Fischreisen - Dr. Fisch
 
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Unterwegs am oberen Amazonas Ufer des Rio Ucayali; im Hintergrund der Andenhang

© Dr. Jörg Vierke

 

 

Amazonas - geheimnisvoller Urwald. Ich war neugierig, die Urheimat unserer meisten Aquarienfische kennenzulernen. Meine letzte Reise führte mich Ende 2006 an den Amazonas, meine erste war 1982. Nur von dieser ersten Expedition soll hier die Rede sein.

Ich war damals mit zwei weiteren Fisch-Interessierten unterwegs. Unsere Reise führte in den peruanischen Teil des Regenwaldes. Hier fließt einer der großen Amazonas-Quellflüsse, der Rio Ucayali. Die Bezeichnung „Quellfluss“ ist sicher irreführend, denn darunter stellt man sich leicht ein Bächlein vor. Der Rio Ucayali ist jedoch etwa dreimal so lang wie der Rhein!

,,Rio Ucayali" heißt ,,Mückenfluss". Entweder waren wir zur passenden Jahreszeit da oder wir hatten aus anderen Gründen Glück - jedenfalls konnte man sicher nicht von einer Mückenplage sprechen. Unangenehmer unter den Insekten waren da die Bremsen und die Feuerameisen. Letztere schienen an den Enden der Zweige nur darauf zu warten, dass ihnen ein Mensch mit ungeschütztem Arm in die Nähe kam. Campa-IndianerIhre Bisse brannten in der Tat wie Feuer und erinnerten an Bienenstiche. Apropos Bienen: Sie waren an vielen Stellen ausgesprochen unangenehm. Allerdings stachen sie nicht. Sie kamen in unglaublichen Mengen, um unseren Schweiß aufzusaugen. Unsere Arme und Beine waren zeitweilig mit einer dicken Schicht pelziger Bienen besetzt. Als Tierfreund ist man anfangs nach bemüht, sie einfach abzustreifen, aber mit der Zeit läßt die Rücksichtnahme deutlich nach! Aber die Insekten sollen nicht Thema dieses Berichtes sein. Hier, in den Urwaldbächen am oberen Amazonas, leben aber auch viele uns gut bekannte und manche selte­nen Fische und Aquarienpflanzen. Von ihren Vor­kommen in der Heimat und Erfahrungen bei der Haltung im Aquarium soll hier berichtet werden.

Wir lebten bei Chicosa als Gäste auf der Hazienda bei Señor Jaime Perez. Chicosa ist ein mitten im tropischen Regenwald liegendes lndianerdorf am Rio Ucayali, das nur auf dem Wasserweg oder mit dem Privatflugzeug zu erreichen ist. Zunächst erkundeten wir die Umgebung mit dem motorgetriebenen Einbaum, dem Pekepeke. Natürlich geht es auch dabei nicht ohne einen oder zwei ortskundige Indianer. Don Jaime sorgte dafür, dass wir nicht verloren gingen und stellte uns Greenhorns aufmerksame und freundliche Begleiter zur Seite.

Der Wels Tatia perugiae

Tatia perugiae

Ohne die Indianer und ihre Kenntnisse des Regenwaldes hätten wir - die wir uns doch als Fisch-Spezialisten ansahen - so manchen Fisch glatt übersehen. Ich denke hier vor allem an die noch nicht einmal fingergroßen Tatia perugiae. Es gibt keinen deutschen Namen für diese phantastisch bi­zarren Fische. Es sind hellblaue Welse mit großen schwarzen Punkten am ganzen Körper, einem leuch­tend gelben Rückenstachel und einer gelben Schwanzflosse. Die Indianer holten sie aus halbver­moderten Baumstümpfen, die im Wasser lagen, und aus ebenfalls im Wasser liegenden Schilfhalmen (,,Caña brava", Wildes Zuckerrohr), die sie mit der Machete aufschlugen. Im Innern der Pflanzen saßen die Fische - zumindest tagsüber. Über ihr Leben war - jedenfalls damals! - weiter nichts bekannt. Leider gelang es uns nicht, diese Welse lebend ins heimische Aquarium zu brin­gen.

An sandigen Flachufern trafen wir verschiedentlich Panzerwelse an. Sie lebten in größeren Trupps zu 50 und mehr Tieren. Wir fanden die Arten Corydoras aeneus, den bekannten Metallpanzerwels, C. tri­lineatus und C. elegans. Alle Arten habe ich mit nach Hause gebracht. Aus mir unbekannten Gründen star­ben die C. trilineatus ziemlich bald, die anderen Pan­zerwelse erfreuten sich lange Zeit bester Gesund­heit.

Corydoras trilineatus aus Peru
Corydoras trilineatus

Tagelang hatten wir das Gebiet fast nur vom Wasser aus erkundet. Für die Fahrt auf den Nebenflüssen ist eigentlich nur der Einbaum geeignet. Vom Wasser aus erscheint der Urwald wie eine undurchdringliche grüne Mauer aus verfilzten Pflanzen. Hier kommt von der Fluss-Seite Licht bis zum Bodengrund, daher ge­deiht das Unterholz hier so üppig. Wer jedoch diese Mauer aus Lianen, Sträuchern und meterhohen Grä­sern durchbrochen hat, lernt einen anderen Urwald kennen - einen Wald, der eigentlich ganz gut zu durchqueren ist, denn im trüben Dämmerlicht des Waldes können am Boden nur sehr wenige Pflanzen existieren. Dennoch ist ein Marsch durch den Urwald kein Spaziergang. Immer wieder hat man über Wur­zeln und umgekippte Riesenstämme zu klettern, dor­nige Lianen und sumpfige Bäche versperren den Weg, und ständig muss man vor stechenden Insekten auf der Hut sein.

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Fußgängerbrücke am oberen Amazonas, ein glitschiger Baumstamm!

Das wussten Horst und ich, als wir uns bei Don Jaime abmeldeten. Wir wollten nur mal kurz die Umgebung seiner Hazienda inspizieren. Don Jaime bestand dar­auf, uns einen Indianerführer mitzugeben - gut, dass er es tat. Es schlossen sich uns dann noch zwei wei­tere Campa-lndianer an - aber selbst diese Ortskun­digen verirrten sich. Acht Stunden waren wir schließ­lich unterwegs! Von Wespen und Feuerameisen zer­stochen, keuchend und nass von Schweiß und Schlamm erreichten wir schließlich wieder erschöpft die Hazienda. Die Indianer sahen gegen uns richtig ausgeruht und sauber aus. Dafür hatten wir aber Fische und Pflanzen in unseren Plastikbeuteln - und davon will ich berichten.

Unser ergiebigster Fangort hatte schnell seinen Na­men weg: das Studio. Nirgendwo im Wald war an Fo­tografieren zu denken - es war überall zu dunkel, selbst für 24-DIN-Filme **. Dann kamen wir zum Studio. Hier befand sich ein etwa 6 m breiter, nur ganz lang­sam strömender Bach. Damit man ihn trockenen Fu­ßes überqueren konnte, hatten die Indianer einen Baum gefällt. Auf seinem Stamm balancierend, konn­te man ans andere Ufer turnen. Wir haben später noch viele solche ,,Brücken" benutzt. Rückwirkend erscheint es mir fast wie ein Wunder, dass ich mit mei­nem Gepäck heil über all diese glitschigen Stämme und Stämmchen gekommen bin. Die Stammbrücke beim Studio war aber komfortabel; sie stammte von einem Urwaldriesen und war entsprechend breit. Da­her war auch eine Lücke ins Regenwalddach geris­sen, durch die etwas mehr Licht als üblich zum Bo­den drang. Hier konnte man also fotografieren, und davon haben wir Gebrauch gemacht. So also erklärt sich der Name „Studio“!

Beilbauchfisch Carnegiella marthaeVom Stamm aus sahen wir bereits Fische im Wasser schwimmen. Schnell hatten wir die ersten Salmler gefangen, die dort in kleinen Schwärmen unter dem Wasserspiegel dahinhuschten. Wir konnten sie nicht genauer bestimmen. Eine der Arten erinnerte mit ih­ren roten Augen an Laternenträger. Auch die andere war apart. Sie hatte orangefarbene Flossen und zwei kleine schwarze Flecken, einen am Ursprung der Schwanzflosse und einen weiteren in der Brustge­gend. Wir fischten auch einige der zierlichen Schwarz­schwingen-Beilbauchfische, Carnegiella marthae (Abb. links). aus dem Wasser sowie einige Zickzacksalmler, die bei uns unter dem Namen Copella metae bekannt sind. Von allen Fischen wurden einige konserviert, denn die endgültige Artbestimmung kann in vielen Fällen erst nach eingehender Untersuchung zu Hause durchgeführt werden. So fingen wir auch ei­nige noch sehr kleine Fischchen, die wir zunächst für junge Rivulus hielten. Wie sich später herausstellte waren es jedoch kleine Raubsalmler.

Kakadu Zwergbuntbarsch Apistogramma cacatuoides, MännchenNun hatte uns aber das Jagdfieber gepackt. Wir zo­gen die Jeans aus, und bald standen wir nur in Unter­hosen bis zu den Hüften im Wasser und kescherten. Die Füße waren im schlammig-sumpfigen und mit einer dicken Schicht von braunem, verrottendem Laub bedeckten Boden versackt. Die Blätterschicht reichte uns bis über die Knie. Mit dem großen Netz stocher­ten wir nun zwischen den Blättern, fischten schließ­lich das Laub gleich eimerweise heraus. Das Wasser war bald eine eintönig braune Brühe, aber zwischen den Blättern, meistens dort, wo die Ufer an Prallhän­gen etwas steiler waren, fanden wir eine große Zahl von Kakadu-Zwergbuntbarschen (Apistogramma ca­catuoides), junge und alte Tiere, Männchen (Abb. links) und Weibchen. Von dieser Art gibt es bekanntlich drei Va­rianten. Wir haben nur Tiere der rot-grauen Form ge­funden.

Kakadu Zwergbuntbarsch-Mutter am LaichIch habe etwa 20 Kakadu-Zwergbuntbarsche mit nach Hause gebracht, darunter waren etwa 14 Männ­chen. Mit einer Ausnahme hatten alle Männchen ein­farbige Schwanzflossen, nur bei einem Tier bildeten sich im oberen Teil der Schwanzflosse zwei orange­rote Flecken. Gefleckte und ungefleckte Exemplare kommen hier also nebeneinander vor. Auch die Weibchen sahen recht unterschiedlich aus, obwohl sie eindeutig alle zu dieser Art gehörten. Eines der Weibchen fiel besonders auf: Es hatte ständig leuch­tend gelb gefärbte Weichstrahlen in den Bauchflos­sen. Sonst sind sie nur gelegentlich bei brutpflegen­den Weibchen etwas gelber gefärbt. - Die Abb. rechts zeigt eine Kakadu-Zwergbuntbarschmutter aus Peru bei der Versorgung ihres Laichs. Weitere und ausführlichere Informationen über Kakadu-Zwergbuntbarsche hier >>> (interner Link).

Zwischen den Blättern fanden wir regenwurmartige, mal violett, mal dunkelgrau aussehende Welse von nur etwa 5 cm Länge. Sie haben sechs dünne, zier­liche Barteln, deren obere etwa die halbe Gesamtlän­ge des Tieres erreichten. Erst hielten wir diese Tier­chen für die berüchtigten Schmerlenwelse des Ama­zonas, die von den Einheimischen sehr gefürchtet werden, weil sie gelegentlich in die Harnröhren der Menschen eindringen. Da sie dann ihre Kiemenstacheln abspreizen, sind sie nicht ohne regelrechte Operation herauszuholen. Sie haben schon bei vielen Einheimischen zu einem schmerzhaften Tod geführt. Üblicherweise allerdings leben diese Fische schma­rotzend in den Kiemenhöhlen größerer Welse und wenn sie in die Harnröhren von im Wasser urinierenden Menschen einschwimmen ist es eine tragische Verwechslung - tragisch für beide Seiten, denn auch für die Welse ist das das Ende.

Regenwurmwelse Heptapterus mustelinus

Regenwurm-Welse Heptapterus mustelinus
Harlekinwels (Microglanis parahybae)
Harlekinwelse Microglanis zonatus

Unsere kleinen Welschen gehörten jedoch nicht zu diesen „Ungeheuern“. Die Schmerlenwelse haben eine weit zurückliegende Rückenflosse, unsere Regenwurm-Welse dagegen hatten ihre Rückenflosse in der vor­deren Körperhälfte. Es gehören, wie sich später herausstellte, zu den Heptapteridae, vermutlich zur Art Heptapterus mustelinus. Außerdem fischten wir einen jungen Gestreiften Messerfisch, Gymnotus carapo (Abb. weiter unten auf dieser Seite!) von gut 12 cm Länge aus dem Laub. Die kleinen Welse und den Messerfisch haben wir ebenfalls lebend heimbringen können.

Bei der Unterbringung der Regenwurm-Welse in mei­nem heimischen Aquarium hatte ich zunächst einen groben Fehler gemacht. Ich quartierte sie zusammen mit einem Paar der Kakadu-Zwergbuntbarsche und mit ebenfalls in diesem Gebiet gefangenen Harlekinwelsen, Microglanis zonatus * (Abb. rechts) in einem mittelgroßen, gut mit Steinhöhlen und Echino­dorus (Schwertpflanzen) ausgestatteten Aquarium ein. Auch der Messerfisch kam dazu. Er war offenbar sehr harmlos. Tagsüber hing er wie leblos dort, wo die Wasserpflanzen am dichtesten waren, und auch nachts habe ich ihn selten aktiv vorgefunden. Die Zwergbuntbarsche kamen bei guter Ernährung sehr schnell in Fortpflanzungsstimmung, laichten wieder­holt und zogen ihre Brut hoch.

Wo aber blieben die Regenwurm-Welse? Jeder von ihnen hatte sich in den Sand unter den Steinen eine winzige Höhle gewühlt. Die Tiere tauchten nur für Se­kunden blitzartig auf, wenn es galt, sich ein paar Tu­bifex-Würmchen zu holen. Dieses heimliche Leben führten sie sicher auch am Amazonas, dort aber nicht unter Steinen, sondern in der dicken Laubschicht am Grunde der Bäche und Tümpel.

Dass dieses zurückgezogene Leben der Regenwurm-Welse nötig war, merkte ich vor allem, als das Kaka­du-Zwergbuntbarsch-Männchen größer und größer wurde. Seine Lieblingsnahrung waren Regenwürmer, kaum kleiner als die Welse! - Natürlich habe ich dann die Welse aus dem Aquarium herausgefangen und in einem Minibecken untergebracht. Hier konn­ten sie sich ungestört durch andere Fische entfalten und lebten nun auch längst nicht mehr so versteckt wie vorher. Doch zurück zum ,,Studio"!

Schwarze Amazonas-Schwertpflanze Echinodorus parviflorus


Schwarze Amazonas-Schwertpflanzen Echinodorus parviflorus

Wir waren so auf die Fische fixiert, dass wir uns erst jetzt die Pflanzen genauer anschauten, die an einigen Stellen am lehmig-schlammigen Ufer in größerer Zahl wuchsen. Echinodorus, eindeutig Amazonasschwert­pflanzen! Aber welche Art? Als Aquarianer kennt man normalerweise nur die Unterwasserformen. Diese hier standen aber im feuchten Boden außerhalb des Wassers und blühten, nur wenige standen noch mit ihren unteren Stängelteilen im Wasser.

Auch von diesen Pflanzen nahmen wir einige mit. Sie hatten langgestielte, kräftiggrüne Überwasserblätter. Im Aquarium wuchsen sie prompt an und bildeten hellergrüne Unterwasserblätter mit teilweise dekora­tiven dunklen Blattadern aus. Diese Unterwasserblät­ter waren fast stängellos und lanzettförmig. Unter Wasser starben die ehemaligen Überwasserblätter nach einiger Zeit ab, und aus den Blütenstängeln bil­deten sich Jungpflanzen. Wir hatten Schwarze Amazonasschwertpflan­zen (Echinodorus parviflorus) gefunden. Diese Echinodorus ist für mich eine der dankbarsten Aquarienpflanzen. Sie ist wüchsig und wird nicht zu groß. Dennoch ist sie mit wenig Licht zufrieden, treibt willig Jungpflanzen und stellt auch an die Wasserwerte keine besonderen Ansprüche.

Amazonas Schwertpflanze Echinodorus horizontalis

Am Fundort von Echinodorus horizontalis

Unweit von dieser Stelle, am Rande eines ausgetrockneten Bachbettes, trafen wir auf eine regelrechte Wiese, die nur aus Echinodorus bestand (Abb. rechts). Die Pflanzen waren aber deutlich größer als die E. parviflorus und hatten ge­stielte, herzförmig-breite Blätter. Es waren Echinodorus horizontalis. Der Artname nimmt auf die großen herzförmigen Blätter Bezug, die am Stielansatz fast waagerecht nach hinten abzuknicken scheinen. Die großwüchsige Pflanze wächst auch unter Wasser gut, ist aber nur für wirklich große Aquarien geeignet. Auch unter Wasser treibt sie ihre weißen Blüten.

Manche Leser warten sicher schon auf die Wasser­werte. Man glaubt, hieraus Schlüsse ziehen zu kön­nen auf die optimale Haltung der Tiere daheim. Im Studio-Bach floss das Wasser nur ganz langsam, kaum erkennbar. Wollte man das Wasser rein optisch einschätzen, würde man es irgendwo zwischen Klar- und Schwarzwasser einordnen. Die Temperatur war mit 23° C recht niedrig. Der pH-Wert betrug 6,5, der Leit­wert lag zwischen 48 und 49 Mikrosiemens.

Eine Stunde später fingen wir schöne Exemplare von Apistogramma cacatuoides in noch extremerem Wasser. Die Temperatur betrug 24° C, pH-Wert 6 und Leitwert 23 Mikrosiemens. Zu Hause habe ich diese Tiere ohne weiteren Aufwand bei 250 Mikrosiemens gezüchtet. Ich glaube nicht, dass ihnen diese Verhält­nisse weniger gut zusagten, denn wir fingen diese Art auch in der Yarina Cocha, einem seeartig erweiterten Seitenarm des Rio Ucayali bei Pucallpa, wo wir diese Tiere bei Wassertemperaturen von 30,5° C , einem Leitwert von 270 Mikrosiemens und einem pH-Wert von 7,1 antrafen! Natürlich sind nicht alle Arten an ihre jeweilige Umwelt so anpassungsfähig, aber was ich hier für die Apistogramma angebe, gilt entspre­chend für die Regenwurm-Welse, für Carnegiella marthae und verschiedene andere Welse und Salmler.

Gestreifter Messerfisch - Gymnotus carapo
Gestreifter Messerfisch, Gymnotus carapo
Lachssalmler Erythrinus erythrinus
Lachssalmler Erythrinus erythrinus

Unser Marsch durch den Urwald führte uns noch über viele Bächlein. Nicht an allen haben wir so ausgiebig gefischt wie beim ,,Studio". Die uns den Weg weisenden Indianer schlugen sich mit der Machete die Lianen aus dem Wege, aber leider nur bis zu ihrer eigenen Körperhöhe. Da ich etwas größer gewachsen bin, musste ich fast ständig Verbeugungen machen und hatte es oft nicht leicht, den leichtfüßig und schnell durch den Wald strebenden Eingeborenen nachzukommen. 

Bei einigen Gelegenheiten blieb ich überrascht ste­hen. Da wurde die stickige Treibhausluft durch einen Duft überdeckt, der einfach märchenhaft war, unbe­schreiblich schön und erfrischend, dass man glaubte, richtig Kraft tanken zu können für die nächste Stunde Dschungelmarsch. Das wäre was für die Parfümher­steller! Erzeuger dieses Duftes ist eine kleine Palmenart, erzählte uns später Señora Perez. Sie hätte schon immer mal solch eine Palme neben ihrem Haus anpflanzen wollen.

Am Nachmittag, als wir schon recht wandermüde wa­ren, erreichten wir schließlich einen Traktorweg mit tief ausgefahrenen Wagenspuren. Ihm gedachten wir bis zur Hazienda zu folgen. An einer Stelle kreuzte ein kleines Rinnsal den Weg. Hier staute sich in den Wegrillen das lehmtrübe Wasser. Horst und ich hät­ten nicht geglaubt, dass man hier große Erfolge beim Fischfangen haben könnte, aber die Indianer be­lehrten uns rasch eines Besseren. In kurzer Zeit hat­ten sie eine ganze Kollektion interessanter Arten zu­sammengekeschert, teilweise wurden die Tiere auch mit der bloßen Hand gefangen.

Der Autor mit einer Regenbogenboa als Halsband!

Vor allem fingen sie mehrere sehr schöne Schwielenwelse. Die grünlich glän­zenden Fische hatten auffallend rote Flossen. Dane­ben fingen wir einen kleinen Schwarm der großen, herrlich gefärbten Forellen­salmler (Copeina guttata) und einige Schlanksalmler der Art Pyrrhulina eleonorae sowie verschiedene Hemigram­mus.

Ein schöner Fang war ein etwa 15 cm langer Raubsalmler. Nachträglich war ich froh, dass ich hier nicht versucht hatte, mit den bloßen Händen zu fangen, denn diese Raubsalmler sind noch bissiger als Piranhas, und ihre Zähne sollen noch wesentlich länger sein. Es handelte sich hier um einen männlichen Lachssalmler, Erythrinus erythrinus. Nicht dieses Exemplar, aber ein später von meinen Freunden er­beutetes Tier aus derselben Gegend habe ich dann mit nach Hause genommen. Der Lachssalmler lebt jetzt in einem 100 Liter Aquarium - selbstverständlich ohne Beifische. Am Anfang war er sehr scheu. Wochenlang hat er sich nicht hinter einem großen Stein hervorgetraut, es dauerte Wochen, bis ich ihn zum ersten Mal fressen sah. - Heute frisst er lebende Regenwürmer jeder Größe und Brocken von rohem oder verarbeitetem Fleisch oder Fisch. Gern nimmt er auch tote Fische. Wenn sie ihm nicht ins Maul passen, beißt er sich Stücke aus ihnen heraus.

Meistens liegt er am Grunde seines Aquariums, auf kräftigen Brustflossen gestützt und beobachtet seine Umgebung aufmerksam Wenn ich ein Stückchen F­leisch durch den Futterschlitz fallen lasse, ist er blitzartig zur Stelle. Es versteht sich, dass ich den Finger rechtzeitig zurückziehe, und auch beim Scheibenreinigen bin ich natürlich besonders vorsichtig.

Zum Aussehnen und speziell zur Färbung dieses wun­derschönen Raubfisches will ich mich hier nicht wei­ter auslassen, das Foto zeigt alles Wesentliche. Der deutsche Name Lachssalmler bezieht sich natürlich auf die goldrot gefärbte Flanke dieses Tieres. – Weitere Anmerkungen zum Lachssalmler kann ich mir sparen, denn im Kapitel „Raubsalmler“ (Sektion "Andere Fischgruppen") ist bereits alles Wesentliche geschrieben.

Als wir müde und erschöpft bei Don Jaime ankamen, fing die eigentliche Arbeit erst richtig an: Das Ton­bandprotokoll musste vervollständigt werden, die Fische waren zu versorgen. Das geschah alles drau­ßen beim letzten Tageslicht, denn Strom gibt es in Chicosa nicht, und der Generator von Don Jaime war gerade nicht in Ordnung - meine Arbeit war ein Gau­di für alle Indianerkinder aus der Umgebung.


* Ich hielt die Tiere ursprünglich für Microglanis iheringi oder parahybae - und so werden sie in der Literatur gewöhnlich auch benannt. Es gibt laut "fishbase" 17 gültige Microglanis-Arten, alle sind sich vom Habitus her sehr ähnlich. fishbase zufolge ist zonatus die einzige Art der Gattung, die in Peru vorkommt.

** Mit den leistungsfähigen Digitalkameras hat man unter diesen Lichtverhältnissen heutzutage keine Probleme mehr! Aber damals war 1982!

© Dr. Jörg Vierke

letzte Überarbeitung 5. 9. 2012

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