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Apistogramma cacatuoides-Wildfangmännchen mit Flecken in der Schwanzflosse

Der Kakadu-Zwergbuntbarsch

Apistogramma cacatuoides -

unproblematisch, aber mit Pascha-Allüren

© Dr. Jörg Vierke

 

Einige der südamerikanischen Zwergcichliden-Arten haben sehr enge Ansprüche an das Wasser, andere wieder kommen auch in ihrer Heimat an den verschiedensten Fundorten vor. So fand ich im Bereich des Rio Ucayali in Ostperu den Kakadu-Zwergbuntbarsch Apistogramma cacatuoides in kleinen Urwaldbächen zwischen Wasserpflanzen oder zwischen den Blättern einer halbmeterhohen Laubschicht, ebenso aber auch im Blatt- und Wurzeldickicht der schwimmenden Wiesen, die hier hauptsächlich aus Wasserhyazinthen und Muschelblumen bestehen. So unterschiedlich wie die Lebensräume waren auch die Wasserwerte: ich maß an den Fangplätzen der Kakadu­-Zwergbuntbarsche Temperaturen zwischen 23 und 29,5° C und Leitwerte zwischen 48 und 270 Mikrosiemens. Die pH - Werte la­gen sowohl im sauren Bereich (6,0) als auch im schwach basischen (7,1). Es ist klar, dass solche Fische sich auch im Aquarium als sehr anpassungsfähig und unproblematisch erweisen, sowohl bei der Haltung als auch bei der Zucht.

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In den Ufergebieten im Einzugsbereich des Rio Ucayali ist der Kakadu-Zwergbuntbarsch zu Hause Gern halten die Fische sich in den Pflanzendecken der schwimmenden Wiesen (hier Muschelblumen) auf.

Männchen mit Kakadu-Haube

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Kakadu-Zwergbuntbarsch Apistogramma cacatuoides - Männchen der blauen Form

Wie der deutsche Name "Zwergbuntbarsch" schon sagt, werden die Apisto­gramma-Arten nicht besonders groß. Das gilt zumindest für Buntbarschverhält­nisse. Apistogramma cacatuoides-Männchen können aber immerhin bis zu 9 Zenti­meter lang werden, die Weibchen erreichen dagegen nur etwa die Hälfte. Es ist nicht leicht, die Färbung der Tiere zu beschreiben, da sie innerhalb der Art variiert und da die Tiere - wie bei Zwergbuntbarschen allgemein üblich - je nach ihrer augenblicklichen Stimmung verschiedene Zeichnungsmuster zeigen können. Unterhalb des dunklen Körperlängsbandes sind meist zwei bis drei etwas schwächere Parallelstreifen zu erkennen. Diese Streifen sind auch für die Weibchen typisch.

Die Körperausfärbung männlicher Kakadu-Zwergbuntbarsche ist auch unter Wildfängen variabel. Man unterscheidet blaue, graue und mehr gelbliche Varianten.

Die Männchen werden deutlich größer als die Weibchen und haben im Alter auffallend wulstige Lippen. Im amerikanischen Sprachraum werden sie daher auch als "Großmaul-Apistogramma" bezeichnet. Besonders beim Fron­taldrohen werden die Mäuler aufs Äußerste aufgerissen. Die Flos­sen der Männchen sind stark verlängert. Neben der zweizipfligen Schwanzflosse ist vor allem die indianerhaubenartig ausgebildete Rückenflosse kennzeichnend. Die Flossenverlängerungen der Caudale erinnern an die Federhauben der Kakadus – daher der Artname. Sie entstehen durch zipfelartige Ver­längerungen der vorderen Flossenhäute. Die Spitzen dieser Ver­längerungen können orange gefärbt sein.

Die Weibchen sind in der Brutzeit lebhaft gelb gefärbt und haben ei­nen kräftigen schwarzen Längsstreifen, der vom Auge bis zur Schwanzwurzel reicht. Parallel dazu liegen in der unteren Körperhälfte in gleichen Abständen zwei bis drei kürzere Seitenstreifen. Der vorderste Teil der Rückenflosse ist schwarz gefärbt, und auch die für Apistogramma-Arten typische Wangenbinde fehlt nicht. Außerhalb der Brutzeit ist die Grundfärbung des Weibchens grau­gelb.

Bei den Männchen der Wildform trifft man gelegentlich Tiere an, die im oberen Teil der Schwanzflosse rote oder gelbliche, dunkel ge­rahmte Flecken aufweisen (vgl. Foto oben rechts neben dem Titel!). Durch sorgfältige Auslesezucht kann innerhalb weniger Generationen erreicht werden, dass diese Fleckung vermehrt auftritt und sich auf alle Teile der unpaaren Flossen ausdehnt (Vgl. Foto unten rechts). Ebenso gibt es Zuchtformen mit einfarbig orangenen oder roten Rücken- und Schwanzflossen (Bild unten links). Solche Zuchttiere verdrängen bei Aquarienfreunden immer mehr die schlichteren Naturformen. Nebenbei: viele der Zuchttiere zeigen mittlerweile auch ein verändertes Verhalten. Beispielsweise geben einige das arttypische Höhlenbrüten auf und versorgen ihren Laich wie die Offenbrüter.

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Kakadu-Zwergbuntbarsch Männchen, Zuchtformen, links mit einfarbig orangenen  Flossen, rechts eine Zuchtform mit sehr starker Fleckenzeichnung in den Flossen
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Apistogramma cacatuoides: Junges Wildfang-Männchen aus dem Bereich von Pucallpa

Pflegeansprüche und Sozialstruktur

Eine für Apistogramma- Verhältnisse ausge­sprochen anspruchslose Art, die pflanzenfreundlich und gegen andere Fische absolut friedfertig ist. In Aquarien ab 50 cm Seiten­länge ist paarweise Unterbringung möglich, in größeren Aquarien sollte man einem Männchen möglichst mehrere Weibchen zuge­sellen. In sehr großen Aquarien können unter Umständen auch zwei cacatuoides-Männchen miteinander vergesellschaftet wer­den, doch bleibt das immer riskant.

Beckeneinrichtung: Ausreichend Pflanzen, Wurzeln, Stein­höhlen. Bodengrund sandig oder feiner Kies. Als Mitbewohner eignen sich neben vielen südamerikanischen Salmlern und Le­bendgebärenden auch Panzer- und Bratpfannenwelse.

Frißt Trockenfutter, gedeiht aber, wie alle Apistogramma-Ar­ten, bei Tümpelfutter besser. Auch kleine Regenwürmer werden gern gefressen.

Die Heimat der Fische lässt schon erahnen, dass es sich um wärmeliebende Tiere handelt. Temperaturen von 25 ° C, zur Zucht auch höher, werden bevor­zugt. Unter 22 °C soll die Wassertemperatur möglichst nicht sinken. Im Hinblick auf die Wasserbeschaffenheit sind diese Fische weniger empfindlich als viele andere Apistos – die eingangs gemachten Angaben zum Vorkommen in der Natur machen das verständlich. Dennoch sollte die Wasserhärte besser nicht über mittlere Härte­grade (15 °dH) hinausgehen.

Ein Fisch auch für das Gesellschaftsbecken

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Ein Apistogramma cacatuoides-Paar beim Ablaichen in einer Blumentopf-Höhle

Wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind, können die "Cacatuoides" im Gesellschaftsaquarium gehalten werden. Wichtigste Voraussetzung: Das Aqua­rium darf nicht so übermäßig stark besetzt sein, wie man es von den meisten Gesellschaftsaquarien gewohnt ist. Die Weibchen wollen eine Höhle - ein halbeingegrabener Blumentopf oder eine halbierte Kokosnuss-Schale genügt ­und etwas "fischfreies" Gebiet um ihre Wohnung, es muss nicht groß sein. Wenn ständig ungebetene Gäste in ihre Reviere eindringen, gibt es ewige Rei­bereien, und das natürliche Treiben dieser Fische ist nicht zu beobachten. Das ist aber gerade bei Zwergbuntbarschen interessant, und daher sollte man ih­nen vielleicht doch ein extra Becken einräumen. 50 Liter Wasser reichen schon für ein Zuchtpaar. Hat man jedoch mehr Platz zur Verfügung, dann kann man dem Männchen statt eines Weibchens gleich zwei, drei oder auch vier bei­geben – wenn man sie denn bekommt. Das Geschlechter-Verhältnis bei den Nachzuchten ist oft sehr unausgewogen.

Wenn für eine genügende Anzahl von Höhlenverstecken gesorgt ist und diese nicht zu nahe beieinander liegen - 25 Zentimeter Abstand ist schon ange­bracht -, wird jedes Weibchen bald seine Höhle beziehen und das Revier um diese Wohnung als sein Eigentum ansehen. Die Grenzen werden von den recht streitbaren Weibchen energisch gegen das Nachbarweibchen verteidigt, das Männchen hat Zutritt zu allen Weibchenrevieren. Sollte das eine oder andere Tier kein Revier gründen können und ständig gejagt werden, müssen wir es aus dem Becken heraus fangen. Andernfalls würde es wahrscheinlich zu Tode gequält. Wir bemerken diese Fische sofort; sie hängen direkt unter der Was­seroberfläche in einer Ecke des Aquariums. Hier sind sie vor Angriffen sicherer als anderswo, da das Revier in Bodennähe viel heftiger verteidigt wird als in höheren Wasserschichten. Und einen anderen Sinn als die Revierverteidi­gung hat die Aggression der Fische nicht. Wenn in unserem Zwergcichliden­Aquarium ein Fisch zu Tode gepeinigt wird, ist das Drama nicht der "Mord­lust" der Artgenossen zuzuschreiben, sondern der Unaufmerksamkeit des Pfle­gers. In der Natur wäre der Mord nicht geschehen, da steht dem bedrängten Fisch ja die Möglichkeit der Flucht offen.

Mehr als ein Männchen soll man den Fischfrauen nicht beisetzen. Die Männ­chen können ihre Geschlechtsgenossen in ihrem Revier genauso wenig ertra­gen wie die Weibchen die ihren. Ihr Revier erstreckt sich - wie schon ge­sagt - über die Gesamtheit der Weibchenreviere. Platz für zwei oder gar drei Männchenreviere nebeneinander wäre nur in einem riesigen Aquarium. Bei unseren "Cacatuoides" gibt es also einen richtigen Harem, da wird ein Neben­buhler auf keinen Fall geduldet. Das Männchen laicht mit allen Weibchen ab, oft innerhalb weniger Stunden. Unter Umständen kann man bei diesen Tieren eine sehr interessante Beobachtung machen. In dem Harem gibt es manchmal "Weibchen", die niemals Eier legen. Es sind junge Männchen, die sich als Weibchen getarnt haben. Sie tragen die Brutpflegetracht der Weibchen und werden daher vom "Pascha" geduldet, oder besser gesagt, sie werden vom Reviermännchen nicht als Rivale erkannt. Sie können dem polygamen "Ober­männchen" durchaus Kuckuckseier ins Nest legen, also mit einem seiner Weibchen eine Familie gründen und bei der Aufzucht der Jungen helfen. Erstaunlich ist hieran vor allem auch, dass die Männchen sich aktiv an der Jungenpflege beteiligen können. Normalerweise ist das bei diesen Fischen ausschließlich Aufgabe der Mütter. Die gerade geschilderten Beobachtungen kann man nur in einem relativ großen Aquarium machen.

Eine Lehre für den Kauf der Tiere kann man aus den gerade geschilderten Beobachtungen auf jeden Fall ziehen. Wenn die Fische schon etwas größer sind und man glaubt, die Geschlechter unterscheiden zu können, kau­ft man zu dem sicheren Männchen statt eines Weibchens gleich zwei oder noch besser drei. Andernfalls geht man das Risiko ein, neben dem Männchen statt des gewünschten Weibchens ein "Tarnmännchen" zu kaufen.

Kakaduzwergbuntbarsch Apistogramma cacatuoides ablaichend. Bildfolge von oben links nach unten rechts.

1. Rücklings schwimmend klebt das Weibchen die Laichkörner an die Höhlendecke. 2. Der Vater beim Besamen des Laichs. 3. Wieder das Weibchen beim Ablaichen. 4. Am Schluß treibt sie den Partner drohend aus der Laichhöhle.

Laichverhalten und Zucht

Wenn das Männchen mit einem Weibchen gemeinsam eine Höhle bezieht, wer­den die Tiere bald ablaichen. Die Eier werden in den meisten Fällen an die Decke der Höhle geklebt, seltener an die Seitenwände. Vorher putzt das Weib­chen jedoch, meist ohne Beteiligung des Männchens, die Unterlage in der bei Cichliden üblichen Weise. Schließlich dreht es seinen Bauch der Laichunter­lage zu und gleitet mit seiner Laichpapille über den Stein. Die für Buntbarsche nur geringe Anzahl von Eiern - im Schnitt etwa 50 bis 70 - wird in recht kurzer Zeit abgelegt. In 15 Minuten kann schon alles vorbei sein.

Wie die Bilder zeigen, hat das Männchen verschiedene Möglichkeiten, die Eier zu besamen. Manchmal gleitet es dabei mit der Laichpapille direkt über die Eier und schwimmt dann, wie das Weibchen beim Ankleben der Eier, mit dem Bauch nach oben gewendet. In den allermeisten Fällen ist dies aber nur an­gedeutet. Oft schwimmt das Männchen zum Besamen nicht einmal in die Höhle hinein, sondern es stellt sich quer in den Eingang und wedelt das Sperma durch heftiges Schlagen mit der Schwanzflosse in das Innere der Höhle. Insofern kann man auch Höhlen einbringen, die mit einem Einschwimmloch versehen sind, das wohl für das Weibchen, nicht jedoch für das größere Männchen geeignet ist. Die Eier werden dennoch befruchtet und es hat den Vorteil, dass das Weibchen vor eventuellen Zudringlichkeiten des Männchens in der Höhle geschützt ist.

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Ein cacatuoides-Weibchen am Gelege (Wildfang aus Peru, Yarina Cocha)

Wenn alle Eier angeheftet sind und das Männchen sie mehrfach besamt hat, verlässt das Männchen kurzzeitig das Gelege und inspiziert sein Revier. Bei seiner Rückkehr zeigt ihm das viel kleinere Weibchen deutlich, dass der Vater nichts mehr in der Höhle zu suchen hat. Das Weibchen bleibt bei diesen Auseinandersetzungen regelmäßig Sieger. Das Männchen balzt manchmal direkt darauf mit einem anderen Weibchen seines Großreviers. Oft laichen die bei­den dann wenig später auch ab.

Nicht immer sind die Apistogramma cacatuoides im Aquarium gute Brutpfleger. Nicht nur verpilzende, auch völlig gesunde Gelege werden oftmals von den Weibchen gefressen. Sind die Larven aber nach ungefähr 48 Stunden geschlüpft, werden die Jungen vom Weibchen sorgsam gepflegt. Das Männchen hat bei der Brutpflege normalerweise nichts zu suchen. Die Jungen werden in Gruben gebracht und dort weiterhin bewacht. Etwa sieben bis neun Tage nach der Eiablage schwimmen die Jungen frei. Dann müssen sie sofort mit Artemien gefüttert werden.

Gelbschwarz ist wichtig

Die Jungen werden etwa 14 Tage von ihrer Mutter geführt. Mit Attrappenver­suchen konnte eindeutig geklärt werden, an welchen Merkmalen die Kleinen ihre Mutter erkennen. Die Jungen folgen im Experiment allen gelbschwarzen Gegenständen, die langsam bewegt werden. Die Form der Attrappe oder ihre Größe ist dagegen völlig unwichtig. Unter natürlichen Verhältnissen dürfte für die Kleinen somit als Führer immer nur ein brutpflegendes Apistogramma cacatuoides-Weibchen in Frage kommen. Es bewegt sich langsam, ist kräftig gelb gefärbt und besitzt einen deutlichen schwarzen Längsstreifen. Allerdings muss das nicht unbedingt die leibliche Mutter sein. In einem Aquarium mit mehreren brutpflegenden Weibchen wechseln die Jungfische nicht selten ihre Führerin. In einigen Fällen wurden Weibchen beobachtet, die Jungtiere dreier Alters- bzw. Größenstufen führten.

© Dr. Jörg Vierke


Hier ein Film über einen weiteren friedlichen und gut zu haltenden Zwergcichliden, zu Apistogramma rubrolineata.


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Apistogramma hongsloi-Weibchen in der Höhle mit noch schwimmunfähiger Brut
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Apistogramma hongsloi-Männchen

Weiteres für Apistogramma-Freunde:

Apistogramma agassizii  >>>

Apistogramma resticulosa >>>

Apistogramma regani (in Fischverhalten.de) >>>

Apistogramma hongsloi >>>

Apistogramma borellii   >>>

Apistogrammoides pucallpaensis  >>>

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