Fischreisen - Dr. Fisch
 
 SUCHE:
 

Besucherzähler


»» Ancistrus Antennen-Harnischwels

Ancistrus_18.jpgAncistrus_17.jpgDer Antennen-Harnischwels Ancistrus spec.

© Dr. Jörg Vierke

Herkunft und Merkmale

Antennen-Harnischwelse sind bei Aquarianern außerordentlich beliebt. Sie wer­den oft vereinfacht als Antennenwelse bezeichnet. Das ist jedoch irreführend, denn bei Antennenwelsen handelt es sich um eine andere Welsfa­milie! Antennen-Harnischwelse sind ausgesprochen pflegeleicht, wenn man nur daran denkt, dass diese Fische eine gut funktionie­rende Filteranlage brauchen. Das Ancistrus­-Aquarium sollte nämlich immer klares, strö­mendes Wasser haben. Sie stammen aus stark fließenden Bächen Südamerikas. Da sie aber teilweise auch in weniger sauerstoffrei­chen, nur sehr langsam strömenden Fließge­wässern vorkommen, sind ihre Ansprüche geringer als man eigentlich annehmen sollte.

        Ancistrus_19.jpg
        Harnischwelse sind Bewohner schnell fließender Gewässer in Südamerika
         

Die korrekte Artbestimmung unserer Antennen-Harnischwelse ist alles andere als einfach! Früher sprach man ganz allgemein von Ancistrus dolichopterus. Inzwischen ist man meistens vorsichtiger und benennt sie Ancistrus spec., eine nicht näher bezeichnete Art aus der Gattung Ancistrus.

Ancistrus_1.jpg        
Ancistrus_2.jpg        
Ancistrus_3.jpg        
Ancistrus_5.jpg        
Ancistrus_6.jpg        
Ancistrus_16.jpg        
Sequenzen aus meinem Video über Antennen-Harnischwelse Ancistrus spec. Erklärungen dazu im Film (unten)!        
         

Unsere Antennen-Harnischwelse sind alles andere als bunt. Ihre Grundfarbe ist braun, auf der sich aber dunkle und helle Muster und Strukturen befinden. Ihre wenig aufre­gende Färbung machen sie durch ihr bizarres Äußeres und ihr Wesen jedoch mehr als wett. Selten sieht man sie im Freiwasser schwimmen, und wenn, dann nur, um von einem Substrat zum nächsten zu kommen. Antennen-Har­nischwelse saugen sich an der Oberfläche von Steinen und Blättern fest.

Das Saugmaul: Hierzu besitzen sie ein auffallen­des Saugmaul. Damit sind sie fast ständig lutschend auf der Suche nach Futter. Dieses Futter sind in erster Linie Algen - ein weiterer Punkt, der sie in den Augen der Aquarianer sympathisch macht. Andere Pflanzen bleiben von den Ancistrus in aller Regel unangetastet.

Zur Geschlechterunterscheidung: Besonders auffallend ist ihr großer, breiter Kopf, der bei erwachsenen Männchen auf der Oberseite mit zwei- bis dreifach verzweigten antennen­artigen Fortsätzen versehen ist, die oft zenti­meterlang werden können. Die Weibchen zei­gen dort, wo den Männchen Antennen wach­sen, lediglich kleine stumpfartige Auswüchse.

        Ancistrus_8.jpg
        Ancistrus_10.jpg
        Ancistrus_11.jpg
        Ancistrus_13.jpg
        Ancistrus_15.jpg
         

Friedliche Mitbewohner im Aquarium

Auch wenn Antennen-Harnischwelse relativ groß werden - sie erreichen immerhin Gesamtlängen von 14 Zentimetern -, sind sie durchweg friedlich gegenüber anderen Fischen. Man kann sie bedenkenlos mit klei­neren Arten zusammen halten - selbst kleine Zahnkärpflinge kommen in einem Becken mit Antennenwelsen hoch. Auch gegenüber ihrer eigenen Nachkommenschaft sind die Ancistrus absolut tolerant. So kann es gesche­hen, dass die Antennenwels-Population in einem Aquarium so weit anwächst, dass man gezwungen ist, Teile der Nachzucht zum Zoohändler zu bringen. Auch das aber ist kein Problem, Ancistrus sind fast immer gefragt!

Ein Revierfisch: Auch wenn Antennenwelse nicht gerade lebhafte Fische sind, haben sie doch gewisse Raumansprüche. Ein 100 Liter Aquarium ist das Minimum für ein Paar. Besser wären ein größeres Aquarium und mehr als ein Weibchen.

Schwierig wird es, wenn man in einem zu kleinen Aquarium zwei erwachsene Ancistrus-Männchen hält. Die bekämpfen sich dann wirklich bis aufs Blut, denn diese Fische sind territorial. In jedem Revier kann es nur ein erwachsenes Männ­chen geben und nur größere Aquarien ab mindestens einem Meter Kantenlänge bieten Platz für zwei Reviere.

Zur Ernährung: Man sollte glauben, dass diese Algen fressenden Bauchrutscher nicht allzu viel Energie brauchen und mit Futterresten zufrieden sind. Das wäre ein großer Fehler. Offenbar ist die Fortbewegungsweise der Antennen-Harnischwelse durchaus kräftezeh­rend. Sehr gern versammeln sich diese Fische um Grünfuttertabletten; daran darf man auch nicht sparen.

So fühlt sich der Harnischwels wohl

Drei Dinge gilt es noch zu beachten, wenn man auf Dauer Freude an seinen Ancistrus haben will: Sie brauchen eine Freifläche am Boden, die als Futterplatz für die zu Boden sinkenden Futtertabletten dient. Zweitens brauchen sie Holz in Form von Wurzeln. Die­se dienen erst in zweiter Linie als Unterstän­de. Offenbar brauchen diese Fische abgeras­pelte Holzteilchen als Ballast- oder Zusatz­stoffe für ihre Verdauung. Aber diese beiden Bedingungen sind leicht erfüllt, ebenso leicht wie die dritte Bedingung: Antennenwelse brauchen Tonröhren oder aber entsprechend große Bambusrohre. Die Röhren sollten etwa bleistiftlang sein und ihr Durchmesser gerade so groß, dass ein Ancistrus-Männchen in die Höhle einschwimmen kann und sie dann bequem mit seinem breiten Kopf verschließen kann. Das entspricht etwa einem Durchmesser von 4 bis 5 Zentimetern. Ersatzweise werden auch Kunststoffröhren angenommen.

Das Fortpflanzungsverhalten: Bei guten Haltungsbedingungen, ist es nur eine Frage der Zeit, dass das Ancis­trus-Männchen mit einem seiner Weibchen ablaicht. Eines Tages wird man bemerken, dass das Männchen die Höhle nur noch für kurze Zeit zum Fressen verlässt. Die übrige Zeit wedelt es mit den Flossen und strudelt so Wasser in den Innenbereich der Höhle. Sobald das Männchen die Höhle verlässt, kann man mit Hilfe einer Taschenlampe den Pulk orangefarbener Eier im hinteren Teil der Höhle erkennen. Die Eier haben einen Durch­messer von etwa 2,5 sind also relativ groß. Bei einem Laichakt können bis zu 150 Eier zusammenkommen.

Zur Brutpflege: In diesem Stadium kann man die Höhle mitsamt dem Männchen in ein gesondertes Aufzuchtbecken überführen. Das ist vor allem dann nötig, wenn Cichliden oder andere Beifische im Gesellschaftsaqua­rium sind, die dem Ancistrus-Nachwuchs nachstellen würden. Bei der Überführung muss sichergestellt sein, dass der Laich die ganze Zeit im Wasser bleibt - mit Hilfe einer Schüssel ist das leicht zu bewerkstelligen (vgl. Video!). Wenn die Brutröhre mitsamt dem Vater dann in ein Aquarium mit Wasser überführt wird, das direkt dem anderen Becken entnommen wurde, wird das Gelege fast immer anstands­los weitergepflegt.

Die Entwicklung der Jungtiere: Die Jungen schlüp­fen nach fünf bis sechs Tagen und nach wei­teren sieben bis zehn Tagen haben sie ihren Dottersack aufgezehrt und sie verlassen die Bruthöhle. Sie sind nun schon kleine Abbilder ihrer Eltern. Jetzt kümmert sich der Vater nicht mehr um die Nachkommenschaft und wir können ihn, falls wir ihn mit ins Zuchtaquari­um verfrachtet hatten, wieder zu seinem Harem zurücksetzen.

Ancistrus_gif.gifEs ist auch möglich, die Kleinen ohne den Vater aufzie­hen. In diesem Fall soll­te man die Eier im gut durchlüfteten Auf­zuchtbecken in ein Sieb geben. Wichtig: Die Eier sollten nicht zu sehr dem Licht ausge­setzt sein, man muss sie also abschatten. Abgestorbene, also verpilzte Eier, müssen dann regelmäßig abgesammelt werden. Natürlich sollte man in dieser Situation nicht versäumen, dem Aquarienwasser ein Mittel gegen Laichverpilzung zuzugeben (Zoofach­handel!).

Die kleinen Antennen-Harnischwelse neh­men bereits dasselbe Futter wie ihre Eltern. Mit auf vorwiegend pflanzlicher Basis herge­stellten Trockenfutter-Tabletten, kleinem Lebendfutter, zerdrückten Erbsen sind sie leicht aufzuziehen. Immer sollte man darauf achten, dass gut gefiltert und häufig das Was­ser gewechselt wird. Im Artbecken braucht man sich nicht gesondert um die heranwach­senden Jungwelse zu kümmern.

Text weitgehend aus meinem Buch "Welse" übernommen

© Dr. Jörg Vierke


Hier ein ausführlicher Film über Haltung und Zucht der Antennen-Harnischwelse: