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Der Rotstrich-Zwergbuntbarsch

Apistogramma hongsloi

Die Fortsetzung

 

© Dr. Jörg Vierke

 


Dieses ist die Fortführung meiner Erlebnisse mit den Rotstrich-Apistogramma A. hongsloi von der vorhergehenden Seite. Der Text ist eine nahezu wortgetreue Wiedergabe des ausführlichen Kommentars zum unten eingebetteten Film:

Au_enfilter.jpg
Der Filter des hongsloi-Beckens

Seit einem guten Vierteljahr halte ich mein Apistogramma hongsloi Trio in diesem kleinen Aquarium! Eigentlich wollte ich meinen bisherigen drei hongsloi-Filmen keinen weiteren hinzufügen. Aber da sich zwischenzeitlich wirklich Interessantes getan hat, jetzt der 4. Film (auf der Vorseite die drei ersten Videos!). Ganz sicher der Letzte - zumindest vorläufig!

Noch mal was zum Aquarium: Es ist ein 35 Liter Becken (49 x 30 x 24 cm), hat  folgende Wasserwerte: pH 5,5, dGH 5 und wird bei 27° C gefahren. Das Aquarium verfügt über einen kleinen, nur sehr schwach laufenden Außenfilter nach dem Wasserfallprinzip.

Um die Tiere nicht zu stören habe ich, abgesehen von kleinen Teilwasserwechseln und dem Versuch hin und wieder ein paar Algen abzufischen, nicht am Aquarium herumgepfuscht. Scheibenreinigungen gab es natürlich auch! - Daher liegt hier hin und wieder Mulm und man wird auch Algen finden. Ich bitte um Verständnis. Mir gefällt es anders auch besser, aber ich kann versichern, in der Heimat der Fische am Orinoko sieht es unter Wasser auch nicht anders aus - ich habe mich davon vor Ort überzeugen können!

Eigentlich sollte das kleine Aquarium die hongsloi für Filmzwecke nur für kurze Zeit beherbergen. Aber da alles bestens lief und es immer wieder Neues zu sehen und zu filmen gab, hat sich das auf mehr als ein Vierteljahr ausgeweitet. - Wie man erkennen kann, ist das Aquarium von drei Seiten gut einsehbar.

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Vorderseites des hongsloi-Beckens (Rückseite im vorhergehenden Bericht!)
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Rotstrich-Apistogramma A. hongsloi-Männchen
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A. hongsloi-Weibchen Nr. 2 nach dem Laichen und zwei der neugierigen Neffen
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Apistogramma hongsloi Weibchen Nr. 1 mit dem Gelege
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Die brutpflegende Mutter und der Vater. Die Größenunterschiede sind beträchtlich.

"Eheleben" mit neugierigen Verwandten

Auf der Rückseite sehen wir jetzt die Höhle, in der es sich das Weibchen Nr. 2 eingerichtet hat. Im Inneren der Höhle ist heftig Betrieb. Neugierig schaut ein Jungtier vorbei. Es stammt aus der ersten Brut des anderen Weibchens und ist jetzt etwa 2½ Monate alt. - Und wer schaut da aus der Höhle heraus? Das ist der Vater! Selten, dass er sich mal in der Höhle sehen läßt. Jetzt wissen wir auch, warum da so heftig Betrieb ist. Gerade hat er abgespermt. Leider können wir hier nicht in die Höhle hineinschauen. Wieder sehen wir seine Zitterbewegung, jetzt spermt er ab! Das Weibchen Nr. 2 ist also offensichtlich am Laichen. Und das interessiert die anderen Beckenbewohner auch!

Wir würden natürlich auch gerne sehen, was sich im Inneren der Höhle abspielt. Aber das interessiert auf jeden Fall auch das 2. Weibchen, eigentlich Weibchen Nr. 1 (nach meiner Buchführung). Das Männchen verläßt jetzt die Höhle. So viel Störung hat es nicht erwartet und verzieht sich jetzt. Aber die Kleinen sind immer noch neugierig und schauen nach! Was mag da wohl los gewesen sein? Ich hätte nicht geglaubt, dass Fische so neugierig sein können! Das Weibchen im Inneren der Höhle ist die Tante der Kleinen. Und jetzt kommt ihre Mutter. Und sie schaut auch wieder in die Höhle hinein. Das kann das andere Weibchen natürlich überhaupt nicht gut finden und ihre Schwester wird jetzt verjagt. Schließlich ist dies das Revier dieses Weibchens! Gegen das Männchen kann sie natürlich nichts tun.

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Früh am Morgen verläßt Weibchen 2 die Bruthöhle und begutachtet die Umgebung
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Man sieht, dass sie noch müde ist; sie gähnt ausgiebig!
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Jetzt trägt sie einen ganzen Schwung ihrer Nachkommenschaft im Maul ins Freie ...
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... und entläßt sie wenig später.

Auch das andere Weibchen wird (wieder) Mutter

Knapp eine Woche später hat sich nur 10 cm Luftlinie entfernt auf der Vorderseite des Aquariums etwas in der halbierten Kokosnusshöhle getan. Das andere Weibchen - es ist nach meiner Buchführung Weibchen Nr. 1 - hat ebenfalls abgelaicht. Intensiv werden die Eier inspiziert und teilweise abgelutscht. Wir werden sehen, wie die Geschichte weiter geht.

Schauen wir wieder zum Weibchen 2! Hier müssten die Kleinen doch bald freischwimmen. Und in der Tat! Hier sehen wir sie bei ihrem ersten Ausflug!

Aufbruch mit den Allerkleinsten

Ich will wissen, wie die Mutter ihre Brut am nächsten Morgen ausführen wird. Es ist so weit. Ich habe mich frühmorgens mit der Kamera mit dem Stativ vor der Höhle der jungen Mutter positioniert und habe die Aquarienbeleuchtung eingeschaltet. Die Mutter ist bereits wach und schaut aus der Bruthöhle. Sie verläßt die Höhle wie wir sehen und inspiziert gründlich die Umgebung. Sie ist vorsichtig. Sie schwimmt wieder in die Höhle zurück. Mal sehen, ob sie jetzt mit den Jungen herauskommt. Nein, offenbar muss die Umgebung noch ein zweites Mal untersucht werden. Gründlich!

In einem früheren Film hatte ich gezeigt, wie die Schwester mit einer deutlich älteren Jungfischschar morgens zur Futtersuche aufbrach (in meinem 3. hongsloi-Film: "Guten Morgen, Familie Hongsloi"). Aber man wird gleich sehen, hier ist es völlig anders! Gleich wird die Mutter mit der Brut erscheinen. Aber was jetzt passiert hatte ich nicht erwartet. Sehen Sie sich doch mal das Maul (der Mutter) an, ja, fast wie ein Maulbrüter. Aber nur für kurze Zeit. Jetzt sind die Jungen wieder für sich.

Auch der Vater interessiert sich für seine Nachkommenschaft

Wir haben einen Zeitsprung getan. Dank reichlicher Artemien-Fütterung sind die Kleinen gut herangewachsen und viel selbständiger geworden. Die orangefarbenen Bäuche zeigen, dass es gerade wieder Futter gegeben hat. - Zwischenzeitig habe ich die Jungen der ersten Brut - die Halbwüchsigen - entfernt und in ein anderes Aquarium gesetzt. Sicher ist sicher!

Wie wir sehen, hat auch der Vater Interesse an seiner Brut. Sein Weibchen, die Mutter, hat das nicht so gerne. Sie legt sich im wahrsten Sinne des Wortes quer. Aber den Vater scheint das nicht zu beeindrucken. Hier sehen wir ihn mal in Großaufnahme. Er fühlt sich inmitten seiner Kleinen richtig wohl. Die brauchen von ihm auch nichts zu befürchten. Nur die Mutter will das nicht. Sie ist ja viel kleiner. Aber sie läßt sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Wenn man so viele Kinder hat, dann ist man auch bereit für sie zu kämpfen. Was jetzt passiert, ist nicht etwa ein Kuss, sondern ein Biss. Der Vater wird in seine Schranken gewiesen und zieht sich in der Tat ein bißchen zurück. Es hat gewirkt. Jetzt kann man sehr gut sehen, dass die Kleinen vor ihrem Vater nicht die geringste Scheu haben.

Inzwischen führt auch die andere Mutter ihre Brut. Die Kleinen sind etwa eine Woche jünger. Sie zerstreitet sich jedoch bald heftig mit dem Pascha, denn der will offenbar wieder ablaichen. Sie hat ihre Jungen aufgeben müssen und sich in ihre alte Höhle zurückgezogen, in die der große Pascha nicht folgen kann. Sicher dauert es nicht mehr lange und die Beiden werden wieder ablaichen.

Zur Nachtruhe und eine Riesen-Überraschung

Doch zurück zu Weibchen 2! Es ist Abend. Ich habe die Aquarienbeleuchtung ausgeschaltet und versuche, die Tiere jetzt bei dem nur schwachen Restlicht zu filmen. Ich möchte zeigen, wie die Mutter ihre Kleinen zum Übernachten zurück in die Höhle bringt. Wie zeigt sie ihnen den Weg und wie macht sie ihnen klar, dass es Zeit ist? Gerade hat die Mutter sicherheitshalber noch einmal die Höhle inspiziert.

Die nun folgende Filmsequenz habe ich nicht geschnitten! Ich möchte den Originalverlauf möglichst unverfälscht zeigen. Ich sage es gleich: Es sind vier Minuten am Stück und wer will kann hier den Film gern beenden. Aber ein richtiger Fischfreund würde etwas verpassen!

Wie man sieht, ist die Mutter jetzt in die Höhle hineingeschwommen. Sie lockt die Kleinen in das Innere der Höhle indem sie rückwärts zurück schwimmt und immer mal wieder herausschaut. Nur zögernd kommen die Kleinen näher. Hier können wir das ganz deutlich sehen. Und noch etwas sehen wir bei dieser Gelegenheit. Wir könnten die Fische jetzt natürlich zählen und wir würden feststellen, dass das ein Riesenschwarm ist. Achten Sie mal darauf: Da gibt es sehr auffallende Größenunterschiede. Sie haben nichts mit unterschiedlicher Ernährung zu tun, nein, sie sind unterschiedlich alt. Da ist ein Abstand von einer Woche. Tatsächlich hat dieses Weibchen die Jungen der Schwester adoptiert. Sie sind nicht verloren gegangen. Daher die Größenunterschiede und die riesige Jungfischschar wie man sie bei hongsloi sonst nicht sehen würde.

Hier gibt es jetzt nichts mehr zu kommentieren. Am besten beobachten Sie selbst.

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Nach dem Ausschalten der Aquarienbeleuchtung lockt die hongsloi-Mutter ihre Kleinen zur Nachtruhe ins Innere der Bruthöhle

Noch eine Anmerkung
Ich würde Aquarienliebhabern grundsätzlich zu einem größeren Aquarium raten, wenn sie diese Erlebnisse zu Hause nachvollziehen möchen. In einem großen Aquarium haben die Fische mehr Platz sich aus dem Weg zu gehen. Das erspart ihnen unnötigen Stress und auch dem Aquarianer! Ich habe die Fische nur deshalb und so lange in dem kleinen Aquarium halten können, weil ich es fast ständig unter Kontrolle halten konnte. Es stand (steht!) direkt neben meinem Schreibtisch. Und weil ich bereits eine gewisse Routine mit Aquarienfischen habe. Also nochmals: Ein größeres Aquarium bitte!

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Da ist nun der letzte Kleine. Er muss noch zur Nachtruhe in die Höhle geholt werden. Und nun kann ich das Licht ausschalten und den Film über Apistogramma hongsloi beenden!

Ein Ausblick

Ich habe nicht vor, weiter über diese Fischdynastie zu berichten, so spannend das auch alles sein mag. Die Jungfische müssen in absehbarer Zeit aus dem Kleinaquarium herausgefangen werden und in einem größeren Aquarium aufgezogen werden. Ich hoffe, dass ich sie in gute Hände geben kann. Die Eltern und die ältesten Jungfische werden (sicherlich zusammen mit noch einigen der jetzt Kleinen) in mein großes Wohnzimmeraquarium kommen und sich dort hoffentlich auch in der Gegenwart anderer Fische wohlfühlen!

© Dr. Jörg Vierke

letzte Bearbeitung 16. 1. 2013


So also ging es mit dem Apistogramma hongsloi-Trio weiter: Hier der Film zum Text oben.

Gut 3 Monate lebt mein Apistogramma hongsloi-Trio mit seinen Nachkommen in einem kleinen Aquarium. Was nur für kurze Zeit und für die Filmdokumentation geplant war, brachte Erkenntnisse, die auch für mich neu und unerwartet waren. Deshalb also dieses vierte Video! Damit es überall verstanden werden kann: Mit englischen Untertiteln - With English Subtitles!

 


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