe hat Horst Linke aus dem Jambi Distrikt mitgebracht. Die Art wurde erst 2012 von Schindler und Linke beschrieben.

Zu den Fotos (von oben links nach unten rechts):

1. Männchen, 2. Weibchen, 3. und 4. Das Männchen balzt mit gespreizten Flossen im Kopfstand vor dem Weibchen, 5. Paarung in der Höhle, 6. Moment der Ei-Abgabe, 7. Das Männchen bei der Ei-Nachsuche am Boden, 8. Der Vater am Schaumnest mit dem Laich.


Unten der entsprechende Prachtzwerggurami-Film!

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Dunkler Sumpfprachtgurami Parosphromenus paludicola


2 Anmerkungen:

Das sehr interessante Fortpflanzungsverhalten der Dunklen Sumpfprachtguramis (P. paludicola) kann auf meiner Seite "Fischverhalten" nachgelesen werden. Dort gibt es auch einen 5-Minuten-Film zum Fortpflanzungs- und Lernverhalten dieser kleinen Parosphronemus:   >>>

Auch zum Schwarzen Prachtgurami P. nagyi habe ich einen speziellen Bericht zum Fundort, zur Haltung und zur Zucht dieser Art:  >>>


 

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Empfehlung: Rote Spitzschwanzmakropoden