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Pucallpa-Zwergbuntbarsch

Pucallpa-Zwergbuntbarsch

Pucallpa-Zwergbuntbarsch - Männchen Weibchen am Gelege

Der Pucallpa -Zwergbuntbarsch

© Dr. Jörg Vierke

Leider ist dieser Fisch mit dem unaussprechlichen Namen Apistogrammoides pucallpaensis nicht allzu häufig im Angebot des Fachhandels. Man muss sich schon ein bisschen umschauen, wenn man ihn ergattern will. Andererseits ist es ein so wunderschönes und ge­nügsames Fischchen, dass sich die Suche lohnt.

Die Art wurde 1965 von Her­mann MEINKEN beschrieben. Auch der Gattungsname stammt von ihm. Mit "Apistogrammoi­des" ist "Apistogramma-ähnlich" gemeint. Von der sehr nahe ver­wandten Gattung Apistogramma unterscheidet sich dieses Fisch­chen durch die Anzahl der Hart­strahlen in der Afterflosse. Während man bei Apistogramma in der Regel nur drei findet, be­sitzt die Gattung Apistogrammoi­des sieben bis neun. Ansonsten findet der Apistogramma-Kenner aber nur wenig Unterschiede im Hinblick auf die beiden Gattun­gen.

Apistogrammoides pucallpaensis - Paar

Pucallpa-Zwergbuntbarsch-Paar, links das Männchen 

Er ist ein Peruaner

Die Gattung Apistogrammoides ist monotypisch, das heißt, sie beinhaltet nur eine einzige Art. Sie ist nach ihrem Fundort Pu­callpa benannt, einer Stadt, die am peruanischen Oberlauf eines der Amazonasquellflüsse, des Rio Ucayali, liegt. In jüngerer Zeit werden hin und wieder Pu­callpa-Zwergbuntbarsche einge­führt, allerdings stammen sie vor­wiegend aus dem Raum um die Stadt Iquitos, etwa 600 Kilometer Luftlinie von Pucallpa ent­fernt.

Aus ihren Heimatgewässern importierte Pucallpa-Zwergbunt­barsche sind erfahrungsgemäß empfindlich und brauchen recht weiches, leicht saures Wasser. Nachzuchttiere sind dagegen ziemlich widerstandsfähig. Na­türlich sollte man ihnen, wenn möglich, auch die idealen Was­serbedingungen bieten. Ich er­hielt von Herrn HÜSER ein aus­gezeichnetes Paar, das ich in ei­nem mit Höhlen und vielen Pflanzen ausgestatteten 60-Li­ter-Aquarium unterbrachte. In einer der hinteren Ecken hatte sich Javamoos nach kurzer Zeit so stark aus­gebreitet, dass ein "ordentlicher" Pfleger sicher schon bald hätte jäten müssen. Ich tat das jedoch nicht! So fanden später die jungen Apistogrammoides in den ersten Tagen eine Vielzahl winziger In­fusorien, die ihnen das Überleben ermöglichten. Anders als die Api­stogramma-Arten ist es bei diesen Zwergen nämlich keineswegs ge­sagt, dass die Jungen von vorn­herein schon frisch geschlüpfte Artemien bewältigen können.

Weibchen vor der Bruthöhle

Das Apistogrammoides-Weibchen vor seiner Bruthöhle 

Ein echter Zwerg

Pucallpa-Zwergbuntbarsche sind wirklich extrem kleine Cichliden. Die Männchen werden kaum größer als vier Zentimeter, die Weibchen bleiben deutlich klei­ner. Die gedrungen gebauten Tiere erinnern in der Körperform wie in der Färbung ein wenig an Apistogramma borellii, den früher als "Reitzigi" bezeichneten Zwergbuntbarsch. Sie haben ein auffallend stumpfes Schnauzen­profil, einen recht breiten Kopf und eine Afterflosse, die deutlich weiter nach vorn reicht, als die der Apistogramma-Arten.

Meist zeigen die Pucallpa-­Zwergbuntbarsche einen dünnen, schwarzen Körperlängsstreifen, der hinter dem Kopf  beginnt und im Bereich der Schwanzwurzel auf eine unverkennbare Weise in einem Querbalken endet, so dass man das Band mit einem liegen­den T vergleichen könnte. Die Männchen haben direkt dahinter drei auffallende, übereinander­stehende schwarze Flecken, die gegeneinander hell abgesetzt sind.

Die Männchen können bei der richtigen Beleuchtung am ganzen Körper herrlich stahlblau schil­lern. Dabei ist jede Schuppe dunkel gerandet, so dass es aussieht, als ob der Körper von ei­nem groben Netz eingehüllt wäre. Besonders apart wirkt hierzu die Gelbfärbung der Rücken-, After- ­und Bauchflossen sowie der gold­gelbe Kopf mit den leuchtend blauen Schnörkeln. Die Schwanzflosse bleibt auch bei ausgewachsenen Männchen ab­gerundet. Abgesehen von der ty­pischen Schwarzweiß- Markie­rung in ihrem Ursprung ist sie noch mit schwachen Querbän­dern geschmückt.

Die Weibchen erreichen nur selten Größen von bis zu drei Zentimetern. Sie sind weit schlichter, ihre Flossen deutlich weniger stark verlängert als die der Männchen. Bei der Brut­pflege zeigen sie allerdings, was in ihnen steckt. Dann sind sie am ganzen Körper kontrastreich gelb-schwarz gezeichnet. Selbst die Flossen nehmen bei brut­pflegegestimmten Weibchen eine kräftige Gelbtönung an, die zum Orangerot umschlagen kann.

Wie viele Zwergcichliden sind auch die Pucallpa-Zwergbunt­barsche überzeugte Lebendfut­terfresser. Meine Fische fraßen gelegentlich durchaus auch Flockenfutter. Um für die Zucht einen guten Laichansatz zu be­kommen, versorgte ich sie jedoch im wesentlichen mit abwechs­lungsreichem Tümpelfutter und mit Enchyträen. Bei Wasserwer­ten um 10° dGH und 25° C ka­men die Fischzwerge schnell in Brutstimmung.

Weibchen am Gelege

Das Weibchen mit dem Gelege

Balz und Fortpflanzung

Oft stellte sich das Männchen balzend quer vor sein Weibchen. Dabei spreizte es alle Flossen und imponierte zusätzlich durch Ausfahre­n seiner Kiemenmembran. Wedelbewegungen mit dem Hinterkörper unterstützten die Balz. Häufig antwortete das Weibchen mit ähnlichem Körper­wedeln. Von den Ablaichvorbe­reitungen habe ich allerdings nicht viel sehen können. Leider hatte ich das Ablaichen regelmä­ßig erst dann bemerkt, wenn alles zu Ende war. Dann streifte das nun kanariengelb gefärbte Weib­chen immer wieder hektisch um seine aus einer halbierten Kokosnussschale bestehenden Brut­höhle herum, in der es kurz ver­schwand, um gleich wieder die Umgebung zu überprüfen. Zu dieser Zeit stand das Männchen in einer der hinteren Ecken des Aquariums, die es seinerseits auf der Suche nach möglichen Laich­feinden bewachte.

Wie man es auch von Apisto­gramma-Arten erwarten würde, wurden die etwa 60 ockerfarbe­nen Eier unter dem Dach der Kokosnusshöhle angeheftet. Im­mer wurde die dunkelste Stelle ausgewählt. Mir fiel auf, dass die vergleichsweise recht kleinen Eier ziemlich weit verstreut waren. Bei den Apistogramma-Arten bin ich eine dichtere Anordnung des Ge­leges gewohnt.

Pucallpaensis - Weibchen mit Jungen

Junge führendes Weibchen, die Brut ist unten rechts nur auf dem zweiten Blick zu erkennen! 

Nach etwa zwei Tagen schlüp­fen die Larven aus. Die hilflosen Tierchen wurden von der Mutter am Boden in einer Sandgrube gesammelt und bewacht, die sie innerhalb der Kokosnusshöhle angelegt hatte. Eine Woche nach dem Ablaichen schwammen die Kleinen frei. Ständig auf der Suche nach winzigsten Lebewe­sen durchstreiften sie im lockeren Zusammenhalt das Becken, im­mer von der Mutter begleitet. In anderen Zuchtberichten wird an­gegeben, dass das Männchen sich am Führen der Jungen so intensiv beteiligt hätte, dass man geradezu von einer Elternfamilie sprechen konnte. Mein Zuchtmännchen hielt offenbar nicht sehr viel von den Vaterfreuden, denn das Be­gleiten der Jungen überließ es regelmäßig der Mutter. Anderer­seits stellte es den Jungen jedoch auch in keiner Weise nach. Gewiss hätte die eifrig pflegende Mutter das auch nicht zugelassen.

 

Die Fischmutter mit der Brut

Pucallpa-Zwergbuntbarsch-Mutter mit Brut Pucallpa-Zwergbuntbarsch - Männchen

© Dr. Jörg Vierke


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Apistogramma cacatuoides >>>

Apistogramma hongsloi >>>

Apistogramma resticulosa >>>

Apistogramma regani (in Fischverhalten.de) >>>

Apistogramma rubrolineata (Film, unten auf der Seite!)  >>>

Apistogramma borellii (Laichserie, unten auf der Seite!)  >>>

 

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