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Der Afrikanische Schmetterlingsbuntbarsch Anomalochromis thomasi

© Dr. Jörg Vierke

Thomasi1.jpgDie Schönheit des Afrikanischen Schmetterlingsbuntbarsches (Anomalochromis thomasi) begeistert jeden Zierfisch-Freund; schon im Zoogeschäft kann man etwas von seiner Farbenpracht ahnen. Aber erst im gut eingerichteten Aquarium entpuppt er sich zu dem Juwel, das er wirklich ist. Am besten kommt er in einem Aquarium mit dunkler Hintergrundverkleidung und nicht zu hellem Bodengrund zur Geltung. Wenn das Becken gut bepflanzt ist, werden die Tiere bald lebhaft und zeigen, dass sie zu den schönsten Zwergbuntbarschen gehören. Am besten erstrahlen ihre Farben natürlich bei seitlich einfallendem Licht.

Anspruchslos und schön

Einer der Gründe für die Beliebtheit dieser früher als „Pelmatochromis thomasi" bezeichneten Fische ist ihre problemlose Haltung. Sie nehmen jede Art von Futter willig an. Wer züchten will, wird allerdings mit Lebendfutter nicht sparen; aber das ist eigentlich wenig überraschend.

Anders als viele andere Zwergcichliden stellt der „Thomasi" auch an die Wasserqualität keine übertriebenen Ansprüche: Sauber soll es natürlich sein; aber Härtegrade von 15° GH sind den Fischen noch durchaus zuträglich. Selbst züchten kann man mit diesen Werten. Allerdings ist es gewiss sinnvoller, die Tiere in Weichwasser zu halten.

Die Geschlechter sind nicht mit Sicherheit zu unterscheiden. Mit etwas Übung erkennt man aber, dass die Weibchen gedrungener gebaut sind. Auch auf den Fotos ist das zu erkennen. Die Weibchen bleiben normalerweise auch kleiner als das "stärkere Geschlecht", das bei sehr guten Bedingungen eine Gesamtlänge von bis zu neun Zentimeter erreichen kann, zumeist aber nur sechs bis sieben Zentimeter groß wird. Meist zeigen die Weibchen auch eine intensivere schwarze Zeichnung als die Männchen.

Ein idealer Aquarienfisch

Wer es mit seinen "Thomasi" gut meint, setzt sie als einzige Bewohner in ein gut eingerichtetes, mittelgroßes Aquarium von etwa 80 x 25 Zentimeter Grundfläche mit weichem Wasser. Für ein Paar reicht allerdings auch schon ein nur halb so großes Becken. Aber jeder Aquarianer kennt die Grundregel: ein Aquarium kann zu klein sein, nie aber zu groß! Jedenfalls, soweit es die Fische betrifft!

In kleinen Becken können die "Thomasi" anfangs oft sehr scheu sein und bei fast jeder Handbewegung im Pflanzendickicht oder hinter vorsorglich errichteten Steinaufbauten verschwinden. Wer mit seinen Thomasi nicht züchten möchte, kann sie gut auch mit anderen friedlichen Fischen in ein Gesellschaftsaquarium geben. Ein Becken mit den Maßen 120 x 40 x 50 Zentimetern ermöglicht nicht nur die Vergesellschaftung mit mittelgroßen Barben und Salmlern, sondern auch ein problemloses Zusammenleben von zwei erwachsenen Thomasi-Männchen.

Für Zuchtversuche allerdings ist ein Extraaquarium angesagt. Durch reichliche Lebendfuttergaben, durch Erhöhung der Temperatur auf etwa 28° C und durch Frischwasserzugaben kann man dem Laichtrieb ein wenig nachhelfen.

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Das Weibchen klebt Ei neben Ei auf die Schieferplatte. Deutlich ist auf ihrem Körper die rote Punktzeichnung zu erkennen, die beim Männchen weit schwächer ausgebildet ist - jedenfalls bei dieser thomasi-Form.

Die Laichreife kündigt sich beim Weibchen durch seine besondere Körperfülle an. Beide Partner glänzen nun in ihren prächtigsten Farben. Die Weibchen zeigen an den Seiten des Vorderkörpers meist drei intensiv rot leuchtende Punktreihen. Dagegen findet man bei den Männchen nur ganz vereinzelt rote Punkte am Körper. Im Gegensatz zu ihren Partnern haben die Weibchen auch direkt vor ihren ein oder zwei goldglänzenden Flecken auf den Kiemendeckeln eine fast genauso große kräftig rote Zone. Es scheint aber so, dass diese Unterschiede keineswegs für alle "Thomasi"-Rassen gelten. Da gibt es also offensichtlich herkunftsbedingte Unterschiede. Einige Lokalformen sind durch eine kräftig rot gezeichnete Punktreihe über dem Kiemendeckel ausgezeichnet.

An dieser Stelle kurz etwas zur Herkunft unserer kleinen Buntbarsche. Wie ihr deutscher Name schon sagt, kommen sie aus Afrika. Hier leben sie in den Regenwaldgebieten im äußersten Westen, in Sierra Leone, Südost-Guinea und in West-Liberia. Die Fische sind speziell in Sierra Leone recht häufig. Man trifft sie in fast allen verschiedenen Gewässertypen an. Kein Wunder, dass die Fische sich auch im Aquarium als recht anpassungsfähig erweisen.

Das Fortpflanzungsverhalten der Thomasi

Nun aber zur Beschreibung des Laichgeschäfts! Als Laichsubstrat wirf irgendein fester Gegenstand ausgewählt und zunächst geputzt. Es handelt sich hierbei zumeist um einen Stein, oft auch um ein größeres Wasserpflanzenblatt.

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Afrikanischer Schmetterlingscichlide - hier schwimmt das Männchen über das Gelege um es zu besamen.

Das Ablaichen erfolgt auf eine Art, die für die allermeisten Offenbrüter typisch ist: Nach dem Putzen des Substrats gleitet das Weibchen wiederholt über den Stein, beziehungsweise das Blatt, und heftet dabei jeweils eine Reihe tarnfarbener Eier ab. Währenddessen kümmert sich das Männchen um die Revierverteidigung. Es kommt nur gelegentlich, um über die Eier hinwegzugleiten und sie zu besamen. In dieser Zeit übernimmt dann das Weibchen die Kontrolle über das Revier.

Nach dem Ablaichen erweisen sich die Weibchen zunächst als sehr intensive Brutpfleger. Die Männchen dagegen scheinen nicht allzuviel von der Brutpflege zu halten. In einigen Fällen bekommen die Weibchen aber Streit mit ihren Partnern. Dann mußten sie das Feld räumen und dem Männchen die Brut überlassen.

Die Fortsetzung der natürlichen Brutpflege kann man leider nur selten im Aquarium beobachten. In aller Regel fressen die Eltern ihre Brut spätestens mit dem Freischwimmen der Jungfische. Aber natürlich kann man mit seinen Tieren auch Glück haben und wirklich gut pflegende "Thomasi" bekommen. Aber das weiß man natürlich immer erst nachher!

Logisch, dass das Laichfressen keine normale Verhaltensweise sein kann. Es zeigt uns letztlich an, dass bei unserem Zuchtversuch irgendetwas nicht in Ordnung war. Vielleicht war es das Futter, eventuell auch eine ungünstige Wasserzusammensetzung. In den meisten Fällen liegt es aber wohl sicher daran, dass das Zuchtbecken zu klein war und dass sich die Fische hier nicht sicher fühlen konnten

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Der thomasi-Vater beteiligt sich auch am Betreuen des Geleges

Thomasi sind in dieser Hinsicht also durchaus anspruchsvoll. Wenn sie pflegen, sind sie wirklich aufmerksame Eltern, die sich auch beim Führen ihrer Brut regelmäßig ablösen. Die Eltern sind gewissermaßen gleichrangig, Vater und Mutter sind bereit, alle jeweilig anfallenden Aufgaben zu übernehmen. In solchen Fällen spricht man von Elternfamilien. Typisch für diese Familienform: beide Elternteile sind äußerlich nur auf den zweiten Blick zu unterscheiden. Das macht es den Kleinen leichter, ihren Eltern zu folgen. Ihr zunächst noch winziges Gehirn wäre am Anfang sicher überfordert, mehrere Elternbilder zu erkennen und ihnen zu folgen.

Die künstliche Aufzucht ist nicht schwer

Leider wird es oft nichts mit der natürlichen Aufzucht im Aquarium. Wer von seinen Thomasi Nachzucht haben will, muß den Laich oft rechtzeitig an sich nehmen und versuchen, ihn künstlich aufzuziehen. Die künstliche Aufzucht ist allerdings nicht schwer: Der Laich wird in ein separates Aufzuchtbecken überführt. Man sollte darauf achten, daß die Wasserwerte von Ablaich- und Aufzuchtbecken ungefähr übereinstimmen. Günstig ist es, nun ein Mittel gegen Laichverpilzung hinzuzugeben. Außerdem sollte man dafür sorgen, daß der Laich ständig in einer leichten Wasserströmung steht. Am besten erreicht man das, wenn man den Ausströmerstein einer Durchlüftung direkt neben den Laichstein stellt. Nun muß man täglich verpilzte Laichkörner und Larven absammeln. Das ist mühsam, aber notwendig.

Die Larven sind anfangs noch völlig hilflos und liegen mit heftig schlagenden Schwänzchen am Boden. Sie ernähren sich in diesem Stadium noch von dem Dottervorrat in ihrem Dottersack. Schließlich ist es aber so weit, und der Pulk der Kleinen erhebt sich vom Boden und beginnt richtig zu schwimmen. Das kostet Energie. Jetzt müssen die Kleinen sofort kräftige Nahrung bekommen. Mit Kunstfutter allerdings wird man sie nicht zum Fressen verführen können. Sie brauchen die Bewegung einer Beute, damit ihr Jagdinstinkt geweckt wird. Am besten verfüttert man frischgeschlüpfte Salzkrebslarven (Artemia salina). Jeder Zoohändler hält Salzkrebseier und die entsprechenden Zuchtanleitungen für Salzkrebschen bereit. Die Zucht dieser kleinen Krebschen ist die Voraussetzung für das Gelingen der Aufzucht unserer meisten Zierfische.

Zum Bildblock unten: Afrikanische Schmetterlingsbuntbarsche Anomalochromis thomasi beim Ablaichen. Bild unten rechts: Manchmal laichen die Fische auch auf der Oberseite von Cryptocorynen-Blättern. Das Gelege ist jetzt zwei Tage alt. Einige Eier sind abgestorben und daher verpilzt. Gute Brutpfleger unter den Fischen sammeln solche Eier ab, damit sie nicht die gesunden Laichkörner anstecken können.

 

© Dr. Jörg Vierke


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