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Der Zebrabuntbarsch (Amatitlania nigrofasciata)

von Dr. Jörg Vierke

Amatitlania_nigrofasciata...Die meisten Schwierigkeiten dürfte man bei diesen wirklich idealen Aquarienfischen mit ihrer korrekten Bezeichnung haben. Aber die Namen sind wichtig, denn wie will man sonst Informationen einholen oder den gewünschten Fisch bekommen!? Mit „Zebras“ kommt man nicht weiter! Da bekäme man vermutlich Zebrabärblinge. Und Zebrabuntbarsche? Dann könnte man den aus Afrika stammenden Blauen Malawibuntbarsch Pseudotropheus zebra erhalten. Gelegentlich benutzt man den deutschen Namen „Grünflossenbuntbarsch“. Aber wie die Fotos zeigen, ist auch diese Bezeichnung nicht wirklich hilfreich.

Im Zweifelsfall helfen die wissenschaftlichen Namen weiter. Die Art, von der die Rede ist, heißt wissenschaftlich Amatitlania nigrofasciata. Früher nannte man sie Archocentrus nigrofasciatum und davor jahrzehntelang Cichlasoma nigrofasciatum.

 


Amatitlania_nigrofasciata...

"Kongo-Cichlide, ein xanthoristischer Amatitlania nigrofasciata
   

So klein ist er gar nicht, der Amatitlán-See in Guatemala. Mit 15 km² Fläche und einer Länge von 11 km ist er doppelt so groß und so lang wie der Tegernsee. Der Amitatlán-See beziehungsweise die am Westufer des Sees gelegene Stadt Amitatlán sind Geber des wissenschaftlichen Gattungsnamens der hier lebenden Buntbarsche: Amatitlania nigrofasciata.

Buntbarsche oder Cichliden gehören seit vielen Jahrzehnten zu den beliebtesten Objek­ten der Verhaltensforscher. Natürlich haben sich auch die Aquarianer dieser Fischfami­lie schon seit langem bevorzugt gewidmet. Kein Wunder, denn wohl in den meisten Aquarianern steckt auch irgendwie der Drang, mehr über das Fischverhalten kennen zu lernen. Wer dieses Verlangen auch verspürt, der sollte es doch einmal mit den Zebra- oder Grünflossenbuntbarschen (Amatitlania nigrofasciata) versuchen! Dieser Buntbarsch kann speziell denjenigen Aquarianern, die sich intensiver mit ihrem Hobby befassen wollen und die nach der Zucht der ersten Lebendgebärenden mit dem Züchten von eierlegenden Arten beginnen wollen, nicht nachhaltig genug empfohlen werden. Zwar kann man mit der Zucht dieses Fisches keine Lorbeeren ernten, und auch der Ver­kauf der Jungfische wird nur wenig einbringen. Dafür aber kann bei dieser Art für den Zuchterfolg tatsächlich garantiert werden, wenn nur die minimalsten Grundregeln ein­gehalten werden. Hierzu sollen im Folgenden einige Anleitungen gegeben werden. 

Zebrabuntbarsche leben nicht nur im Amititlán-See. Sie sind im größten Teil Mittelamerikas von Guatemala bis Westpanama anzutreffen. Allerdings gibt es in den verschiedenen Gebieten Lokalrassen, die unserer gewöhnlichen "Aquarien-Wildform" nur noch entfernt ähneln. Immer wieder werden interessante Wildfänge dieser Art aber auch von nahe verwandten Arten von reiselusti­gen Aquarianern mit nach Deutschland gebracht. Seit Kurzem resultierte hieraus eine Anzahl von Neubeschreibungen: Neben Amatitlania nigrofasciata sind das A. kanna, A. coatepeque und A. siquia. Das sind alles sehr nahestehende Formen und es ist die Frage, ob diese Aufspaltung berechtigt ist und wie lange sie Bestand haben wird.

Darüber hinaus trifft man im Handel seit 2004 auf  "Gescheckte Zebrabuntbarsche", Zuchtformen, die in meinen Augen auch nicht entfernt mit der Naturform in puncto Schönheit mithalten können. Schon seit etlichen Jahren gibt es eine xanthoristische Zuchtform, die so genannten "Kongo Cichliden" - übrigens nicht zu verwechseln mit den echten Kongocichliden. Mit den Namen bei den Aquarienfischen ist es schon kompliziert! Noch schwieriger wird es, wenn man weiß, dass unsere Zebrabuntbarsche im Aquarium auch mit nahe verwandten Arten bastardie­ren und dass diese Nachkommen sich sogar fruchtbar weitervermehren. Solche Mischlin­ge sind von Zebrabuntbarsch A. nigrofasciata mit Cryptoheros spilurus und mit dem Feuermaulbuntbarsch Thorichthys meeki bekannt.




Amatitlania_nigrofasciata... Amatitlania_nigrofasciata...



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Amatitlania_nigrofasciata... Amatitlania_nigrofasciata...



Ablaichserie der Zebrabuntbarsche Amatitlania nigrofsciata:
Oben links das Männchen. Auf Bild 2 und 3 ist die Legeröhre 



des Weibchens gut zu sehen. Man beachte
die prächtigen Farben beim Weibchen!
         

Zur Größe der Zebra-Buntbarsche: Man kann bei der Haltung im 100-Liter-Aquari­um von Maximalgrößen um 8 Zentimeter ausgehen, bei guter Pflege in größeren Becken können sie aber auch größer werden und in den Schaubecken unserer Großaquarien er­reichen die Zebrabuntbarsche auch locker Maximalgrößen von 15 Zentimetern. Derar­tige Maßangaben sind natürlich abschreckend für diejenigen, die noch keine Erfahrun­gen mit Cichliden haben und sich erst mit ihnen anfreunden wollen. Es sei daher noch­mals nachdrücklich gesagt, daß die Fische diese Größen wirklich nur in Riesenaquarien erreichen können, nicht in unseren üblichen Zimmeraquarien. Bereits mit knapp vier Zentimetern Gesamtlänge sind die Zebrabuntbarsche fortpflanzungsfähig, und in unse­ren Normalaquarien erreichen die Tiere tatsächlich nur selten die doppelte Länge.

Nun aber zur Zucht! Wie eingangs schon angeführt, gibt es kaum Fische, die einfacher zu züchten sind. Die Zusammenstellung eines Paares ist bei drei bis vier Zentimeter großen Fischen viel leichter als bei allen anderen gängigen Cichlasoma-Verwandten. Bei der bei uns üblichen Aquarienform erkennen wir das Weibchen sehr leicht an den vielen hellgelben bis kupferroten Schuppen an den Bauchseiten. Dieses Merkmal ist meines Wissens untrüglich. Ferner haben die Weibchen in der Rückenflosse vielfach kräftige braunrote Partien. Bei älteren Tieren kann man die Geschlechter auch noch an anderen Merkmalen unterscheiden: an den viel länger ausgezogenen Rücken- und Afterflossen der Männchen, sowie an ihrem Stirnbuckel und ihrer ausgeprägteren Größe.

Zur Zucht brauchen wir ein möglichst nicht allzu kleines Aquarium. Zwar können wir ein kleines Paar auch schon in einem 15-Liter-Aquarium zum Ablaichen bringen, aber 40 bis 60 Liter sollten wir den Tieren schon gönnen! Ein ideales Aquarium wäre größer und vielfältig mit Steinen, Sand oder nicht allzu grobem Kies und mit Pflanzen ausgestattet. Die "Pflanzenfeindlichkeit" der Zebrabuntbarsche wird vielfach übertrieben. Natürlich sollte man nicht seine allerbesten Pflanzen in ein kleines Zuchtbecken einsetzen. Aber die allermeisten Pflanzen bleiben schon stehen, denn die Tiere graben zumeist nur in einem begrenzten Gebiet im Aquarium. In einem derart eingerichteten Aquarium werden die Fische bei Temperaturen von 22 bis 28° C sicher bald fortpflan­zungswillig. Drei Dinge sind aber noch zu beachten:

Amatitlania_nigrofasciata...
Der Zebrabuntbarsch-Vater mit seiner zahlreichen Nachkommenschaft
Archocentrus_nigrofasciat...  
Das brutführende Zebrabuntbarsch-Weibchen  

1. Verträgt sich das Paar? Normalerweise sind bei dieser Art keine ernsthaften Kompli­kationen zu erwarten. Sollte aber eines der Tiere fortlaufend heftig gebissen werden - es ist zumeist das Weibchen - dann müssen die Tiere getrennt werden. Nach einigen Tagen Trennung bei reichlicher Fütterung kann man es versuchen, die Tiere wieder zusam­menzusetzen.  Punkt 2: Zebrabuntbarsche sind starke Fresser und brauchen für den Laichansatz viel Nahrung. Aber keine Angst, Trockenfutter genügt völlig! Als drittes sollten wir nicht vergessen, den Tieren einen Laichstein in das Becken zu geben. Ein glatter, senkrecht stehender Stein wird bevorzugt. Gern nehmen die Fische auch liegende Blumentopfhöhlen als Laichplatz, denn die Fische laichen gern in Höhlen oder unter Baumwurzeln ab; oft wird bei der Gele­genheit euch einiges gegraben und gewühlt.

Bei allen mit der Fortpflanzung zusammen­hängenden Aktivitäten ist das Weibchen besonders eifrig. Doch auch das Männchen beteiligt sich sowohl an der Versorgung des Laichs, der Larven wie auch beim Hüten der freischwimmenden Brut.

Die Larven schlüpfen nach etwa 60 Stunden aus den Eiern. Der genaue Zeitpunkt ist von der Wassertemperatur abhängig. Bei höheren Temperaturen entwickelt die Brut sich schneller. Dann trägt die Mutter die Kleinen in einer Grube zusammen. Sehr gern ver­steckt sie ihre Brut dann irgendwo zwischen den Wurzeln einer halbausgegrabenen Wasserpflanze!

Ständig mit ihren kleinen Schwänzchen schlagend liegen die Larven nun hilflos am Bo­den der Grube. Ihr überdimensioniert erscheinender Dottersack ernährt sie jetzt, ver­hindert aber, daß sie sich gerichtet fortbewegen können. Aber die Zebra-Eltern sorgen eifrig, ja geradezu rührend dafür, dass sich kein ungebetener Gast der Kinderstube nä­hert.

Nach etwa vier Tagen ist der Dottersack aufgebraucht und die Kleinen beginnen, aus der Nestgrube auszuschwärmen. Das ist eine gefährliche Situation, wenn die Tiere nicht im Zuchtaquarium abgesondert sind, denn jetzt wird es immer schwieriger für die Eltern, ihre Brut zu verteidigen. Auf der Suche nach Nahrung gelangt die Großfamilie jetzt auch in weniger sichere Bereiche des Beckens. Aber die Jungen haben ein angeborenes Zusam­mengehörigkeitsgefühl. Das bewirkt, dass sie eng im Schwarm zusammenbleiben. So wird es den Eltern erleichtert, die Brut zu beschützen. In der Regel bleibt ein Alttier bei den Jungen und das andere durchkämmt die Außengebiete des Reviers nach eventuellen Feinden. Bei dieser Tätigkeit wechseln sich die Eltern gelegentlich ab, aber normaler­weise sieht man die Mutter mehr bei der Brut als den Vater.

Natürlich braucht die Brut jetzt viel Nahrung. Erfreulicherweise ist die Futterbeschaf­fung nicht schwer. Die Jungen können gleich nach dem Freischwimmen mit frisch ge­schlüpften Salinenkrebsen (Zuchtansatz mit Gebrauchsanleitung gibt es beim Zoohänd­ler!), später mit Trockenfutter gefüttert werden.

Bei einigen Aquarianern verläuft die Zebrabuntbarsch-Zucht allerdings anders. Es sind Zierfischfreunde, die ihr Wohnzimmeraquarium bewusst nicht zu dicht mit allen mögli­chen Fischen bevölkert haben und die auch auf besonders empfindliche Arten in diesen Becken verzichten. Dann nämlich kann man seinen Zebrabuntbarschen gestatten, auch im Gesellschaftsaquarium ihre Jungen aufzuziehen. Es gibt individuelle Unterschiede, aber die meisten Zebras benehmen sich ihren Mitbewohnern gegenüber ganz gesittet, und auch ihr Wühlen bleibt in erträglichen Grenzen. Zumeist werden unter diesen Ver­hältnissen sogar einige Jungzebras groß, ohne dass man für sie auch nur eine Hand rüh­ren müsste.


Literaturhinweis: Krahnefeld, L. (2009): DCG-Informationen Sonderheft 6: 35-42

© Dr. Jörg Vierke

 

Hier ein Film, eine animierte Diaschau zum Zebrabuntbarsch: